Busendorf (Beelitz)

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Koordinaten: 52° 17′ 20″ N, 12° 49′ 40″ O

Busendorf
Stadt Beelitz
Wappen von Busendorf
Höhe: 44 m
Fläche: 23,6 km²
Einwohner: 644 (31. Mai 2010)
Bevölkerungsdichte: 27 Einwohner/km²
Eingemeindung: 1. Januar 2001
Postleitzahl: 14547
Vorwahl: 033206
Busendorf (Brandenburg)
Busendorf

Lage von Busendorf in Brandenburg

Busendorf ist ein Ortsteil der brandenburgischen Stadt Beelitz.

Die bis 1815 sächsische Gemeinde gehört mit den Gemeindeteilen Kanin und Klaistow seit dem 1. Januar 2001 zur Stadt Beelitz. Die 644 Einwohner des Ortsteils verteilen sich auf die Ortslage Busendorf mit 408, Kanin mit 129 und Klaistow mit 107 Einwohnern[1].

Herkunft des Ortsnamens[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zuverlässig ist die Herkunft des ungewöhnlichen Ortsnamens nicht belegt.

Nach einer kirchlichen Version war die Kapelle des Gemeindeteils Kanin vor Jahrhunderten eine Betstelle des Zisterzienserklosters Lehnin, in der Mönche in Abgeschiedenheit ihre Andacht halten und Buße ableisteten konnten. Der Ort der „Buße“ entwickelte sich zum heutigen Namen.

Die Lage an einem Busen (Bucht) des inzwischen ausgetrockneten Sees, den es an der Stelle der heutigen Luchwiesen gab, ist eine weitere Erklärung.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Dorfkirche in Kanin
Kanin, Dorfkirche

Busendorf wurde 1420 das erste Mal urkundlich erwähnt. Später kamen noch die Ortsteile Kanin und Klaistow dazu. Die typisch wendischen Rundlingssiedlungen bildeten bis zu den Befreiungskriegen 1815 als Exklave den nördlichsten Zipfel des Kurfürstentums Sachsen und waren fast vollständig vom preußischen Land umgeben. Das ergab kuriose Situationen. Während Kanin selbst kursächsisch war, gehörte der Dorfkrug zu Preußen. Preußische Deserteure des „Ersten Gardebataillons zu Fuß“ aus Potsdam konnten sich in den sächsischen Dörfern in Sicherheit bringen, doch im preußischen Dorfkrug gingen die Fahnenflüchtigen oft in die Falle der Husaren aus Ferch. Auf sie wartete der Spießrutenlauf in Potsdam.

Auch für die Schmuggler war die Gegend lohnend. „Kaffeegrund“ hieß ein Gehölz, in dem zu Zeiten des Alten Fritz ein reger, illegaler Grenzverkehr stattfand. Die begehrten und teuren Kaffeebohnen wurden illegal vom liberalen Sachsen ins sittenstrenge Preußen befördert.

Die Zugehörigkeit der drei Dörfer zu Sachsen ist nicht mehr erkennbar, geblieben ist nur der Name „Sächsische Dörfer“. Die vorherrschende Mundart wurde von Sachsen nicht geprägt. Das zauchisch-teltowsche Platt der ganzen Gegend war Umgangssprache.

Am 1. Juli 1950 wurden Kanin und Klaistow in die damalige Gemeinde Busendorf eingegliedert.[2] Wegen ihrer geringen Gemeindegröße hatten die drei Dörfer nur eine gemeinsame Kirche und Schule in Kanin. Die Kirche war eine Filiale der Mutterkirche von Bliesendorf. Die Kirche entstand 1138 aus Feldsteinen und ist die älteste der Mark Brandenburg. Die Restaurierung wird von der „Deutschen Stiftung Denkmalschutz“ in Bonn unterstützt.

Münzfund[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im November 2015 stieß Mario Lippert, ein ehrenamtlicher Bodendenkmalpfleger, in einem Busendorfer Spargelfeld mit einem Metallsuchgerät auf 70 alte Münzen aus Silber. Kurz danach fand er mit einem Kollegen weitere 250 Münzen sowie Keramikscherben. Anschließende Erkundungen, an denen das Brandenburger Landesamt für Denkmalpflege beteiligt war, erbrachten insgesamt 502 Münzen und 80 Münzhälften. Im Mai 2016 fand Lippert im Umkreis des Kernfunds weitere gut 100 Münzen und 17 Münzhälften. Es handelt sich meist um Denare, die um 1250/1260 in Brandenburg und in Stendal geprägt worden waren. [3]

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wappen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die drei Orte werden im Wappen jeweils durch eine Spargelstange symbolisiert. Die horizontal nach oben gebogene Teilung des Wappenschildes symbolisiert einen Spargeldamm. Die sächsische Vergangenheit wird im oberen Teil des Ortswappens durch das neunfach waagerecht schwarz-golden geteilte Feld dargestellt.

Das Wappen wurde vom Heraldiker Frank Diemar gestaltet.

Allgemeines[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Busendorf liegt am Rand eines ausgedehnten Spargelgebietes. Anbau, Verarbeitung und Vermarktung von Spargel stellen einen bedeutenden Wirtschaftsfaktor dar. Zunehmend wird der Spargelhof in Klaistow auch zu einem attraktiven Ausflugsziel, da die geschäftstüchtigen Betreiber das Gelände sehr besucherfreundlich gestalten und ständig ausbauen (Wildgehege, Kleintier- und Streichelzoo, großer Kinderspielplatz, Gastronomie, Hofladen, saisonbegleitende Veranstaltungen) und damit tausende Besucher anziehen. Von hier aus wird das Edelgemüse inzwischen bis nach Singapur exportiert.

Spargel- und Erlebnishof Klaistow

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Etwas abseits gelegen (in Klaistow) existiert ein Spargelhof mit Gastronomieangeboten, Kleintier- und Streichelzoo, großem Kinderspielplatz und Wildgehege.

Verkehrsanbindung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Bundesautobahn 10 (Ausfahrt Glindow/Werder)
  • Bundesautobahn 9 (Ausfahrt Beelitz-Heilstätten/Fichtenwalde in unmittelbarer Nähe des Berliner Ringes / Dreieck Potsdam (A 10 / A 9)
  • Bundesautobahn 2 in unmittelbarer Nähe des Berliner Ringes / Dreieck Werder (A 10 / A 2)
    • Fahrzeiten: in die Berliner Innenstadt 35–45 Minuten, nach Potsdam 25 Minuten
  • Bahnhof Beelitz-Heilstätten (BerlinBad Belzig)
  • Öffentlicher Nahverkehr,
    City-Bus und in umliegende Ortschaften (beispielsweise der Bus 643 von Potsdam-Hauptbahnhof, Busendorf ist Endhaltestelle)

Weiteres[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Die Kirche von Kanin war einer der Drehorte in der Fernsehserie Der Heiland auf dem Eiland mit Jürgen von der Lippe (RTL).
  • Es gibt den Fußballclub SV 71 Busendorf mit Rasenplatz.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Beelitzer Nachrichten 21. Jahrgang Nr. 6, Seite 9
  2. Beitrag zur Statistik: Historisches Gemeindeverzeichnis des Landes Brandenburg 1875 bis 2005 – Landkreis Potsdam-Mittelmark.
  3. Ronald Sprafke: Der Silberschatz vom Spargelfeld. Eher zufällig hat ein ehrenamtlicher Bodendenkmalpfleger einen Jahrhundertfund gemacht. in: neues deutschland vom 18. Juli 2016, S. 12