Marco Rubio

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Marco Rubio (2015)

Marco Antonio Rubio (* 28. Mai 1971 in Miami, Florida) ist ein US-amerikanischer Politiker der Republikanischen Partei. Er war Abgeordneter im Repräsentantenhaus von Florida und ist seit Januar 2011 Senator für Florida im Senat der Vereinigten Staaten. Er tritt in den Vorwahlen seiner Partei zur Präsidentschaftswahl 2016 an.

Leben[Bearbeiten]

Marco Rubio wurde in Miami, Florida als drittes Kind (zweiter Sohn) von Mario Rubio (1927–2010) und Oriales García (* 1931) geboren.[1][2][3][4] Seine Eltern waren kubanische Exilanten, die am 27. Mai 1956 – mehr als zwei Jahre vor dem Sturz Batistas und der Machtübernahme durch Fidel Castro am 1. Januar 1959 – mit ihrem ältesten Sohn Mario (Victor) (* 1950) in die Vereinigten Staaten gelangten.[5] Auch nach der Machtübernahme Castros reisten die Eltern wiederholt nach Kuba. Marco Rubio sagte: „They returned to Cuba several times after Castro came to power to assess the situation with the hope of eventually moving back. .... They were from Cuba. They wanted to live in Cuba again. They tried to live in Cuba again, and the reality of what it was made that impossible.” („Sie kehrten mehrere Male, nachdem Castro an die Macht gelangt war, nach Kuba zurück, um die Lage zu sondieren in der Hoffnung, eventuell nach Kuba zurückzukehren. ... Sie stammten aus Kuba. Sie wollten wieder in Kuba leben. Sie versuchten wieder in Kuba zu leben, aber die dortige Realität machte das unmöglich.“)[6]

Erst im September 1975 – 15 Jahre nach ihrer Ankunft – bemühten sich die Eltern um die US-amerikanische Staatsbürgerschaft. Somit waren sie 1971, als ihr drittes Kind Marco (Rubio), geboren wurde, noch keine US-Staatsbürger.[7] Als Marco Rubios Eltern mit ihrem ältesten Sohn Mario (Victor) (* 1950) in die USA einwanderten, war ihre erste Station New York.[8] Doch schon im darauffolgenden Jahr zog die Familie nach Miami, Florida. Der Vater fand hier Arbeit im Roney Plaza Hotel in Miami Beach.[9] In Folge versuchte der Vater als Selbstständiger zu arbeiten und eröffnete eine ganze Reihe von Geschäften, die aber sämtlich in Konkurs gingen.[10] 1964 zog die Familie nach Los Angeles, Kalifornien, um bereits einige Wochen später nach Las Vegas, Nevada, weiterzuziehen. Auch hier verblieb man nicht lange, sondern kehrte kurze Zeit später wieder nach Miami zurück, wo der Vater seine Arbeit im Roney Plaza Hotel wieder aufnahm.[11] 1978, als Marco Rubio sieben Jahre alt war, zog seine Familie erneut nach Las Vegas, Nevada, wo sein Vater als Barkeeper und seine Mutter als Zimmermädchen Arbeit gefunden hatten. 1985 kehrte die Familie wiederum nach Miami zurück, wo sein Vater bis 1997 wieder als Barkeeper arbeitete. Danach verdiente er bis zu seiner Pensionierung im Jahre 2005 seinen Lebensunterhalt als Schülerlotse. Seine Mutter arbeitete bis zu ihrer Pensionierung im Jahre 1995 als Lagerverwalterin bei Kmart.[12]

Rubio in der High School

Aufgrund der häufigen Umzüge seiner Eltern besuchte Marco Rubio eine ganze Reihe von Schulen. Zunächst die Henry M. Flagler Elementary School in Miami,[13] ab Anfang 1979 die C.C. Ronnow Elementary School (Second Grade) in Las Vegas,[14] dann die South Miami (Senior) High School, die er im Jahre 1989 abschloss. Im Anschluss besuchte er ein Jahr lang das Tarkio College, in Missouri, weil ihm für 1989/90 ein Football-Stipendium gewährt worden war. Danach wechselte er zum Santa Fe Community College (heute: Santa Fe College) in Gainesville, Florida.[15]

