Benavente (Zamora)

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Gemeinde Benavente
Benavente – Ortsansicht
Benavente – Ortsansicht
Wappen Karte von Spanien
Wappen von Benavente
Benavente (Zamora) (Spanien)
Finland road sign 311.svg
Basisdaten
Autonome Gemeinschaft: Kastilien-León
Provinz: Zamora
Comarca: Benavente y Los Valles
Koordinaten 42° 0′ N, 5° 41′ WKoordinaten: 42° 0′ N, 5° 41′ W
Höhe: 720 msnm
Fläche: 45,12 km²
Einwohner: 18.095 (1. Jan. 2018)[1]
Bevölkerungsdichte: 401,04 Einw./km²
Gründung: 1167
Postleitzahl: 49600
Gemeindenummer (INE): 49021 Vorlage:Infobox Gemeinde in Spanien/Wartung/cod_ine
Verwaltung
Website: Benavente

Benavente ist eine nordwestspanische Stadt und eine Gemeinde (municipio) mit 18.095 Einwohnern (Stand 1. Januar 2018) in der Provinz Zamora in der autonomen Gemeinschaft Kastilien-León. Benavente liegt an einer von Süden (Sevilla, Mérida, Cáceres, Salamanca, Zamora) kommenden und in León oder Astorga in die Hauptstrecke einmündenden Nebenstrecke des Jakobswegs.

Lage und Klima[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Benavente liegt auf einer leichten Anhöhe über der Ebene des Flüsschens Órbigo in einer Höhe von etwa 720 m. Die Entfernung zur Provinzhauptstadt Zamora beträgt etwa 70 km (Fahrtstrecke) in südlicher Richtung; Valladolid liegt etwa 100 km südöstlich. Das Klima ist gemäßigt bis warm; Regen (ca. 435 mm/Jahr) fällt hauptsächlich im Winterhalbjahr.[2]

Bevölkerungsentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jahr 1857 1900 1950 2000 2017
Einwohner 4.545 4.959 9.909 16.763 18.237[3]

Der deutliche Bevölkerungsanstieg seit Beginn des 20. Jahrhunderts ist im Wesentlichen auf die Zuwanderung aus den ländlichen Regionen des Umlandes (Landflucht) zurückzuführen.

Wirtschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Umgebung der Stadt ist in hohem Maße landwirtschaftlich geprägt, wobei die Feldwirtschaft (Getreide, Kürbisse, Paprika etc.) dominieren; auch der Weinbau nimmt schon lange eine bedeutende Rolle im Wirtschaftsleben der Gemeinde ein – die Winzer vermarkten ihre Weine unter der Herkunftsbezeichnung (denominación) Valles de Benavente. Die Stadt selbst fungiert als regionales Dienstleistungszentrum für Handel, Banken, Gesundheits- und Ausbildungswesen sowie für Handwerk und Kleinindustrie – es wurde ein Gewerbegebiet (polígono industrial) ausgewiesen.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bereits in der Antike lag der heutige Ort, der manchmal mit dem antiken Brigaecium identifiziert wird, am Kreuzungspunkt zweier wichtiger Straßen – der Via de la Plata, die Hispalis (heute Sevilla) mit Asturica Augusta (heute Astorga) verband, und einer wichtigen Ost-West-Verbindung von Colonia Caesaraugusta (heute Saragossa) nach Vicus (heute Vigo). Unter der kurzzeitigen Herrschaft der Sueben hieß der Ort möglicherweise Ventosa; später nannte er sich Malgrat. Westgoten und Mauren haben keine archäologisch verwertbaren Spuren auf dem Gemeindegebiet und in seiner näheren Umgebung hinterlassen.

El GrecoJuan Alfonso de Pimentel y Herrera (um 1600)
Diego VelazquezEl Conde de Benavente (1648)

Nach dem Zurückweichen der Mauren betrieb Ferdinand II. von León eine Politik der Wiederbevölkerung (repoblación) und gab dem Ort im Jahr 1164 besondere Privilegien (fueros), die drei Jahre später nochmals bestätigt und erweitert wurden. Im Jahr 1230 erfolgte mit der „Übereinkunft von Benavente“ die endgültige Vereinigung der beiden Königreiche Kastilien und León. Im Jahr 1398 gründete Heinrich III. von Kastilien die Grafschaft Benavente und gab sie in die Hände von Juan Alonso Pimentel, dem Begründer der später in Spanien sehr bedeutsamen Adelsdynastie der Pimentel. Heinrich IV. von Kastilien wandelte die Grafschaft im Jahr 1473 in ein Herzogtum um und so wurde Rodrigo Afonso Pimentel der erste Herzog von Benavente.

