Frieder Bernius

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Frieder Bernius

Frieder Bernius (* 1947 in Ludwigshafen) ist ein deutscher Chor- und Orchesterdirigent. Von seinen über neunzig Einspielungen sind etwa vierzig mit internationalen Schallplattenpreisen ausgezeichnet worden.

Leben[Bearbeiten]

Frieder Bernius wurde 1947 im Ludwigshafener Stadtteil Oppau als zweites von vier Kindern einer protestantischen Pfarrfamilie geboren.[1] Früh hatte er Klavier- und Geigenunterricht, sang im Chor der heimischen Kirchengemeinde und nahm schließlich Orgelunterricht bei KMD Karl Kohlmeyer. Nach dem Abitur am altsprachlichen Karl-Friedrich-Gymnasium in Mannheim studierte er Musik und Musikwissenschaft an der Musikhochschule Stuttgart sowie an der Universität Tübingen. Er besuchte Meisterkurse bei u. a. Witold Rowicki, Sergiu Celibidache, Edward Downes und Otmar Suitner. Während seines Studiums legte er mit der Gründung des Kammerchor Stuttgart im Alter von 20 Jahren den Grundstein seiner freiberuflichen Tätigkeit. Nachdem sein Schwerpunkt in den ersten zehn Jahren vor allem auf der Interpretation von A-cappella-Musik lag, dehnte er sein Repertoire bald auf alle anderen Genres und Stile aus. Seit 1977 arbeitet Frieder Bernius auch mit führenden Orchestern zusammen. Er unternahm außerdem Gastproduktionen mit den Rundfunkchören des SDR, NDR, WDR und des RIAS Berlin. des SDR, NDR, WDR und des RIAS Berlin. Ab Mitte der 1980er Jahre wandte er sich verstärkt der historischen Aufführungspraxis zu.

1987 rief Frieder Bernius dazu die Internationalen Festtagen Alter Musik (heute: Festival Stuttgart Barock) ins Leben. 1991 gründete er außerdem das Barockorchester Stuttgart, welches sich spezialisiert auf das 18. Jahrhundert, aus führenden Musikern der historischen Aufführungspraxis zusammensetzt. In dasselbe Jahr fällt auch die Gründung der Klassischen Philharmonie Stuttgart, die für Aufführungen chorsinfonischer Werke in großer Besetzung das orchestrale Pendant zum Kammerchor Stuttgart darstellt.

Im Jahr 1998 erhielt Frieder Bernius eine Honorarprofessur an der Musikhochschule Mannheim. Am Leopold-Mozart-Zentrum in Augsburg und der Musikhochschule Würzburg gibt er regelmäßig Oratorienkurse für Sänger. Ab 2000 war er künstlerischer Leiter von ChorWerkRuhr, welches er mitbegründet hatte, und gehörte bis 2003 mit den Ruhrfestspielen und der Ruhrtriennale zusammen. 2006 gründete Frieder Bernius mit der Hofkapelle Stuttgart ein Ensemble, das sich auf historischen Instrumenten dem Repertoire des frühen 19. Jahrhunderts widmet. Drei Jahr später wurde Frieder Bernius zum Präsidenten der Johann-Nepomuk-David-Gesellschaft gewählt. Frieder Bernius ist Vorsitzender und Künstlerischer Leiter des Musik Podium Stuttgart, einer freien Kulturinstitution, welche die Aktivitäten des Dirigenten und der Ensembles Kammerchor Stuttgart, Barockorchester Stuttgart, Hofkapelle Stuttgart und Klassische Philharmonie Stuttgart koordiniert und bündelt. Dazu gehört auch die Organisation des Festival Stuttgart Barock und des seit 2003 stattfindenden Open Air Schloss Solitude.

