Aschraf Ghani

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Aschraf Ghani Ahmadsai im Juli 2014

Aschraf Ghani Ahmadsai (Ahmadsai ist der Stammesname; paschtunisch محمد اشرف غني احمدزی DMG Muḥammad Ašraf Ġanī Aḥmadzay, * 19. Mai 1949[1] in Logar) ist ein afghanischer Politologe und Präsident von Afghanistan.

Nachdem Ghani 2014 offiziell seinen Stammesnamen Ahmadsai abgelegt hat, wird seither meist einfach Mohammad Aschraf Ghani als Name verwendet.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Herkunft und beruflicher Werdegang[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Paschtune Aschraf Ghani studierte zunächst an der Universität Kabul und an der Amerikanischen Universität in Beirut (wo er seine Ehefrau Rula Ghani kennenlernte), bevor er mit einem Stipendium 1977 in die Vereinigten Staaten wechselte. Dort promovierte er an der Columbia University in New York in Kulturanthropologie.[2] Von 1983 bis 1991 lehrte er an der University of California, Berkeley und an der Johns Hopkins University Anthropologie und Politikwissenschaft. Später wechselte er zur Weltbank und half bei der Transformation in Russland, der Volksrepublik China sowie in Indien.[3]

Rückkehr nach Afghanistan 2001[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Dezember 2001 kehrte er nach seiner 24-jährigen Abwesenheit nach Kabul zurück, zunächst als UN-Sonderbeauftragter. Vom 2. Juni 2002 bis 14. Dezember 2004 war er Finanzminister und Ende 2002 zuständig für die Währungsreform des neuen Afghani. Er war vom 22. Dezember 2004 bis zum 21. Dezember 2008 Kanzler der Universität Kabul und im Jahr 2006 galt er als möglicher Kandidat für den Posten des UN-Generalsekretärs. Bei der Präsidentschaftswahl 2009 erhielt er etwa 3 % der Stimmen und kam damit auf den vierten Platz hinter Hamid Karzai, Abdullah Abdullah und Ramasan Bashardost. 2011 bekam er vom damaligen Präsident Hamid Karzai die Aufgabe zur Übernahme der Sicherheitsverantwortung für Afghanistan, die seit 2001 durch die International Security Assistance Force (ISAF) erfolgte.

Präsidentschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Aschraf Ghani mit Rajiv Shah und Karl W. Eikenberry
Präsident Aschraf Ghani mit Abdullah Abdullah und John Kerry, Juli 2014

Für die Präsidentschaftswahl 2014 ernannte er den für seine Brutalität bekannten usbekischen Warlord Raschid Dostum zu seinem Stellvertreter, um auch im nicht-paschtunischen Norden Stimmen zu erhalten. Früher hatte Aschraf Ghani Dostum als „Killer“ bezeichnet.[3] Im ersten Wahlgang am 5. April 2014 erreichte Aschraf Ghani knapp 32 % der Stimmen, sein Haupt-Gegenkandidat Abdullah Abdullah kam auf 45 %. Ghani war vor allem in den Siedlungsgebieten der Paschtunen erfolgreich, Abdullah dagegen in den persischsprachigen Landesteilen. Am 14. Juni 2014 fand eine Stichwahl zwischen Ghani und Abdullah statt, wobei die meisten anderen Kandidaten im Vorfeld sich für Abdullah ausgesprochen hatten. Es war daher eine ziemliche Überraschung, als das Wahlergebnis bekanntgegeben wurde, nach dem Ghani 56 % der Stimmen erreicht hatte. Dies bedeutete, dass Ghani im zweiten Wahlgang 20 % Stimmen hinzugewonnen hatte, während Abdullah sogar 3 % verloren hatte, und das, obwohl die meisten ausgeschiedenen Kandidaten Abdullah unterstützt hatten. Die Anhänger Abdullahs erkannten daraufhin das Ergebnis nicht an und sprachen von Wahlfälschung. In einem Kompromiss, der durch Vermittlung von US-Außenminister John Kerry zustande kam, einigten sich beide Seiten auf eine Neuauszählung der Stimmen.[4] Am 21. September wurde schließlich Ghani offiziell zum Sieger der Wahl erklärt, ohne dass genaue Zahlen des Ergebnisses der Stimmen-Neuauszählung bekanntgegeben wurden. Gleichzeitig wurde bekannt, dass das Amt des Premierministers im Rahmen eines Ausgleiches zwischen den beiden Kontrahenten mit einem Vertrauensmann Abdullahs besetzt werden soll.[5] Am 29. September 2014 wurde Ghani als Präsident vereidigt.

Weltgerechtigkeitsprojekt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Er ist Mitglied im Verwaltungsrat des World Justice Project. 2013 wurde Ghani bei dem “World Thinkers” Ranking des Magazins Prospect auf Platz 2 gelistet.

Privates[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Aschraf Ghani ist mit der libanesischen Christin Rula Ghani verheiratet und hat zwei Kinder, Tarek und Marjam Ghani.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Aschraf Ghani Ahmadsai – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. twitter.com
  2. Ashraf Ghani: Production and Domination: Afghanistan, 1747–1901. PhD Dissertation, Columbia University (1982). wordpress.com (PDF)
  3. a b Aschraf Ghani Ahmadsai. Abgerufen am 5. April 2014.
  4. Afghan presidential candidates agree vote audit. BBC News, 12. Juli 2014, abgerufen am 24. September 2014 (englisch).
  5. What the Afghan power-sharing deal means. BBC News, 21. September 2014, abgerufen am 25. September 2014 (englisch).