Preisklasse

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
(Weitergeleitet von Bahnhofskategorie)
Zur Navigation springen Zur Suche springen

Die Preisklasse (bis 2017 Bahnhofskategorie) von DB Station&Service, einer Tochtergesellschaft der Deutsche Bahn AG, klassifiziert anhand verschiedener Faktoren die Bedeutung eines Bahnhofs oder eines Haltepunktes für den Personenverkehr sowie den Service, der dort geboten wird. Die Preisklassen sind in der Stationspreisliste der DB Station&Service AG enthalten.[1]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bereits in der Länderbahnzeit war in Deutschland die Bahnhofsklasse gebräuchlich, worin Bahnhöfe nach ihrer Bedeutung im Personen- und Güterverkehr eingestuft wurden. Im Amtlichen Bahnhofsverzeichnis von 1944 erscheint die „Rangklasse des Bahnhofs“ der Deutschen Reichsbahn in vier Stufen mit römischen Ziffern (I. = Bahnhof 1. Klasse bis IV. = Bahnhof 4. Klasse), gefolgt von neun weiteren Einteilungen als Haltepunkt, Haltestelle, Ladestelle, Umschlagstelle, Nebenstelle oder Hilfstelle.[2] Noch vor 1955 wurde dann eine fünfte Bahnhofsklasse (römisch V.) hinzugefügt.[3] Später verloren diese Bahnhofsklassen ihre Bedeutung.

In den 2000er Jahren hatte die Deutsche Bahn ihr Stationspreissystem, nach dem die Kosten für Zughalte in Bahnhöfen festgelegt wurden, modifiziert und ein System aus zunächst sechs Bahnhofskategorien eingeführt, in die die DB Station&Service ihre Stationen einteilte, wobei offiziell nach deren Bedeutung für den Personenverkehr unterschieden wurde („Fernverkehrsknoten“, „Fernverkehrssystemhalt“, „Regionalverkehrsknoten“ etc.).

Diese Einteilung war für Außenstehende weiterhin nicht nachvollziehbar, so wurde der Duisburger Hauptbahnhof nach den Beschädigungen durch den Orkan Kyrill aus der Kategorie 1 in die Kategorie 2 abgestuft, ohne dass sich irgendwelche Messzahlen geändert hätten. Da diese Einteilung willkürlich schien, musste die Deutsche Bahn auf Betreiben der Bundesnetzagentur das System modifizieren.

Ab 2011 wurden die rund 5400 Bahnhöfe und Haltepunkte in sieben Kategorien eingeteilt, deren Einteilung sich aus mehreren Kriterien ergibt, unter anderem die Anzahl der Bahnsteige, der Zughalte und der Reisenden pro Tag, Barrierefreiheit und Vorhandensein von Serviceeinrichtungen. Jede Station wird in sechs Kriterien in Stufen eingeordnet, aus denen eine Grundkategorisierungszahl ermittelt wird, die maximal den Wert 100 erreichen kann, wobei die Stufen prozentual gewichtet werden. Die Bahnhofskategorie ergibt sich aus einem Intervall, in das die ermittelte Grundkategorisierungszahl fällt.[4]

Im Dezember 2017 wurden die Bahnhofskategorien durch Preisklassen abgelöst, wobei die Preisklassen den bisherigen Kategorien entsprechen.[5]

Die Preisklassen bilden die Grundlage für die Ermittlung der Stationspreise, die Eisenbahnverkehrsunternehmen (EVU) an DB Station&Service und andere Eisenbahninfrastrukturunternehmen des DB-Konzerns für die Nutzung von deren Bahnsteigen und Haltepunkten entrichten.[6]

Preisklassen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Bahnhöfe wurden von DB Station&Service im Kategorisierungssystem von 2011 in sieben Kategorien eingeteilt, die seit Dezember 2017 als Preisklassen bezeichnet werden. Die Anzahl der jeweiligen Bahnhöfe bezieht sich auf den Stand von Januar 2015.

