John Kasich

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
John Kasich (2015)

John Richard Kasich (* 13. Mai 1952 in McKees Rocks, Allegheny County, Pennsylvania) ist ein US-amerikanischer Politiker der Republikanischen Partei und seit 2011 Gouverneur des Bundesstaates Ohio. Von 1983 bis 2001 war er Mitglied des Repräsentantenhauses der Vereinigten Staaten, wo er Schlüsselpositionen in wichtigen Ausschüssen innehatte. Zwischen seiner Zeit als Abgeordneter und Gouverneur war Kasich mehrere Jahre in der Privatwirtschaft tätig. Im Juli 2015 kündigte er seine Kandidatur für die Präsidentschaftswahl 2016 an. Angesichts der Vorwahlergebnisse gab er am 4. Mai 2016 seine Kandidatur auf.[1] Kasich gilt als gemäßigter Vertreter seiner Partei, der eine pragmatische Politik verfolgt.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Werdegang[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kasich hat tschechische und kroatische Vorfahren. Er wuchs in bescheidenen Verhältnissen als Sohn eines Postboten in einem demokratisch geprägten Wohnviertel auf. 1970 begann er an der Ohio State University Politikwissenschaften zu studieren. 1974 erhielt er seinen Bachelor.

Politische Laufbahn[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kasich als Kongressabgeordneter in den späten 1990er-Jahren

Erste Erfahrungen in der Politik sammelte Kasich als Assistent und Wahlkampfhelfer des Staatssenators und späteren Kongressabgeordneten Buz Lukens. 1978 wurde Kasich (damals 26 Jahre alt) in den Senat von Ohio gewählt und war dort von 1979 bis 1982 Senator. 1982 kandidierte Kasich mit Erfolg für einen Sitz im Repräsentantenhaus der Vereinigten Staaten und trat sein neues Amt im Januar 1983 an. 1996, in einer frühen Phase des damaligen Präsidentschaftswahlkampfs, galt Kasich als ein möglicher US-Vizepräsidentschaftskandidat von Bob Dole. Dole entschied sich für den erfahreneren und bekannteren Jack Kemp. Kasich war insgesamt 18 Jahre Mitglied des Kongresses. Von 1995 bis 2001 war er Vorsitzender des Haushaltsausschusses. Er schied im Januar 2001 freiwillig aus dem Parlament aus.

Zweite Karriere[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Jahr 2001 wurde Kasich CEO der Zweigstelle von Lehman Brothers in Columbus.[2] Kurz vor dem Zusammenbruch der Bank, im Jahr 2008, erhielt er Boni in Höhe von 587.000 US-Dollar.[3]

2001 moderierte er auf FOX die Politik-Talkshow Heartland; nach wenigen Episoden gab er die Moderation auf. Von 2005 bis 2008 war er Politikberater in der Sendung The O'Reilly Factor von und mit Bill O’Reilly und stand 2010 in Huckabee dem Moderator und ehemaligen Politiker Mike Huckabee Rede und Antwort.

Zwischen 1998 und 2010 wurden drei von Kasich geschriebene Bücher veröffentlicht. Sein erstes Sachbuch Courage is Contagious wurde ein Bestseller.

Gouverneur von Ohio[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bereits 2006 hatte die Republikanische Partei beabsichtigt, Kasich für die Kandidatur als Gouverneur von Ohio zu gewinnen; Kasich hatte dies damals abgelehnt. 2009 gab er seine Kandidatur offiziell bekannt. Anfang November 2010 gewann Kasich die Wahl knapp gegen den demokratischen Amtsinhaber Ted Strickland. Daraufhin löste er Strickland am 10. Januar 2011 als Gouverneur ab; seine Vizegouverneurin ist Mary Taylor. Während seiner Amtszeit von 2011 bis 2014 wurden in Ohio 12 Todesurteile vollstreckt (21 % der 53 Exekutionen im Bundesstaat Ohio seit 1976),[4] darunter auch die von Dennis McGuire mit bis dahin unerprobter Giftmischung.[5] Im Oktober 2015 verschob John Kasich die Termine für zwölf Hinrichtungen per Erlass auf unbestimmte Zeit.[6] Im Jahr 2014 wurde Kasich in seinem Amt als Gouverneur bestätigt.

