Flugplatz Jever

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Flugplatz Jever
Fliegerhorst Jever
RAF Jever
Eingang zum damaligen Fliegerhorst, 1986
Kenndaten
ICAO-Code ETNJ
Koordinaten

53° 32′ 1″ N, 7° 53′ 19″ OKoordinaten: 53° 32′ 1″ N, 7° 53′ 19″ O

7 m (23 ft) über MSL
Verkehrsanbindung
Entfernung vom Stadtzentrum 4 km südlich von Jever
Straße ca. 8 km zur B210
Basisdaten
Eröffnung 1936
Schließung 2013 (Flugbetrieb)
Betreiber Luftwaffe
Start- und Landebahn
10/28 2480 m × 30 m Beton

i1 i3


i7 i10 i12 i14

Der Flugplatz Jever (früher Fliegerhorst Jever) ist ein inzwischen entwidmeter deutscher Fliegerhorst der Luftwaffe auf dem Gebiet der Städte Schortens und Jever.[1] Standortbezeichnung ist Schortens. Nach Einstellung des Flugbetriebes Ende September 2013[2][3] dient der Flugplatz als Standort des Objektschutzregimentes der Luftwaffe „Friesland“.[4]

Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Etwa drei Viertel des inmitten des Upjeverschen Forstes gelegenen Militärflugplatzes Jever gehört zum Stadtteil Upjever der Stadt Schortens. Letztere beherbergt auch die etwa zwei Kilometer westlich von ihrem Ortskern befindliche Hauptzufahrt an der Upjeverschen Straße. Das westliche Viertel des Fliegerhorstes liegt auf dem Gebiet des Stadtteils Cleverns der Stadt Jever.[1] Nach dem Zweiten Weltkrieg unterlag die Wohnsiedlung längs der Upjeverschen Straße mitsamt Schule ebenfalls militärischer Verwaltung. Mit dem Abzug dort wohnender britischer Streitkräfte wurde diese an die Kommunalverwaltung übergeben.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Fliegerhorst der Wehrmacht[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1935 begann der Bau des Flugplatzes und am 1. Mai 1936 wurde die Anlage an die Luftwaffe übergeben. Der Platz wurde vor und im Zweiten Weltkrieg von verschiedenen Verbänden der Luftwaffe genutzt. So lag die am 22. September 1939 in I. Gruppe/Kampfgeschwader 30 umbenannte I./Kampfgeschwader 25 hier. Die folgende Tabelle zeigt die vollständige Auflistung aller fliegenden aktiven Einheiten (ohne Schul- und Ergänzungsverbände) der Luftwaffe der Wehrmacht, die hier zwischen 1937 und 1945 stationiert waren.[5]

Von Bis Einheit Ausrüstung
August 1934 Juni 1936 Luftdienst-Schleppstaffel Nordsee
Oktober 1936 Oktober 1938 I./JG 136 (I. Gruppe des Jagdgeschwaders 136) Arado Ar 64, Arado Ar 65, Heinkel He 51
November 1938 April 1939 I./St.G 162 (I. Gruppe des Sturzkampfgeschwaders 162) Junkers Ju 87B
September 1939 September 1939 1./KG 25 (1. Staffel des Kampfgeschwaders 25) Junkers Ju 88A
September 1939 September 1939 I./KG 30 (I. Gruppe des Kampfgeschwaders 30) Junkers Ju 88A
September 1939 September 1939 10. (Nacht)/ZG 26 (10. (Nachtjagd-)Staffel des Zerstörergeschwaders 26) Arado Ar 68F, Messerschmitt Bf 109D
September 1939 November 1939 II. (Jagd) / Trägergruppe 186 Messerschmitt Bf 109E
Oktober 1939 November 1939 III./LG 1 (III. Gruppe des Lehrgeschwaders 1) Heinkel He 111H
November 1939 Mai 1943 Stab/JG 1 Messerschmitt Bf 109E, Focke-Wulf Fw 190A
Dezember 1939 Februar 1940 11. (Nacht)/LG 2 (11. (Nachtjagd-)Staffel des Lehrgeschwaders 2) Arado Ar 68E, Messerschmitt Bf 109D
Dezember 1939 Februar 1940 10. (Nacht)/JG 26 Arado Ar 68E, Messerschmitt Bf 109D
Dezember 1939 März 1940 II./JG 77 Messerschmitt Bf 109E
Dezember 1939 April 1940 I./ZG 76 Messerschmitt Bf 110
Februar 1940 April 1940 12. (Nacht)/JG 2 Arado Ar 68F, Messerschmitt Bf 109D
Mai 1940 Mai 1940 11. (Nacht)/JG 2 Arado Ar 68F, Messerschmitt Bf 109D
Juni 1940 Juni 1940 I./JG 51 Messerschmitt Bf 109E
August 1940 August 1940 II./JG 52 Messerschmitt Bf 109E
September 1940 September 1940 II./JG 51 Messerschmitt Bf 109E
September 1940 Mai 1941 II./ZG 76 Messerschmitt Bf 110
November 1940 Januar 1941 3./JG 54 Messerschmitt Bf 109E
Juni 1941 Juni 1941 6./JG 53 Messerschmitt Bf 109F
September 1941 März 1943 I./JG 1 Messerschmitt Bf 109E
Dezember 1941 Februar 1942 Einsatzstaffel/JFS 1
1942 1943 Sonderkommando Mausi Junkers Ju 52/3m, Dornier Do 23, Blohm & Voss BV 138
April 1943 Oktober 1943 Stab, II./JG 11 Messerschmitt Bf 109G-1
Oktober 1943 Oktober 1943 Jagdstaffel Helgoland Messerschmitt Bf 109T
Januar 1944 Juni 1944 I./KG 54 Junkers Ju 88A-4
August 1944 ? Seenotgruppe 80, Seenotstaffel 80 Dornier Do 18, Dornier Do 24, Messerschmitt Me 410
Oktober 1944 März 1945 5./KG 53 Heinkel He 111H-20
Dezember 1944 März 1945 IV./NJG 3 Junkers Ju 88G-1, Junkers Ju 88G-6

