Finks Krieg

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Finks Krieg ist ein Schlüsselroman des Schriftstellers Martin Walser. Er erschien 1996 im Suhrkamp Verlag und wurde später ins Französische, Spanische und Türkische übersetzt.

Hintergrund[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hauptartikel: Affäre Gauland

Walsers Roman basiert auf der sogenannten Affäre Gauland aus den 1980/90er Jahren in Hessen.[1] Der Schriftsteller war mit dem Ministerialbeamten Rudolf Wirtz bekannt. Dieser sammelte für ihn in ca. 50 Aktenordnern das Material zum Fall, in den er selbst involviert war. Walser widmete sich dann sechs Jahre der Ausarbeitung des Romans und veröffentlichte ihn 1996 im Suhrkamp Verlag.[2]

Inhalt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Roman handelt von einem Ministerialrat namens Stefan Fink, der nach der Landtagswahl in Hessen seine Position als Kirchenkoordinator räumen muss. Der Versetzung durch den Staatssekretär Tronkenburg entgegnet Fink mit einer Konkurrentenklage. Diese bringt zum Vorschein, dass Würdenträger der katholischen Kirche ihn haben fallen lassen. Fink widersetzt sich so lange, bis er schließlich rehabilitiert wird. Ihm reicht allerdings sein Teilerfolg nicht, denn er sehnt sich nach Rache, indem er Tronkenburg des Meineids zu überführen versucht. Sein erbitterter Versuch endet in zunehmender Isolation. Am Ende sucht er ein Kloster auf.[1]

Figuren[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nachfolgend die wichtigsten Figuren des Romans, hinter denen sich zum Teil reale Personen verbergen:[3]

Romanfigur Realname Funktion
Stefan Fink Rudolf Wirtz Leitender Ministerialrat
Tronkenburg Alexander Gauland Chef der hessischen Staatskanzlei
Schmetternich Hans Joachim Suchan Chef der hessischen Staatskanzlei (Nachfolge)
Franz Kamphaus Franz Kamphaus Bischof von Limburg
Joseph Fischer Joseph Fischer Grünen-Politiker
Werner Böckenförde Werner Böckenförde Limburger Domkapitular, Kirchenrechtler
Ignatz Bubis Ignatz Bubis Vorsitzender der Jüdischen Gemeinde Frankfurt
Max Willner Max Willner Vorsitzender der Jüdischen Gemeinden in Hessen
Franz Karl Moor Bester Freund Finks

Bezüge in der Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Walser lehnte sich an die Novelle Michael Kohlhaas von Heinrich von Kleist an (Stefan Fink) und (Tronkenburg).[4] Außerdem wird in der Literatur auf Anspielungen auf die Erzählung Der Doppelgänger von Fjodor Dostojewski hingewiesen.[5]

Weitere Rezeption[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Veröffentlichung des Romans wurde durch die Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ) begleitet.[1] Sie versuchte nach Ansicht von Beobachtern frühzeitig, die reale Geschichte hinter Finks Krieg zu verschleiern. So sollte der Leser neugierig gemacht werden. Entgegen der ursprünglichen Richtlinie des FAZ-Herausgebers Frank Schirrmacher stellte die Zeitung später die Namen der beteiligten Personen vor.[1]

Der Publizist und ehemalige Staatssekretär Alexander Gauland, einer der Protagonisten des Romans, rezensierte das Buch während des Erscheinens in der FAZ (Ich war Tronkenburg) und hielt darin Martin Walser Unkenntnis der Frankfurter Zustände vor.[1] Die gewährte Selbstrezension wurde vom Chefredakteur der Wochenzeitung Die Zeit, Robert Leicht, scharf kritisiert.[6]

Das Buch war 1996 auf den Bestsellerlisten des Spiegels (Mai bis Juni) und des Focus (April bis Juni) gelistet[7] und wurde in allen überregionalen deutschen Feuilletons, aber auch u.a. in der Neuen Zürcher Zeitung, im Times Literary Supplement und in der World Literature Today besprochen.

Ausgabe[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Übersetzungen:

  • Ins Französische durch Michel Cadot: La guerre de Fink: roman. Hachette Littératures, Paris 1998, ISBN 2-01-235316-9.
  • Ins Spanische durch Daniel Najmías: La guerra de Fink (= Palabra en el tiempo. 285). Ed. Lumen, Barcelona 2000, ISBN 84-264-1285-8.
  • Ins Türkische durch Sibel Aslan Yeşilay: Fink'in savaşı: roman (= Çağdaş dünya yazarları). Can Yayınları, İstanbul 2001, ISBN 975-510-857-2.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Analysen / Hintergründe[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Rezensionen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Interviews[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c d e Martin Walser: Finks Krieg. In: Norbert Bachleitner: Kleine Geschichte des deutschen Feuilletonromans (= Narr-Studienbücher). Narr, Tübingen 1999, ISBN 3-8233-4972-4, S. 173 ff.
  2. Verena Auffermann: Dicke, fiese Suppe. In: Süddeutsche Zeitung, 4. März 1996, S. 12.
  3. Adolf Kühn: Wer ist wer bei Walser?. In: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 3. März 1996, Nr. 9, S. 3.
  4. Heinrich Halbig: Die verlorene Ehre des Rudolf Wirtz. In: Stuttgarter Zeitung, 8. März 1996.
  5. Michel Cadot: Finks Krieg von Martin Walser. Eine Metamophose des Doppelgängers von Dostojevskij. In: Horst-Jürgen Gerigk (Hrsg.): Literarische Avantgarde. Festschrift für Rudolf Neuhäuser. Mattes, Heidelberg 2001, ISBN 3-930978-14-8, S. 29 ff.
  6. Robert Leicht: Der Fall, der „Finks Krieg“ zugrunde liegt. In: Die Zeit, 13/1996, 22. März 1996.
  7. Bestseller. In: Focus, 22. April 1996, Ausgabe 17, S. 156; Bestseller. In: Focus, 29. April 1996, Ausgabe 18, S. 149; Bestseller. In: Focus, 6. Mai 1996, Ausgabe 19, S. 122; Bestseller. In: Focus, 13. Mai 1996, Ausgabe 20, S. 151; Bestseller. In: Focus, 20. Mai 1996, Ausgabe 21, S. 114; Bestseller. In: Focus, 25. Mai 1996, Ausgabe 22, S. 108; Bestseller. In: Focus, 3. Juni 1996, Ausgabe 23, S. 126; Bestseller. In: Focus, 10. Juni 1996, Ausgabe 24, S. 112; Bestseller. In: Focus, 17. Juni 1996, Ausgabe 25, S. 123; Bestseller. In: Focus, 24. Juni 1996, Ausgabe 26, S. 116; Bestseller. In: Der Spiegel, 6. Mai 1996, Nr. 19, S. 210; Bestseller. In: Der Spiegel, 20. Mai 1996, Nr. 21, S. 228; Bestseller. In: Der Spiegel, 27. Mai 1996, Nr. 22, S. 210; Bestseller. In: Der Spiegel, 3. Juni 1996, Nr. 23, S. 220; Bestseller. In: Der Spiegel, 10. Juni 1996, Nr. 24, S. 196.