Präsidentschaftskandidatur 2016[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kasich bei einem Wahlkampfauftritt in New Hampshire im Januar 2016

Im Juli 2015 kündigte Kasich an, sich um die Aufstellung als Kandidat der Republikanischen Partei bei der Präsidentschaftswahl in den Vereinigten Staaten 2016 zu bewerben. Im Wahlkampf wirbt Kasich vor allem mit seiner Expertise als ehemaliger Kongressabgeordneter und Gouverneur von Ohio.[7] Im Wahlkampf fiel Kasich, der innerhalb der Republikanischen Partei als Pragmatiker gilt, vor allem durch seine harsche Kritik an seinem Mitbewerber Donald Trump auf. Kasich bezeichnete vor allem Trumps Pläne zur Ausweisung von illegalen Einwanderern als nicht praktikabel und „nicht erwachsen“ (im Original: „not an adult argument“).[8]

Am 30. Januar 2016 erhielt Kasich ein Endorsement der The New York Times für die republikanische Spitzenkandidatur. Die Redaktion begründete ihre Haltung damit, dass Kasich als pragmatischer Politiker der einzig wirklich kompromissfähige Bewerber unter den Republikanern sei. Dies habe er sowohl durch seine Erfahrung im Kongress als auch als Gouverneur Ohios unter Beweis gestellt[9]. Auch die Tageszeitungen The Arizona Republic[10], The Boston Globe[11] und The Dallas Morning News[12] unterstützen die Bewerbung Kasichs. Unterdessen gelang es Kasich im zweiten Vorwahlbundesstaat New Hampshire mit 16 % den zweiten Platz nach Donald Trump (35 %) einzunehmen. Er ließ damit andere Bewerber des sogenannten „Partei-Establishments“ recht klar hinter sich. Der Gouverneur Ohios konzentrierte seinen Wahlkampf bereits früh sehr intensiv auf New Hampshire, wo die republikanische Parteibasis im Gegensatz zum ersten Vorwahlstaat Iowa als eher moderat gilt. Dort blieb Kasich mit rund zwei Prozent deutlich zurück[9]. In den Medien wurde Kasichs Abschneiden in New Hampshire als Überraschungserfolg gewertet, der seiner Kampagne neuen Schwung geben könnte.[13]

Nach dem Ausstieg Ted Cruz' am 3. Mai war Kasich der einzige verbliebene Gegenkandidat Donald Trumps in den Vorwahlen,[14] bis er am Tag darauf selbst die Kandidatur zurückzog. Eine Kandidatur für das Amt des Vizepräsidenten an der Seite Trumps lehnte Kasich anschließend ab, obwohl sich der Milliardär offen für ein solches Vorhaben zeigte.

Privatleben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

John Kasich war von 1975 bis 1980 mit Mary Lee Griffith verheiratet.[15] Er ist seit 1997 in zweiter Ehe mit Karen Waldbillig verheiratet; sie sind Eltern von eineiigen Zwillingstöchtern.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: John Kasich – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. John Kasich: Letzter republikanischer Trump-Rivale gibt auf. In: Spiegel Online. 4. Mai 2016, abgerufen am 7. Mai 2016.
  2. Lehman Hires Kasich. In: New York Times, 11. Januar 2001. Abgerufen am 5. September 2012. 
  3. Kasich discloses Lehman pay. In: Politico. 
  4. Number of Executions by State and Region Since 1976 – Death Penalty Information Center. In: deathpenaltyinfo.org. 28. April 2016, abgerufen am 7. Mai 2016 (englisch).
  5. Hinrichtung in Ohio: Neue Giftspritze ließ Todeskandidaten zehn Minuten leiden. In: Spiegel Online. 16. Januar 2014, abgerufen am 7. Mai 2016.
  6. USA: Ohio setzt Exekutionen für zwei Jahre aus. In: zeit.de. 20. Oktober 2015, abgerufen am 7. Mai 2016.
  7. Christoph Sydow: John Kasich ist Bewerber Nummer 16. In: Spiegel Online, 22. Juli 2015.
  8. Charlotte Alter: Ohio’s John Kasich Bashes Trump for ‘Silly’ Immigration Plan. In: Time, 10. November 2015 (englisch).
  9. a b A Chance to Reset the Republican Race. In: The New York Times, 30. Januar 2016 (englisch)
  10. Editorial: Reject Donald Trump and Ted Cruz. Vote John Kasich instead, The Arizona Republic, 21. März 2016
  11. Republicans should vote for John Kasich in N.H., The Boston Globe, 25. Januar 2016
  12. Editorial: We recommend John Kasich for GOP presidential nomination, The Dallas Morning News, 12. Februar 2016
  13. Wilson Andrews, Kitty Bennett, Alicia Parlapiano: 2016 Primary Results and Calendar. In: The New York Times, (englisch).
  14. New York Times, Who Is Running for President?, 3. Mai 2016
  15. Brett Mcintyre: The John Kasich Handbook, S. 21 (online)