Budenheim

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Gemeinde Budenheim
Budenheim
Deutschlandkarte, Position der Gemeinde Budenheim hervorgehoben
Koordinaten: 50° 1′ N, 8° 10′ O
Basisdaten
Bundesland: Rheinland-Pfalz
Landkreis: Mainz-Bingen
Höhe: 86 m ü. NHN
Fläche: 10,61 km2
Einwohner: 8575 (31. Dez. 2016)[1]
Bevölkerungsdichte: 808 Einwohner je km2
Postleitzahl: 55257
Vorwahl: 06139
Kfz-Kennzeichen: MZ, BIN Vorlage:Infobox Verwaltungseinheit in Deutschland/Wartung/Kfz enthält Kleinbuchstaben
Gemeindeschlüssel: 07 3 39 009
Adresse der
Gemeindeverwaltung:
Berliner Straße 3
55257 Budenheim
Webpräsenz: www.budenheim.de
Bürgermeister: Rainer Becker (CDU)
Lage der Gemeinde Budenheim im Landkreis Mainz-Bingen
Breitscheid (Hunsrück)BacharachManubachOberdiebachOberheimbachNiederheimbachWeiler bei BingenTrechtingshausenWaldalgesheimMünster-SarmsheimBingen am RheinIngelheim am RheinBudenheimHeidesheim am RheinWackernheimGrolsheimGensingenHorrweilerAspisheimWelgesheimZotzenheimBadenheimSprendlingenSankt Johann (Rheinhessen)Wolfsheim (Gemeinde)OckenheimGau-AlgesheimAppenheimNieder-HilbersheimBubenheim (Rheinhessen)Ober-HilbersheimEngelstadtSchwabenheim an der SelzJugenheim in RheinhessenStadecken-ElsheimEssenheimOber-OlmKlein-WinternheimNieder-OlmSörgenlochZornheimBodenheimGau-BischofsheimHarxheimNackenheimLörzweilerMommenheim (Rheinhessen)HahnheimSelzenNiersteinOppenheimDienheimDexheimDalheim (Rheinhessen)KöngernheimFriesenheim (Rheinhessen)UndenheimUelversheimUelversheimLudwigshöheGuntersblumWeinolsheimDolgesheimEimsheimHillesheim (Rheinhessen)WintersheimDorn-DürkheimRhein-Lahn-KreisHessenMainzRhein-Hunsrück-KreisLandkreis Bad KreuznachDonnersbergkreisLandkreis Alzey-WormsKarte
Über dieses Bild

Budenheim ist eine verbandsfreie Gemeinde im Landkreis Mainz-Bingen in Rheinland-Pfalz. Zum 31. Dezember 2016 lebten hier knapp 8600 Menschen[1], womit Budenheim zu den größten Gemeinden Rheinhessens zählt. Budenheim ist ein staatlich anerkannter Fremdenverkehrsort und gemäß Landesplanung als Grundzentrum ausgewiesen.[2]

Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Geographische Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Gemeinde Budenheim ist die einzige verbandsfreie Gemeinde im Landkreis Mainz-Bingen, die keinen Stadtstatus hat. Sie liegt in Rheinhessen neun Kilometer westlich der rheinland-pfälzischen Landeshauptstadt Mainz am Rhein, begrenzt vom nördlich vorbeifließenden Rhein und dem Lennebergwald, der den Wohnort Budenheim von Süden bis Westen markiert. Drei Kilometer südöstlich der Gemeinde liegt der Mainzer Stadtteil Gonsenheim, vier Kilometer südlich Mainz-Finthen. Auf der gegenüberliegenden Rheinseite liegt das zum hessischen Rheingau-Taunus-Kreis gehörende Walluf.

Höchste Erhebung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die höchste Erhebung Budenheims ist der 176,8 m hohe Lenneberg im Lennebergwald. Auf dem Lenneberg steht der im Jahr 1880 eingeweihte Lennebergturm.

Geologie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Budenheim liegt im Norden des linksrheinischen Teils des Mainzer Beckens. Das Mainzer Becken ist eine ehemalige Senke am Nordwestrand des Oberrheingrabens, die im Tertiär infolge der Fernwirkung der Alpenbildung entstanden ist. Die Ablagerungen des Mainzer Beckens bestehen überwiegend aus vollmarin bis brackisch-marinen Siliziklastika des Oligozäns und brackisch-marinen Kalksteinen des Miozäns. Eine spätoligozäne konglomeratisch-sandige Schichtenfolge im Norden des Beckens, die vormals als Milchquarzschotter bezeichnet wurde, trägt heute nach ihrer Typlokalität bei Budenheim den Namen Budenheim-Formation.[3] Miozäne Kalksteine sind bis in die 1960er Jahre im Steinbruch Budenheim abgebaut worden.

Das Budenheimer Nashorn[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Rekonstruktion des Skelettes des Budenheimer Nashorns (Kopie im Mainzer Naturkundemuseum)

Im „Littorinellenkalk“[4] (entspricht den Inflata-Schichten und den Hydrobien-Schichten der moderneren Nomenklatur) des Mainzer Beckens bei Budenheim wurde 1911 ein etwa 20 Millionen Jahre altes Nashornskelett aus dem frühen Miozän entdeckt. Es handelt sich um ein weitgehend vollständiges, 85 cm hohes Exemplar der ausgestorbenen, hornlosen, tapir­ähnlichen Art Protaceratherium minutum.[5] Ursprünglich wurde das Budenheimer Nashorn als Vertreter der Spezies Rhinoceros (Ceratorhinus) tagicus bestimmt,[4] womit die Annahme verknüpft war, es sei ein enger Verwandter des rezenten Sumatra-Nashorns (Dicerorhinus sumatrensis – der Gattungsname Ceratorhinus ist ein jüngeres Synonym von Dicerorhinus). Eine Stellung in der „primitiven“ Gattung Protaceratherium schließt eine engere Verwandtschaft mit den rezenten Nashörnern aber aus.

In Budenheim sind auch zahlreiche andere miozäne Wirbeltierfossilien gefunden worden. Die meisten stammen von Säugetieren, aber einige stammen auch von Krokodilen. Das Originalexemplar des Budenheimer Nashorns, einer der weltweit am besten erhaltenen und komplettesten Funde von Nashörnern aus dem Miozän, wird im Senckenberg-Museum in Frankfurt am Main ausgestellt. Im Naturhistorischen Museum Mainz steht eine exakte Kopie.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Ort wurde als „Butenheim“ im Lorscher Codex in einer Auflistung der Besitztümer der Abtei Lorsch, die diese im 8. Jahrhundert in und um Mainz hatte (Urkunde-Nr. 1977), als einziger Eintrag und ohne Jahresangabe urkundlich erwähnt. Im Mittelalter war Budenheim ein Lehen der Rheingrafen, ehe Graf Siegfried II. 1272 die Ortschaft dem Kloster Eberbach vermachte. Zwanzig Jahre später fiel Budenheim an die Abtei Altmünster, deren Äbtissinnen die nächsten Jahrhunderte das Geschehen bestimmten.

Ab 1563 gehörte der Ort zum Mainzer Erzstift. Die Altmünsterabtei verlor ihren Einfluss endgültig im November 1781, als ihr Vermögen dem Mainzer Universitätsfonds übereignet wurde. Ab den 1850ern fasste mit dem Bau der Eisenbahnlinie Mainz-Bingen und dem Ausbau des Schiffsverkehrs die Industrialisierung Fuß in Budenheim. Seit den 1960er-Jahren geht zudem der Weinanbau, der die Gemeinde in früheren Jahrhunderten geprägt hatte, zunehmend zurück.[6]

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gemeinderat[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Rathaus in Budenheim

Der Gemeinderat in Budenheim besteht aus 24 ehrenamtlichen Ratsmitgliedern, die bei der Kommunalwahl am 25. Mai 2014 in einer personalisierten Verhältniswahl gewählt wurden, und dem hauptamtlichen Bürgermeister als Vorsitzendem.

