Base-Jumping

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Base-Jumper beim Sprung von einem Gebäude in Shanghai
Base-Jumping von Istanbul Sapphire

Base-Jumping, auch BASE oder B.A.S.E. jumping geschrieben, Objektsprung oder Objektspringen, ist das Fallschirmspringen von festen Objekten. Der erste Wortteil gilt üblicherweise als Akronym für
B: building, Gebäude,
A: antenna, Sendemast,
S: span, Brücke und
E: earth, Erdboden (z.B. Klippen).

Andererseits übersetzt man eng. base mit Unterlage und jump mit springen.
Personen, die diese Sportart ausüben, werden Basejumper oder Objektspringer genannt.

Eine Sonderform des Base-Jumping ist das Abspringen von Objekten mit Flügelanzügen, sogenannten Wingsuits.

Unterschiede zum Fallschirmspringen[Bearbeiten]

  1. Objektsprungsysteme sind speziell für diese Sportart angefertigt. Die Schirme sind große, speziell verstärkte und modifizierte Siebenzeller. Je nach Sprunghöhe und Fallzeiten werden auch Packung und Zusammenstellung der Einzelkomponenten (beispielsweise Hilfsschirm) individuell kombiniert.
  2. Bei niedrigen Sprunghöhen hat der Springer den Hilfsschirm zum Öffnen des Schirms (deploy) schon beim Absprung in der Hand. Bei sehr niedrigen Absprunghöhen werden verschiedene Auslösearten für besonders schnelle Öffnung des Schirmes verwendet.
  3. Der Objektspringer trägt oft keinen Reservefallschirm, da dieser im Notfall ohnedies nicht rechtzeitig wirken könnte.

Rechtliche Situation[Bearbeiten]

Objektspringen wird in diversen Ländern in rechtlicher Hinsicht unterschiedlich behandelt. In vielen Ländern ist das Springen ohne eine staatliche Genehmigung, die einzeln zu beantragen ist, verboten. In anderen Ländern wird es toleriert. In Dubai werden beispielsweise Strafen bis hin zur Ausweisung von Touristen verhängt. Dagegen kann man in der Schweiz (Lauterbrunnen), Italien, Frankreich (Chamonix) oder Norwegen bestimmte spots ohne Genehmigungsverfahren nutzen. Bei Sprüngen von Objekten in Privatbesitz ist jedenfalls das Hausrecht zu beachten.

In den USA sind Objektsprünge meist aus versicherungsrechtlichen Gründen verboten. Auch ist der US-amerikanische Staat bei Sprüngen in seinen Nationalparks sehr sensibel und verfolgt ungenehmigt anwesende Springer. Um drohenden Strafen, die von hohen Geldstrafen bis zu mehreren Monaten Gefängnis reichen können, zu entgehen, springen viele Basejumper in den Nationalparks in den sehr frühen Morgenstunden oder kurz vor dem Einbruch der Dunkelheit um den Parkrangern zu entgehen. Sie erhöhen damit das Unfallrisiko durch das schlechte Licht erheblich, wie Extremsportler nach dem Tod von Dean Potter feststellten, der wahrscheinlich bei einem Sprung zu einer dieser Zeiten im Yosemite National Park tödlich verunglückte.[1] Erwähnenswerte Ausnahmen in den USA, wo Sprünge erlaubt sind, sind die Brücken Perrine Bridge in Twin Falls am Snake River in Idaho und, immer am dritten Samstag im Oktober („Bridge Day“) die New River Gorge Bridge in Fayetteville, West Virginia.

In Deutschland muss der Eigentümer des Objekts, von dem gesprungen wird, und der Eigentümer der Fläche, auf der gelandet wird, schriftlich zustimmen. Ein Geländegutachten muss erstellt werden, und die verwendete Ausrüstung muss den deutschen Zulassungsbestimmungen entsprechen. Die Genehmigung wird bei Vorliegen aller nötigen Unterschriften vom deutschen Fallschirmsportverband erteilt. Für Objektsprünge in Deutschland gilt das Regelwerk des Vereins Deutscher Objektspringer. Eine Haftpflichtversicherung des Springers ist erforderlich.

Geschichte[Bearbeiten]

Bis in die 1980er Jahre gab es nur vereinzelt Menschen, die mit „normaler“ Fallschirm-Ausrüstung von festen Objekten sprangen. Zu den ersten „Objektspringern“ gehörten Carl Boenish und seine Frau Jean Boenish, die bereits alle vier Sprungarten (Brücken, Antennen, Felsen und Hochhäuser) ausführten.

Marco Polo berichtet in seinen Reisebüchern über chinesische Artisten, die sich mit schirmartigen Gebilden aus Seide von Türmen stürzten und sicher landeten.

