Emil Cimiotti

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Afrikanisch, später Gruß an Willi Baumeister (2002). Vor dem Rathaus Marl
Blätterbrunnen in Hannover

Emil Cimiotti (* 19. August 1927 in Göttingen) ist ein Bildhauer des deutschen Informel.

Biografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach der Rückkehr aus der Kriegsgefangenschaft versuchte sich Emil Cimiotti autodidaktisch in Bildhauerei und Zeichnung. Er machte von 1946 bis 1949 eine Ausbildung als Steinmetz. Von 1949 bis 1951 studierte er an der Kunstakademie Stuttgart bei Otto Baum und Karl Hils. Die Professoren weigerten sich Cimiotti Korrekturen zu geben, weil der ihnen zu genial war. Willi Baumeister, der an der Akademie Malerei lehrte, forderte und förderte ihn durch sein Interesse. Fast alle frühen plastischen und zeichnerischen Arbeiten werden später vernichtet.

1951 ging Cimiotti an die Hochschule der Künste nach Berlin zu Karl Hartung, der ihn allerdings nach zwei Monaten aus seiner Klasse wies. Cimiotti ging für ein Semester nach Paris zu Ossip Zadkine. Er besuchte Constantin Brâncuși, Le Corbusier sowie Fernand Léger. 1952 kehrte Cimiotti an die Kunstakademie Stuttgart zurück, wo er 1954 sein Akademiestudium beendete. Im gleichen Jahr heiratete er Brigitte Hörz. Ab 1955 entstehen erste Bronzen. Die Bronzen weisen kleinformatige Strukturen auf, in Wachs nach dem Prinzip der "verlorenen Form" gearbeitet, die keine Auflagengüsse zulassen. Für die eigenwilligen Plastiken finden sich Anregungen im Werk des befreundeten Willi Baumeister sowie bei Ossip Zadkine, Jean Fautrier und Alberto Giacometti.

1956 kam es zu ersten Ausstellungsbeteiligungen und heftigen Verrissen durch die Kunstkritik. 1957 erhielt Cimiotti den Kunstpreis „junger westen 57“ für Bildhauerei in der Sparte Bronze. Dieselben Arbeiten, die eben noch verrissen worden waren, wurden nun begeistert gefeiert, nachdem Albert Schulze Vellinghausen und John Anthony Thwaites sehr positiv darüber berichtet hatten. 1958 war Cimiotti mit einer Werkgruppe im Italienischen Pavillon der 29. Biennale in Venedig vertreten. 1959 erhielt Cimiotti den Kunstpreis „junger westen 59“ für Handzeichnung sowie das Stipendium der Villa Massimo in Rom. Er nahm an der documenta II 1959 in Kassel sowie an Ausstellungen in den USA und Paris teil. 1960 wurden die in Rom entstandenen Arbeiten im Kölner Kunstverein ausgestellt und fast sämtlich von Museen erworben. Er nahm an der 30. Biennale in Venedig im Deutschen Pavillon mit Baumeister, Bissier und Schmidt-Rottluff teil.

1963 wurde er als Gründungsmitglied der Hochschule für Bildende Künste Braunschweig berufen. Er nahm 1964 an der documenta III teil. 1966 änderte er seine Arbeitsweise, er schaffte Auflagengüsse in Sandguss. Es entstanden größere Freiplastiken für die Universitäten Göttingen, Kiel und Konstanz. 1968 nahm er erneut an der documenta teil. 1971 kehrte Cimiotti zu seiner alten Technik des direkten Arbeitens in Wachs zurück. Es entstanden Stillleben, letztlich Vanitasmotive. Cimiotti setzte erstmals bei seinen Plastiken Farbe ein.

1981 erlaubte ein schwerer Unglücksfall in der Familie bis Mitte 1983 kaum plastisches Arbeiten. Zwischen 1981 und 1983 entstehen keine Plastiken und er arbeitet ausschließlich als Zeichner. 1984 erhält Emil Cimiotti den Preis für Kultur des Landes Niedersachsen. 1989 folgten die letzten Jahre der Lehrtätigkeit an der Hochschule für Bildende Künste Braunschweig und der Umzug in das neue Atelier in Hedwigsburg. Äußerst produktive Jahre folgten, mit Retrospektiven in Osnabrück und Recklinghausen. Er nahm an der Ausstellung „Europäische Plastik des Informel“ im Wilhelm-Lehmbruck-Museum in Duisburg teil und wurde zum Mitglied der Akademie der Künste in Berlin-Brandenburg gewählt. Seit 1994 ist Emil Cimiotti Mitglied der AK Berlin und Brandenburg.

