Fallblattanzeige

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Fallblattanzeigetafel des Typs KRONE am Hauptbahnhof Frankfurt am Main, im Einsatz bis September 2005. Typisch für größere Anlagen sind einzelne schadhafte Module, in diesem Fall das V statt einem U bei Dortmund und das E statt einem Leerfeld in der untersten Zeile.

Eine Fallblattanzeige, fälschlicherweise manchmal „Faltblattanzeige“ genannt, kommt vor allem als Anzeige bei Digitaluhren, insbesondere bei Synchronuhren, als Kalender, bei Aufrufanzeigen in Wartebereichen sowie bei Anzeigetafeln auf Flughäfen und Bahnhöfen zum Einsatz. Sie wurde jedoch inzwischen weitgehend durch großformatige Segmentanzeigen, Matrixanzeigen oder bistabile Anzeigeelemente abgelöst. Eine alternative Bezeichnung für Module, die ganze Wörter auf einmal anzeigen, ist Palettenanzeiger,[1] bei rein numerischen Anzeigen spricht man auch von einer Klappzahlenanzeige.

Aufbau[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Animation des Prinzips
Zugzielanzeiger mit Fallblattanzeige am Gleis 9 des Hauptbahnhofs Frankfurt am Main (Typ „M“, Hersteller: AEG, bis September 2005)
Japanischer Kalender

Auf einer Achse sind in gleichmäßigem Abstand Fallblätter drehbar befestigt. Die Rückseite eines Plättchens und die Vorderseite des folgenden Plättchens zeigen zusammen jeweils ein aufgedrucktes Symbol.

Durch eine Rückhalteeinrichtung ist jeweils die Vorderseite und die Rückseite von zwei folgenden Plättchen sichtbar. Dreht sich die Achse, so rutscht das obere Plättchen durch die Rückhalteeinrichtung und klappt um. Hierdurch wird das folgende Symbol sichtbar und es kommt – insbesondere bei älteren Fabrikaten – zum charakteristischen Klappern; daher wird diese Anzeigeart umgangssprachlich auch als „Klappertafel“ bezeichnet.

Die Anzahl der Blätter kann variieren. Einfach breite Module (für Ziffern und Buchstaben) beinhalten normalerweise 52 Fallblätter mit Ziffern, Großbuchstaben, Interpunktionszeichen sowie Umlauten. Breitere Module (mit zwei-, vier-, sechs-, acht- oder zehnfacher Breite) gibt es mit 40, 64 oder 80 Blättern.

Aufgrund der begrenzten Menge an Plättchen sind meist nur Großbuchstaben, Ziffern und einige wenige Sonderzeichen verfügbar. Die bis in die letzten Jahre bei der Deutschen Bahn auf den Bahnsteigen als Zugzielanzeiger eingesetzten Module verfügten zum Beispiel nur über die Großbuchstaben A bis Z, die Umlaute Ä, Ö, Ü und Å sowie die Ziffern 0 bis 9 und die Sonderzeichen -, ., (, ), !, :, /, ", ,, =.

Einige der moderneren Anzeigen verfügen auch über ein und ein @ Zeichen, da vor allem bei der Firma Krone/MAN-Systeme noch nach dem Jahr 2000 Fallblattmodule und Fallblattafeln hergestellt wurden.

Alte Fallblattmodule der Firma Krone an Flughäfen haben hingegen, auf Grund der international verständlichen Priorität, oftmals keine Umlaute sowie nur die drei wichtigsten Sonderzeichen -, _ und :.

Bei Digitaluhren kommen für die Anzeige der Stunden (00 bis 23) und Minuten (00 bis 59) auch andere Symbole zum Einsatz. Auch bei Zugzielanzeigern an Bahnsteigen kommen oft komplexe Texte (Zielbahnhöfe) und Symbole für Zuggattungen (IC, ICE, S usw.) und anderes zum Einsatz.

Die Darstellung der Symbole und Zeichen ist sehr gut, da diese aufgedruckt werden und daher keine Rasterung wie zum Beispiel bei Anzeigen aus bistabilen Anzeigeelementen vorgenommen wird. Allerdings ist die Anzeige auf die vorhandenen (aufgedruckten) Symbole beschränkt und wird in der Mitte durch den relativ großen Spalt zwischen den Blättern und den Verbindungsringen gestört.

Bei der Deutschen Bahn gibt es drei unterschiedliche hohe Modulreihen
Modulreihe Modulbreite Modulhöhe Max. Schriftfeldhöhe Anzahl der Fallblätter
[mm]
A 037 068 35 52
B 049 087 50 52
C 099 64
D 199 40
E 399 64
F 073 135 95 52
G 147 64
H 299 64
I 450 64
J 600 64/801
1 80 Blätter ausschließlich bei Modulen mit Zugzieltexten
Fallblattmodule der Deutschen Bahn, hergestellt von Krone/MAN-Systeme

Funktion[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ausgebaute Fallblattanzeige eines Radioweckers

Der Aufbau und die Ansteuerung der Fallblattmodule hat sich über die Jahre und Jahrzehnte hin stark verändert.