Vom Kalten Krieg bis zur Gegenwart[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Da es im Krieg hier kaum Zerstörungen gegeben hatte, wurden sämtliche Anlagen direkt nach Kriegsende von den Alliierten übernommen. Vorübergehend wurde es ala Airfield B.117, so sein alliierte Codebezeichnung, noch durch die Second Tactical Air Force der britischen Royal Air Force genutzt. Anfang September 1945 lag hier unter anderem die mit Auster Mk. IV/V ausgerüstete 664. Squadron bevor ehemalige Zwangsarbeiter und später Einheiten der dänischen Streitkräfte dort untergebracht wurden.

Im Frühjahr 1951 folgte die Übernahme durch die Royal Air Force und in diesem Zusammenhang die Errichtung einer befestigten Landebahn. Der Flugbetrieb auf der nunmehrigen Royal Air Force Station Jever, kurz RAF Jever, wurde 1952 wieder durch die Second Tactical Air Force aufgenommen. Hier lag beispielsweise das 112. Squadron (Geschwader), das ab April 1956 der erste Hawker Hunter Verband der RAF in Deutschland war, zuerst ausgestattet mit der Variante F4. Im folgenden Frühjahr bestand das Geschwader aus vier fliegenden Staffeln, 1957 wurden jedoch zwei bereits wieder aufgelöst. Die beiden verbliebenen Staffeln wurden 1959 und Ende 1960 außer Dienst gestellt. Einer der hier stationierten Hunter-Piloten war der spätere (insbesondere Harrier-) Testpilot John Farley (Artikel nur auf englisch).

Im Jahr 1961 wurde RAF Jever an die deutsche Luftwaffe übergeben, die ab 1964 Flugbetrieb durchführte.

Ein F-104F Starfighter vor dem Tor zum Fliegerhorst 2009
Eingang zu einem Gebäude der Luftwaffenwerft 62 im Februar 1986

Auf dem jetzt wieder als Fliegerhorst Jever bezeichneten Flugplatz in Upjever war von 1961 bis 1973 das Flugabwehrraketenbataillon 26 stationiert, ab 1964 erfolgte in der Waffenschule der Luftwaffe 10 die Ausbildung auf Lockheed F-104G Starfighter. Mit dem Wechsel auf den Panavia Tornado von 1983 bis zum 31. August 2005 wurde die Schule zum Jagdbombergeschwader 38 „Friesland“ umbenannt. Zudem war ab 28. Februar 1967 die 1. Staffel des Luftwaffen-Versorgungsregiments 7 für die Wartung des Starfighters zuständig. Ab 1. April 1970 hieß die Einheit Feldwerft F-104 und später Feldwerft F-4F für die neu stationierten McDonnell F-4F Phantom. Ab Januar 1982 folgte die Umbenennung in Luftwaffenwerft 62.

Im letzten Jahrzehnt des Kalten Kriegs wäre Jever im Ernstfall zusätzlich eine Forward Operating Location (FOL) von A-10-Erdkampfflugzeugen der United States Army Air Forces des auf der englischen Doppelbasis RAF Bentwaters/RAF Woodbridge beheimateten 81st Tactical Fighter Wings (81st TFW) gewesen. Bis Ende 1988 wären es A-10 der 509th Tactical Fighter Squadron (509th TFS) aus Woodbridge und ab Anfang 1989 der 511th TFS des 10th TFW aus RAF Alconbury gewesen.