Am 2. Januar 1492 zogen die Truppen der Katholischen Könige (Isabella von Kastilien und Ferdinand von Aragón) kampflos in die letzte maurische Bastion Granada ein und ihr Enkel Karl V. beherrschte von 1516 bis 1556 ein immer größer werdendes Weltreich, in welchem „die Sonne nicht unterging“. Benavente erlebte im Jahr 1554 den Besuch des Infanten Philipp und seines Sohnes Don Carlos. Im 17. Jahrhundert ließen sich zwei der Herzöge von Benavente von El Greco bzw. von Velazquez porträtieren, während der Ort Epidemien und Hungersnöte zu ertragen hatte.[4][5]

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kirche Santa María del Azogue
Kirche Santa María del Azogue
  • Ältestes und wichtigstes Bauwerk der Stadt ist die bereits im 12. Jahrhundert begonnene aber erst ca. 100 Jahre später fertiggestellte Kirche Santa María del Azogue. Der dreischiffige Bau mit Querschiff und fünf Apsiden (eine große Seltenheit!) im Stil der Romanik deutet darauf hin, dass es sich wahrscheinlich nicht um eine normale Pfarrkirche gehandelt hat; vielmehr ist eine Kollegiatkirche anzunehmen, worauf auch der andere Name der Kirche Santa María la Mayor hindeutet. Das Langhaus zeigt bereits gotische Formen mit Bündelpfeilern und Rippengewölben im Innern. Bemerkenswert ist der Glockenturm (campanario) über dem nördlichen Querhausarm, dessen ungegliedertes Obergeschoss eine variable Anordnung der Schallarkaden zeigt; im Erdgeschoss befindet sich ein romanisches Portal mit unterschiedlich gestalteten Archivolten.[6]
Tympanon der Iglesia de San Juan del Mercado
Iglesia de San Juan del Mercado
  • Die zweite bedeutende Kirche von Benavente (Iglesia de San Juan del Mercado) wurde etwa gleichzeitig erbaut und ist ebenfalls dreischiffig, aber nur dreiapsidial. Die drei Schiffe sind nicht eingewölbt, sondern werden von einem hölzernen Dachstuhl überspannt. Bemerkenswert sind die beiden Portale der Kirche, von denen das auf der Südseite ein Tympanonfeld mit der biblischen Szene der Anbetung der Könige zeigt; rechts davon sitzt Josef, den Kopf auf einen Arm gestützt und schlafend. Über der thronenden Gottesmutter Maria mit dem Jesusknaben auf dem Schoß im Typus der Sedes sapientiae schwebt der Stern, dem die „Weisen aus dem Morgenland“ gefolgt sind.[7]
Artesonado-Decke im „Schneckenturm“
Torre del Caracol
  • Auch wenn der mächtige dreigeschossige Turm (Torre del Caracol) des Castillo de Mota heute zu einem Hotel (Parador) gehört, ist er ein weiterer markanter Bau der Stadt. Seine Architektur gehört zur Spätgotik bzw. zur beginnenden Renaissance, worauf vor allem die innenliegenden Loggien mit ihren Segmentbögen hindeuten; in seinem Innern befindet sich eine achteckige, farbig gefasste und spitz zulaufende Artesonado-Decke mit einer Vielzahl von ineinander verschlungenen geometrischen Flechtbandmotiven.
  • Weitere Kirchen und Einsiedlerkapellen sowie Herrenhäuser des 17. bis 20. Jahrhunderts befinden sich im Ort und seiner näheren Umgebung.
  • Das vom 2. Herzog von Benavente und seiner Ehefrau in der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts gestiftete Pilgerhospital (Hospital de peregrinos de La Piedad) ist ein weiteres historisches Bauwerk der Stadt – vor allem sein wappengeschmücktes Portal mit der Figür einer Pietà darüber und sein säulenumstandener Innenhof (patio) verdienen Beachtung.

Umgebung

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Toribio de Benavente, auch Motolinía genannt (1482–1569), Franziskaner und Verfasser der Historia de los Indios de la Nueva España wurde in Benavente geboren.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Benavente (Zamora) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Cifras oficiales de población resultantes de la revisión del Padrón municipal a 1 de enero. Bevölkerungsstatistiken des Instituto Nacional de Estadística (Bevölkerungsfortschreibung).
  2. Benavente – Klimatabellen
  3. Benavente – Bevölkerungsentwicklung
  4. Benavente – Geschichte
  5. Benavente – Geschichte
  6. Benavente – Kirche Santa María del Azogue
  7. Benavente – Kirche San Juan del Mercado