Die Sitzverteilung im Gemeinderat:[7]

Wahl SPD CDU GRÜNE FDP GLB Gesamt
2014 6 12 4 2 24 Sitze
2009 6 12 2 4 24 Sitze
2004 6 13 2 3 24 Sitze

Bürgermeister ist seit 1998 Rainer Becker (CDU). Dieser kündigte am 30. August 2017 an, sein Amt zum 31. August 2018 niederzulegen.[8] Anfang März 2018 wurde der Beigeordnete Stephan Hinz (CDU) zu seinem Nachfolger gewählt.[9]

Gemeindepartnerschaften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Partnergemeinden sind Eaubonne in Frankreich und Isola della Scala aus Italien. Darüber hinaus wird mit der Stadt Wiesmoor in Ostfriesland eine freundschaftliche Beziehung gepflegt.

Kultur und Sport[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Budenheimer Blütenfest[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Budenheimer Blütenfest wird in Anlehnung auf die einsetzende Baumblüte jeweils am letzten April-Wochenende mit der Wahl einer Blütenkönigin seit 1955 gefeiert. Der Budenheimer Blütenkönigin stehen zwei Blütenprinzessinnen zur Seite, die für ein Jahr gemeinsam die Gemeinde Budenheim zu besonderen Anlässen repräsentieren.

Budenheimer Straßenfest[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Budenheimer Straßenfest hat seinen Anfang an der 1200-Jahr-Feier der Gemeinde Budenheim im Jahr 1978. Veranstalter dieses Volksfestes ist der Budenheimer Vereinsring und dessen angeschlossene Ortsvereine. Gefeiert wird das Straßenfest über einen Zeitraum von vier Tagen im alten Ortsteil jeweils am letzten Wochenende vor den rheinland-pfälzischen Sommerferien.

Budenheimer Kerb[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Budenheimer Kerb (Kirchweih) geht auf die Einweihung der katholischen Pankratiuskirche am 3. September 1747 zurück und wird jeweils über einen Zeitraum von vier Tagen jeweils am dritten September-Wochenende gefeiert.

Karnevalsvereine[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Budenheim gibt es zwei Karnevalsvereine: den Carneval-Club Budenheim (CCB) und die Dalles-Ehrengarde. Die Ehrengarde wurde 2007 als Sektion des Carneval-Clubs gegründet, ist seit 2013 aber eigenständig. Die Garde eskortiert diverse Fastnachtssitzungen in „Budenum un drumerum“ und veranstaltet einmal pro Karnevalssaison eine „Stehung“ in ihrem „Feldlager“ bei einem örtlichen Weinhändler.

Sport[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der größte örtliche Sportverein ist die TGM Budenheim, die unter anderem Tischtennis, Gymnastik, Turnen und Basketball anbietet. Daneben gibt es kleinere Sportvereine wie den FV Budenheim für Fußball, den Radsportverein Budenheim und die Sportfreunde Budenheim für Handball.

In Budenheim hat außerdem der Mainzer Golfclub sein Domizil. Die Anlage umfasst einen 18-Loch-Turnierplatz sowie einen öffentlichen 6-Loch-Kurzplatz und eine Driving Range.

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Blick in die Binger Straße

Wirtschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Chemische Fabrik Budenheim gehört zur Dr. August Oetker KG und ist seit Jahrzehnten einer der weltweit führenden Hersteller von reiner Phosphorsäure und Phosphaten. Seit Jahren ist das Budenheim in der internationalen Kommunikation Kürzel für die Fabrik und trägt den Gemeindenamen in die Welt.

Die Firma Bericap konzentriert sich auf die Herstellung von Kunststoffverschlüssen für die Lebensmittel-, Getränke-, Mineralöl-, chemische und pharmazeutische Industrie. Die BERICAP Gruppe wird von Budenheim in Deutschland aus geleitet, beschäftigt rund 2600 Mitarbeiter und betreibt mittlerweile 21 Produktionsstätten in 19 Ländern. Ergänzt wird die globale Präsenz durch Vertriebsstützpunkte in 70 Ländern. Das privat geführte Traditionsunternehmen BERICAP hat seinen Sitz seit 90 Jahren in Budenheim.

