Bahnhof Plattling

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Plattling
Bahnhof Plattling (Bayern)
Red pog.svg
Daten
Lage im Netz Kreuzungsbahnhof
Bahnsteiggleise 7
Abkürzung NPL
IBNR 8000301
Kategorie 3
Eröffnung 20. September 1860
Profil auf Bahnhof.de Plattling
Lage
Stadt/Gemeinde Plattling
Land Bayern
Staat Deutschland
Koordinaten 48° 46′ 49″ N, 12° 51′ 49″ OKoordinaten: 48° 46′ 49″ N, 12° 51′ 49″ O
Höhe (SO) 323 m ü. NHN
Eisenbahnstrecken
Bahnhöfe in Bayern
i16

BW

Der Bahnhof Plattling ist ein zentraler Eisenbahnknotenpunkt im östlichen Niederbayern.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am Bahnhof Plattling angebrachte Gedenktafel

Für den Bahnhof Plattling wurde das erste Empfangsgebäude nahe der Stadt gebaut und mit der Betriebsaufnahme auf der Ostbahnstrecke StraubingPassau am 20. September 1860 eröffnet. Auf dem westlich anschließenden Güterbahnhof endete von 1866 bis 1877 die Güterbahn Deggendorf-Plattlinger Eisenbahn AG. Beim Bau der Waldbahnstrecke über Zwiesel nach Bayerisch Eisenstein zwecks Import böhmischer Kohle nach Tirol ab 1874 verschob man den Personenbahnhof wegen der Einmündung dieser Strecke nach Westen und baute ihn 500 m versetzt in Höhe des Güterbahnhofs an der heutigen Stelle neu. Am 15. Oktober 1875 erhielt Plattling dann noch einen weiteren Schienenanschluss, diesmal nach Süden über Pilsting nach Mühldorf (Bahnstrecke Mühldorf–Pilsting), der 1880 noch durch eine Zweigbahn nach Landshut ergänzt wurde.[4]

Am 16. April 1945 wurde bei einem nur sieben Minuten dauernden Bombenangriff der gesamte Bahnhof zerstört.[5] Das bei diesem Bombardement ebenfalls vollständig zerstörte Bahnhofsgebäude Plattling wurde nach dem Krieg an gleicher Stelle wieder aufgebaut.

Zwei Werksanschlüsse erlangten in Plattling größere Bedeutung: Die Südzucker AG unterhält seit 1960/61 an der Strecke nach Deggendorf ein großes Werk um Transportwege einzusparen. Ab der Saison 1961 rollten Rübenzüge aus dem Gäuboden hierher und sicherten mancher Nebenbahnstrecke das Überleben. Am 31. Oktober 1976 war der Bahnhof Plattling mit 1200 Wagen zugestellt. Obwohl diese Transporte die Straßen entlasteten, stellte die DB 1988 diese Transporte wegen Unrentabilität der Wagenvorhaltung ein. Seitdem werden aus der Zuckerfabrik nur noch Fertigprodukte verladen. Dazu existiert ein Anschlussnetz von fast 4 km Länge, in das die Bahn Wagen zustellt oder abholt. 1982 entstand das Papierwerk ein Kilometer nördlich des Bahnhofs. Dieses besaß eine eigene Werklok 322 154, seit 1987 ersetzt durch eine Henschel DH 500. 2002 wurde diese abgegeben und die DB übernahm die Zustell- und Rangieraufgaben für die oft 5000 Güterwagen Prügelholz, die jährlich zugestellt werden.[6]