Emil Cimiotti war 1970 im geschäftsführenden Vorstand des Deutschen Künstlerbundes.[1] Als ordentliches Mitglied des DKB beteiligte er sich zwischen 1957 und 1993 an über 30 grossen Jahresausstellungen.[2]

Werk[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Plastisches Werk[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Emil Cimiotti Arbeiten drücken Formprobleme aus. Kennzeichnend für diese Arbeiten ist das Aufbrechen der Oberflächen der Hohlformen. Damit wendet er sich entschieden vom Vorbild der geschlossenen, gespannten Formen seines kurzzeitigen aber prägendeden Lehrers Karl Hartung ab, aber auch von den plastischen Tradition des Bronzegusses, die bis in die klassische Moderne reichen. Er greift zugleich sein wichtigstes Thema auf, das Verhältnis des inneren zum äußeren Raum. Die Bronze erhält nunmehr Brüche, Löcher und Einblicke. Die Bronze gewährt, eine eigenwillige Sensibilität für innen und außen, für Körper und Raum sowie einen sensiblen Materialcharakter und wirkt nicht mehr als Begrenzung der Form, so dass zum Beispiel das in der Plastik außergewöhnliche Motiv, das seit dem Rom Aufenthalt erscheint, erst möglich wird. Doch haben die Motive Cimiottis nie Darstellungscharakter. So stehen die Titel häufig in Spannung zur Gestalt des Werkes, dessen Bedeutungsgehalt damit erweitert wird. Auch menschliche Köpfe oder ganze Figuren, die durch die Titel bisweilen als veritable Portraits gekennzeichnet sind, deren Gestalt aber vielmehr auf Tod und Vergänglichkeit hinweist und damit den übrigen Arbeiten dieses Themenkreises nahesteht, in denen Knochen, Schädel oder Essensreste auftauchen. Mitte der 1960er Jahre werden einzelne Motive, wie zum Beispiel Blumen, zu kräftigen, prallen Einzelformen herausgearbeitet und seit 1967 zum Teil auch in großem Format im Sandgussverfahren und in Auflagen gegossen. Doch läßt Cimiotti diese Technik ab 1971 wieder fallen und wendet sich seitdem nur noch mit dem Wachsausschmelzguss zu. Nach diesen Einzelfigurationen werden seit der Mitte der 1970er Jahre auch Abdrücke von Gegenständen, vor allem großen Pflanzenblättern, in die Plastik integriert. Das plastische Alterswerk schloss er mit der Gestaltung von Papierreliefs ab.

Zeichnerisches Werk[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Zeichnungen greifen Themen der plastischen Arbeiten oft mit zeitlicher Verschiebung auf und führen sie zu anderen, dem Medium entsprechenden Lösungen. Dabei gibt das eine Medium dem anderen Anregungen, wie zum Beispiel die Farbigkeit ab 1973 in den Kugelschreiber-Zeichnungen durch Überarbeitung mit Deckweiß entstehen und zuerst 1979 mit der Bemalung des zwei Jahre früher entstandenen Tischlein deck dich-leergegessen auf die plastischen Werke übertragen wird. Seitdem erhalten die plastischen Arbeiten in der Regel eine Bemalung in Weiß, Schwarz und Erdfarben, die gegenüber der Form autonom bleibt und ihnen somit eine weitere über das Objekt hinausweisende Dimension verleiht.

Ausstellungen (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 2015: Ein Pionier der Nachkriegsskulptur mit neuen Arbeiten, Skulpturen und Papierreliefs, Kunstraum Bernusstrasse, Frankfurt a.M.

Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Cimiotti, Emil in: Hans Vollmer (Hrsg.): Allgemeines Lexikon der Bildenden Künstler des XX. Jahrhunderts. Sechster Band (V-Z, Nachträge A-G), E. A. Seemann, Leipzig 1999 (Studienausgabe). ISBN 3-363-00730-2 (S. 382)
  • Bibliografie Emil Cimiotti
  • Bergenthal, Stracke: Cimiotti. Strukturen. Kerber Verlag Bielefeld. 2013. 248 Seiten. ISBN 978-3-86678-821-3.
  • Emil Cimiotti. Den Raum ganz anders besetzen. Ausst. Kat. Gerhard-Marcks-Stiftung, Bremen 2012. ISBN 978-3-924412-75-3
  • Bergenthal, Stracke: Emil Cimiotti. Kehrer Verlag Heidelberg. 2005. 300 Seiten. ISBN 3-936-636-54-0.
  • Marc Fredric Gundel: Akademie-Schülerschaft und Lehre nach 1945. Zur Bedeutung und Problematik am Beispiel von Otto Baum und Herbert Baumann als Kunsthochschullehrer. Dissertation Universität Heidelberg, Heidelberg 1995, S. 61.
  • Birgit Jooss: Briefkarte von Rolf Szymanski an Emil Cimiotti. In: Anzeiger des Germanischen Nationalmuseums. Hrsg. von G. Ulrich Großmann, Nürnberg 2013, S. 311 – 312.
  • Württembergischer Kunstverein (Herausgeber): Maler und Bildhauer. Ausstellung des Württ. Kunstvereins Stuttgart im Kunstgebäude am Schloßplatz 29. März - 29. April 1956, Stuttgart 1956, 2 Seiten ohne Seitenzahl.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. kuenstlerbund.de: Vorstände des Deutschen Künstlerbundes seit 1951 (abgerufen am 7. April 2016)
  2. kuenstlerbund.de: Ausstellungen seit 1951 (abgerufen am 7. April 2016)

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Emil Cimiotti – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien