Die Vermessung der Welt (Film)

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Filmdaten
Originaltitel Die Vermessung der Welt
Produktionsland Deutschland, Österreich
Originalsprache Deutsch
Erscheinungsjahr 2012
Länge 119 Minuten
Altersfreigabe FSK 12[1]
JMK 10[2]
Stab
Regie Detlev Buck
Drehbuch Daniel Kehlmann
Detlev Buck
Daniel Nocke
Produktion Claus Boje
Detlev Buck
Musik Enis Rotthoff
Kamera Sławomir Idziak
Schnitt Dirk Grau
Besetzung

Die Vermessung der Welt ist ein deutsch-österreichischer 3D-Spielfilm aus dem Jahr 2012. Es handelt sich um die Verfilmung des gleichnamigen Romans Die Vermessung der Welt von Daniel Kehlmann aus dem Jahr 2005.

Handlung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Alexander von Humboldt und Carl Friedrich Gauß machen sich Anfang des 19. Jahrhunderts auf, die Welt zu entdecken. Ihre Methoden könnten unterschiedlicher nicht sein: Der Naturforscher Humboldt reist in ferne Länder, um die Welt zu vermessen. Der Mathematiker Gauß bleibt zu Hause, um sie zu berechnen.

Schon die Kindheit der weltbekannten Wissenschaftler Alexander von Humboldt und Carl Friedrich Gauß trennt die beiden: Während Humboldt aus einer Adelsfamilie stammt und Privatunterricht erhält, wächst Gauß in prekären Verhältnissen auf. Doch das mathematische Genie des kleinen Jungen bleibt nicht unerkannt und der Herzog von Braunschweig fördert ihn mit einem Stipendium. Auch der kleine Alexander – weniger genial veranlagt als Gauß, aber aufgeweckt und voller Entdeckungsfreude – kommt in den Genuss der herzoglichen Zuwendungen. Beide Kinder werden die Welt entdecken, doch unter höchst unterschiedlichen Vorzeichen.

Der Naturforscher Humboldt lässt die stickige Enge seiner Heimat hinter sich und reist in ferne Länder, um die Welt zu vermessen. Immer an seiner Seite ist der wissenschaftliche Kollege Aimé Bonpland, dessen französisches „Laissez-faire“ von dem Preußen Humboldt ein wenig beneidet wird. Gemeinsam erforschen sie fremde Kulturen, exotische Tiere, traumhafte und lebensfeindliche Landschaften. Der Mathematiker Carl Friedrich Gauß legt unendliche Weiten in seinem Kopf zurück, erfasst die Flächen der Erde mit den Mitteln der mathematischen Abstraktion. Ihm zur Seite steht seine Frau Johanna, die mit ihren einfachen Fragen die Antwort auf so manches mathematische Rätsel gibt und damit Gauß, der keinen ebenbürtigen Gesprächspartner kennt, zumindest in Teilen verstehen kann. Leider stirbt Johanna viel zu früh. 1828 begegnen sich die beiden Wissenschaftler bei einem Naturforscherkongress in Berlin. Beide sind Koryphäen auf ihrem Gebiet. Humboldts Sammlungen exotischer Tiere werden bewundert, man hört seinen Vorträgen begeistert zu. Er plant und entwickelt neue Projekte und verwaltet seinen Ruhm. Gauß hat sich zurückgezogen, sein Meisterwerk „Disquisitiones Arithmeticae“ war zu revolutionär, als dass es die Zeitgenossen verstehen könnten. Er wird bewundert, aber nicht verstanden. Sein Sohn Eugen begleitet ihn, da Gauß das Reisen hasst. Die Begegnung zwingt die beiden Geistesgrößen, ihre festgefahrenen Strukturen aufzubrechen – wider Erwarten wird die Reise zu einem Neuanfang.

Hintergrund[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Film kam am 25. Oktober 2012 in die deutschen Kinos und wurde in der ersten Woche von 189.740 Zuschauern gesehen. Bis Jahresende erreichte die Literaturverfilmung mit 625.501[3] (576.370[4]) Besuchern insgesamt Platz 10[4] der meistgesehenen deutschen Kinoproduktionen und Platz 54[3] aller Produktionen des Jahres 2012 in Deutschland.

Die DVD-Veröffentlichung erfolgte am 28. März 2013.

Die ARD sendete den Film in deutscher Erstausstrahlung am 5. Januar 2015.