Marco Rubio studierte an der University of Florida, an der er im Jahre 1993 einen Bachelor of Science in Politikwissenschaften erlangte. Er setzte sein Studium an der University of Miami (School of Law) fort und schloss dort 1996 mit dem Juris Doctor (cum laude) ab.[16]

In Folge arbeitete er in einer Reihe von Anwaltskanzleien.[17][18] 1996 bot ihm Al Cardenas,[19][20][21] zu dieser Zeit stellvertretender Vorsitzender der Republikanischen Partei Floridas, den er während der 1996er Bob Dole-Präsidentschafts-Kampagne kennengelernt hatte, einen Job in seiner gemeinsam mit C. Thomas Tew [22][23][24] 1991 gegründeten Kanzlei Tew Cardenas an.[25][26] Sein Verdienst betrug $ 57.000 p.a.[27] 1998 wurde ihm ein besser dotierter Job ($ 72.000 p.a.) von der Kanzlei Ruden, McClosky, Smith, Schuster & Russell, P.A. in Miami angeboten.[28] 2001 bis 2004 arbeitete er in der Anwaltsfirma Becker & Poliakoff ($ 93.000 p.a.)[29] 2004 bis 2008 bei Broad & Cassel, Miami. ($ 300.000 p.a.). 2008 gründete er dann seine eigene Anwaltskanzlei, zugleich noch eine Consulting-Firma (Rubio Consulting), und wurde Partner von Florida Strategic Consultants, einer anderen Beraterfirma.[30][31]

Der von seinen Eltern katholisch erzogene Rubio ist heute wieder bekennender Katholik, nachdem er als Jugendlicher und junger Erwachsener jeweils mehrere Jahre lang Angehöriger zunächst der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage (Mormonen) und einer baptistischen Gemeinde war.[32]

Politik[Bearbeiten]

Politische Karriere[Bearbeiten]

Im Januar 2000 wurde Rubio in das Repräsentantenhaus Floridas gewählt und war 2006 bis 2008 Sprecher des Parlaments.

2010 kandidierte er zum Amt eines Senators der Vereinigten Staaten. Seine Wahlkampagne wurde durch die Tea-Party-Bewegung kräftig unterstützt.[33] Floridas Gouverneur Charlie Crist, der denselben Sitz anstrebte, trat daher aus der Republikanischen Partei aus.[34] Die Kandidatur Rubios zum US-Senat wurde überschattet durch Ermittlungen wegen des Gebrauchs einer Kreditkarte der Republikaner zu privaten Zwecken, ohne dies als zweites Einkommen versteuert zu haben.[35] Er wurde im November 2010 in den Senat gewählt.[36] Er ist nach Mel Martínez der zweite kubanoamerikanische Senator in der Geschichte Floridas.[37]

Rubio auf der Conservative Political Action Conference (CPAC) 2012

In seinen ersten Jahren im Senat brachte er eine Reihe ambitionierter Projekte und Gesetzentwürfe ein, scheiterte aber mit fast allen, etwa als Teil der überparteilichen „Gang of Eight“, die eine umfassende Einwanderungsreform entworfen und 2013 durch den Senat gebracht hatte, am Widerstand des Repräsentantenhauses. Rubio hat seine Frustration über die Unbeweglichkeit des US-Kongresses immer wieder deutlich gemacht und gehörte 2014/15 zu den Senatoren mit der geringsten Anwesenheit.[38]

Am 13. April 2015 gab Rubio seine Absicht bekannt, für seine Partei bei der US-Präsidentschaftswahl im November 2016 antreten zu wollen.[39] Da es die Gesetze Floridas einer Person nicht erlauben, zeitgleich zu zwei Ämtern zu kandidieren, tritt Rubio zur Wiederwahl im US-Senat, die ebenfalls 2016 anstehen würde, nicht an.

Politische Positionen[Bearbeiten]

Rubio auf der CPAC 2014

Marco Rubio gilt als Teil des konservativen Flügels der Republikanischen Partei.[34]

