Bahnhof Bayerisch Eisenstein / Železná Ruda-Alžbětín

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Bayerisch Eisenstein
Železná Ruda-Alžbětín
Bahnhof Bayerisch Eisenstein CZ 2012 06 18.jpg
Bahnhof mit tschechischer Hälfte im Vordergrund
Daten
Bauform Durchgangsbahnhof
Bahnsteiggleise 3
Abkürzung
(Deutschland)
NBEI
IBNR 8000830
Kategorie 6
Eröffnung 20. Oktober 1877
Lage
Ort (Deutschland) Bayerisch Eisenstein
Ort (Tschechien) Železná Ruda
Land (Deutschland) Bayern
Region (Tschechien) Plzeňský kraj
Staat Deutschland und Tschechien
Koordinaten 49° 7′ 18,4″ N, 13° 12′ 32,5″ O
Höhe (SO) 722 m
Eisenbahnstrecken

Der Bahnhof Bayerisch Eisenstein / Železná Ruda-Alžbětín ist ein Grenzbahnhof zwischen Deutschland und Tschechien unter den Adressen Bahnhofstraße 54, Bayerisch Eisenstein / Debrník 30, Železná Ruda. Er verbindet die von der Bayerischen Ostbahn 1874 begonnene und von den Königlich Bayerischen Staats-Eisenbahnen vollendete Bayerische Waldbahn PlattlingBayerisch Eisenstein und die von der Eisenbahn Pilsen–Priesen(–Komotau) erbaute Eisenbahnstrecke Pilsen–Markt Eisenstein (heute: Železná Ruda). Die Staatsgrenze zwischen Deutschland und Tschechien verläuft mitten durch das Bahnhofsgelände mit dem Empfangsgebäude.

Vor der deutschen Besetzung der sogenannten „Rest-Tschechei“ im Jahr 1939 hieß der Bahnhof nur Eisenstein. Die Umbenennung in Bayerisch Eisenstein erfolgte am 1. Oktober 1939.[1]

Bau[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bahnhofsgebäude mit Grenzlinie auf der Straße
Der Bahnhof um 1880

Grundlage dieser Bahnverbindung ist der Bayerisch-Österreichische Staatsvertrag vom 30. März 1873. Auf böhmischer Seite baute die Eisenbahn Pilsen–Priesen(–Komotau) das bis zur Grenze fehlende Streckenstück von Neuern her zum Bahnhof Eisenstein und eröffnete es am 20. Oktober 1877. Auf deutscher Seite wurde nach der Verstaatlichung der bayerischen Ostbahngesellschaft zum 10. Mai 1875 die Strecke von der Bayerischen Staatsbahn vollendet und das letzte Streckenstück von Ludwigsthal nach Eisenstein am 15. November 1877 dem Verkehr übergeben.

Erst gegen Ende des Streckenbaus vereinbarten die beiden Bahngesellschaften am 17. Mai 1877 Einzelheiten zu den großen Gleisanlagen für den Übergabebetrieb und für den Bau des sehr großen Empfangsgebäudes. Dazu musste das örtliche Gelände mit über 250.000 m³ Erdreich aufgefüllt und eingeebnet werden. Das Empfangsgebäude wurde mit seinem Mittelteil genau auf der Grenze erbaut. Daran schließt sich auf beiden Seiten jeweils ein Gebäudeflügel der jeweiligen Bahngesellschaft an. Die Wartesäle wurden dem damaligen Stil entsprechend sehr repräsentativ gestaltet. Im Wartesaal der 1. Klasse befindet sich die größte erhaltene Kölner Decke. Fertiggestellt wurde der Bahnhof im Jahr 1878. Auf seiner Südseite liegt westlich des Gleisfelds, das anfangs neun, später elf Gleise hatte, der Ringlokschuppen mit Drehscheibe. Dort stellt heute der Bayerische Localbahn Verein im Bayerischen Localbahnmuseum mehr als 20 Fahrzeuge aus der Lokalbahnzeit aus.

Betrieb[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bis 1945[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Bahnstrecke war als die kürzeste Bahnverbindung zwischen Prag und München konzipiert; wegen der starken Steigungen und der engen Bögen vor allem auf böhmischer Seite erlangte sie jedoch nicht die ihr zugedachte Bedeutung. Einen grenzüberschreitenden Zugverkehr hat es bis 2006 nicht gegeben, auch nicht nach der zwangsweisen Angliederung des Sudetenlandes an das Deutsche Reich im Jahre 1938. Nur um die Jahrhundertwende 1900 fuhren für einige Jahre durchgehende Kurswagen München-Prag über die Strecke. Der durchgehende Güterverkehr beschränkte sich auf die Region.

