Alexandra (Sängerin)

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
(Weitergeleitet von Doris Nefedov)
Wechseln zu: Navigation, Suche
Alexandra (1969)

Alexandra, bürgerlich Doris Nefedov (* 19. Mai 1942 in Heydekrug, als Doris Wally Treitz; † 31. Juli 1969 in Tellingstedt, Schleswig-Holstein), war eine deutsche Sängerin. Bekannt wurde sie Mitte der 1960er Jahre mit Liedern wie Mein Freund, der Baum, Sehnsucht oder Zigeunerjunge.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Doris Treitz wurde als letzte von drei Töchtern der Eheleute August und Wally Margarete Treitz, geb. Swetosch, in Heydekrug geboren,[1][2] damals im Memelland und heute zu Litauen gehörend. Ihre Familie flüchtete 1944 vor der Roten Armee zunächst nach Sachsen und dann nach Kiel. Dort besuchte sie die Volksschule und danach die Ricarda-Huch-Schule, damals ein Mädchengymnasium. Früh brachte sich das künstlerisch wie musikalisch talentierte Mädchen das Gitarrenspiel bei, erhielt Klavierunterricht und begann, eigene Lieder und Gedichte zu schreiben. 1962 nahm sie an der Miss-Germany-Wahl teil und belegte den neunten Platz.

Mit 17 Jahren wollte sie als Modedesignerin arbeiten. Kurz vor ihrem Abitur brach sie die Schule ab und begann ein Grafikstudium an der Muthesius-Werkkunstschule.[3] In dieser Zeit hatte sie mehrere Gelegenheitsjobs, unter anderem als Sekretärin, Stenotypistin und Zimmermädchen. 1961 zog sie zusammen mit ihrer geschiedenen Mutter und ihrer Schwester nach Hamburg-Rothenburgsort und besuchte die Meisterschule für Mode. Bald lernte sie den 30 Jahre älteren russischen Emigranten Nikolai Nefedov (1912–1989) kennen, der bei ihnen zur Untermiete wohnte. Noch im selben Jahr heirateten beide. Anschließend wollte sie mit Nefedov in die USA auswandern. Am 26. Juni 1963 brachte sie ihren Sohn Alexander zur Welt. Nach dem Scheitern der Ehe nahm sie, in Anlehnung an den Namen ihres Sohnes, den Künstlernamen Alexandra an.

Alexandra versuchte, ihr Studium zu beenden und arbeitete nebenbei als Zeichnerin. Nach einem Abschluss an der Margot-Höpfner-Schauspielschule in Hamburg erhielt sie ein Engagement an einem Theater in Neumünster und nahm Gesangsunterricht. Kurzzeitig sang sie 1965 bei den City Preachers. Bald darauf wurde der Schallplattenproduzent Fred Weyrich auf die tiefe Stimme der Sängerin aufmerksam. Unter dem Management von Hans R. Beierlein wurde Alexandra zum Star aufgebaut; mit ihren melancholischen Liedern und ihrem Aussehen passte sie gut in ein Format, das bisher noch nicht von der deutschen Schlagerbranche vermarktet wurde: Russland. Mit dem Orchester Hazy Osterwald folgten die ersten Tourneen quer durch die Bundesrepublik Deutschland und 1967 auch durch die Sowjetunion.

Im Alter von 25 Jahren kam der Durchbruch: Sie konnte ihre ersten beiden Erfolge Zigeunerjunge (komponiert von Hans Blum) und Sehnsucht (Rudi Bauer/Fred Weyrich) in den Schlagerparaden verbuchen. Doch die auf ihr Image maßgeschneiderten Lieder stellten die Sängerin und Komponistin Alexandra nicht zufrieden; sie wollte mehr als nur slawisch-folkloristisch orientierte Schlager singen.

Die vielsprachige Alexandra fand Kontakt zu französischsprachigen Chansonniers wie Salvatore Adamo, Gilbert Bécaud und Yves Montand und reiste nach Brasilien, um mit dem Musiker und Sänger Antônio Carlos Jobim (u. a. The Girl from Ipanema) zusammenzuarbeiten. Der Fotograf, Kameramann und Regisseur Truck Branss verfilmte die Reisen für die ARD-Show Alexandra: Ein Portrait in Musik (1969). Zurück in Deutschland entstand eine enge Freundschaft und Zusammenarbeit mit Udo Jürgens. Anfang 1969 verließ Alexandra Hamburg und zog nach München-Nymphenburg. Hier verlobte sie sich 1969 mit Pierre Lafaire.