Wiederaufführungen und Uraufführungen[Bearbeiten]

Neugier auf unbekannte Partituren zeichnen Frieder Bernius aus. Seit 1992 brachte er Wiederaufführungen von Opern des 18. Jahrhunderts auf die Bühne. Aus den Autographen gedruckt ließ er Werke von Hasse, Rameau, Holzbauer, Cannabich, Jommelli, Naumann, Kalliwoda, Knecht und Zumsteeg wieder erklingen. Von Zumsteegs „Die Geisterinsel“, Jommellis „Il Vologeso“ und dessen „Didone abandonata“, Schuberts „Sakontola“, Naumanns „Aci e Galatea“, Danzis „Bergeist“ und Knechts „Aeolsharfe“ machte Frieder Bernius Ersteinspielungen, wobei “Didone“ mit dem Gramophone Magazine Editors Choice ausgezeichnet wurde. Seit 1976 wurden unter der Leitung von Frieder Bernius zeitgenössische Werke u.a. von Adorno, Erbse, David, Komma, Marx, Dangel, Frehner, Plangg, Kropfreiter, Bennett, Imbescheid, Toll, Kosviner, Isele, Dörner, Münch oder Seither uraufgeführt

Internationale Tätigkeit[Bearbeiten]

Frieder Bernius wird weltweit zu Meisterkursen, Wettbewerben, Festivals und Gastdirigaten eingeladen. In den Jahren 1990, 1995, 1999 und 2005 leitete er den Weltjugendchor der Jeunesses Musicales und der IFCM in Skandinavien, Kroatien, Kanada. Auf dem Weltsymposium der Chormusik trat er mit dem Kammerchor Stuttgart in Wien (1987), Stockholm (1990), Sydney (1996) und in Seoul (2014) auf. Regelmäßige Tourneen führen Frieder Bernius und seine Ensembles in renommierte Konzerthäuser und zu bekannten Festivals in ganz Europa. Außereuropäische Konzertreisen machte er vor allem mit seinem Chor nach Fernost (1988, 1996, 2000, 2006, 2008, 2012, 2014, 2015), Australien (1996), USA (1989, 1999, 2012), Kanada (1992, 1993, 1999, 2004, 2012) und Südamerika (2010). 2000 und 2002 war er Leiter einer Sommerakademie in Winnipeg/Kanada. Im Rahmen der deutsch-israelischen Beziehungen reist der Kammerchor Stuttgart seit 1984 alle zwei Jahre für eine Konzerttournee in den Nahen Osten und arbeitet dort mit Orchestern wie dem Israel Chamber Orchestra oder dem Israel Symphony Orchestra zusammen. Im Rahmen der baden-württembergischen Kulturbeziehungen unterhält er als Botschafter Baden-Württembergs intensive Beziehungen zu Orchestern in Toronto sowie dem ungarischen Danubia Orchester Budapest und der Sinfonia Varsovia aus Warschau.

Einspielungen[Bearbeiten]