Eiserner Vorhang[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs kam der grenzüberschreitende Zugverkehr völlig zum Erliegen. 1953 wurde von der Tschechoslowakei ein Drahtzaun quer über die Bahnanlagen gezogen und die Gleise unterbrochen. Selbst im Empfangsgebäude hatte man die Trennung durch Mauern vollzogen. Die tschechischen Personenzüge endeten nun im einige Kilometer nördlich der Grenze gelegenen Bahnhof Železná Ruda (Markt Eisenstein). Die DB fuhr mit ihren Zügen bis zum Prellbock am Grenzzaun und nutzte die südliche Hälfte des geteilten Empfangsgebäudes. Der Dampfbetrieb der DB bis Bayerisch Eisenstein endete für den Personen- und Güterverkehr in den 1970er Jahren. Es blieben für lange Zeit die Schienenbusse, diese wurden später durch Diesellokomotiven mit n-Wagen abgelöst.

Siehe auch: Grenzbefestigungen der Tschechoslowakei im Kalten Krieg

Ein Schnellzug der České dráhy (hinten) wartet auf Fahrgäste der Waldbahn aus Richtung Plattling. (April 2005)

Nach 1990[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Grenzübergang wurde am 2. Juni 1991 wieder für den Schienenverkehr geöffnet. Seither verkehrten die Züge der České dráhy (ČD) nach Klatovy (Klattau) und Plzeň (Pilsen). Heute fahren auf deutscher Seite die Züge der Regentalbahn im Auftrag der DB Regio Bayern unter dem Namen „Waldbahn“ von Plattling über Regen und Zwiesel nach Bayerisch Eisenstein. Für Rangierfahrten nutzen beide Bahngesellschaften die Gleisanlagen ohne Rücksicht auf den Verlauf der Grenze. Im Jahr 2006 kaufte der Naturpark Bayerischer Wald den deutschen Gebäudeteil.

Nachdem die Signalanlagen des Bahnhofs für den grenzüberschreitenden Verkehr vorbereitet wurden, fahren seit 28. Mai 2006 Waldbahn-Regio-Shuttle bis in das sieben Kilometer entfernte Špičák (Spitzberg). Dort besteht Anschluss nach Pilsen. Dies ist der erste fahrplanmäßige grenzüberschreitende Verkehr auf der Strecke seit ihrer Fertigstellung im Jahre 1877. Das Tarifangebot Bayerwald-Ticket wurde auf diesen Fahrten bis nach Špičák erweitert.

Im Dezember 2006 wurde der bisherige Name Železná Ruda des tschechischen Bahnhofsteils offiziell in Železná Ruda-Alžbětín geändert. Im Jahresfahrplan 2016 verkehrten im Stundentakt Züge von Plattling nach Bayerisch Eisenstein. Auf tschechischer Seite gibt es Nahverkehrszüge (Osobní vlak) und ein Eilzugpaar (Spěšný vlak) bis Plzeň (zum Teil mit Umsteigen in Klatovy). Außerdem verkehren drei Schnellzugpaare mit modernisierten Wagen (Rychlík vyšší kvality) nach Prag. Einige in den letzten Jahren durchfahrenden Züge der Waldbahn bis Špičák wurden wieder eingestellt.

Der deutsche Bahnhofsteil wurde vom Frühjahr 2010 bis Mitte 2011 für insgesamt 5,14 Millionen Euro grundlegend saniert. Der offizielle Spatenstich erfolgte nach Baubeginn am 10. November 2010. Seit der Sanierung beherbergt er eine Ausstellung über Bahn und Natur. Der tschechische Bahnhofsteil befindet sich im Besitz des tschechischen Schienennetzbetreibers SŽDC.

Der Bahnhof Bayerisch Eisenstein ist ferner ein Grenztarifpunkt.

Heutige Verbindungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Stand: Juli 2016

Zuggattung Strecke Taktfrequenz
WBA 1 PlattlingDeggendorfGotteszellRegenZwieselBayerisch Eisenstein Stundentakt
Os Železná Ruda-Alžbětín – Špičák – Janovice nad ÚhlavouKlatovy (– Plzeň) 2-Stunden-Takt
Sp 1960/1965 Železná Ruda-Alžbětín – Špičák – Janovice nad Úhlavou – Klatovy – Švihov u KlatovPřešticeDobřanyPlzeň hlavní nádraží ein Zugpaar
Rx 775–779 Železná Ruda-Alžbětín – Špičák – Janovice nad Úhlavou – Klatovy – Švihov u Klatov – Přeštice – Dobřany – Plzeň hlavní nádraží – RokycanyKařezHořoviceBerounPraha-SmíchovPraha hlavní nádraží zwei/drei Zugpaare

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Bahnhof Bayerisch Eisenstein – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Commons: Bahnhof Železná Ruda-Alžbětín – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Bernhard Hager: Vom Ende der Stille (Teil 1). In: Eisenbahngeschichte Nr. 76 (Juni/Juli 2016), S. 42–53.
  • Bernhard Hager: Über alte Grenzen hinweg (Teil 2). In: Eisenbahngeschichte Nr. 77 (August/September 2016), S. 14–20.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Eisenbahn Geschichte Heft 77, S. 15