  • 1912: Der Österreicher Franz Reichelt springt vom Eiffelturm mit selbstgefertigtem Vorläufer heute gebräuchlicher Wingsuits in den Tod.
  • 1963: Hartmut Huber aus München springt insgesamt fünf Mal mit einem bereits vor dem Absprung von Passanten offen gehaltenen Rundkappenfallschirm T10R von der 68m hohen Mangfallbrücke. Dies ist der erste überlebte Objekt-Sprung weltweit.
  • 1965: Erich Felbermayr aus Wels springt von einer Felswand in den Dolomiten.
  • 1966: Wolf Weitzenböck springt von einer weiteren Felswand in den Dolomiten.
  • 1966: Michael Pelkey und Brian Lee Schubert springen vom El Capitan, einer Felswand im Yosemite-Nationalpark.
  • 1970: Berthold Rubin aus Köln sprang von der 190 m hohen Europabrücke bei Innsbruck.
  • 1975: Owen Quinn springt vom World Trade Center in New York.
  • 1976: Rick Sylvester springt vom Mount Asgard rd. 1100 Meter tief für den Vorspann des James Bond-Filmes Der Spion, der mich liebte und macht damit Base-Jumps einem breiten Publikum bekannt.
  • 1981: prägen Phil Smith, Phil Mayfield, Jean und Carl Boenish die Bezeichnung base aus building (Gebäude), antenna (Sendemast), span (Brücke) und earth (Felsen).
  • 1981: Phil Smith und Phil Mayfield waren bei vier gemeinsamen Absprüngen die ersten Fallschirmspringer der Welt, die alle vier Objektkategorien gesprungen sind.
  • 1982: Klaus Heller aus München absolviert von der 185 m hohen Kochertalbrücke den ersten als solchen definierten BASE-Sprung in Deutschland.
  • 1984: Rainer Nowak (Pseudonym: Raykawon) springt als Erster vom Olympiaturm in München. Etwa zur gleichen Zeit werden BASE-Sprünge aus Trollveggen in Norwegen gemeldet.

Spektakuläre Sprünge[Bearbeiten]

  • 1990 sprang Russell Powell (ehemaliges Mitglied der Royal Marines) von der Whispering Gallery der Saint Paul’s Cathedral in London aus einer Höhe von 102 Fuß (etwa 31,1 m) den bis dahin niedrigsten Sprung innerhalb eines Gebäudes.[2] Er entkam unerkannt mit einem bereitstehenden Auto und konnte nach Veröffentlichung seiner Identität (durch einen Eintrag in das Guinness-Buch der Rekorde) nicht durch die Polizei belangt werden, da seine Tat bereits verjährt war.
  • Am 2. August 1991 sprang der Journalist Alfred Waibel bei der Karrenseilbahn unter notarieller Aufsicht aus einer der Seilbahnkabine, 72 Meter über den Baumwipfeln, in ca. 860 m Seehöhe ab.
  • Am 1. Dezember 1999 sprang der österreichische Basejumper Felix Baumgartner vom rechten Arm der Christusstatue auf dem Corcovado in Rio de Janeiro aus mit dem Fallschirm ab. Zuvor hatte er sich auf dem Gelände einschließen lassen, dann kletterte er an einem mit einer Armbrust übergeschossenen Seil hinauf.
  • Im Juli 2004 sprangen gleichzeitig 30 Springer vom Ostankino-Turm in Moskau und setzten so eine neue Rekordmarke für den größten gelungenen Simultanabsprung von einem festen Objekt.
  • Am 31. Januar 2005 stürzten sich zehn Springer des „Vereins Deutscher Objektspringer“ gleichzeitig aus der Kuppel der größten freitragenden Halle der Welt, dem Tropical Island Resort in Briesen-Brand bei Berlin. Damit erreichten sie einen Eintrag in das Guinness-Buch der Rekorde für den größten simultanen Sprung innerhalb eines Gebäudes. Die Absprunghöhe in dem Gebäude betrug 107 Meter.
  • Im Oktober 2005 sprang der Amerikaner Miles Daisher in 24 Stunden insgesamt 57-mal von der Perrine Bridge in Idaho. Die für Basejumping freigegebene Brücke liegt über dem Snake River und bot die Ausgangsplattform für das Vorhaben. Er lief nach jedem Sprung die etwa 140 Meter Höhenunterschied zurück.
  • Zum Jahreswechsel 2005/2006 sprang der Australier Gary Cunningham in 24 Stunden 133-mal von den Petronas Towers in Kuala Lumpur. Cunningham beendete die 24 Stunden mit seinen Packern und Helfern bei einem gemeinsamen Sprung als Abschluss. Er gehört mit über 1100 Objektsprüngen zu den erfahrensten Springern weltweit.[3]
  • Im Juni 2006 sprang das australische Paar Glenn Singleman und Heather Swan vom mehr als 6600 Meter hohen Meru Peak in Indien. Damit hatten sie nach eigenen Angaben einen neuen Rekord aufgestellt. Für den rund zweiminütigen Sprung hatten sie zuvor in 22 Tagen den Meru Peak erklommen.[4]
  • 2007 sprang der Belgier Johan Vervoort von einem Turm aus nur 22 Meter Höhe. Dies dürfte die geringste „sicher“ gesprungene Höhe sein, bei der sich der Fallschirm noch öffnete.[5]
  • Am 11. Dezember 2007 sprang Felix Baumgartner als erster Mensch vom damals höchsten Gebäude der Welt, dem Taipei 101 (508 m, Höhe bis zum Dach 448 m) in Taipeh.
  • Im November 2008 sprangen zwei Franzosen vom im Bau befindlichen Burj Dubai (nunmehr Burj Khalifa); vermutet wird eine Absprungebene in 600 Meter Höhe.[6]
  • Bereits einen Tag nach Eröffnung sprangen zwei Emiratis am 5. Januar 2010 legal vom Burj Khalifa, dem mit 828 Meter höchsten Gebäude der Welt. Absprunghöhe war die 160. Etage in 672 Meter über Grund.[6][7]
  • Am 5. Mai 2013 sprang der Russe Valery Rozov vom Pfeilerkopf in der Südwand des Changtse gegenüber der Nordwand des Mount Everest aus einer Höhe von 7220 m. Mit einem speziell für die niedrige Luftdichte entwickelten Wingsuit fiel und flog er hinunter bis zum mehr als 1000 Meter tiefer gelegenen Rongpu-Gletscher, landete per Fallschirm und erzielte damit Weltrekord für den Base-Jump aus der größten Höhe.[8]