Ermittlung der Preisklasse[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Stufe Bahnsteigkanten Bahnsteiglänge[Anm 1] Reisende/Tag Zughalte/Tag Service[Anm 2] Technische Stufenfreiheit[Anm 3]
(0) Nein Nein
1 01 > 000 bis 090 m 00.000 bis 00.049 000 bis 0010 Ja Ja
2 02 > 090 bis 140 m 00.050 bis 00.299 011 bis 0050
3 03 bis 04 > 140 bis 170 m 00.300 bis 0.0999 051 bis 0100
4 05 bis 09 > 170 bis 210 m 01.000 bis 09.999 101 bis 0500
5 10 bis 14 > 210 bis 280 m 10.000 bis 49.999 501 bis 1000
6 00i ab 15 > 280 m bis 000 000000 ab 50.000 000i ab 1001
Gewichtung 20 % 20 % 20 % 20 % 15 % 5 %

Anmerkungen

  1. Es zählt die Länge des längsten in Bedienung befindlichen Bahnsteigs
  2. „Personenbedienter Service“, also die Anwesenheit eines Mitarbeiters
  3. siehe Barrierefreiheit

Aus der anhand obiger Tabelle ermittelten Einstufung wird eine Prozentzahl wie folgt errechnet:

Beispiel für einen Bahnhof mit 4 Bahnsteigkanten von max. 250 Meter Länge, 20.000 Reisenden und 280 Zughalten am Tag, ohne anwesendem Mitarbeiter, jedoch mit technischer Stufenfreiheit:

Daraus ergibt sich dann die Klasse:

Prozent Klasse
> 90 % 1
> 80 bis 90 % 2
> 60 bis 80 % 3
> 50 bis 60 % 4
> 40 bis 50 % 5
> 25 bis 40 % 6
> 00 bis 25 % 7

Mit dem Trassenpreissystem 2017 führte DB Netz ebenfalls eine Bahnhofskategorie ein. Fernverkehr zwischen Bahnhöfen mit mehr als 50.000 Fahrgästen pro Tag, Metropolbahnhöfe genannt, fallen in die Kategorie Metropolenverkehr.[7]

Klasse 1[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zur Klasse 1 gehören die wichtigsten Fernbahnhöfe in Deutschland. Dort sind Servicemitarbeiter vorhanden, es gibt eine Reihe von Einkaufsmöglichkeiten im Bahnhof. Insgesamt zählen 21 Bahnhöfe zu dieser Preisklasse. Berlin, Hamburg, Köln, München und das Ruhrgebiet verfügen über mehrere Bahnhöfe der höchsten Preisklasse.

Klasse 2[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

87 Stationen, die üblicherweise wichtige Halte im Fernverkehr (Bedienung durch ICE, Intercity oder EuroCity) in großen Städten sind oder eine Anbindung zu einem großen Flughafen ermöglichen, werden der Preisklasse 2 zugeordnet, so zum Beispiel der Mainzer Hauptbahnhof.

Klasse 3[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die 239 Stationen (Stand 2014) der Preisklasse 3 sind häufig die zentralen Bahnhöfe kleiner bis mittelgroßer Städte. Diese sind z. B. weniger wichtige Fernverkehrshalte oder Knoten des Regionalverkehrs. Dort gibt es meist ein Empfangsgebäude mit Einkaufsmöglichkeiten für Lebensmittel und Fahrkartenverkauf. Auf Service-Mitarbeiter wird hier jedoch bisweilen verzichtet.

Beispiele hierfür sind folgende Stationen:

Jedoch gibt es Ausnahmen, wie zum Beispiel den Bahnhof Au (Sieg), welcher auch zur Klasse 3 zählt, da er ein wichtiger Knotenpunktbahnhof für Pendler aus der umliegenden Region ist, obwohl der Ort selbst weniger als 300 Einwohner hat.

Klasse 4[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Preisklasse 4 werden etwa 630 Stationen zugeordnet, die oft einen Knoten im Regionalverkehr bilden, so zum Beispiel der Bahnhof Meiningen. Die früher auch als „hoch frequentierter Nahverkehrssystemhalt/Nahverkehrsknoten“ bezeichneten Stationen richten sich zumeist an Pendler. An einzelnen dieser Stationen halten auch Fernzüge, so beispielsweise am Bahnhof Ludwigslust oder zeitweise in Hannover Messe/Laatzen.