Außenpolitisch gilt Rubio als große Hoffnung der Neokonservativen. Seiner Meinung nach müssten die USA weiter der „Wächter an der Mauer des Weltfriedens“[40] sein, womit er sich konträr zur im Jahr 2011 wachsenden Strömung an der Basis seiner Partei stellte, die sich weniger Engagement des eigenen Landes in Übersee wünschte.[41] In den Beziehungen zwischen Kuba und den USA wird Rubio wie seine politische Mentorin Ileana Ros-Lehtinen zu den Hardlinern gerechnet; er bezeichnete beispielsweise die Kubanische Revolution als „Unfall der Geschichte“ und tritt gegen jegliche Öffnung der US-amerikanischen Außenpolitik gegenüber Kuba ein.[42] Im Zusammenhang mit dem Bürgerkrieg in Syrien griff er die Politik Präsident Barack Obamas mehrfach als verfehlt und unzureichend an. Er warf ihm vor, nicht frühzeitig gegen Präsident Baschar al-Assad interveniert zu haben und so eine Situation befördert zu haben, in der die syrische Opposition inzwischen von amerikafeindlichen Kräften wie al-Qaida dominiert sei.[43][44]

Rubio auf der CPAC 2015

Rubio kritisierte Obamas Wirtschaftspolitik. Er erklärte, dass es falsch sei, die Steuern und die Regierungsausgaben zu erhöhen. Dies würde nur den Steuerzahler der Mittelschicht belasten.[45][46] Rubio glaubt nicht, dass der Klimawandel vom Menschen erzeugt wird, und lehnt deshalb Umweltrichtlinien ab.[47] Er ist auch Befürworter des in der Verfassung verankerten Rechts auf Waffenbesitz und kritisierte Obamas Plan einer strengeren Waffenkontrolle.[48] Rubio lehnte auch Obamas Einwanderungspläne ab. Er meinte, dass illegale Einwanderer dadurch faktisch Vortritt gegenüber Menschen hätten, die seit Jahren versuchen, in die USA einzuwandern und sich dabei an die Gesetze halten. Er selbst erklärte: „Wie jede souveräne Nation auf diesem Planeten haben wir das Recht, zu sagen, wen wir reinlassen wollen; aber anders als andere Länder haben wir keine Angst davor, dass Fremde zu uns kommen.“[49] Rubio kündigte an, im Senat ein Gesetz einzubringen, das die Möglichkeit zur Abtreibung einschränken soll.[50]

Weiteres[Bearbeiten]

Im Oktober 2011 erschien ein Artikel in der St. Petersburg Times und der Washington Post, die berichteten, dass Rubios Behauptungen, seine Eltern seien nach der Revolution 1959 vor der Regierung Fidel Castros geflohen, falsch seien. Die Eltern seien bereits 1956 während der Diktatur des pro-amerikanischen Fulgencio Batista aus Kuba ausgewandert. Die The Washington Post mutmaßte, dass nicht alle konservativen Wähler begeistert wären, wenn sich herausstellen würde, dass seine Eltern Wirtschaftsflüchtlinge und nicht Flüchtlinge vor dem Kommunismus gewesen seien.[51]

Privates[Bearbeiten]

Marco und Jeanette Rubio mit US-Vizepräsident Joe Biden nach Rubios Vereidigung als Senator

1998 heiratete er Jeanette Dousdebes, eine Bankangestellte und Cheerleaderin der Miami Dolphins, deren Eltern aus Kolumbien in die USA eingewandert waren. Aus der Ehe gingen vier Kinder hervor, die beiden Töchter Amanda und Daniella und die beiden Söhne Anthony und Dominic.[52]

