Anne Applebaum

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Anne Applebaum (2013)

Anne Applebaum (* 25. Juli 1964 in Washington, D.C.) ist eine polnisch - US-amerikanische Historikerin und Journalistin. Ihre Arbeiten über die jüngere Geschichte Osteuropas und des Kommunismus wurden mehrfach ausgezeichnet.

Ausbildung und Beruf[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Applebaum besuchte die Sidwell Friends School, eine private Schule in Bethesda (Maryland). Nach ihrem Schulabschluss 1982 begann sie ein Bachelor-Studium der Geschichte und Literatur an der Yale University[1], das sie 1986 summa cum laude abschloss. Im Anschluss ging sie mit einem Marshall-Stipendium nach England, wo sie Internationale Beziehungen an der London School of Economics studierte. Ihren Master-Abschluss erhielt sie 1987.

Applebaum begann ihre journalistische Arbeit 1988 als Korrespondentin des Economist in Warschau. Von 2002 bis 2006 war sie Mitglied des Redaktionsausschusses der Washington Post.[2] Sie schreibt weiterhin Op-Eds für die Washington Post. Zudem hat sie für The New York Review of Books, The Wall Street Journal, The New York Times, The Financial Times, The International Herald Tribune, Foreign Affairs, The New Criterion, The Weekly Standard, The New Republic, The National Review, The New Statesman, The Independent, The Guardian, Prospect, Commentaire, Die Welt, Cicero, Gazeta Wyborcza, The Times Literary Supplement und weitere Zeitungen und Zeitschriften geschrieben.

Sie ist Mitglied des Beirats des Center for European Policy Analysis.[3] Applebaum war im Frühjahr 2008 Fellow an der American Academy in Berlin. Im selben Jahr wurde sie vom US-amerikanischen Magazin Foreign Policy zu den hundert einflussreichsten Intellektuellen gezählt.[4] In London leitete sie eine Abteilung des Legatum Institute, eines Thinktanks zur Förderung von Demokratie und Kapitalismus. Vom 11. bis 14. Juni 2015 nahm sie an der 63. Bilderberg-Konferenz in Telfs-Buchen in Österreich teil.

Sie hat an verschiedenen Hochschulen in den USA (Yale, Harvard, Columbia und Texas A&M, Houston), in Grossbritannien (Oxford, Cambridge, London und Belfast), in Deutschland (Heidelberg und Humboldt, Berlin), in Maastricht und Zürich gelehrt. 2012–2013 hatte sie den Phillipe Roman-Lehrstuhl für Geschichte und Internationale Beziehungen der London School of Economics inne.[5]

Positionen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Applebaum gebraucht klare Worte, um die Situation in Osteuropa um 2015 zu beschreiben. Russland unter Wladimir Putin sei eine raffinierte Diktatur. Der Krieg in der Ukraine sei zynisch, weil Putin damit versuche, den Westen einzuschüchtern und zu destabilisieren.[6] Sie kritisierte 2016 auch Donald Trump, weil er mit seinem rückwärtsorientierten, imaginären Amerikabild, der autoritären Sprache, Personenkult, Misstrauen und Rachsucht Verfassung, Justizsystem und Pressefreiheit untergrabe. Gleichzeitig drohe wegen der Schwäche der EU ein finsteres und intolerantes Europa.[7]

Bücher[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ihr Buch Gulag wurde 2004 mit dem Pulitzer-Preis ausgezeichnet. Sie ist Koautorin eines 2011 auf Englisch erschienenen Kochbuchs mit 90 polnischen Gerichten.[8] 2012 erschien ihre Studie über die Durchsetzung der sowjetischen Herrschaft im östlichen Mitteleuropa (Iron Curtain – The Crushing of Eastern Europe 1944–1956), die sich vor allem auf die Fallbeispiele Polen, Ungarn und Ostdeutschland konzentriert.

Ehrungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Familie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Applebaums Eltern sind Harvey M. Applebaum, ein Partner in der Anwaltskanzlei Covington and Burling, und Elizabeth Applebaum, geborene Bloom, die in der Corcoran Gallery of Art arbeitete. Applebaum beschrieb ihre Familie als jüdisch-reformiert.[9] Sie ist mit dem polnischen ehemaligen Außenminister und Sejmmarschall Radosław Sikorski verheiratet, hat mit ihm zwei Söhne und lebt seit 2006 in Polen. Seit 2013 besitzt sie neben der amerikanischen auch die polnische Staatsangehörigkeit.[10]

Schriften (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Between East and West: Across the Borderlands of Europe. Pantheon Books, New York 1994, ISBN 0-679-42150-5.
  • Gulag: A History. Doubleday, New York 2003, ISBN 0-7679-0056-1.
  • Iron Curtain: The Crushing of Eastern Europe, 1944–1956. Doubleday, New York 2012, ISBN 978-0-385-51569-6.
    • dt. Der Eiserne Vorhang: Die Unterdrückung Osteuropas 1944 - 1956. Übersetzt von Martin Richter. Siedler, München 2013. ISBN 3-8275-0030-3

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Anne Applebaum – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Anne Applebaum — Biographie auf der Website des Internationalen Literaturfestivals Berlin. Abgerufen am 1. März 2017.
  2. Anne Applebaum Biographie, Washington Post
  3. CEPA: International Advisory Council, abgerufen am 21. Januar 2017
  4. Top 100 Public Intellectuals, Foreign Policy, 15. Mai 2008
  5. http://www.anneapplebaum.com/anne-applebaum/
  6. Mathias Plüss: Die Schweiz hilft Russland, den Krieg in der Ukraine zu gewinnen. Anne Applebaum warnt davor, die Gefahren für Europa zu unterschätzen. Die amerikanisch-polnische Historikerin Anne Applebaum spricht Klartext. Das Magazin N° 14 - 4. April 2015, Tamedia, Zürich; Titelseite und Seiten 20-28
  7. Alan Cassidy und Philipp Loser: Es liegt etwas Ähnliches in der Luft wie in den 1930er-Jahren. Donald Trump wird Präsident der USA, die EU ist in ihrer schwierigsten Phase, und die radikale Rechte legt stark zu. Die amerikanische Historikerin Anne Applebaum sieht eine düstere Zukunft: Das Ende der Demokratie sei greifbar. Tagesanzeiger, Tamedia Zürich 27. Dezember 2016, Seiten 2-3
  8. From a Polish Country House Kitchen: 90 Recipes for the Ultimate Comfort Food.
  9. Inna Lazareva: Through a (communist) looking glass, then and now. In: Haaretz, 4. Januar 2013: "Applebaum stresses that 'I was brought up in a very reformed American Jewish family'".
  10. Anne Applebaum, żona Radosława Sikorskiego, została Polką. Onet.pl. 23. August 2013. Abgerufen am 22. Oktober 2013.