Auch S-Bahnhöfe bzw. -Haltepunkte, die von einer oder mehreren im dichten Takt fahrenden Linien bedient werden, sind dieser Klasse zugeordnet, was sich aber meist nicht in einer gegenüber den Preisklassen 5 und 6 besseren Ausstattung widerspiegelt. Beispiele sind der Bahnhof Berlin-Lichterfelde West, der Bahnhof Leverkusen Mitte oder der Binger Hauptbahnhof.

Seit Jahren gibt es auch an vielen dieser Bahnhöfe keine Fahrkartenverkaufsstellen mehr, obwohl auch Hauptbahnhöfe in manchen Städten mit knapp 100.000 Einwohnern in diese Klasse fallen, z. B. Lünen in Westfalen. Im Landesteil Nordrhein fällt die Großstadt Bottrop in diese Preisklasse.

Klasse 5[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Stationen der Preisklasse 5 sind oft jene kleinerer Städte sowie zahlreiche Stadtteilbahnhöfe. Sie werden oft von Pendlern genutzt. Es gehören rund 1000 Stationen in diese Klasse. Beispiele sind Bahnhof Postbauer-Heng, Bahnhof Köln-Holweide oder Bahnhof Hohen Neuendorf (b Berlin).

Klasse 6[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zur Preisklasse 6 gehören über 2500 Stationen, meist in dünn besiedelten Gegenden, deren Ausstattung sich „auf das Notwendigste“ beschränkt.[8] Beispiele sind Bahnhof Ilmenau oder Bahnhof Glöwen.

Klasse 7[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die etwa 900 Stationen der niedrigsten Preisklasse, oft „Landhalte“, haben die geringste Zahl von Reisenden und meist nur die für einen Haltepunkt notwendigen Einrichtungen. Wegen der geringen Nutzung wird ein barrierefreier Ausbau für nicht erforderlich gehalten. Beispiele sind Bahnhof Zwotental oder Bahnhof Göhrde.

Ähnliche Klassifizierungen anderer Eisenbahnunternehmen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Italienischen Staatseisenbahnen teilen die dortigen Bahnhöfe in die vier Kategorien Platinum, Gold, Silver und Bronze ein.[9]

  • Platinum: mehr als 25.000 Reisende täglich, Fernverkehr
  • Gold: mehr als 10.000 Reisende täglich, Fernverkehr
  • Silver: mehr als 4000 Reisende täglich, Regionalverkehr auch über größere Entfernungen
  • Bronze: weniger als 500 Reisende, nur Regionalverkehr

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Stationspreisliste 2020, abgerufen am 7. Januar 2020
  2. Deutsche Reichsbahn (Hrsg.): Amtliches Bahnhofsverzeichnis 1944. 1944, S. V (genealogy.net [abgerufen am 10. Januar 2018]).
  3. vor der Stilllegung der Siebenmühlentalbahn
  4. Das Stationspreissystem SPS 11. (PDF; 772 kB) (Nicht mehr online verfügbar.) DB Station&Service, 12. November 2012, archiviert vom Original am 21. September 2016; abgerufen am 23. April 2017.
  5. Einführung von Preisklassen bei: Deutsche Bahn AG, abgerufen am 3. Januar 2019.
  6. Stationspreisliste 2018. (PDF; 313 KiB) DB Station&Service AG, 20. Dezember 2017, abgerufen am 22. Januar 2018.
  7. Felix Berschin: Das Trassenpreissystem 2017 (PDF) auf nahverkehrsberatung.de, von Februar 2015, abgerufen am 3. November 2016.
  8. Die sieben Bahnhofskategorien. (Nicht mehr online verfügbar.) In: deutschebahn.com. Deutsche Bahn, 2017, archiviert vom Original am 22. September 2016; abgerufen am 19. April 2017.
  9. La classificazione delle stazioni ferroviarie (Memento vom 21. April 2012 im Internet Archive)