Tod[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 31. Juli 1969 fuhr Alexandra mit ihrem Sohn und ihrer Mutter mit ihrem Mercedes 220 S Coupé von Hamburg Richtung Sylt in den Urlaub. Gegen 15 Uhr erreichte sie in Tellingstedt auf der Landstraße 149 die Kreuzung mit der Bundesstraße 203, die sie überqueren wollte. Dabei fuhr ein vorfahrtsberechtigter Lastwagen in die rechte Seite ihres Wagens und schob ihn mehr als zwanzig Meter weit in den Straßengraben. Ihr Fahrzeug wurde schwer beschädigt und sie starb noch am Unfallort. Sie wurde unter ihrem Künstlernamen Alexandra auf dem Westfriedhof in München beigesetzt. Ihre Mutter starb wenig später im Krankenhaus in Heide (Holstein). Der auf der Rückbank schlafende sechsjährige Sohn Alexander wurde nur leicht verletzt.

Nachwirkungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gedenkstein an der Unfallstelle in Tellingstedt

Die Straßenkreuzung in Tellingstedt, an der der Unfall passierte, existiert heute nicht mehr.[4] Da es dort immer wieder zu schweren Unfällen kam, wurde sie baulich aufgehoben und die Straße etwa 100 m weiter westlich mittels einer Brücke gefahrlos über die B 203 geführt.

Der Berliner Regisseur und Dramaturg Marc Boettcher veröffentlichte 1999 eine Biographie über Alexandra, in der er auch der angeblich ungeklärten Todesfrage nachging. Während seiner Recherchen wurde Boettcher angeblich mehrfach von Unbekannten bedroht. Im selben Jahr wurde sein Dokumentarfilm Alexandra – die Legende einer Sängerin ausgestrahlt. 2004 trat er mit neuen Rechercheergebnissen und der Ankündigung, das Todesermittlungsverfahren neu aufzurollen, an die Öffentlichkeit. Boettcher habe aus den Stasiunterlagen der Birthler-Behörde erfahren, dass Pierre Lafaire, der Geliebte Alexandras, als US-amerikanischer Geheimagent tätig und trotz der Verlobung mit Alexandra bereits in Dänemark verheiratet gewesen sein soll.

2003 wurde in Würzburg der Verein Alexandra-Freunde e.V. gegründet, mit dem Ziel, ihr musikalisches Erbe zu bewahren. Neben der Grabpflege werden Veranstaltungen mit Live-Darbietungen von Alexandra-Liedern durch Vereinssängerinnen durchgeführt. Unterstützt wird der Verein von Alexandras Sohn Alexander (Sascha) Nefedov-Skovitan und Verwandten der Sängerin. Alexandras Sohn war bis 2008 Leiter des Ural-Kosakenchores.

Alexandraplatz, Kiel-Ravensberg

2006 wurde im Hamburger Stadtteil Rothenburgsort, wo die Sängerin von 1961 bis 1969 gewohnt hat, ein Weg nach ihr Alexandra-Stieg benannt. Im Eingangsbereich dieses Wohnhauses wurde 2016 eine Gedenktafel enthüllt, die an die Sängerin erinnert. 2009 erhielt in der Nähe ihrer früheren Wohnung in Kiel das Areal zwischen Knooper Weg, Franckestraße und Olshausenstraße den Namen Alexandraplatz.[5] 2011 wurde in ihrem Geburtsort an einem Gebäude des Kindergartens Pusele, wo das Wohnhaus von Alexandras Familie stand, eine Bronzetafel mit Foto enthüllt.[6]

Stücke über Alexandra[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Juli 2011 hatte im Deutschen Schauspielhaus in Hamburg die Revue Zigeunerjunge Premiere. In das Stück sind viele deutsche Schlager wie Alexandras namengebendes Lied eingearbeitet. Das Musical Kiel Alexandraplatz von Peter Schanz sollte am 26. November 2011 am Theater Kiel uraufgeführt werden, wurde aber aus dem Spielplan genommen und auf unbestimmt verschoben.[7] Am 15. Oktober 2011 fand die Premiere des Theaterstücks Alexandra von Michael Kunze im Berliner Schloßparktheater statt. Die Hauptrolle spielt Jasmin Wagner.[8]

Seit 2014 wird das von Heiner Kondschak geschriebene Stück Forever 27, in dem es um die früh verstorbenen Sänger des Club 27 geht, im Landestheater Tübingen aufgeführt.[9] Seit Januar 2015 wird am Landestheater Eisenach das Chanson-Schauspiel von Lars Wernecke mit dem Titel Illusionen – Alexandras Leben mit Jannike Schubert als Alexandra und Franz Fischer am Klavier aufgeführt.[10]

Diskografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hauptartikel: Alexandra/Diskografie

