Dieter Stein (Journalist)

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Dieter Stein (2014)

Dieter Stein (* 15. Juni 1967 in Ingolstadt) ist ein deutscher Publizist und Chefredakteur. Er ist Gründer und Geschäftsführer der Wochenzeitung Junge Freiheit und ihrer angeschlossenen Projekte („JF-TV“, „JF-Buchdienst“, „Förderstiftung konservative Bildung und Forschung“, „Bibliothek des Konservatismus“, „Gerhard-Löwenthal-Preis). Er gilt als Vertreter der Neuen Rechten.[1][2]

Leben und Wirken[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Herkunft und Studium[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Dieter Stein wurde 1967 als Sohn des Berufsoffiziers (Oberstleutnant) und Militärhistorikers Hans-Peter Stein (1937–1994) in Ingolstadt geboren. Er wuchs in Bayern und Baden-Württemberg auf und besuchte zuletzt das Kolleg St. Sebastian in Stegen.[3] Im Juli 1988 trat er beim Panzeraufklärungsbataillon 3 in Lüneburg seinen Wehrdienst an. Von 1989 bis 1994 war er Student der Politik- und Geschichtswissenschaften an der Albert-Ludwigs-Universität in Freiburg. Dort wurde er Mitglied der Freiburger Hochschulgilde Balmung (Mitglied in der Deutschen Gildenschaft). Stein ist verheiratet und hat vier Kinder.

Parteipolitische Aktivitäten und frühe Publizistik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seine parteipolitische Tätigkeit begann Stein in der Jungen Union (JU), 1984 trat er den Republikanern (REP) bei. Als sich 1985 mit einer Abspaltung von den Republikanern die Freiheitliche Volkspartei (FVP) unter Führung von Franz Handlos bildete, wollte er die Zeitung der Jugendorganisation gestalten.[4] Zu dieser Zeit war Stein Abiturient. Thomas Pfeiffer, der Stein im Rahmen seiner Forschungsarbeit interviewte, stellte den weiteren Werdegang wie folgt dar: „Nach dem Niedergang der FVP verlässt er die Partei 1987 und wendet sich erneut den in dieser Zeit erfolgreichen REP zu, knüpft aber auch Kontakte zum etablierten Konservatismus und neonazistischen Spektrum.“[5] Von November 1986 bis November 1987 wurde Stein im Impressum der rechtsextremen Zeitschrift Freie Umschau als freier Mitarbeiter geführt. Die Herausgeber der Freien Umschau stammten aus dem Umfeld der 1982 gegründeten und 1983 aufgelösten Deutschen Arbeiter Jugend (DAJ). Im Oktober 1989 wurde Stein zum Vorsitzenden der Ortsgruppe des Republikanischen Hochschulverbandes (RHV) an der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg gewählt. Laut Stefan Kubon verließ Stein 1990 die Republikaner und war seitdem parteilos.[6] Gemäß den Autoren Christian Fuchs und Paul Middelhoff ist Stein bei der Alternative für Deutschland in einer „Mitgliederliste“ als „Förderer“ registriert („mit der Nummer 10815“).[7]