Epoche 1: Die Weiterschaltung erfolgt über ein Relais, ähnlich eines Stromstoßschalters. Die Positionsfeststellung und „Nullstellung“ (Stellung auf Leerblatt-Anzeige) erfolgt über eine Lochtrommel (ähnlich eines Lochbandes). Hier gab es noch keine intelligente Adressierung des Moduls, sondern alle Module in einem Anzeiger wurden diskret verkabelt angesteuert.
Epoche 2: Die Weiterschaltung erfolgt hier über einen Synchronmotor, welche über eine Darlington-Schaltung aktiviert wird. Die Positionsfeststellung und „Nullstellung“ erfolgt hier über zwei Magneten, die Hall-Sensoren aktivieren. Die intelligente Schaltung mittels Mikrocontroller befand sich außerhalb des Moduls im Gehäuse des entsprechenden Anzeigers. Ebenso wurde die „Adresse“ des Moduls fest in den entsprechenden Mikrocontroller einprogrammiert.
Epoche 3: Die Weiterschaltung erfolgt über einen Synchronmotor, der über einen Optotriac aktiviert wird. Die Positionsfeststellung und „Nullstellung“ erfolgt über Lichtschranken, die durch entsprechende Zahnradstellungen ausgelöst werden.[2] Bei dieser Epoche befindet sich der Mikrocontroller mit all seinen dazugehörigen Bauteilen mit auf dem Fallblattmodul. Die Adressierung des Moduls erfolgt durch eine kleine „Adressplatine“, die sich üblicherweise im Gehäuse befand und in die das Modul beim Einbau eingesteckt wurde. Auf einem DIP-Schalter konnte dann die Adresse des Moduls individuell binär eingestellt werden. Bei dieser Epoche wurden die ICs zuerst in THT-Variante verbaut, kurz darauf dann aber auch als SMD.[3]
Epoche 4: Die Weiterschaltung erfolgt über einen Schrittmotor, der über einen entsprechenden Motortreiber aktiviert wird. Die Positionsfeststellung und „Nullstellung“ erfolgt hier wieder über Magneten und Hall-Sensoren, da sich dieses System als beständiger gegen Staub und Schmutz erwiesen hat.[4] Die Adressierung der Module kann entweder fest einprogrammiert, oder an entsprechenden DIP-Schaltern eingestellt werden. Je nach Anforderung wurden die Module ausgeliefert. Der Vorteil des Schrittmotors war bei diesen Anzeigen die geringere Geräuschentwicklung, sowie das Entfallen einer Wechselstromversorgung die für einen Synchronmotor nötig gewesen wäre. Dieses System wurde nur noch von OMEGA für die SBB in der Schweiz produziert und verwendet und die Produktion 2006 endgültig eingestellt. In Deutschland stieg man schon vorher auf Digitaldisplays (LCD, TFT, LED) um.

Vertikal umklappende Anzeigeblätter[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Modell Cifra 12 von Solari di Udine

Eine Sonderform der Fallblattanzeige entwickelte das italienische Unternehmen Solari di Udine in den 1960er Jahren. In ihren Uhren verbaute es vertikal umklappende Anzeigeblätter, auch „Buchklappzahlen“ genannt. An jedem Anzeigeblattlager befand sich eine kleine Spiralfeder, die das Blatt seitlich umklappen ließ. Diese Uhren gab es auch mit Wochentag und Datum in verschiedenen Größen, wobei der Wochentag auf Grund seiner Textlänge meist auch horizontal nach unten klappte. Uhren mit Datumsanzeige waren mit einem „ewigem Kalender“ ausgestattet, der die kürzeren Monatslängen sowie die Schaltjahre berücksichtigte.

Medien[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Film Und täglich grüßt das Murmeltier aus dem Jahr 1993 kündigt ein Radiowecker mit Fallblattanzeige den sich ständig wiederholenden Tag an.

Verwendung an Fahrzeugen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Fallblattanzeigen werden bzw. wurden fast ausschließlich stationär eingesetzt. Eine Ausnahme stellt die Nutzung als Linien- und/oder Zielanzeige an Fahrzeugen des Öffentlichen Personennahverkehrs dar, wobei sie sich in diesem Bereich nie gegen die ältere Technik der Rollbandanzeige durchsetzen konnten. Beispiele für eine solche Verwendung sind:

Geräuschentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Typisch für größere Fallblattanzeigetafeln an Flughäfen und Bahnhöfen war deren Geräuschentwicklung bei Aktualisierungen des Anzeigenbildes. Um Passagiere auch bei modernen Digitalanzeigen auf die alle paar Minuten stattfindenden Änderungen aufmerksam zu machen, ahmen manche von ihnen die Akustik, das heißt das charakteristische Klappern, Klackern respektive Rauschen, der früheren Anzeigen künstlich nach. Am Flughafen Köln/Bonn ging dabei 2014 eine Anlage in Betrieb, die sich nicht nur akustisch, sondern auch gestalterisch an ihrem klassischen Vorbild orientiert und das frühere Umblättern optisch imitiert.[6][7]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Fallblattanzeigen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Runde Infos für den Ring – Vorschläge für Grundsätze für die Beschilderung von Zügen auf signalarchiv.de, abgerufen am 3. Februar 2019
  2. mezgrBlog: Fallblatt, die Erste. Abgerufen am 27. Januar 2019.
  3. Fallblattanzeiger. Abgerufen am 27. Januar 2019.
  4. SBB Fallblatt-Anzeiger mit esp8266/Arduino/RasPi ansteuern! Abgerufen am 27. Januar 2019.
  5. nimmbus.de, abgerufen am 6. Februar 2019
  6. Köln Bonn Airport (CGN): Wenn die Anzeigetafel digital klappert auf t-systems.com, abgerufen am 31. Januar 2019
  7. Moderne Elektronik macht nostalgische Geräusche – Digitale „Klappertafeln“ am Köln Bonn Airport, Artikel auf flugrevue.de vom 24. Oktober 2014, abgerufen am 31. Januar 2019