Friedhelm Beate

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Friedhelm Beate (* 29. Juli 1936; † 27. Juni 1999 in Heldrungen) war ein Kölner Pensionär, der durch eine Panne bei der Fahndung nach Dieter Zurwehme im Juni 1999 zu Tode kam.[1]

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Beate war bereits im Ruhestand und frönte seinem Hobby Wandern. Er war Mitglied im Deutschen Alpenverein und Geschäftsführer des Radclubs Adler Köln.[2]

Geschehen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 27. Juni 1999 wurde in der Sendung Kripo live des MDR eine Fahndung nach Dieter Zurwehme ausgestrahlt, der mit Wanderstock und Rucksack unterwegs sei. Nach der Ausstrahlung meldete sich eine Kellnerin aus dem thüringischen Heldrungen bei der Polizei und gab an, in dem Hotel, in dem sie arbeite, sei ein Gast mit Spazierstock und Rucksack abgestiegen.[3] Bei diesem Gast handelte es sich um Beate. Die drei Stunden später im Hotel eintreffenden Polizisten hatten allerdings kein Foto Zurwehmes bei sich, sodass die Identität des Tatverdächtigen nicht verifiziert werden konnte.[3] Als sich die in Zivil gekleideten Polizisten Zutritt zum Zimmer Beates verschaffen wollten, versuchte dieser die Zimmertüre zuzudrücken, weil er offenbar an einen Überfall glaubte. Daraufhin gaben die Beamten zwei Schüsse ab. Ein Schuss traf Beate ins Herz, der andere streifte seine Rippen. Die Beamten öffneten die Zimmertüre nicht, sondern warteten bis zum Eintreffen des Spezialeinsatzkommandos, was eine halbe Stunde dauerte. Daraufhin wurde Beate am Boden des Zimmers liegend tot aufgefunden.[4] Gegen die Polizisten wurde ein Ermittlungsverfahren wegen fahrlässiger Tötung eingeleitet. Im Untersuchungsbericht beriefen sich die Polizisten darauf, dass sie davon ausgegangen waren, dass es sich bei dem Mann im Zimmer um den Schwerverbrecher Zurwehme handele.[5] Die Schüsse aus den Waffen der Polizisten hätten sich unbeabsichtigt gelöst, hieß es im Abschlussbericht, der Gutachten der bayerischen Kriminaloberrätin Petra Sandles und des Bundeskriminalamtes zusammenfasste.[3] Das Verfahren wurde eingestellt.[6][7] Zehn Jahre nach seinem Tod ließ Beates Witwe eine Bank zu seinem Gedenken am Adenauer-Weiher in Köln-Müngersdorf aufstellen.[8]

Rezeption[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Fahndungspanne wurde im Thüringer Landtagswahlkampf aufgegriffen.[9] Der Fall wurde im Deutschlandradio in einem Hörspiel thematisiert[10] und dient als Beispiel für misslungene öffentliche Fahndungen und Polizeieinsätze.[11][12]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Landolf Scherzer: Der Letzte. Aufbau Verlag, 2000 (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).
  2. Bericht im Stern, 1999 (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).
  3. a b c Bo Adam: Kripo live. In: Berliner Zeitung. 10. Dezember 1999, ISSN 0947-174X (online [abgerufen am 28. Januar 2013]).
  4. Felix Kurz: Schlechter Krimi. In: Der Spiegel. Nr. 27, 1999, S. 37 (online5. Juli 1999).
  5. http://www.thueringen.de/imperia/md/content/thgsta/pm2009/pm1999-10-08.pdf
  6. http://www.freitag.de/autoren/der-freitag/stress-schutzt-vor-strafe
  7. http://www.taz.de/1/archiv/print-archiv/printressorts/digi-artikel/?ressort=in&dig=2001%2F07%2F20%2Fa0074&cHash=8c77a790a1
  8. http://www.bild.de/regional/koeln/polizei/erinnert-an-friedhelm-beate-9156986.bild.html
  9. http://www.berliner-zeitung.de/archiv/vor-der-landtagswahl-schweigt-man-in-thueringen-zu-den-pannen-im-fall-friedhelm-beate-schleppende-ermittlungen,10810590,9702812.html
  10. http://www.dradio.de/dlf/sendungen/hoerspiel/177281/
  11. http://www.spiegel.de/panorama/justiz/wie-erfolgreich-sind-oeffentliche-fahndungen-a-816404.html
  12. https://www.heise.de/ct/artikel/Gegenwehr-288266.html