Junge Freiheit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1986 gründete Stein in Freiburg im Breisgau als Schüler die Zeitung Junge Freiheit, deren Chefredakteur er seither ist. 1990 gründete er die Junge Freiheit Verlag GmbH, deren geschäftsführender Gesellschafter er seitdem ist. Mit der Gründung der Kommanditgesellschaft JUNGE FREIHEIT Verlag GmbH & Co. wurde die 1990 gegründete GmbH Komplementärin und in JUNGE FREIHEIT Verwaltungs- und Beteiligungsgesellschaft mbH umbenannt. Dieter Stein hält 73 % Anteile an dieser Komplementärin.[8] Ende 2014 trat an die Stelle der alten Komplementärin die JUNGE FREIHEIT Entwicklungs-GmbH, an der Dieter Stein 100 % der Anteile hält.[9] Die Junge Freiheit erschien als Wochenzeitung seit 1994 in Potsdam, seit 1996 erscheint sie in Berlin. Sie blieb nach dem 1. August 1999 bei der deutschen Rechtschreibung des 20. Jahrhunderts.[10] Nach eigener langjähriger Verortung als rechtskonservativ und nach dem Junge-Freiheit-Urteil des Bundesverfassungsgerichtes (BVerfG) zur rechtswidrigen Erwähnung in den Berichten des Verfassungsschutzes Nordrhein-Westfalen von 1994 bis 2005 unter der Rubrik „Rechtsextremismus“ bezeichnete Stein die Junge Freiheit in einem Interview des Jahres 2006 nunmehr als „liberal-konservatives“ Medium. In einer 2007 veröffentlichten Pressemitteilung der Jungen Freiheit (JF) distanzierte sich Stein von der Wochenzeitung Zur Zeit (mit der die JF bis dahin kooperierte) wegen Kontakten des Zur Zeit-Herausgebers Andreas Mölzer zur NPD und bezeichnete die NPD als „politischen Gegner“.[11] Diese Aussage, getätigt bei einem Vortrag Steins im Institut für Staatspolitik des neurechten Verlegers Götz Kubitschek, habe, so Stein, vor Ort Widerspruch und einen „Eklat“ ausgelöst. Daraufhin habe es „in Schüben eine Entfremdung von Kubitschek“ und ihm gegeben.[12]

Stein nannte das Abkommen über die Zwangsarbeiterentschädigung „die willkommene Einladung an clevere Anwälte, Deutschland noch viele Male zu melken“, und forderte Entschädigungen auch für „versklavte deutsche Zwangsarbeiter“.[13] 2014 startete Dieter Stein in der JF eine Kampagne gegen „Ausländerkriminalität“ und „Deutschenfeindlichkeit“ und bekundete: „Ein Tabu in Medien und Politik sind deutschenfeindliche Gewalttaten: ob sexuelle Übergriffe, Vergewaltigungen oder wenn sich eine Horde halbstarker ›Südländer‹ im U-Bahnhof aus Haß eine ›deutsche Kartoffel‹ aussucht, um sie ins Koma zu prügeln.“[14]

In einem von der AfD vermittelten Vortrag in Hamburg sagte Stein 2016 im Hinblick auf den Begriff „Lügenpresse“, er halte diesen „für eine polemische Überspitzung“ und sei „kein Freund dieses Begriffes“. Nach seiner Meinung machen „viele Journalisten […] ihre Arbeit gut“. Allerdings gehe es, so Stein, in den Medien allzu oft um eine „Inszenierung von Realität“. Beim Flüchtlings-Thema sei es, wie Stein sagte, so, dass diejenigen, „die unter der Folgelast der kopflosen Politik der Bundeskanzlerin ächzen und beinahe zusammenbrechen, […] im öffentlich-rechtlichen Fernsehen zwar auch vor[kommen], aber stets in der Rolle der Querulanten“. Der öffentlich-rechtliche Rundfunk solle auf jeden Fall erhalten bleiben, dort würden jedoch zu viele linke Journalisten arbeiten und das müsse sich ändern.[15]

Am 12. Februar 2017 war Stein Mitglied der 16. Bundesversammlung zur Wahl des Bundespräsidenten als nominierter Vertreter des Abgeordnetenhauses von Berlin für die AfD.[16]

Den Begriff „konservativ“ definierte Stein folgendermaßen: „Konservativ ist organische Ordnung, natürliche Hierarchie und Autorität gegen die Utopie totaler Gleichheit und die Idee völliger Machbarkeit.“[17] 2009 prangerte Stein in der Jungen Freiheit eine „Entkernung“ der „Marke CDU“ unter Kanzlerin und Parteichefin Angela Merkel an. Die Partei sei „um den Preis des Machterhalts gänzlich ins Chamäleonhafte entrückt“. Unter anderen warf Stein der Partei ein Aufgeben des „traditionellen Familienbilds“ vor. Anstelle eines gebotenen Widerstands „gegen die Homo-Ehe“ habe sich die CDU „an die Spitze des feministischen Gender Mainstreaming-Projekts und einer sozialistischen Familienpolitik“ gestellt. Insgesamt habe die CDU einen unverzeihlichen „Verrat“ an ihrer konservativen Stammwählerschaft begangen.[18]

