Digital Audio Broadcasting in Österreich

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Logo Digital Radio für Radioübertragung nach DAB-Standard

Dieser Artikel beschreibt den Digital Audio Broadcasting (DAB) in Österreich.

Von Mai 2015 bis April 2018 wurde unter der Federführung des Vereins Digitalradio Österreich ein Testbetrieb in Wien durchgeführt, jedoch ohne die Beteiligung des ORF oder des landesweiten Privatsenders Kronehit. Dieser wurde im April 2018 als Bedeckung II (lokal oder regional) unter dem Namen CityMUX in den Regelbetrieb überführt.[1] Betreiber des ersten Regionalen DAB+ Multiplex in Wien ist die RTG Radio Technikum GmbH.

Der Regelbetrieb für die Bedeckung I (bundesweit) startete am 28. Mai 2019.[2][3]

Außerdem nutzen ausländische Anbieter die Nähe zu Deutschland und der Schweiz zur Ausstrahlung von deren Pakete von grenznahem, österreichischem Territorium aus.

Entwickelt wurde DAB im Eureka-147-Projekt der EU in den Jahren 1987–2000. Der DAB-Standard ist unter dem Code EN 300 401 online von der europäischen Standardisierungsorganisation ETSI erhältlich.[4]

Entwicklung in Österreich[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

DAB[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der ORF und die 2005 ausgegliederte ORS betrieben auf experimenteller Basis zwischen Jänner 1999 und Ende 2008 DAB-Sender in Wien und Tirol.

In Wien wurde zwischen Jänner 1999 und Ende 2008 über drei Sendeanlagen[5] am Bisamberg, Kraftwerk Donaustadt und beim ORF-Zentrum Küniglberg im Block 12B die Programme Ö1, Radio Wien, Ö3 und FM4 ausgestrahlt.

Im Tiroler Unterinntal wurde zwischen September 2000 und Ende 2008 über den Sender Patscherkofel und Innsbruck 2 - Seegrube[5] im Block 12C die Programme Ö1, Radio Tirol, Ö3 und FM4 gesendet, um einen durchgehenden DAB-Empfang von Deutschland bis Italien zu ermöglichen.

Allerdings hat sich DAB in Österreich aufgrund fehlender Nachfrage von Programmveranstaltern bis heute noch nicht durchsetzen können. Die Rundfunk und Telekom Regulierungs-GmbH (RTR-GmbH) schrieb dazu zwischen 2006 und 2009 auf ihrer Website, die Ausstrahlung liefe „[…] praktisch aber unter Ausschluss der Öffentlichkeit.“[6] Mit Ende 2008 wurde die Programmausstrahlung von der ORS auf DAB beendet.[7]

Von 2000 bis Ende 2008 wurden von der ORS in Wien und Innsbruck folgende Radioprogramme digital ausgestrahlt:

DAB+[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der ORS wurde im Mai 2012 die Genehmigung zum befristeten DAB-Plus-Testbetrieb auf Kanal 6A am Pfänder für die Dauer vom 1. Oktober 2012 bis zum 1. Oktober 2013 erteilt, jedoch nicht in Anspruch genommen.[8]

Aufgrund der Topografie und der Nähe zu den Nachbarländern haben von dieser Sendeanlage bereits ausländische DAB-Plus-Multiplexe eine Zulassung:

Die Rundfunk und Telekom Regulierungs-GmbH (RTR-GmbH) hatte im Juni 2012 zu Interessensbekundungen aufgerufen.[14]

Im August 2013 wurde bekanntgegeben, dass in Wien – vorbehaltlich der Zustimmung der Regulierungsbehörde Kommunikationsbehörde Austria – ein DAB+-Pilotversuch starten soll. Geplant ist die Verbreitung über ein Gleichwellennetz mit zwei Senderstandorten, wobei der leistungsstärkere der beiden Standorte mit 10 kW betrieben wird. Die an diesem Test teilnehmenden Rundfunkveranstalter sind noch nicht bekannt.[15] Anlässlich einer Präsentation zum 40-Jahr-Jubiläum der Südtiroler Rundfunk-Anstalt Südtirol wurde bekanntgegeben, dass im Rahmen des Euregio-Projekts auch vom Sender Patscherkofel bei Innsbruck DAB+-Programme abgestrahlt werden sollen.[16]

Am 15. April 2015 hätte ein Testbetrieb im Standard DAB+ erfolgen sollen. 15 Programme wurden zum Sendestart im Wiener Testensemble erwartet.[17] Vor Sendestart stiegen jedoch die beiden größten Anbieter, der ORF und KroneHit, wieder aus dem Projekt aus. Am 21. Mai 2015 wurde der Testbetrieb mit 15 Radioprogrammen gestartet,[18] zur befürchteten Verzögerung mit reduzierter Senderanzahl[19] kam es nicht.

