Bundesjazzorchester

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Das Bundesjazzorchester (BuJazzO) ist das Jugendjazzorchester der Bundesrepublik Deutschland mit dem Zweck der Spitzenförderung des Jazznachwuchses. Das Orchester wurde 1987 gegründet. Träger ist die Deutscher Musikrat gemeinnützige Projektgesellschaft mbH mit Sitz in Bonn. Projektleiter ist Dominik Seidler.

Im Orchester spielen junge Nachwuchsjazzmusikerinnen und -musiker (zwischen 17 und 24 Jahre alt) aus ganz Deutschland. Sie qualifizieren sich über alle zwei Jahre stattfindende Probespiele. Nach bestandenem Probespiel wird jedes Mitglied maximal zwei Jahre in die Förderung des Ensembles aufgenommen. Gemeinsam mit den beiden Künstlerischen Leitern Niels Klein und Ansgar Striepens sowie wechselnden Gastdirigenten erarbeiten die jungen Musikerinnen und Musiker regelmäßig neue musikalische Programme und präsentieren diese in anschließenden Konzerten im In- und Ausland. Begleitet werden sie dabei von einer internationalen Dozenten- und Profimannschaft, die sie musikalisch unterstützt und ihnen ein professionelles Umfeld und optimale Rahmenbedingungen bietet.

Das Bundesjazzorchester ist seit 2010 Patenorchester der WDR Big Band. Seit 2014 bzw. 2016 besteht eine Kooperation mit dem National Youth Jazz Orchestra (England) sowie dem Nationaal Jeugd Jazz Orkest (Niederlande) über ein regelmäßiges „Student-in-Residence“-Programm.

Gründung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Orchester wurde 1987 auf Anregung des Deutschen Musikrates gegründet. Am 6. Januar 1988 trat es zum ersten Mal bei einem Auftritt im Bundeskanzleramt an die Öffentlichkeit.

Leitung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die künstlerische Leitung liegt seit 2020 bei Niels Klein und Ansgar Striepens. Mit ihnen und wechselnden Gastdirigenten erarbeiten die zwischen 17 und 24 Jahre jungen Talente – fast alle sind Studierende an deutschen und internationalen Musikhochschulen – regelmäßig neue Programme und präsentieren diese in anschließenden Konzerten im In- und Ausland. Begleitet werden sie dabei von einer internationalen Dozenten- und Profimannschaft, die sie musikalisch unterstützt und ihnen ein professionelles Umfeld und optimale Rahmenbedingungen bietet.

Von Anfang an bis ins Jahr 2006 stand das Bundesjazzorchester unter der Leitung von Peter Herbolzheimer, einem renommierten deutschen Bigbandleiter. Zwischen 2007 und Mitte 2011 wechselte die künstlerische Leitung halbjährlich zwischen renommierten Dirigenten. 2011 bis 2020 dirigierten Jiggs Whigham und Niels Klein im Wechsel mit Gastdirigenten aus aller Welt das BuJazzO und legten gemeinsam die Programme des Ensembles fest.[1] Im Januar 2020 löste Ansgar Striepens Jiggs Whigham in seiner Funktion ab. Zugleich ernannte das Bundesjazzorchester Whigham zu seinem Ehrendirigenten.[2]

Repertoire[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Orchester steht in der Tradition der Jazz-Bigbands. Das Konzertprogramm enthält Jazzstandards von berühmten Jazzmusikern wie Charlie Parker, Clifford Brown, Dave Brubeck, Benny Goodman, Miles Davis, Duke Ellington, Thad Jones, Michael Brecker und Thelonious Monk. Die Arrangements der Stücke kommen unter anderen von Thad Jones, Rob Pronk und Peter Herbolzheimer, der auch zahlreiche eigene Kompositionen zum Repertoire beigesteuert hat. Viele Stücke kommen aber auch aus der Feder früherer und derzeitiger Mitglieder des Bundesjazzorchesters. Für besondere Veranstaltungen ist das BuJazzO auch mit Geir Lysne, Lars Møller, T. A. S. Mani oder R. A. Ramamani aufgetreten.

Veröffentlichungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das BuJazzO hat bis 2020 sechzehn Alben veröffentlicht:

  • Vol. 1 (Deutsche Harmonia Mundi / Ars Musici 1988; Leitung: Peter Herbolzheimer)
  • Vol. 2 (Ars Musici 1991; Leitung: Peter Herbolzheimer)
  • Vol. 3 – Tour on the Baltic States and Russia 1993 (Ars Musici 1993; Leitung: Peter Herbolzheimer)
  • Vol. 4 – Focus on Vocals (Mons 1997; Leitung: Peter Herbolzheimer; Doppel-CD)
  • Vol. 5 – On Tour (Mons 1999; Leitung: Peter Herbolzheimer)
  • Vol. 6 – Calling South Africa (Mons 2006; Leitung: Peter Herbolzheimer)
  • Vol. 7 – The Next Generation (2007–2009; Leitung: Marko Lackner, Bill Dobbins, Ed Partyka, Jiggs Whigham, Steffen Schorn; Doppel-CD)[3]
  • Vol. 8 – City Grooves (MBM/Harmonia Mundi, 2011; Leitung: Maria Baptist)[4]
  • Vol. 9 – Originals (2010; Leitung: Marko Lackner)[3]
  • Vol. 10 – Calcutta Ending (GMO 2011; Leitung: Mike Herting)
  • Vol. 11 – 25 (DoubleMoon 2013; Leitung: Jiggs Whigham & Niels Klein; Doppel-CD)[5]
  • Vol. 12 – Afropa (GMO 2014; Leitung: Mike Herting)
  • Vol. 13 – Groove and the Abstract Truth (Double Moon 2016; Leitung: Niels Klein)
  • Vol. 14 – Verley uns Frieden (Double Moon 2017; Leitung: Michael Villmow)
  • Vol. 15 – BuJazzO 30 (Double Moon 2018, u. a. mit Gastsolisten wie Nils Landgren und Wolfgang Niedecken)
  • Vol. 16 – Cuban Fire (Double Moon 2019; Leitung: Jiggs Whigham)

Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1997 erhielt das BuJazzO den Deutschen Musikpreis[6], 2010 den WDR-Jazzpreis für Nachwuchsorchester[7] und 2012 einen ECHO Jazz als „Sonderpreis für außerordentliche Leistungen im Jazz-Bereich“. Aufgrund der Bedeutung des Wirkens und der musikalischen Kompetenz der Formation, die eine „klingende Visitenkarte des Jazz made in Germany“ sei, wurde das Bundesjazzorchester 2018 mit dem Frankfurter Musikpreis geehrt.[8]

Finanzierung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, der Westdeutsche Rundfunk, die Gesellschaft zur Verwertung von Leistungsschutzrechten und die Daimler AG teilen sich die Förderung des Bundesjazzorchesters. Auch die Teilnehmer tragen mit Eigenbeiträgen zur Finanzierung bei.

Bewerber[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Höchstalter beträgt 24 Jahre. Ein Eintritt in das Ensemble ist bis zum Alter von 22 Jahren möglich. Mitglieder verpflichten sich für die Dauer von zwei Jahren bzw. vier Arbeitsphasen. Teilnahmevoraussetzung ist ein bestandenes Auswahlvorspiel. Besetzt sind alle Bigband-Instrumente plus Vokalensemble. Die Arbeitsphasen setzen sich zusammen aus Orchester- und Satzproben, Instrumentalunterweisung – einzeln oder in Gruppen – sowie einem musikalischen Rahmenprogramm und informativen Zusatzangeboten.[9]

Ehemalige Mitglieder[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ehemalige Mitglieder sind unter anderem Philipp Brämswig, Till Brönner, Gregor Bürger, Kai Bussenius, Roger Cicero, Christopher Dell, Fabian Dudek, Fiete Felsch, Klaus Graf, Sandra Hempel, Paul Heller, Oliver Leicht, Christian Lillinger, Tamara Lukasheva, Andi Maile, Peter Protschka, Claudio Puntin, Malte Schiller, Steffen Schorn, Matthias Schriefl, Matthias Strucken, Johannes Uthoff, Chris Walden, Steffen Weber, Peter Weniger, Nils Wogram, Michael Wollny, Nils Wülker, Rebekka Ziegler und Jan Zehrfeld.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Bundesjazzorchester mit neuer künstlerischer Leitung, Neue Musikzeitung, 26. August 2011
  2. Ansgar Striepens löst Jiggs Whigham ab. Abgerufen am 18. März 2020.
  3. a b The Next Generation/Originals (Besprechung) All About Jazz
  4. Besprechung (Jazzthing)
  5. Besprechung Jazzthing
  6. Deutscher Musikpreis. Abgerufen am 30. März 2011.
  7. Pressemitteilung: WDR Jazzpreis. WDR, 7. September 2010, abgerufen am 30. März 2011.
  8. Musikmesse 2018: Frankfurter Musikpreis geht an Bundesjazzorchester (BuJazzO). Jazzzeitung, 20. März 2018, abgerufen am 17. November 2018.
  9. Deutscher Musikrat - BuJazzO: BuJazzO: Bewerber. In: www.bundesjazzorchester.de. Abgerufen am 14. Juni 2016.