Unter Bezugnahme auf das Buch „Nie zweimal in denselben Fluss“ des AfD-Fraktionsvorsitzenden in Thüringen und Exponenten des „FlügelsBjörn Höcke urteilte Stein Anfang 2019 in der JF, Höcke habe „[n]ichts Originäres oder wenigstens Originelles [...] [,] [n]icht einmal irgend etwas Konsistentes“ zu bieten. Er drücke sich unklar aus und wecke „in Ton und Wortwahl abgründige und abstoßende Assoziationen“. Höcke sei ein „ideologisches Irrlicht“ und drohe die AfD zu spalten. „Den Kräften der Vernunft [innerhalb der AfD]“ bleibe nicht mehr viel Zeit. Umgehender Widerspruch kam von Steins ehemaligem Weggefährten, dem neurechten Verleger und Mitbegründer des Instituts für Staatspolitik Götz Kubitschek: Stein lese Höckes Buch, „wie ein antifaschistischer Stellen-Markierer es nicht besser lesen könnte“. „Höcke den Unfrieden in der AfD an[zulasten]“ sei „schäbig“.[19] Schon zuvor hatte Stein der Befürchtung Ausdruck verliehen, dass durch einen „Rechtsruck und die Aufgabe des liberalen Flügels“ die Partei weiter ins Abseits gedrängt würde.[20]

Im Vorwort seines im Juli 2020 in der Edition JF in neuer erweiterter Auflage erschienenen Buchs Für eine neue Nation – Nachdenken über Deutschland schrieb Stein von einem „verinnerlichten und in immer monströserer Gestalt perpetuierten exklusiven deutschen Schuldkult“.[21]

Förderstiftung Konservative Bildung und Forschung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

2007 wurde Stein zum Vorsitzenden des Stiftungsrats der gemeinnützigen Förderstiftung Konservative Bildung und Forschung (FKBF) gewählt, die im Jahr 2000 von dem rechtskonservativen Publizisten Caspar von Schrenck-Notzing gegründet worden war. Auf Initiative Steins wurde die Bibliothek Schrenck-Notzings nach Berlin überführt, deren 20.000 Bände den Grundstock für die 2012 eröffnete Bibliothek des Konservatismus darstellen.[22]

Schriften (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • als Hrsg.: Der Streit um Martin Walser. Beiträge und Interviews von Eckhard Henscheid, Joachim Kaiser, Heimo Schwilk, Martin Walser, Günther Zehm u. a. Edition JF, Berlin 2002, ISBN 3-929886-13-8.
  • als Hrsg.: Über den Tag hinaus. Festschrift für Günter Zehm. Berlin 2003, ISBN 3-929886-16-2.
  • als Hrsg.: Die Tragödie des Westens. Beiträge und Interviews aus der Jungen Freiheit nach dem 11. September 2001. Edition JF, Berlin 2003, ISBN 3-929886-10-3.
  • als Hrsg.: Rettet die deutsche Sprache. Beiträge, Interviews und Materialien zum Kampf gegen Rechtschreibreform und Anglizismen. Edition JF, Reihe Dokumentation, Band 9, Berlin 2004, ISBN 3-929886-21-9.
  • als Hrsg.: Ein Leben für Deutschland. Gedenkschrift für Wolfgang Venohr 1925–2005. Edition JF, Berlin 2005, ISBN 3-929886-24-3.
  • Phantom „Neue Rechte“. Die Geschichte eines politischen Begriffs und sein Missbrauch durch den Verfassungsschutz. Edition JF, Reihe Dokumentation, Band 10, Berlin 2005, ISBN 3-929886-22-7.
  • als Hrsg.: Helden der Nation. Beiträge und Interviews zum 20. Juli 1944. Edition JF, Berlin 2008, ISBN 978-3-929886-27-6.
  • Für eine neue Nation. Nachdenken über Deutschland. Edition JF, Berlin 2014, ISBN 978-3-929886-43-6.
  • als Hrsg.: Klima-Hysterie. Beiträge und Interviews zu einer neuen Zivilreligion. Edition JF, Berlin 2019, ISBN 978-3-929886-72-6