Der ORF begründet den Ausstieg mit, nach Meinung der Medienbehörde KommAustria, unzutreffenden rechtlichen Bedenken, KroneHit kritisiert die Vermarktung von DAB+ als „Frontalangriff auf UKW“. KroneHit-Geschäftsführer Ernst Swoboda sieht webbasiertes Radio als „das zukunftsträchtige Digitalradio“, das erst durch DAB+ ergänzt werden solle, wenn das Internet den UKW-Rundfunk weitgehend verdrängt habe und die teure UKW-Verbreitung durch das günstigere DAB+ ersetzt werden müsse.[20] Der Geschäftsführer des Vereins Digitalradio Österreich Gernot Fischer vermutet, die beiden UKW-„Platzhirsche“ fürchteten um ihre Alleinstellung, die sie in weiten Teilen Österreichs hätten.[19]

Seit 28. Mai 2015 ist in Wien der Empfang von Digitalradio im System DAB+ im Rahmen eines Testbetriebs möglich. Die ORS ist Lizenzinhaber und betreibt in Partnerschaft mit dem „Verein Digitalradio Österreich“ den Multiplex für das Programmbouquet und zwei Senderstandorte in Wien. ORS Tech Blog, 28. Mai 2015[21]

Am 31. Jänner 2017 wurden die Multiplexe I (Bedeckung bundesweit) und II (regional oder lokal) von der KommAustria ausgeschrieben.[22] Frühestens ab 3. April 2018 sollten elf Anbieter in Wien und Umgebung den Sendebetrieb über DAB+ aufnehmen. Die Programme, die überwiegend noch nicht in Wien über UKW zu empfangen sind, bieten Wort- und Informationsbeiträge sowie Sparten-Musikangebote für verschiedene Interessen.[23] Ein bundesweiter Multiplex, welchem die ORS betreibt, erhielt im August 2018 die Zulassung und soll ab 28. Mai 2019 in drei Ausbauphasen bis zu 83 % der Österreichischen Bevölkerung erreichen.[24]

Multiplex in Wien[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 3. April 2018 ging am Sender Wien 9 (DC-Tower in der Wiener Donau-City) auf Kanal 11C der „CityMUX Wien II“ mit 12,6 kW in Betrieb.[25] Während der Pilotphase (vor einem Frequenzkoordinierungsverfahren wurde vorübergehend Kanal 11D genutzt)[26] war ein zweiter Standort in Betrieb, ebenfalls in Wien. Betreiber des Multiplexes ist die RTG Radio Technikum GmbH, die Sendeanlage wird von der Österreichische Rundfunksender GmbH & Co KG betrieben.[27] Vermarktet wird DAB+ in Österreich über den Verein Digitalradio Österreich.

Nach Betriebsaufnahme des bundesweiten DAB-Multipex Austria wechselten einige Programmanbieter dorthin. Folgende Programme gehören zum Ensemble bzw. wurden neu zugelassen:

  • Technikum City – 120 kbps DAB+/HE-AAC v1 Stereo
  • City 23 – 72 kbps DAB+/HE-AAC v1 Stereo
  • Radio Arabella – 72 kbps DAB+/HE-AAC v1 Stereo
  • Megaradio – 72 kbps DAB+/HE-AAC v1 Stereo
  • NOW Radio – 72 kbps DAB+/HE-AAC v1 Stereo
  • Energy Wien – 72 kbps DAB+/HE-AAC v1 Stereo
  • Sout Al Khaleej – 72 kbps DAB+/HE-AAC v1 Stereo
  • ARBÖ-Verkehrsradio – 72 kbps DAB+/HE-AAC v1 Stereo
  • Mein Kinderradio – 72 kbps DAB+/HE-AAC v1 Stereo
  • High Live Radio
  • Vienna Hood Music
  • Radio Fantasy
  • NJOY
  • Radio Sol

Bundesweiter Multiplex[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 28. Mai 2019 startete in Österreich der landesweite DAB+-Bundesmux. Der Aufbau des Sendernetzes erfolgt in drei Schritten. Zum Start versorgen drei Sendeanlagen den Großraum Wien. Dazu kommen Sender in Graz, Linz, am Sonnwendstein und am Pfänder. So können rund 60 Prozent der österreichischen Bevölkerung die Programme empfangen. Übertragen werden zunächst die Programme

Weitere Kapazitäten befinden sich in Ausschreibung.[28]

Andere digitale Technologien[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seit Dezember 2009 sind vereinzelt digitale Radiosender in Österreich empfangbar, allerdings wurde zunächst in den DVB-T2-Multiplexen A und F (Wien, Niederösterreich und Nordburgenland mit den Radioprogrammen Ö1, Hitradio Ö3, FM4, Radio Ö24, Radio Maria und dem verschlüsselten Kronehit) und DVB-T2-Multiplex F Restösterreich (Radio Maria Österreich) und C (Steiermark, allerdings als TV-Programm) gesendet. Die Ausstrahlung einiger Stationen über DVB-H wurde 2010 eingestellt. Die Wiedereinführung von DAB in der Variante DAB+ war Anfang 2011 wegen des Fehlens überzeugender Erfolgsmeldungen aus dem Ausland von den Programmanbietern vorerst nicht geplant.[29]