Vom 1. September 1987 bis zum 31. August 1989 wurden insgesamt 24.184 Starts und Landungen durchgeführt.[6] Am 1. Juli 2002 wurde die Luftwaffenwerft 62 in Luftwaffeninstandhaltungsgruppe 21 (LIG 21) umbenannt.

Am 26. September 2013 wurde der Flugbetrieb nach 77 Jahren mit dem letzten Start einer Douglas A-4 Skyhawk beendet. Die Entwidmung als Flugplatz erfolgte Ende September 2013 und ist Teil der Bundeswehrreform. Ende 2014 wurde die Flugplatzwerft geschlossen. Bis dahin wurden von der ehemaligen Luftwaffen-Instandhaltungsgruppe 21 noch die letzten Phantoms abgewrackt.[7]

Die ehemalige Unteroffizier Lehr- und Sicherungsstaffel (ULS) des Fliegerhorstes ging 1997 im Objektschutzbataillon auf und avancierte ab dem 30. Juni 2006 zum Objektschutzregiment der Luftwaffe „Friesland“. Durch eine Konzentration entsprechender Einheiten soll es zu einer Kopfstärke von über 2000 Soldaten anwachsen und so die zukünftige primäre Nutzung des Flugplatzes darstellen. Dessen Einrichtungen sollen dabei als Übungsobjekte dienen.[8][9] Neben ihm sollte zunächst der Führungsunterstützungsbereich der Luftwaffe mit den IT-Sektoren 1 und 2 in Schortens stationiert werden. Dies wurde jedoch später revidiert.[10] Wie bei allen größeren Standorten gibt es dann noch das Sanitätsversorgungszentrum Schortens.[4]

Im Mai 2016 wurde der am 22. Dezember 1976 festgesetzte Lärmschutzbereich um den militärischen Flugplatz aufgehoben.[11]

Von Bis Einheit[12]
Frühjahr 1951 1952 Royal Air Force
1952 1961 RAF Germany mit 20. Squadron RAF (20 Sq), 112 Sq, 4 Sq, 93 Sq, 98 Sq, 118 Sq und 2 Sq
1961 Übergabe an die Deutsche Luftwaffe
1961 1973 Flugabwehrraketenbataillon 26, 1964–1983 Waffenschule der Luftwaffe 10
1983 2005 Jagdbombergeschwader 38 „Friesland“
26. September 2013 Ende des Flugbetriebs
2015 Objektschutzregiment der Luftwaffe „Friesland“, Sanitätsversorgungszentrum

Zwischenfälle[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Von 1952 bis Juli 2018 kam es am Flugplatz Jever und in seiner näheren Umgebung zu 34 Totalschäden von Flugzeugen. Dabei kamen 11 Menschen ums Leben.[13]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Bill Taylor: Royal Air Force Germany. Midland Publishing, Hinckley/England 2003, ISBN 1-85780-034-6.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Fliegerhorst Jever – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Fliegerhorst mit Stadtgrenze Jever/Schortens (Memento vom 9. Juli 2012 im Webarchiv archive.today) beim Geodatenportal des Landesamtes für Geoinformation und Landentwicklung Niedersachsen
  2. Mike Sommer: Letzter Flugtag auf dem Fliegerhorst Upjever. www.luftwaffe.de, 26. September 2013, abgerufen am 9. Dezember 2013.
  3. Letzter Flug nach 77 Jahren – In Upjever gingen gestern die Lichter aus. In: Wilhelmshavener Zeitung, S. 13
  4. a b BT-Drs. 18/1532
  5. Henry L. deZeng IV: Luftwaffe Airfields 1935–45 Germany (1937 Borders), S. 309–311, abgerufen am 29. August 2014
  6. BT-Drs. 11/5549
  7. Melanie Hanz: Militärflugverkehr in Upjever bald vorbei. www.nwzonline.de, 30. September 2013, abgerufen am 9. Dezember 2013.
  8. Letzter Flugtag auf dem Fliegerhorst Upjever
  9. GAF Regiment ever more important for the Bundeswehr Reorientation Start for increase of station strength to 2050 service personnel
  10. 500 Dienstposten weniger Jeversches Wochenblatt vom 3.3.2015
  11. Niedersächsische Verordnung zur Aufhebung des Lärmschutzbereichs für den militärischen Flugplatz Jever vom 13. Mai 2016, in: Niedersächsisches Gesetz- und Verordnungsblatt Nr. 5/2016 vom 20. Mai 2016, S. 81, ISSN 0341-3497
  12. Henry L. deZeng IV: Luftwaffe Airfields 1935-45 Germany (1937 Borders), S. 309–311, abgerufen am 29. August 2014
  13. Liste von Unfällen am Flugplatz Jever, Aviation Safety Network WikiBase (englisch), abgerufen am 26. Juli 2018.