Mit der Eröffnung des elektrischen Betriebs auf der Hauptbahn Regensburg–Passau im Mai 1959 und der allgemeinen Traktionsumstellung bei der DB verlor das Bahnbetriebswerk Plattling schon bald seine Aufgaben bei der Instandhaltung von Dampflokomotiven. Der letzte mit einer Dampflokomotive bespannte Zug fuhr am 6. März 1974 von Plattling in den Bayerischen Wald. Um den angeblich einsturzgefährdeten historischen Ringlokschuppen zu erhalten übernahm die Firma Michael Hacker unter Mithilfe des neu gegründeten Historischen Eisenbahnverein Plattling e. V. (HEV) im Jahr 1986 diese Lokhalle als Lagerhalle. Michael Hacker gab bald darauf den Ausbau und die Verschrottung der Drehscheibe in Auftrag. Zur Erinnerung an die große Eisenbahnzeit der Stadt hatte der HEV ab Januar 1988 im Ladehof auf dem Bahnhofsgelände die früher in Plattling stationierte Dampflokomotive 64 344 aufgestellt, die jedoch am 7. November 2009 an die Passauer Eisenbahnfreunde (PEF) zur Aufarbeitung nach Passau übergeben wurde. In der Nacht vom 2. auf den 3. Juni 2008 brannte der komplette 4300 Quadratmeter große Lokschuppen, in dem zu diesem Zeitpunkt ca. 1000 Tonnen an Papierrollen und rund 6000 Paletten mit Holzbriketts gelagert waren, bis auf die Grundmauern nieder.[7][8]

Vom Januar 1988 bis November 2009 im Bahnhof Plattling aufgestellte Lokomotive 64 344

Bahnbetriebswerk[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Beim Neubau des Bahnhofs 1877 wurden eine Lokremise mit zwölf Ständen, eine Wagenwerkstatt, Lokbehandlungsanlagen sowie eine Gasanstalt eingerichtet. Westlich des Empfangsgebäudes entstand der Güterschuppen.

Zur Jahrhundertwende waren die Betriebsanlagen zu klein. Im Frühjahr 1900 entstand ein Rundlokschuppen mit 28 Ständen und einer 18-m-Drehscheibe. 1903 folgte ein zweiter Ringschuppen mit zunächst zehn Ständen, die 1929 auf zwanzig Stände erweitert wurden und eine 20-m-Drehscheibe erhielten. 1924 folgte eine größere Bekohlungsanlage, die die alte Korbbekohlung ablöste.

Während die Plattling passierenden Schnellzüge vom Betriebswerk Regensburg bespannt wurden, beheimatete Plattling Arbeitslokomotiven für Personenzüge, Güterzug- und Rangierdienst sowie den Lokalbahnverkehr. Bis zum Ersten Weltkrieg waren ausschließlich Lokomotiven der Bayerischen Staatsbahn vorhanden, die um die Jahrhundertwende Maschinen der Ostbahn abgelöst hatten. Neubauloks der G 3/4 H und der R 3/3 wurden direkt nach Plattling ausgeliefert. Preußische Loktypen wurden erstmals 1928 mit T 9.3 hier gesichtet. Als echter Fortschritt wurde die Zuteilung von sechs Einheits-Personenzuglokomotiven der Baureihe 24 (BR 24) verzeichnet, die mit 15 t Achsfahrmasse für die Waldbahn besonders geeignet waren. 1933 waren alle neun in Niederbayern verkehrenden 24er in Plattling beheimatet.

1933 kamen die ersten Triebwagen VT 135 012 und 013. Im September 1939 erhielt Plattling zehn fabrikneue Güterzug-Schlepptenderdampflokomotiven der Baureihe 50, die bis zum Ende der Dampflokzeit hier verblieben. 1943/44 wurde die BR 24 sukzessive an das Bw Graudenz abgegeben und durch erste Güterzugtenderlokomotiven der Baureihe 86 ersetzt.

Am 1. April 1941 arbeiteten an dieser Dienststelle 420 Mann, die für etwa 70 Triebfahrzeuge benötigt wurden.

Beim Luftangriff am 16. April 1945 wurden 45 Dampflokomotiven und 1458 Wagen zerstört.[9]

Nach dem Krieg erhielt Plattling Personenzugtenderlokomotiven der BR 64 und weitere Lokomotiven der BR 86, womit auch die Nebenbahnen im Bayerischen Wald bedient wurden. 1953 rollten die ersten Schienenbusse aus. Ab 1962 erhielt Plattling Streckendieselloks. Die bewährten 50er bildeten bis 1974 das Rückgrat der Plattlinger Arbeitsflotte. Nachdem die 50 3063 (053 063-4) am 6. März 1974 mit dem N 2964 einen letzten Personenzug nach Bayerisch Eisenstein und am Folgetag noch den Gegenzug N 2967 befördert hatte, war das Betriebswerk Plattling „dampffrei“.