Todesfälle[Bearbeiten]

  • Zwischen 1981 und 2014 starben 253 Personen an den Folgen eines Objektsprungs.[9] Davon entfallen ca. 16 % auf das Lauterbrunnental in der Schweiz. In diesem bei Basejumpern sehr beliebten Tal (pro Saison werden zwischen 15.000 und 20.000 Absprünge gezählt)[10] verloren bereits 41 Springer (Stand: 5. Mai 2015) ihr Leben[11], was immer wieder Diskussionen über ein Verbot auslöst.[12]
  • Im Juni 2000 starb der britische Stuntman und Schauspieler Terry Forrestal an den Folgen eines Base-Jumping-Unfalls am Kjerag-Felsplateau in Norwegen.[13]
  • Am 11. November 2009 verunglückte der Schweizer Basejumper Ueli Gegenschatz bei einem Sprung vom Sunrise Tower in Zürich und erlag zwei Tage später seinen Verletzungen.

Filme und Literatur[Bearbeiten]

Der Tatort: Schwerelos (WDR 2015) machte Base-Jumping als Sport und metaphorisches "Abbild unserer modernen Leistungsgesellschaft" zum Thema für das Hauptabendprogramm im ARD-Fernsehen.[14]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Base-Jumping – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Did rules, not risk, cause Dean Potter's Base jumping death? in: The Guardian, 22. Mai 2015, abgerufen am 22. Mai 2015
  2. Frank Stamford: Extreme Sports Base Jumping. In: Al Shindagah Online. Abgerufen am 5. November 2012 (englisch).
  3. Trendsport Base-Jumping – Die Sucht zu springen, Süddeutsche Zeitung, 27. Februar 2008
  4. Australier springen von 6600-Meter-Gipfel, Bericht im Spiegel, 9. Juni 2006
  5. Go Fast Basejump from only 22 meter (71ft), Tiefster Basejump 22 Meter Video auf You Tube
  6. a b Dubai news: Erster legaler Fallschirmsprung vom Burj Khalifa aus der 160. Etage, Reiseziel Dubai, 7. Januar 2010
  7. Alia Al Theeb and Kevin Scott: Base jumper leaps off Burj Khalifa. In: gulfnews.com. 6. Januar 2010, abgerufen am 5. November 2012 (englisch).
  8. Daredevil makes record-breaking leap from Mount Everest. The Telegraph. Abgerufen am 29. Mai 2013.
  9. BASE Fatality List, Liste von beim Objektsprung getöteteten Personen (Englisch)
  10. Besuch an der Wallfahrtsstätte einer Sportart, bei der nur Fehler verboten sind, Tages-Anzeiger Online / Newsnet, 29. Mai 2012
  11. [1], Berner Zeitung vom 5. Mai 2015
  12. Base-Jumping lässt sich nicht verbieten, Diskussion über das Springverbot im Lauterbrunnental, Jungfrau Zeitung, 11. Oktober 2007
  13. Ronan Bennett: Terry Forrestal: Gentle stunt man dedicated to a macho art. guardian.co.uk, 27. Juni 2000, abgerufen am 5. November 2012 (englisch).
  14. Wie kam es zu der Idee, im "Tatort: Schwerelos" über Fallschirmspringer und insbesondere über "Base-Jumping" zu erzählen?, Interview mit Ben Braeunlich (Drehbuch) auf daserste.de vom 3. Mai 2015