Das Wintermärchen

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Das Wintermärchen (engl. The Winter's Tale) ist der Titel eines Theaterstückes von William Shakespeare. Es handelt von den Folgen der Eifersucht des König Leontes gegenüber seiner Ehefrau Hermione, umfasst eine Erzählzeit von ca. 16 Jahren und spielt in Sizilien und in einer pastoral wirkenden Phantasiewelt, die in dem Stück Böhmen genannt wird. Das Werk entstand vermutlich um 1610, für das Jahr 1611 ist die erste Aufführung dokumentiert und es erschien erstmals in der First Folio von 1623 im Druck. Shakespeares Hauptquelle ist Robert Greenes Roman Pandosto, or the Triumph of Time aus dem Jahre 1588. Wegen seines glücklichen Ausganges wurde das Wintermärchen den Komödien zugeordnet. In neuerer Zeit wird es zusammen mit anderen Werken wegen der diese Stücke prägenden eher düsteren Grundkonflikte zur Gruppe der Romanzen gerechnet.

Handlung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Leontes, König von Sizilien, verdächtigt seine schwangere Frau Hermione der Untreue mit ihrem gemeinsamen Freund Polixenes, dem König von Böhmen. Er beauftragt Lord Camillo damit, Polixenes, der zu Besuch in Sizilien weilt, zu vergiften; Camillo verspricht zwar Gehorsam, offenbart dann aber seinem Opfer den Plan und beide fliehen aus Sizilien. Derweil lässt Leontes seine Frau ins Gefängnis werfen. Um sich ihrer Schuld zu versichern, lässt er das Orakel von Delphi befragen. In der Zwischenzeit bringt Hermione im Kerker ein kleines Mädchen zur Welt, welches Leontes jedoch nicht als sein eigenes Kind anerkennt. Stattdessen befiehlt er Lord Antigonus, es in der Wildnis auszusetzen. Leontes leitet ein Gerichtsverfahren gegen seine Frau ein, in dem sie wegen Ehebruchs und Verschwörung in Zusammenhang mit der Flucht Polixenes’ und Camillos angeklagt wird. Er erklärt seine Frau für schuldig und verhängt die Todesstrafe, als die (angebliche) Antwort des Orakels eintrifft, die Hermione, Polixenes und Camillo mit atypischer Eindeutigkeit entlastet, Leontes aber als einen eifersüchtigen Tyrannen darstellt, der ohne Erbe bleiben werde, solange das, was verloren wurde, nicht wiedergefunden wird. Unmittelbar nach Verkündigung des Orakelspruchs ereilt den König die Nachricht vom Tod seines kleinen Sohnes Mamilius. Hermione bricht zusammen und wird für tot erklärt. Derweil hat Antigonus Hermiones kleine Tochter an der böhmischen Küste ausgesetzt, wo sie von einem Schafhirten und seinem Sohn gefunden wird. Antigonus selbst wird von einem Bären getötet, bevor er das Schiff erreichen kann, das ihn zurück nach Sizilien bringen soll. Sechzehn Jahre vergehen. Die Tochter von Leontes und Hermione wächst unter dem Namen Perdita bei den böhmischen Schäfern auf. Das junge Mädchen und Polixenes' Sohn Florizel sind ineinander verliebt, er hält die unstandesgemäße Liebschaft aber vor seinem Vater geheim. Auf einem Schafschurfest, auf dem auch der lustige Taschendieb und Balladensänger Autolycus sein Unwesen treibt, werden die beiden Liebenden jedoch von den verkleideten Polixenes und Camillo beobachtet. Nachdem der zornige Vater sich zu erkennen gegeben hat, beschließt Florizel, mit Perdita nach Sizilien zu fliehen. Als die Flucht entdeckt wird, folgen ihnen sowohl Polixenes als auch der alte Schäfer, Perditas vermeintlicher Vater. An Leontes' Hof werden nun die Umstände von Perditas Auffinden bekannt. Leontes erkennt in ihr seine vermisste Tochter und versöhnt sich mit Polixenes. Paulina, die Witwe von Antigonus, führt alle Anwesenden zu einem (vermeintlichen) Marmorbild Hermiones, welches jedoch plötzlich zum Leben erwacht, indem Hermione vom Sockel steigt: Das sizilianische Königspaar ist wieder vereint.