Der als Abspannmusik zu hörende Titel Dark Black stammt von der Musikerin Kristina Train.[5]

Kritik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

„Solide gespielt und üppig ausgestattet, findet die Verfilmung des Romans von Daniel Kehlmann zu keiner eigenständigen Bildsprache und verharrt im Äußerlich-Illustrativen.“

Lexikon des Internationalen Films[6]

„Der Film ist größtenteils wirklich sehenswert, aus den Bildern sprechen Lebensfreude und der Wagemut, aufs Ganze zu gehen. Allein: Mit dem Witz und dem Charme der Buchvorlage hat das rein gar nichts zu tun. […] Das ist unangenehm eitel, aber letztlich symptomatisch für einen Film, der nicht mit seinen Mitteln hauszuhalten weiß – der bei den Bildern aus dem Vollen schöpft, aber erzählerisch nichts zu bieten hat.“

Spiegel Online[7]

„‚Unverfilmbar‘ nannte Kehlmann sein Buch. Er hat daraus eine radikale Konsequenz gezogen. Er erzählt die Geschichte seiner beiden Schlauberger noch einmal fast völlig neu – und macht daraus die vergnügungssüchtigste Filmversion, die einer deutschen Schullektüre je widerfahren ist.“

Wolfgang Höbel: Der Spiegel[8]

„Bucks Film ist eine Bilderflut, aber kein Kino. Niemand kann sich zwei Stunden lang an Naturaufnahmen begeistern und dabei auch noch zwei Nachwuchsschauspielern zusehen, die sich ungelenk durch eine Geo-Reportage bewegen. Vermutlich wird der Film binnen Kurzem an der Kinokasse floppen. Er gehört ja in Wirklichkeit auch ins Feiertagsprogramm des Fernsehens, am besten am zweiten Weihnachtstag. Nach einer Viertelstunde zappt man ihn dann weg und denkt noch: ‚Vielleicht sähe er in 3-D irgendwie besser aus.‘“

Thomas E. Schmidt: Die Zeit[9]

„Der Film will […] kulturelles Gut aus dem Schriftstellerischen in geeignetes Kino-Gut von heute überführen. Dabei soll man etwas lernen, […]. Und da haben wir es wieder – das unmögliche deutsche Lehrer-, Lern-, und Botschaftskino. Dieses atemvolle und dabei oftmals so leere Aufgepasst-Kino mit diesen Hab-Acht-Motiven und den vielen pädagogischen Ausrufungszeichen! Und auch immer wieder mit diesen theoretischen Erklärungen aus dem Off (hier von Christoph Waltz), die gerade das mit Worten beschreiben, was bildlich nicht gezeigt wird. Eine fürchterliche, weil viel zu trockene Art von Bewegungskino. Hochlangweilig. Ganz staubig.“

Hans-Ulrich Pönack: DeutschlandRadio Kultur[10]
NB: Der Erzähler aus dem Off ist Daniel Kehlmann, nicht Christoph Waltz.

Die Deutsche Film- und Medienbewertung (FBW) verlieh dem Film das Prädikat besonders wertvoll:

„Ein visuell ausdrucksstarker, kluger und über die Maßen unterhaltsamer Film über neue Welten und alte Weisheiten.“

FBW[11]

Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Daniel Kehlmann, Detlev Buck: Die Vermessung der Welt – Das Buch zum Film. Hrsg: Wenka v. Mikulicz und Michael Töteberg. Rowohlt, Reinbek bei Hamburg 2012, ISBN 978-3-499-25327-0. 208 Seiten. (Die fast durchgängig mit Farbfotos illustrierte Publikation enthält u. a. das Drehbuch, ein Gespräch zwischen Kehlmann, Buck und Willi Winkler über den Film, Beiträge über Einzel- und entfallene Szenen mit einigen Storyboard-Zeichnungen, eine Aufzeichnung Winklers zu Schwierigkeiten bei den Dreharbeiten, Beiträge zur Geschichte und den Einsatzmöglichkeiten des 3D-Verfahrens sowie Besetzungsliste und Filmstab.)

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Freigabebescheinigung für Die Vermessung der Welt. Freiwillige Selbstkontrolle der Filmwirtschaft, Oktober 2012 (PDF; Prüf­nummer: 135 052 K).
  2. Alterskennzeichnung für Die Vermessung der Welt. Jugendmedien­kommission.
  3. a b TOP 100 DEUTSCHLAND 2012, insidekino.de
  4. a b Filmhitliste: Jahresliste (deutsch) 2012. In: Filmförderungsanstalt. FFA.de. Abgerufen am 10. Februar 2012.
  5. Kristina Train liefert die Musik zum Film „Die Vermessung der Welt“. Universal Music; abgerufen am 19. Februar 2015.
  6. Die Vermessung der Welt im Lexikon des Internationalen Films auf zweitausendeins.de
  7. Hannah Pilarczyk: Dünne Story, deftige Bilder. In: Spiegel Online. 22. Oktober 2012, abgerufen am 2. Juni 2013.
  8. Wolfgang Höbel: Zwei glorreiche Geisteshalunken. In: Der Spiegel. Nr. 43, 2012, S. 132–133 (online). Zitat: „Für die Filmversion von ‚Die Vermessung der Welt‘ haben sich Romanautor Daniel Kehlmann und Regisseur Detlev Buck zu einem halsbrecherischen Abenteuer-Ritt in 3-D verschworen.“
  9. Thomas E. Schmidt: Schlechter Gelehrtensex. In: Die Zeit, Nr. 44/2012. „Von Daniel Kehlmanns Roman ‚Die Vermessung der Welt‘ bleibt im Film nur eine karikierende Bilderflut.“
  10. dradio.de 24. Oktober 2012.
  11. Die Vermessung der Welt. Deutsche Film- und Medienbewertung (FBW), abgerufen am 23. November 2012.