Lauterbrunnen

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Lauterbrunnen
Wappen von Lauterbrunnen
Staat: Schweiz
Kanton: Bern (BE)
Verwaltungskreis: Interlaken-Oberhasli
BFS-Nr.: 0584i1f3f4
Postleitzahl: 3822
UN/LOCODE: CH WNG (Wengen)
Koordinaten: 636032 / 161077Koordinaten: 46° 36′ 0″ N, 7° 54′ 32″ O; CH1903: 636032 / 161077
Höhe: 795 m ü. M.
Fläche: 164,4 km²
Einwohner: 2451 (31. Dezember 2015)[1]
Einwohnerdichte: 18 Einw. pro km²
Website: www.lauterbrunnen.ch
Lauterbrunnen mit Kirche und Staubbach im Hintergrund

Lauterbrunnen mit Kirche und Staubbach im Hintergrund

Karte
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Lauterbrunnen ist eine politische Gemeinde im Verwaltungskreis Interlaken-Oberhasli des Kantons Bern in der Schweiz.

Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Gemeinde liegt im Lauterbrunnental und besteht aus den Ortschaften Lauterbrunnen, Wengen, Mürren, Gimmelwald, Stechelberg und Isenfluh. Die Einwohnerzahl der Ortschaft Lauterbrunnen liegt unter der von Wengen, ist aber höher als die der anderen vier Ortschaften. Die Gesamtfläche der Gemeinde Lauterbrunnen beträgt 164,5 km². Der tiefste Punkt der Gemeinde liegt bei 728 m ü. M. und der höchste auf 4158 m ü. M.

Lauterbrunnen wird von der Weissen Lütschine durchflossen, die durchschnittlich einmal im Jahr über die Ufer tritt.

Die berühmteste und spektakulärste Touristenattraktion des Ortes sind die Trümmelbachfälle, mehrere Wasserfälle im Innern eines Berges.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Lauterbrunnen wurde im Gegensatz zum übrigen Berner Oberland vom Wallis her besiedelt. 1240 wurde der Ort als Claro Fonte erstmals auf einer Urkunde erwähnt. 1253 sprach man von Liuterbrunnon, 1268 schon als Luterbrunnen. Dies bezieht sich auf die klaren (lauteren) Quellen und Bäche (Brunnen).

Im Jahre 1669 wütete die Pest im Lauterbrunnental. Beginnend von Wengen aus starben innerhalb von vier Monaten 360 der 580 Personen, die das Tal damals bewohnten.[2]

Der Staubbachfall inspirierte Johann Wolfgang von Goethe bei seiner zweiten Schweizer Reise 1779 zu seinem Gesang der Geister über den Wassern, den er als Gast im Pfarrhaus von Lauterbrunnen schrieb.[3]

Am 12. April 2007 zerschellte südlich von Lauterbrunnen in der Nordwand der Äbeni Flue ein Tornado-Kampfflugzeug der deutschen Bundeswehr, wobei der Pilot getötet und der Waffensystemoffizier verletzt wurde.[4]

Kirche[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1487 errichteten die Talbewohner ihre erste Kirche, ohne Erlaubnis der Pfarrei Gsteig, zu der sie gehörte. Von den Angehörigen im Lötschental wurden sie tatkräftig unterstützt. Bereits fünf Jahre vor Baubeginn wurde die Lötscherglocke gegossen. Zu Fuss wurde dann die 200 Kilogramm schwere Glocke über die Wetterlücke getragen. Beim Abbruch der alten Kirche 1830 wurde das Traggerüst gefunden, mit dem dieser Transport bewältigt wurde. Am unteren Rand wurde die Glocke dabei beschädigt, weil sie bei den besonders steilen Passagen wahrscheinlich geschleift werden musste. Sie steht heute im Talmuseum.[5]

Seit 1528 ist Lauterbrunnen eine eigenständige Kirchgemeinde, nachdem es lange Zeit zur Kirchgemeinde Gsteig bei Interlaken gehört hatte.