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Bahnhof in Budenheim
  • Die Bundesautobahn 643 wird nach circa 4 km an der Anschlussstelle Mainz-Mombach erreicht, die Bundesautobahn 60 nach circa 4 km an der Anschlussstelle Heidesheim/Budenheim.
  • Budenheim ist ein Haltepunkt für Nahverkehrszüge auf der Linken Rheinstrecke. Überwiegend halten hier Züge der Mittelrheinbahn. Die Fahrzeit nach Mainz Hauptbahnhof beträgt 7 bis 10 Minuten, die Fahrtzeit nach Bingen Hauptbahnhof beträgt ca. 20 Minuten (Stand 05/2010).
  • Budenheim ist Endstation der Stadtbuslinie 68 der Mainzer Verkehrsgesellschaft.[10] Die Fahrzeit vom Budenheimer Bahnhof nach Mainz Hauptbahnhof beträgt ca. 25 Minuten (Stand 12/2016). Im Juni 2018 wurde die bisher in Mainz-Mombach endende Buslinie 61 bis Budenheim verlängert und verkehrt dort im Stundentakt.[11][12]
  • Außerdem erreicht man Budenheim mit der Buslinie 620 der Omnibusverkehr Rhein-Nahe, die Fahrtzeit nach Mainz Hauptbahnhof beträgt ca. 14 Minuten.
  • Wegen der Sperrung der Schiersteiner Brücke bestand zwischen dem 19. Februar und dem 24. April 2015 zwischen Budenheim und dem hessischen Walluf eine Autofährverbindung über den Rhein.[13]

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Budenheim – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Statistisches Bundesamt – Anzahl der Einwohner in den Kommunen am 31. Dezember 2016 (Hilfe dazu).
  2. Statistisches Landesamt Rheinland-Pfalz – Regionaldaten
  3. P. Schäfer, D. Kadolsky: Zur Gliederung eines Tertiärprofils von Budenheim bei Mainz, insbesondere zur stratigraphischen Stellung und Genese der „Milchquarzschotter“ (Oberoligozän) im nordwestlichen Rheinhessen (Mainzer Becken) (= Mainzer naturwissenschaftliches Archiv, Beihefte. Band 21). 1998, S. 115–132.
  4. a b Frédéric Roman: Le Rhinoceros (Ceratorhinus) tagicus du Musée de Francfort-sur-Main (Oligocène supérieur de Budenheim, prés Mayence) (= Bulletin de la Société géologique de France (4. Serie). Band 14). 1914, S. 349–365 (französisch, upmc.fr [abgerufen am 2. April 2018]).
  5. Pierre-Olivier Antoine, Damien Becker: A brief review of Agenian rhinocerotids in Western Europe. In: Swiss Journal of Geosciences. Band 106, 2013, S. 135–146, doi:10.1007/s00015-013-0126-8 (englisch, alternativer Volltextzugriff bei ResearchGate [abgerufen am 2. April 2018]).
  6. Budenheim in regionalgeschichte.net
  7. Der Landeswahlleiter Rheinland-Pfalz: Kommunalwahl 2014, Stadt- und Gemeinderatswahlen
  8. Dieter Oberhollenzer: Budenheimer Bürgermeister Becker kündigt Rücktritt an. In: Allgemeine Zeitung. 30. August 2017, abgerufen am 2. April 2018.
  9. Torben Schröder: Stephan Hinz (CDU) gewinnt Bürgermeisterwahl in Budenheim. In: Allgemeine Zeitung Mainz. 4. März 2018, abgerufen am 2. April 2018.
  10. MVG Buslinie 68
  11. Mit der Linien(sic) 61 direkt von Budenheim nach Mainz, Verlagsgruppe Rhein Main
  12. MVG Buslinie 61
  13. Schiersteiner Brücke offen – Fährbetrieb und Zusatzzüge über den Rhein entfallen. In: FAZ Rhein-Main. 21. April 2015, abgerufen am 2. April 2018.