Am 31. Mai 1985 wurde diese Betriebsstelle geschlossen und nach wenigen Veranstaltungen in den leeren Gebäuden wurden sie abgerissen.

Die Lokbahnhöfe in Arnstorf, Bodenmais, Eging, Bayerisch Eisenstein, Kröhstorf, Regen und Zwiesel fungierten als Außenstellen.

Aktuelle Situation[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Personenverkehr werden sieben Gleise benutzt. Im Empfangsgebäude gibt es einen Fahrkartenschalter sowie ein Café und einen Zeitschriftenladen. Der Bahnhof ist seit November 2010 barrierefrei.[10]

Der Bahnhof Plattling ist heute die zentrale Verkehrsdrehscheibe im östlichen Niederbayern. Im Bahnhof treffen zum Taktknoten kurz vor der vollen Stunde Züge aus allen vier Richtungen ein.

  • Über die zweigleisige elektrifizierte Ost-West-Hauptbahn Regensburg–Passau (KBS 880) verkehren Fernverkehrs- und Regionalzüge. Seit Dezember 2007 im Zwei-Stunden-Takt auch ICE aus Richtung Frankfurt nach Wien, dazu vereinzelt IC. Außerdem wird ein reger Güterverkehr vor allem mit Österreich abgewickelt.
  • Über die eingleisige elektrifizierte Südstrecke nach Landshut und München (KBS 931) sind seit Dezember 2009 die Donau-Isar-Express genannten Regional-Express-Züge von Passau nach München im Stundentakt unterwegs. Zuvor gab es hier einen stündlichen Wechsel von in Plattling gebrochenen Regionalbahnen und durchlaufenden Regionalexpresszügen. Im Güterverkehr sind es vor allem Züge zum und vom BMW-Werk in Dingolfing.
  • Auf der eingleisigen, nicht elektrifizierten Nordstrecke nach Bayerisch Eisenstein laufen die Triebwagen der Waldbahn im Stundentakt, die von der Regentalbahn gefahren werden.
Zuggattung Strecke Taktfrequenz
ICE 91 (DortmundKölnKoblenz–) FrankfurtWürzburgNürnbergRegensburgPlattlingPassauWien 2-Stundentakt
IC 31 (Fehmarn-Burg / Kiel –) HamburgBremen – Dortmund – Köln – Koblenz – Frankfurt – Nürnberg – Regensburg – Straubing – Plattling – Passau Einzelne Züge
RE DONAU-ISAR-EXPRESS
München HbfFreisingLandshutPlattling – Passau
Stundentakt
ag Neumarkt (Oberpfalz)Parsberg – Regensburg –

StraubingPlattling

Stundentakt
WBA PlattlingDeggendorfZwieselBayerisch Eisenstein (– Spicak) Stundentakt

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Bahnhof Plattling – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Walther Zeitler: Eisenbahnen in Niederbayern und in der Oberpfalz. 2. Auflage, Amberg 1997.
  • Wolfgang Klee, Ludwig v. Welser: Bayern-Report, Bände 1–5. Fürstenfeldbruck 1993–1995.
  • Siegfried Bufe: Bahnhof für den Bayerwald. In: Eisenbahngeschichte 49, ISSN 1611-6283, S. 4–15.
  • Modell-Eisenbahn-Verein Deggendorf e. V. (Hrsg.): Der Bahnhof Plattling. Deggendorf 2010, ISBN 978-3-934726-48-2 (Geschichte des Bahnhofs von 1860 bis 2010).

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Literatur Bufe, S. 5–7
  2. Bernhard Rückschloß: Der Bahnhof Plattling. 150 Jahre Eisenbahn im Zentrum Niederbayerns. Hrsg.: Modell-Eisenbahn-Verein Deggendorf e.V. Verlag Heinz Ebner, Deggendorf 2010, ISBN 978-3-934726-48-2 (verkehrswesen-antiquariat.de [abgerufen am 1. Januar 2014]).
  3. Literatur Bufe, S. 15
  4. Welt Online Historischer Plattlinger Lokschuppen zerstört
  5. Lokschuppen Plattling
  6. Literatur Bufe, S. 5–14
  7. Barrierefreier Bahnhof wird eingeweiht 17.05.2011. Bayerische Eisenbahngesellschaft, abgerufen am 28. Juli 2010.