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Dieter Stein – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Thomas Pfeiffer: Die Neue Rechte in Deutschland (Memento vom 28. September 2007 im Internet Archive). S. 63.
  2. Steffen Kailitz: Politischer Extremismus in der Bundesrepublik Deutschland. VS-Verlag, 2004, S. 86.
  3. Christian Fuchs, Paul Middelhoff: Das Netzwerk der Neuen Rechten. Wer sie lenkt, wer sie finanziert und wie sie die Gesellschaft verändern. Rowohlt, Hamburg 2019 (3. Aufl.), S. 60
  4. Gaby Mahlberg: „Junge Freiheit“: Ein Besuch im „ideologischen Mutterschiff“ des Rechtspopulismus. www.welt.de, 31. März 2017
  5. Thomas Pfeiffer, „Medien einer neuen sozialen Bewegung von rechts“, Dissertation Universität Bochum, 2000, S. 187 Online einsehbar. Seine Darstellung, Stein habe seinerzeit „Kontakte zu Neonazis gepflegt“, stützte Pfeiffer auf den Umstand, dass neben Stein auch Autoren wie Steffen Hupka oder Michael Krämer Beiträge für die Freie Umschau verfasst hatten.
  6. Stefan Kubon: Die bundesdeutsche Zeitung „Junge Freiheit“ und das Erbe der „Konservativen Revolution“ der Weimarer Republik. Eine Untersuchung zur Erfassung der Kontinuität „konservativ-revolutionärer“ politischer Ideen. Dissertation 2005. Ergon 2006, S. 47.
  7. Christian Fuchs, Paul Middelhoff, Das Netzwerk der Neuen Rechten, Rowohlt 2019, S. 63
  8. Frank Böckelmann: Wem gehören die Zeitungen? Die Inhaber- und Beteiligungsverhältnisse der Tages- und Wochenzeitungsverlage in Deutschland, S. 404.
  9. https://www.unternehmensregister.de/ureg/
  10. Im Impressum der JF heißt es seit dem 20. August 1999: „Die Wochenzeitung JUNGE FREIHEIT hält sich an die traditionelle deutsche Rechtschreibung, wie sie bis zum 1. August 1999 gültig war.“
  11. Archivlink (Memento vom 19. April 2010 im Internet Archive) (abgerufen am 1. September 2010)
  12. Justus Bender: Rechter Bruderkrieg www.faz.net, 11. März 2019
  13. Gernot Facius: Eine ganz normale Wochenzeitung? www.welt.de, 28. Juni 2001
  14. Alexander Häusler: Themen der Rechten. In: Fabian Virchow, Martin Langebach, Alexander Häusler (Hrsg.): Handbuch Rechtsextremismus, Springer VS Wiesbaden 2016, S. 158
  15. Axel Schröder: „Zu viele linke Journalisten in öffentlich-rechtlichen Sendern“ www.deutschlandfunk.de, 19. April 2016, abgerufen am 6. April 2021
  16. Süddeutsche Zeitung, 12. Februar 2017 [1]
  17. Helmut Kellershohn: „Es geht um Einfluss auf die Köpfe“ – Das Institut für Staatspolitik www.bpb.de, 7. Juli 2016
  18. Volker Weiß: Die autoritäre Revolte. Die Neue Rechte und der Untergang des Abendlandes. Klett-Cotta, Stuttgart 2018, S. 76 f.
  19. Sabine am Orde: Extremismusvorwürfe gegen Höcke: Familienstreit um den Kurs der AfD. taz.de, 3. März 2019
  20. André Postert: „Sachsen und der intellektuelle Rechtsextremismus. Metapolitik der Neuen Rechten.“ In: Uwe Backes/Steffen Kailitz (Hrsg.): Sachsen – Eine Hochburg des Rechtsextremismus? Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2020, S. 55
  21. Liane Bednarz: Und vergeben uns unsere Schuld www.spiegel.de, 4. Oktober 2020, abgerufen am 6. April 2021
  22. Sven Becker, Ludwig Krause: Rechte Gedankenschmiede: Die wollen nicht nur lesen. www.spiegel.de, 3. Februar 2017