Datierung und Text[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Als Entstehungszeit des Werkes gilt die Zeit um 1610. Dabei werden hauptsächlich stilistische Gemeinsamkeiten mit anderen Werken, vor allem Cymbeline geltend gemacht.[1][2] Der Tanz der Landleute im vierten Akt,[3] genannt "Tanz der zwölf Satyrn" gilt als eine Übernahme aus dem Stück Oberon, the Faery Prince von Ben Jonson, das erstmals am 1. Januar 1611 gespielt wurde.[4] Die erste Druckfassung erschien in der First Folio.[5] Der Foliotext ist von sehr guter Qualität. Man vermutet, dass als Druckvorlage ein Manuskript (fair copy) des Schreibers Ralph Crane diente.[6]

Textausgaben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gesamtausgaben
  • John Jowett, William Montgomery, Gary Taylor und Stanley Wells (Hrsg.): The Oxford Shakespeare. The Complete Works. Oxford University Press, Oxford 2005, ISBN 978-0-199-267-187
Englisch
  • John Pitcher (Hrsg.): William Shakespeare: The Winter’s Tale. Arden Series. London 2010, ISBN 978-1903436356
  • Susan Snyder und Deborah T. Curren-Aquino (Hrsg.): William Shakespeare: The Winter’s Tale. New Cambridge Shakespeare. Cambridge University Press, Cambridge 2007/2012, ISBN 978-0521293730
  • Stephen Orgel (Hrsg.): William Shakespeare: The Winter’s Tale. Oxford Shakespeare. Oxford University Press, Oxford 1996/2008, ISBN 978-0199535910
Deutsch
  • Ingeborg Boltz (Hrsg.): William Shakespeare: The Winter’s Tale. Englisch-Deutsche Studienausgabe. Stauffenburg, Tübingen 1986, ISBN 3-86057-553-8.
  • Frank Günther (Hrsg.): William Shakespeare: Das Wintermärchen. Zweisprachige Ausgabe. Deutscher Taschenbuch Verlag, München 2006, ISBN 3-423-12758-9

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Hans-Dieter Gelfert: William Shakespeare in seiner Zeit. C. H. Beck Verlag, München 2014, ISBN 978-3-406-65919-5
  • Ina Schabert: Shakespeare Handbuch. Kröner, Stuttgart 2009, ISBN 978-3-520-38605-2
  • Ros King: The Shakespeare Handbooks. The Winter’s Tale. A Guide to the Text and the play in Performance. Palmgrave MacMillan, New York 2009, ISBN 978-0-230-00852-6

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Das Wintermärchen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wikisource: The Winter's Tale – Quellen und Volltexte (englisch)

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Stephen Orgel: The Winter’s Tale. Oxford Shakespeare. 2008. S. 79-83.
  2. John Jowett et al.: The Oxford Shakespeare. The Complete Works. Second Edition. OUP 2005. S. 1123.
  3. Das Wintermärchen. IV, 4, 321-338.
  4. Ina Schabert: Shakespeare Handbuch, 2009. S. 468.
  5. The Norton Faksimile. The First Folio of Shakespeare. Based on the Folios in the Folger Library Collection. Prepared by Charlton Hinman. 2nd Edition. New York 1996. S. 295 der Faksimilezählung, S. I, 277 der Foliozählung. Die Seitenangabe "304" im Inhaltsverzeichnis der dem Norton-Faksimile zugrunde liegenden Ausgabe ist ein Druckfehler.
  6. Stephen Orgel: The Winter’s Tale. Oxford Shakespeare. 2008. S. 81.