Publikationen[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Manuel Roig-Franzia: The Rise of Marco Rubio. Simon & Schuster, 2012, ISBN 1451675453.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Marco Rubio – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Political Graveyard: Christian Politicans in Florida: Marco Rubio
  2. NNDB – Marco Rubio
  3. 2016election.com: Marco Rubio
  4. Marco Rubio: An American Son, N.Y. 2013, S. 15ff.
  5. Marco Rubio’s Cold War Approach to Cuba Is Losing Him Voters, Mother Jones vom 13. Mai 2015 (englisch)
  6. Washington Post 20. Oktober 2011: Marco Rubio’s compelling family story embellishes facts, documents show
  7. Washington Post 20. Oktober 2011: Marco Rubio’s compelling family story embellishes facts, documents show
  8. Marco Rubio: An American Son, N.Y. 2013, S. 19
  9. Marco Rubio: An American Son, N.Y. 2013, S. 20
  10. Marco Rubio: An American Son, N.Y. 2013, S. 20
  11. Marco Rubio: An American Son, N.Y. 2013, S. 22
  12. Marco Rubio – US-Senator for Florida – Bio
  13. Marco Rubio: An American Son, N.Y. 2013, S. 29
  14. Marco Rubio: An American Son, N.Y. 2013, S. 39
  15. Homepage Santa Fe College
  16. Marco Rubio – Senatsseite - Biographie
  17. Miami Herald 26. April 2015: Marco Rubio’s finances have presented an opportunity — and a curse
  18. Washington Post 29. Juni 2015: How Marco Rubio turned political star power into a soaring personal income
  19. The Advocacy Group at Cardenas Partners: Al Cardenas
  20. Bipartisan Policy Center: Alberto R. Cardenas
  21. Skyline Equities: Alberto R. Cardenas
  22. South Florida Legal Guide (2010 Ed.): Thomas Tew
  23. Insurancenewsnet 29. Januar 2014: Prominent Miami lawyer Tom Tew dies at 73
  24. LawyerDB: C.Thomas Tew
  25. Tew Cardenas LLP: Professional Directory – Alberto R. Cardenas (Memento vom 2. März 2007 im Internet Archive)
  26. Bloomberg 20. August 2015: Tew Cardenas – Company Overview
  27. Marco Rubio: An American Son, N.Y. 2013, S. 85–87
  28. Marco Rubio: An American Son, N.Y. 2013, S. 100, 118
  29. Marco Rubio: An American Son, N.Y. 2013, S. 119
  30. Tampa Bay Times 21. Mai 2010: Rubio's income grew with his political clout, tax records show
  31. Tampa Bay Times 21. Oktober 2010: Marco Rubio's personal finances clash with call for fiscal discipline
  32. Uriel Heilman: 8 Facts U.S. Jews Might Want to Know About Marco Rubio. In: Haaretz vom 1. November 2015 (englisch)
  33. Portrait of a Tepid Tea Partier, Newsweek vom 4. Februar 2010
  34. a b R. Klüver, Bitterer Tee, Süddeutsche Zeitung Online vom 30. April 2010.
  35. Stephanie Condon, Marco Rubio, Florida GOP Under Federal Investigation, Report Says, CBSNews vom 21. April 2010 (englisch)
  36. Schwere Kongresswahl-Schlappe für Obamas Demokraten Reuters Deutschland vom 3. November 2010.
  37. Marco Rubio, 'son of exiles,' rises as U.S. senator, Miami Herald vom 3. November 2010 (via latinamericanstudies.org, zugegriffen am 13. Februar 2013)
  38. David A. Fahrentold: Rubio Gives Up on Senate: ‘He Hates it’. In: The Washington Post, 25. Oktober 2015 (englisch).
  39. Konservativ - vielleicht sogar zu sehr, Tagesschau, 13. April 2015
  40. Marco Rubio: Senator Rubio Delivers First Senate Floor Speech On „The New American Century“, 14. Juni 2011
  41. Ross Douhtat: Rand and Rubio, The New York Times vom 19. Juni 2011
  42. Arturo López-Levy: Not Your Father's Cuba, in Foreign Policy vom 5. November 2010
  43. Fox News Latino 17. Juni 2013: Robert Menendez and Marco Rubio Support Bigger U.S. Role in Syria Conflict
  44. Rubio Supports Giving Ammunition, But Not Arms, to Syria, in: Time vom 28. Februar 2013, abgerufen am 19. Juli 2013 (englisch)
  45. Youtube: Rubios Retour: Obama und das Schwarzbrot
  46. Tagblatt 20. Februar 2013: Gesetzentwurf zur Einbürgerung illegaler Einwanderer erzürnt Republikaner
  47. taz 12. Februar 2013: Shooting Star der Republianer
  48. Der Westen/WAZ 9. April 2013: Obamas aussichtsloser Kampf für striktere US-Waffengesetze
  49. Spiegel-Online 28. Juni 2013: Abstimmung im US-Senat: Republikanern droht Bruderkampf um Einwanderungsreform
  50. The weekly Standard 2. Juli 2013: Rubio to Introduce Senats Bill to Ban Abortions After 20 Weeks
  51. in der Washington Post über Rubios Familiengeschichte
  52. Marco Rubio – Senatsseite
    NNDB – Marco Rubio
    US-News 4. Mai 2010: 10 Things You Didn’t Know About Marco Rubio
    Heavy 13. April 2015: Jeanette Dousdebes Rubio Photos: Pictures of Marco’s Wife