  • Albert, Monteverdi, Schütz: Musik zu Günter Grass' Lesung Ein Treffen in Telgte aufgezeichnet im Rahmen der Ludwigsburger Schlossfestspiele
  • Bach, C. Ph. E.: Die Israeliten in der Wüste
  • Bach, Johann Sebastian / Bach, C.Ph.E.: Osteroratorium / Danket dem Herrn
  • Bach, Johann Sebastian: Himmelfahrtsoratorium/Osteroratorium | h-Moll Messe, BWV 232 | Motetten BWV 225-230, BWV nh. 159 (Carus) | Kantaten 206 / 207a | Motetten BWV 225-229 (Sony) | Matthäus-Passion (erscheint 2016)
  • Brahms, Johannes: Warum ist das Licht gegeben | Ein deutsches Requiem op. 45 | Quartette | Lieder und Romanzen
  • Bruckner, Anton: Messe in e-Moll
  • Burgmüller, Norbert: Klavierkonzert | Sinfonien Nr.1 & 2
  • van Beethoven Ludwig: Missa in C op. 86
  • Cherubini, Luigi: Requiem in c
  • Dangel, Arthur: Eve | Violinkonzert
  • Danzi, Franz Ignaz: Der Berggeist
  • Händel, Georg Friedrich: Messiah
  • Haydn, Joseph: Die sieben letzten Worte des Erlösers | Nelson-Messe
  • Homilius, Gottfried August: Motetten
  • Jommelli, Niccolò: Didone abbandonata (3 CDs) | Il Vologeso (3 CDs)
  • Kalliwoda, Johann Wenzeslaus: 5. Sinfonie op. 106, 6. Sinfonie op. 132 | 1. Sinfonie op. 7, Concertino op. 15 für Violine (erscheint 2016)
  • Knecht, Justin Heinrich: Die Aeolsharfe | Grande Symphonie
  • Lesur, Fasch, Debussy, Schumann: Hohes Lied
  • Ligeti, György: Lux aeterna (for 10-16 voices)
  • Mendelssohn, Arnold: Deutsche Messe und Motetten
  • Mendelssohn Bartholdy, Felix: Antigone | Oedipus in Kolonos | CD-Box Geistliche Werke | CD-Box Oratorien | CD-Box Schauspielmusiken | Christus op. 97 (Kirchenw. III) | Denn er hat seinen Engeln befohlen (Kirch. V) | Ein Sommernachtstraum | Elias | Hebe deine Augen auf (Kirchenw. VII) | Herr Gott, dich loben wir (Kirchenw. IX) | Hör mein Bitten (Kirchenw. I)| Lobgesang (Kirchenwerke X) | Magnificat (Kirchenw. VIII) | Lieder, im Freien zu singen (erscheint 2016) | Paulus | Verleih uns Frieden gnädiglich (Kirchenw. VI) | Vom Himmel hoch (Kirchenw. II) | Wie der Hirsch schreit (Kirchenw. IV)
  • Monteverdi, Claudio: Selva Morale e Spirituale | Vespro della Beata Vergine (1610)
  • Mozart, Wolfgang Amadeus: Requiem
  • Naumann, Johann Gottlieb: Aci e Galatea (2CDs)
  • Nicolai, Otto: Herr, auf dich traue ich
  • Reger, Max: Drei Motetten op. 110 | Chöre op.6, Frauenchöre op.111b, Choralkant.
  • Rheinberger, Joseph Gabriel: Missa in Es-Dur (Cantus Missae) op. 109
  • Reicha, Antonin: Lenora
  • Schönberg, Arnold / Strauss, Richard: Verklärte Nacht / Metamorphosen
  • Schubert, Franz: Lazarus | Sakontala | Messe in Es-Dur | Chöre mit Klavier
  • Schubert, Beethoven, Hartmann: mit Streicherakademie Bozen
  • Schütz, Heinrich: Psalmen Davids | Weihnachtshistorie und Osterhistorie | Symphoniae Sacrae III
  • Spohr, Louis: Die letzten Dinge, Oratorium
  • Zelenka, Jan Dismas: Missa dei Patris | Missa Votiva | Missa dei Filii | Missa Omnium Sanctorum
  • Zumsteeg, Johann Rudolph: Die Geisterinsel (3 CDs)

Ausgezeichnete Einspielungen[Bearbeiten]

Edison Award[Bearbeiten]

Diapason d’Or[Bearbeiten]

  • 1994: Heinrich Schütz, Psalmen Davids SWV 22-47. Kammerchor Stuttgart, Musica Fiata Köln.
  • 2002: Wolfgang Amadeus Mozart, Requiem. Kammerchor Stuttgart, Barockorchester Stuttgart.
  • 2002: Jan Dismas Zelenka, Missa Dei Patris. Kammerchor Stuttgart, Barockorchester Stuttgart.
  • 2003: Johannes Brahms, Warum ist das Licht gegeben. Kammerchor Stuttgart.
  • 2009: Franz Schubert, Sakontala. Kammerchor Stuttgart, Die Deutsche Kammerphilharmonie Bremen.
  • Norbert Burgmüller, Sinfonien 1 & 2. Hofkapelle Stuttgart.
  • 2010: Jan Dismas Zelenka, Missa Votiva. Kammerchor Stuttgart, Barockorchester Stuttgart.
  • 2012: Justin Heinrich Knecht, Grande Symphonie. Hofkapelle Stuttgart.
  • 2013: Johann Sebastian Bach, Motetten. Kammerchor Stuttgart.
  • 2014: Norbert Burgmüller, Klavierkonzert op. 1, Entr'actes op. 17. Hofkapelle Stuttgart.

Diapason d’Or de l'année[Bearbeiten]

  • 2003: Wolfgang Amadeus Mozart, Requiem. Kammerchor Stuttgart, Barockorchester Stuttgart.