Auch Internetradio ist bereits als Digitalradio in Österreich etabliert und wird derzeit z. B. von KroneHit als digitale Alternative zum terrestrischen UKW-Hörfunk favorisiert. Direkt nach dem Ausstieg aus dem DAB+-Testprojekt gaben KroneHit, Life Radio und Antenne Steiermark die Gründung der Internetradio-Plattform Radioplayer Österreich bekannt. Sie basiert auf einer britischen Technologieplattform, die dort von der BBC und Privatsendern initiiert wurde und inzwischen international vertrieben wird.[19][30] Die Plattform konkurriert hier mit früher eingeführten Streaming-Plattformen, wie z. B. radio.de, das sich mit österreichischen Sendern an ein österreichisches Publikum richtet.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Wikinews: Kategorie:Digitalradio – in den Nachrichten

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. RTR - KOA 4.530/17-005. Abgerufen am 3. Oktober 2018.
  2. https://www.teltarif.de/dab-plus-oesterreich-bundesmux-sendestart/news/76784.html?page=all
  3. RTR - KOA 4.520/18-003. Abgerufen am 3. Oktober 2018.
  4. ETSI EN 300 401 V1.4.1 (2006-06) – Radio Broadcasting Systems; Digital Audio Broadcasting (DAB) to mobile, portable and fixed receivers (PDF-Datei; 1,76 MB)
  5. a b Radio in Oberösterreich – Alles digital? Dampfradio, 24. Februar 2010.
  6. Rundfunk und Telekom Regulierungs-GmbH: Einführung zu digitalem Radio. digitaler-rundfunk.at, abgerufen am 28. Dezember 2009; Einführung zu digitalem Radio (Memento vom 4. November 2006 im Internet Archive); Einführung zu digitalem Radio (Memento vom 30. April 2008 im Internet Archive)
  7. Website ORS: Abschaltung DAB Pilotprojekt und Mittelwelle, 16. Dezember 2008. Abgerufen am 20. Februar 2010.
  8. Bescheid KOA 4.510/11-005 der RTR, 2. Mai 2012.
  9. [1] der RTR, 11. Februar 2015.
  10. Bescheid KOA 1.004/12-004 der RTR, 4. April 2012.
  11. Bescheid KOA 1.004/12-010 der RTR, 16. November 2012.
  12. Bescheid KOA 1.004/12-007 der RTR, 14. Mai 2012.
  13. Bescheid KOA 1.004/06-003 der RTR, 20. März 2006.
  14. DAB+-Bedarfserhebung vom 1. Juni 2012 der RTR (KOA 4.000/12-001).
  15. Daniel Kähler - Radioszene.de: Pilotversuch:DAB+ für Wien noch in diesem Jahr. 20. August 2013, abgerufen am 31. August 2013.
  16. 40 Jahre Rundfunkverträge. 28. April 2014, archiviert vom Original am 12. August 2014; abgerufen am 12. August 2014.
  17. Michael Fuhr: Österreich startet DAB+ mit deutscher Unterstützung. Teltarif, 15. März 2015
  18. [2] rtr.at, 8. Mai 2015
  19. a b c Michael Fuhr: ORF und Kronehit gefährden mit Ausstieg Start von DAB+ in Österreich. Teltarif, 28. März 2015
  20. Digitalradio ohne ORF und Kronehit. Der Standard, 24. März 2015
  21. ORS-Blog DAB Testbetrieb Wien
  22. RTR-Pressemitteilung: Bundesweit, regional und lokal: KommAustria schreibt erstmals Hörfunk-Frequenzen für Digitalradio aus vom 31. Jänner 2017
  23. Medienbehörde erteilt erste Lizenz für Digitalradio-Regelbetrieb – 11 DAB+ Radioprogramme starten 2018 im Großraum Wien. Pressemitteilung der KommAustria vom 15. Dezember 2017
  24. RTR - KOA 4.520/18-003. Abgerufen am 3. Oktober 2018.
  25. Ensembleliste DAB Österreich bei ukwtv.de, abgerufen am 25. Juni 2018
  26. Markus Weidner: Digitalradio: Österreich startet Regelbetrieb für DAB+. Teltarif, 5. April 2018
  27. Christopher Deppe: In Österreich startet DAB+ Initiative von Privaten. Radioszene, 10. Apr. 2018
  28. https://www.teltarif.de/dab-plus-oesterreich-bundesmux-sendestart/news/76784.html
  29. Vollversammlung der Digitalen Plattform Austria: Mehr Vielfalt im terrestrischen Fernsehen. rtr.at, 15. Februar 2011.
  30. Radioplayer Österreich. OTS-Pressemeldung unter inhaltlicher Verantwortung der drei genannten Veranstalter, 25. März 2015