Studioalben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jahr Titel Chartplatzierungen Anmerkungen
DeutschlandDeutschland DE OsterreichÖsterreich AT SchweizSchweiz CH
1967 Premiere mit Alexandra 20
(12 Wo.)
Erstveröffentlichung: Juni 1967
1968 Alexandra
auch bekannt als: Träume…Illusionen…
19
(20 Wo.)
Erstveröffentlichung: Oktober 1968

Lieder (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Akkordeon (frz. Version: Accordéon) (1967)
  • Alles geht vorüber (1967)
  • Am großen Strom (Amirchanjan) (1968)
  • Auf dem Wege nach Odessa (1968)
  • Aus! (1968)
  • Belaja Akazija (Weiße Akazie)
  • Das Feuer der Zigeuner
  • Das Glück kam zu mir wie ein Traum (1970)
  • Das Märchen einer Frühlingsnacht
  • Der große Clown (1968)
  • Der Traum vom Fliegen (1968)
  • Die anderen waren schuld (frz. Version: La Faute du Monde entier)
  • Die weißen Nächte von Leningrad
  • Die Zärtlichkeit (1968)
  • Dunkles Wolkenmeer (1968)
  • Ein leeres Haus (1967)
  • El Vito (1970)
  • Erev shel Shoshanim (Abend der Rosen) (1970)
  • Erstes Morgenrot (1969)
  • Es war einmal ein Fischer (1970)
  • Grau zieht der Nebel (Tombe la Neige) (1968/1969?)
  • Hereinspaziert (1968)
  • Ich erwarte dich (frz. Version: Je t'attends)
  • Ich trinke Tschai
  • Illusionen (1968)
  • Im sechsten Stock (1968)
  • Ja lubljú tebjá (Ich liebe dich) (1968)
  • Janos von der Puszta (1967)
  • Kinderjahre
  • Kleine Anuschka
  • Klingt Musik am Kaukasus (1969)
  • Mein Freund, der Baum (1968)
  • Mein Kind, schlaf ein (1966)
  • Moskau, Moskau
  • Nur einen Sommer lang
  • O Duscha, Duscha
  • Sag mir, was du denkst (1967)
  • Sag nicht adieu (1967)
  • Schwarze Balalaika (1968)
  • Schwarze Engel (1969)
  • Sehnsucht/Das Lied der Taiga (frz. Version: La taïga) (1968)
  • Solenzara (1968)
  • Tanz, alter Tanzbär (1968)
  • Those Were the Days (1968)
  • The Guns and the Drums
  • Walzer des Sommers (1967)
  • Warum
  • Was ist das Ziel? (Les ballons rouges) (1968)
  • Was sind wir Menschen doch für Leute (1969)
  • Weißt du noch? (1969)
  • Wenn die lila Astern blühn
  • Wild ist das Land (1966)
  • Wind, Wind (1970)
  • Zigeunerjunge (frz. Version: Tsigane) (1967)
  • Zwei Gitarren (engl. Version: Golden Earrings)

Fernsehauftritte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Marc Boettcher: Alexandra – die Legende einer Sängerin. Ihr Leben – ihre Lieder – ihr Tod. Parthas Verlag, 2004, ISBN 3-936324-10-7.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Alexandra – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Ortsfamilienbuch Memelland – Familienbericht August Treitz. In: Verein für Computergenealogie e. V. 26. Oktober 2008, abgerufen am 29. Dezember 2008.
  2. Dainoras Lukas: Hamburgo gatvei – lietuvių kilmės atlikėjos vardas. In: Kauno Diena. 19. Mai 2007, abgerufen am 29. Dezember 2008 (litauisch).
  3. Dirk Jennert: Hommage an eine berühmt gewordene Mitstudentin. In: Schleswig-Holsteinischer Zeitungsverlag. 15. Mai 2008, abgerufen am 29. Dezember 2008.
  4. Ein Kreuz für ALEXANDRA, Bilder des Unfallorts aus den 2000er- und 2010er-Jahren, dietrich-alsdorf.de, abgerufen am 27. Juni 2017
  5. Christoph Jürgensen: Alexandras Platz ist in Kiel (Memento vom 22. Mai 2009 im Internet Archive). Am 19. Mai 2009 auf: kn-online.de.
  6. Als der Diplomat zur Gitarre griff. Gedenktafel der »Alexandra-Freunde« am Geburtshaus der Sängerin in Heydekrug enthüllt. In: Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 38-11. 24. September 2011, S. 13, abgerufen am 3. Juni 2016 (PDF; 3,7 MB).
  7. dpa: „Kiel Alexandraplatz“ erinnert an Schlagersängerin. Am 7. März 2011 auf: morgenpost.de.
  8. JasminWagner.de.
  9. Forever 27, landestheater-tuebingen.de, abgerufen am 27. Juni 2017
  10. ILLUSIONEN - ALEXANDRAS LEBEN, theater-eisenach.de, abgerufen am 27. Juni 2017