Preis der deutschen Schallplattenkritik[Bearbeiten]

  • Bestenliste 1983 – Für Felix Mendelssohn Bartholdy, Hör mein Bitten (Kirchenwerke I). Kammerchor Stuttgart. Ensemble '76 Stuttgart.
  • Bestenliste 1986 - Für Felix Mendelssohn Bartholdy, Vom Himmel hoch (Kirchenwerke II). Kammerchor Stuttgart, Württembergisches Kammerorchester Heilbronn.
  • Bestenliste 1989 - Für Joseph Gabriel Rheinberger, Missa Es-Dur op.109. Kammerchor Stuttgart, Ensemble '76 Stuttgart.
  • Bestenliste 1996 – Für Franz Schubert Messe Nr. 6 Es-Dur D950. Kammerchor Stuttgart, Due deutsche Kammerphilharmonie Bremen.
  • Bestenliste 1997 – Für Felix Mendelssohn Bartholdy, Denn er hat seinen Engeln befohlen (Kirchenwerke V). Kammerchor Stuttgart, Württembergisches Kammerorchester Heilbronn.
  • Bestenliste 1998 – Für Johannes Brahms, Lieder, Romanzen und Gesänge. Kammerchor Stuttgart.
  • Bestenliste 1992 – Für Anton Bruckner, Messe Nr. 2 in e-Moll für achtstimmigen Chor und Bläser. Kammerchor Stuttgart, Die Deutsche Kammerphilharmonie Bremen.
  • Bestenliste 2001/1 – Chorwerke. Für Jan Dismas Zelenka, Missa Dei Patris.[2]
  • Bestenliste 2001/3 – Chorwerke. Für Lux aeterna.... (Werke von Domenico Scarlatti, Gustav Mahler, György Ligeti und Anne Boyd.)[3]
  • Bestenliste – Für Jan Dismas Zelenka, Missa Dei Patris. Kammerchor Stuttgart, Barockorchester Stuttgart.
  • Bestenliste 2005/1 – Chorwerke. Für Gottfried August Homilius, Sehet, welch eine Liebe. (Motetten).[4]
  • Bestenliste 2005/4 – Chorwerke. Für Johann Sebastian Bach, Oster-Oratorium BWV 249; Carl Philipp Emanuel Bach: Danket dem Herrn; Heilig. Kammerchor Stuttgart, Barockorchester Stuttgart.[5]
  • Bestenliste 2006/3 – Chorwerke. Für Felix Mendelssohn Bartholdy, Hebe deine Augen auf. (Kirchenwerke VII).[6]
  • Bestenliste 2010/3 – Alte Musik. Für Jan Dismas Zelenka, Missa votiva.[7]
  • Bestenliste - Für Otto Nicolai, Herr, auf dich traue ich. Kammerchor Stuttgart.
  • Bestenliste 2014/4 - Für Louis Spohr, Die letzten Dinge. Winkel, Harmsen, Weller, Wolff, Deutsche Kammerphilharmonie Bremen, Kammerchor Stuttgart.

Gramophone Magazine critic's choice[Bearbeiten]

  • 2007: Johann Sebastian Bach, h-Moll Messe. Kammerchor Stuttgart. Barockorchester Stuttgart.

Gramophone Magazine critic's choice - records of the year[Bearbeiten]

  • Johann Sebastian Bach, Weltliche Kantaten. Kammerchor Stuttgart, Concerto Köln.
  • 1992 Christoph Willibald Gluck, Orfeo ed Euridice (Wiener Fassung von 1762). Kammerchor Stuttgart, Tafelmusik Baroque Orchestra.
  • 1995: Niccolò Jommelli, Didone abbandonata. Stuttgarter Kammerorchester.

Auszeichnungen[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Die Rheinpfalz, Ludwigshafen, 2. September 2011
  2. Bestenliste 1-2001 vom 22. Februar 2001. Abgerufen am 28. Januar 2011.
  3. Bestenliste 3-2001 vom 23. August 2001. Abgerufen am 28. Januar 2011.
  4. Bestenliste 1-2005 vom 15. Februar 2005. Abgerufen am 28. Januar 2011.
  5. Bestenliste 4-2005 vom 15. November 2005. Abgerufen am 28. Januar 2011.
  6. Bestenliste 3-2006 vom 15. August 2006. Abgerufen am 28. Januar 2011.
  7. Bestenliste 3-2010 vom 15. August 2010. Abgerufen am 28. Januar 2011.
  8. Jahresbericht 2009 (PDF-Datei, 3.7 MB) vom Bach-Archiv Leipzig. Abgerufen am 27. Januar 2011. Siehe Seite 41.