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Von Interlaken Ost fährt man mit den Berner Oberland-Bahnen (BOB) nach Lauterbrunnen. Dort hat man Anschluss an die Wengernalpbahn nach Wengen und auf die Kleine Scheidegg und nach Grindelwald, sowie an die Bergbahn Lauterbrunnen–Mürren (BLM) hinauf nach Mürren. Etwas südlich des Dorfes liegt zudem der Heliport der Air Glaciers.

Bevölkerung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bevölkerungsentwicklung
Jahr 1653 1783 1811 1827 1856 1900 1910 1930 1941 1960 1970 1980 2006 2009
Gesamtgemeinde 525 860 1'221 1'698 2'551 3'204 2'958 2'819 3'281 3'478 3'077 3'065 2'936
Lauterbrunnen 375 1'029 885 1'022 1'073 954 858

Die Gesamtgemeinde umfasst die Ortschaften Lauterbrunnen, Wengen, Mürren, Gimmelwald, Stechelberg und Isenfluh.

Tourismus[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die senkrechten Felswände um Lauterbrunnen sind faszinierend und mit dem Staubbachfall und den Trümmelbachfällen, mehreren Wasserfällen im Innern einer Felswand, ist ein bleibender Eindruck sicher. Dazu kommen die guten Bahnverbindungen in die Ski- und Wandergebiete Kleine Scheidegg-Männlichen sowie Mürren in Richtung Schilthorn. Wandermöglichkeiten gibt es auch im Hinteren Lauterbrunnental, welches gebietsweise unter Naturschutz steht. Von Lauterbrunnen führt bei genügender Schneemenge eine Langlaufloipe nach Stechelberg.

Lauterbrunnen ist ein Anziehungspunkt für Base-Jumper aus aller Welt, die von den umliegenden 400 m bis 730 m hohen, steilen Felswänden, wie der Mürrenfluh oder der Staldenfluh abspringen.[6] So gibt es jährlich 18'000 bis 30'000 Sprünge[7]. Unter Base-Jumpern sind Absprungpunkte wie High Nose Ultimate, Nose und La Mousse bekannt. Gemäss einer Erhebung von 2013 geschahen 15 %[8] aller bis dahin tödlichen Base-Jump-Unfälle weltweit im Lauterbrunnental. 1994 starb der erste Basejumper im Tal, Xavier Bongardt, der den Sport 1989 hierher brachte.[9] Bislang sind 49 Tote Basejumper (Stand: 19. November 2016) zu beklagen. Die Tourismusorganisation bewirbt den Sport nicht und distanziert sich davon. Schon ab 2006 war vorübergehend ein Verbot diskutiert worden, um Gästen und Anwohnern Lauterbrunnens diese Unfälle zu ersparen.[10]

Galerie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Lauterbrunnen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Statistik Schweiz – STAT-TAB: Ständige und Nichtständige Wohnbevölkerung nach Region, Geschlecht, Nationalität und Alter (Ständige Wohnbevölkerung)
  2. Auf Walserspuren durchs Lauterbrunnental, Verlag Schlaefli & Maurer AG
  3. Anmerkungen zu Goethes Gedicht «Gesang der Geister über den Wassern»; Artikel auf internetloge.de, Hamburg; abgerufen am 15. April 2014.
  4. Unglück: Tornado-Pilot bei Absturz in der Schweiz getötet; Artikel auf welt.de vom 12. April 2007.
  5. Talschaftszytig Nr. 10, Oktober 2008
  6. klettersteig-muerren.ch
  7. Schweiz: Tödliche Basejumps in Lauterbrunnen, ARD/NDR, 5 Min. Video-Dokumentation vom 13. September 2016.
  8. Patrick Gasser: «Es werden immer mehr». In: Jungfrau Zeitung. 21. Juni 2013, abgerufen am 12. September 2013.
  9. Bastian Henrichs: Abenteuer Basejumping, In: mobil 08/2015, S. 64. (abgerufen am 16. August 2015)
  10. BASE Fatality List; BLiNC Magazine, Stand: 30. März 2014
    Die Todesschlucht von Bern. 20minuten Online, 9. Oktober 2007, archiviert vom Original am 12. Oktober 2007, abgerufen am 15. April 2014.
    Gabriella Massimi: Base-Jumping lässt sich nicht verbieten. Jungfrau-Zeitung, 11. Oktober 2007, abgerufen am 15. April 2014.