Chris Christie

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Chris Christie (2014) Christies Unterschrift

Christopher James „Chris“ Christie (* 6. September 1962 in Newark, New Jersey) ist ein US-amerikanischer Politiker der Republikanischen Partei. Er ist seit dem 19. Januar 2010 Gouverneur von New Jersey.

Im Juni 2015 kündigte Christie seine Kandidatur für die republikanische Präsidentschaftskandidatur 2016 an, zog seine Bewerbung im Februar 2016 nach enttäuschenden Wahlergebnissen in Iowa und New Hampshire jedoch wieder zurück. Wenig später bekundete er seine Unterstützung für Donald Trump. Christie gilt innerhalb seiner Partei als gemäßigter Konservativer, der einen pragmatischen Kurs verfolgt.

Werdegang[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Als Sohn von Sondra A. (geborene Grasso; 1932–2003) und Wilbur James "Bill" Christie (* 1933) hat Chris Christie sowohl britische als auch italienische Vorfahren. Er wuchs in der Kleinstadt Livingston (New Jersey) auf, wo er auch die High School absolvierte. Als junger Mann zog Christie nach Delaware, wo er an der University of Delaware Politikwissenschaft studierte und 1984 den Bachelor of Arts erhielt. 1987 erwarb er ein Berufsdoktorat (Juris Doctor) an der Seton Hall University in seiner Geburtsstadt Newark. Christie arbeitete ab 1987 in einer Anwaltskanzlei in Cranford (New Jersey), ehe er 1994 ins Grundbuchamt von Morris County wechselte. 1997 wurde er zum Chef des Amtes gewählt.

Staatsanwalt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

2001 erfolgte Christies Ernennung zum Bundesstaatsanwalt für den Bezirk New Jersey, ein Amt, das er im Januar 2002 antrat. Er galt in New Jersey als sehr erfolgreicher Staatsanwalt, da er hart gegen Bandenkriminalität und Kinderpornografie im Internet auftrat. 2007 verhinderten Ermittlungen seiner Behörde einen geplanten islamistischen Terroranschlag auf die Militärbasis Fort Dix. Im Dezember 2008 schied Christie aus seinem Amt aus.

Gouverneur von New Jersey[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

2009 bewarb sich Christie als Kandidat der Republikaner um das Amt des Gouverneurs von New Jersey. Am 3. November 2009 wurde er mit 48,5 zu 44,9 Prozent der Wählerstimmen gegen Amtsinhaber Jon Corzine gewählt. Die Vereidigung zum Gouverneur fand am 19. Januar 2010 statt. Gleichzeitig wurde erstmals in der Geschichte des Bundesstaates New Jersey das Amt des Vizegouverneurs eingeführt, das es dort zuvor nur in der Kolonialzeit gegeben hatte. Erste Vizegouverneurin wurde Kimberly Ann Guadagno.

2010 versäumte New Jersey, Bundesmittel für Bildungshilfe rechtzeitig zu beantragen. Christie versuchte zunächst, der Obama-Regierung die Schuld dafür anzulasten.[1]

Angesichts eines nahenden Blizzards flog Christie im Dezember 2010 mit seiner Familie nach Disneyworld und kritisierte nach seiner Rückkehr die örtlichen Bürgermeister für deren Umgang mit der Wetterkatastrophe.[2]

Im Mai 2011 ließ sich Christie im staatseigenen Helikopter zum Baseballspiel seines Sohnes fliegen und weigerte sich zunächst, die Kosten für die Flüge zu erstatten.[3]

Die Arbeitslosigkeit in New Jersey erreichte 2012 einen Höchststand.[4]

Für die Gouverneurswahl 2013 stellte sich Christie zur Wiederwahl. Die Primary der Republikaner gewann er ohne Probleme mit 91 Prozent der Stimmen. Am Wahltag, dem 5. November 2013, konnte er mit 60,5 Prozent der Stimmen seine demokratische Herausforderin Barbara Buono schlagen, die 38 Prozent auf sich vereinte. Sein Vorsprung betrug rund 460.000 Stimmen bei knapp über zwei Millionen abgegebenen Stimmen. Christie sicherte sich in 19 der 21 Countys eine Mehrheit.[5] Seine Amtszeit läuft noch bis zum 23. Januar 2018. Für die im November 2017 anstehende Gouverneurswahl ist Christie ausgeschlossen, da die Verfassung des Bundesstaates nicht mehr als zwei Amtszeiten am Stück zulässt.

„Bridgegate“[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Christies Ruf eines pragmatischen Machers, der sich über parteipolitische Grenzen hinwegsetzt, erlitt schweren Schaden, als im Januar 2014 bekannt wurde, dass sein Stab offenbar als Racheakt gegen einen politischen Gegner in Fort Lee die dortigen Zufahrten zur George-Washington-Brücke, über die täglich mehr als 300.000 Autos fahren, unter dem Vorwand einer Verkehrsstudie im September 2013 für fünf Tage so drosseln ließ, dass ein riesiger Verkehrsstau entstand.[6] Der Skandal wurde weithin als Bridgegate bekannt. Der zurückgetretene ehemalige Mitarbeiter der Hafenbehörde David Wildstein, der für die absichtliche Teilsperrung der Brücke mitverantwortlich gemacht wurde, behauptete im Januar 2014, dass Christie entgegen seiner Aussage vom Verkehrskollaps noch vor dessen Ende informiert gewesen sei.[7][8] Das Büro des Gouverneurs wies diese Darstellung zurück und beharrte darauf, dass Christie erst nach den Presseberichten davon erfahren habe.[9]

Präsidentschaftskandidatur 2016[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Christie bei einer Wahlkampfveranstaltung 2015

Am 30. Juni 2015 gab Christie bekannt, dass er sich für die Republikaner bei den Wahlen 2016 um die amerikanische Präsidentschaft bewerben will. Damit ist er der 14. Kandidat der sich offiziell um die Nominierung bei den republikanischen Vorwahlen bewirbt. Sein Wahlkampfslogan lautet „Telling it like it is“ („Es sagen, wie es ist“).[10]

In New Hampshire, wo die republikanische Parteibasis traditionell eher als moderat gilt, gelang es Christie nicht, sich von den anderen Bewerbern des pragmatischen Parteiflügels abzusetzen, obwohl er seine Wahlkampfaktivitäten vornehmlich auf diesen Staat konzentrierte. So lag er deutlich hinter Jeb Bush (11 %) und seinem Gouverneurskollegen aus Ohio John Kasich (16 %), nachdem diese Vorwahl von dem Immobilien-Milliardär und politischen Quereinsteiger Donald Trump klar gewonnen wurde. Christies schlechtes Abschneiden wurde in US-Medien als überraschend angesehen, nachdem ihm bei einer Fernsehdebatte wenige Tage zuvor öffentlich ein starkes Auftreten bescheinigt wurde. Dabei kritisierte er vor allem den Senator aus Florida Marco Rubio als zu unerfahren, der infolge von Christies scharfen Angriffen in Umfragen an Zustimmung verlor und in New Hampshire ebenfalls schwach abschnitt.[11] Aufgrund schlechter Ergebnisse bei den beiden ersten Vorwahlen zog Christie am 10. Februar 2016 seine Kandidatur zurück.[12]

Am 26. Februar 2016 gab Christie offiziell eine Wahlempfehlung (Endorsement) für Donald Trump heraus, der sich bis dato auch bei den Vorwahlen in South Carolina und Nevada durchgesetzt hatte. Christie ist damit der erste Politiker des sogenannten Partei-Establishments, der sich für den Milliardär ausspricht.[13] In amerikanischen Medien wurde daraufhin spekuliert, dass Christie, dessen Amtszeit als Gouverneur Anfang 2018 aufgrund einer Amtszeitbeschränkung ausläuft, im Falle eines Wahlsieges von Trump dessen Regierung angehören könnte. Konkret wurde der Posten des Vizepräsidenten oder Justizministers genannt.[14]

Politische Positionen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Christie bei einem öffentlichen Auftritt 2011

Christie vertritt innerhalb der Republikanischen Partei moderate Positionen. So ist er etwa für ein strengeres Waffenrecht und einen toleranten Umgang mit Homosexuellen und illegalen Einwanderern. Von prominenten Mitgliedern seiner Partei, u.a. Henry Kissinger und Nancy Reagan, wurde Christie aufgrund seiner Beliebtheit in der Bevölkerung als Kandidat für die Wahl des US-amerikanischen Vizepräsidenten 2012 ins Gespräch gebracht.[15] Angesichts des Umstandes, dass die Republikaner derzeit überwiegend kompromisslos rechtskonservative Positionen beziehen und eng mit der rechten Tea-Party-Bewegung verbunden sind, erschien eine Kandidatur jedoch aussichtslos.

Christie hielt dennoch die Hauptrede bei der Republican National Convention 2012 in Tampa (Florida). Politische Beobachter bemerkten, dass Christie eher sich selbst und seine Politik als den nominierten Präsidentschaftskandidaten Mitt Romney ins Zentrum seiner Rede gerückt habe.[16]

Während Christie in den Monaten vor der Präsidentschaftswahl 2012 den demokratischen Amtsinhaber noch kritisiert hatte, änderte er seine Meinung nach den verheerenden Schäden durch den Hurrikan Sandy in New Jersey radikal. Er lobte Präsident Obama nur fünf Tage vor der Wahl wiederholt für sein gutes Krisenmanagement: „Ich danke dem Präsidenten persönlich für seinen Einsatz. Die Kooperation mit ihm war herausragend, dafür gebührt ihm große Anerkennung.“[17] An Romney, der seinen Wahlkampf ungeachtet der Katastrophe faktisch fortgeführt hatte, ließ Christie in diesem Zusammenhang hingegen kaum ein gutes Haar, obwohl die Wahl unmittelbar bevorstand. Nicht wenige Republikaner legten ihm dies als „Verrat“ aus, doch Christie stand zu seinen Äußerungen.

Obama gewann die Wahl im November 2012. Vor Silvester kam es zu einem langen Tauziehen zwischen Demokraten und Republikanern um Steuererhöhungen („Fiskalklippe“), was zu einer zunehmenden Kompromisslosigkeit innerhalb des Kongresses führte. Nachdem der Republikaner John Boehner (als Sprecher des US-Repräsentantenhauses) aus taktischen Gründen eine Abstimmung über die Bewilligung von 60 Milliarden US-Dollar Hilfsgelder für Opfer des Hurrikan Sandy (und damit die Auszahlung der Mittel) verhindert hatte, kritisierte Christie die republikanischen Abgeordneten, seine Parteifreunde, äußerst scharf und nannte die Situation „enttäuschend und ekelhaft“: „Nur eine Seite trägt die Schuld am Leid dieser Menschen: Die (republikanische) Mehrheit im Repräsentantenhaus und ihr Sprecher, John Boehner... Wir helfen unschuldigen Opfern von Naturkatastrophen nicht als Republikaner oder Demokraten, sondern als Amerikaner. Oder vielmehr: Wir taten es — bis gestern Abend. Denn gestern Abend hat man die Parteipolitik dem Eid, den Bürgern zu dienen, vorgezogen. Für mich war das enttäuschend und ekelhaft anzusehen... Gestern Abend hat die Mehrheit im Repräsentantenhaus die einfachste Prüfung in Sachen Staatsführung nicht bestanden, und sie tat es in abgestumpfter Gleichgültigkeit gegenüber dem Leid der Menschen in meinem Bundesstaat.“[18][19] Während viele Republikaner Christie aufgrund dieses Verhaltens erneut der Illoyalität gegenüber seiner Partei bezichtigten, sind andere Beobachter der Ansicht, dass der Gouverneur sich bewusst als Politiker inszeniere, der jenseits der Parteienstreits und ideologischer Konflikte um Sachpolitik und um das Wohl seiner Wähler bemüht sei.

Privates[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Christie ist seit 1986 mit Mary Pat Christie verheiratet und Vater von vier Kindern, zwei Söhnen und zwei Töchtern. Er ist Katholik.

Aufgrund seines starken Übergewichtes ließ sich Christie Anfang 2013 ein Magenband einsetzen. Für seinen Mut, öffentlich darüber zu reden, wurde er unter anderen von John McCain gelobt.[20] Viele Beobachter deuteten die Operation als Zeichen dafür, dass sich Christie auf eine Präsidentschaftskandidatur vorbereite.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Chris Christie – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. U.S. officials refute Christie on attempt to fix Race to the Top application during presentation
  2. Christie praises state's efforts battling blizzard
  3. N.J. Gov. Christie reimburses state for chopper rides
  4. http://www.northjersey.com/news/163061946_Nj_jobless_rate_rises_to_9_6_percent.html
  5. The New York Times: Chris Christie Re-elected Governor of New Jersey vom 6. November 2013
  6. „Bridgegate“ ramponiert Polit-Star Berliner Zeitung 9. Januar 2014
  7. Christie Linked to Knowledge of Shut Lanes - New York Times vom 31. Januar 2014
  8. US-Republikaner könnte über Bridgegate stolpern - Zeit online, 9. Januar 2014
  9. Chris Christie responds to new bridge scandal allegations - nj.com, 31. Januar 2014
  10. Republikaner Chris Christie gibt Kandidatur bekannt. FAZ.net, 30. Juni 2015.
  11. Chris Christie Plans to Drop Out After New Hampshire Flop, The New York Times, 10. Februar 2016 (englisch)
  12. US-Republikaner: Christie und Fiorina geben auf.. Spiegel Online, 10. Februar 2016, abgerufen am gleichen Tage
  13. Chris Christie endorses Donald Trump, CNN, 26. Februar 2016 (englisch)
  14. 4 reasons Chris Christie endorsed Donald Trump, Washington Post, 26. Februar 2016 (englisch)
  15. Süddeutsche Zeitung: Sticheleien gegen Romney, vom 31. Oktober 2012
  16. Wall Street Journal: Reactions to Chris Christie's Speech
  17. http://derstandard.at/1350260036853/Republikanisches-Schwergewicht-auf-Kuschelkurs
  18. spiegel.de 3. Januar 2013: Top-Republikaner zieht über eigene Leute her
  19. "Ekelhaft": Republikaner Christie attackiert Parteifreunde
  20. http://www.spiegel.de/politik/ausland/us-republikaner-chris-christie-hat-sich-ein-magenband-einsetzen-lassen-a-898692.html