Fronhausen (Lahn)

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Fronhausen
Gemeinde Fronhausen
Wappen von Fronhausen
Koordinaten: 50° 42′ 20″ N, 8° 41′ 44″ O
Höhe: 172 m ü. NHN
Fläche: 9,12 km²[1]
Einwohner: 2240 (31. Dez. 2014)[2]
Bevölkerungsdichte: 246 Einwohner/km²
Eingemeindung: 1974
Postleitzahl: 35112
Vorwahl: 06426
Turm der evangelischen Kirche Fronhausen (historische Wehrkirche)

Fronhausen ist der größte und namensgebende Ortsteil sowie das Zentrum der mittelhessischen Großgemeinde Fronhausen im äußersten Süden des Landkreises Marburg-Biedenkopf. In dem Ortsteil leben rund 2.410 Menschen und damit mehr als die Hälfte aller Einwohner der Großgemeinde.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die erste urkundliche Erwähnung des Ortes erfolgte 1159 unter dem Namen Vronehusen (1159) im Mainzer Urkundenbuch 2.

Die Evangelische Kirche Fronhausen stammt aus dem 12. Jahrhundert. Fronhausen war ab 1821 Sitz eines Justizamtes und 1867 bis 1943 des Amtsgerichtes Fronhausen.

Das Dorf Fronhausen war zunächst eine eigenständige Gemeinde. Am 1. Juli 1974 wurde Fronhausen nach dem freiwilligen vorherigen Zusammenschluss mit Sichertshausen (1972) im Rahmen der Gebietsreform in Hessen per Landesgesetz mit den anderen fünf kleineren Orten Bellnhausen, Erbenhausen, Hassenhausen, Holzhausen und Oberwalgern zur neuen Gemeinde Fronhausen zusammengeschlossen.[3]

Die Einwohner Fronhausens feierten 2009 das 850-jährige Bestehen ihres Dorfes seit seiner urkundlichen Ersterwähnung mit zahlreichen Veranstaltungen. Vier Jahre lang hatte die Fronhäuser Vereinsgemeinschaft diese vorbereitet. Höhepunkt war ein viertägiges Fest am 3. Juniwochenende auf dem Festplatz „Auf der Schwärz“ mit Festzug, Kommers, Discoabend und musikalischem Frühschoppen. Am Kommers nahmen laut Oberhessischer Presse 1400 Menschen teil. Zeitgleich wurde eine neue Dorfchronik unter dem Titel „Von Essen nach Hessen“ vom lokalen Arbeitskreis Dorfgeschichte herausgegeben. 600 Bilder und 100 Textbeiträge von 40 Autoren gingen darin ein. Am Rathausplatz wurde ein neuer Gedenkstein enthüllt. Schon die 800-Jahr-Feier 1959 war ähnlich groß begangen worden.[4]

Historische Namensformen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In historischen Dokumenten ist der Ort im Laufe der Jahrhunderte unter wechselnden Ortsnamen belegt:[1]

  • Vronehusen (1159)
  • Fronehusin (1232)
  • Fronhuß (1382)
  • Fronhaußen an der Loin (1592)

Territorialgeschichte und Verwaltung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die folgende Liste zeigt die Territorien bzw. Verwaltungseinheiten denen Fronhausen unterstand im Überblick:[5][1]

Gerichte seit 1821[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mit Edikt vom 29. Juni 1821 wurden in Kurhessen Verwaltung und Justiz getrennt. Nun waren Justizämter für die erstinstanzliche Rechtsprechung zuständig, die Verwaltung wurde von Landkreisen übernommen. Der Kreis Marburg war für die Verwaltung und das Justizamt Fronhausen war als Gericht in erster Instanz für Fronhausen zuständig. Das Oberste Gericht war das Oberappellationsgericht in Kassel. Untergeordnet war das Obergericht Marburg für die Provinz Oberhessen. Es war die zweite Instanz für die Justizämter.[9]

Nach der Annexion Kurhessens durch Preußen wurde das Justizamt Fronhausen 1867 zum königlich Preußischen Amtsgericht Fronhausen. Im Juni 1867 erging eine königliche Verordnung, die die Gerichtsverfassung in den zum vormaligen Kurfürstentum Hessen gehörenden Gebietsteilen neu ordnete. Die bisherigen Gerichtsbehörden sollten aufgehoben und durch Amtsgerichte in erster, Kreisgerichte in zweiter und ein Appellationsgericht in dritter Instanz ersetzt werden.[10] Im Zuge dessen erfolgte am 1. September 1867 die Umbenennung des bisherigen Justizamtes in Amtsgericht Fronhausen. Die Gerichte der übergeordneten Instanzen waren das Kreisgericht Marburg und das Appellationsgericht Kassel.[11]

Das Amtsgericht Fronhausen wurde 1943 geschlossen. Es wurde zunächst als Zweigstelle des Amtsgerichts Marburg geführt und 1948 endgültig aufgelöst. Der Gerichtsbezirk wurde dem Amtsgericht Marburg zugeschlagen. In der Bundesrepublik Deutschland sind die übergeordneten Instanzen das Landgericht Marburg, das Oberlandesgericht Frankfurt am Main sowie der Bundesgerichtshof als letzte Instanz.

Bevölkerungsentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Belegte Einwohnerzahlen sind:[1]

• 1467: 25 landgräfliche hausgesessene Mannschaften
• 1577: 94 hausgesessene Mannschaften
• 1630: 88 hausgesessene (einschließlich 4 Witwen) (1 vierspännige, 6 dreispännige, 15 zweispännige, 11 einspännige Ackerleute, 55 Einläuftige).
• 1681: 80 hausgesessene Mannschaften
• 1748: 509 Einwohner. Erwerbspersonen: 4 Wagner, 3 Schreiner, 3 Bender, 11 Schneider, 6 Schmiede, 11 Leineweber, 1 Schlosser, 1 Maurer, 1 Weißbinder, 1 Braumeister, 3 Metzger, 1 Spielmann, 2 Schuster, 1 Barbier, 1 Wirt, 6 Branntweinbrenner und -schenker, 6 Tagelöhner, 1 Lohaschäfer, 11 einzelne Weibspersonen, 1 Handelsjude.
• 1838: 657 (85 nutzungsberechtigte, 27 nicht nutzungsberechtigte Ortsbürger, 5 Beisassen). Familien: 58 Ackerbau, 24 Gewerbe, 30 Tagelöhner.
• 1861: 798 evangelisch-lutherische, 6 evangelisch-reformierte, 37 jüdische Einwohner, 19 Mitglieder abweichender Sekten.
• 1961: 1612 evangelische, 332 römisch-katholische Einwohner. Erwerbspersonen: 151 Land- und Forstwirtschaft, 358 produzierendes Gewerbe, 185 Handel und Verkehr, 111 Dienstleistungen und Sonstiges.
Bahnhof an der Eisenbahnstrecke der Main-Weser-Bahn

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sehenswert in Fronhausen sind neben der Ober- und der Unterburg vor allem die historische Wehrkirche, das alte Rathaus, der 1849 erbaute Bahnhof sowie einige alte Fachwerkhäuser.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Fronhausen (Lahn) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c d Fronhausen, Landkreis Marburg-Biedenkopf. Historisches Ortslexikon für Hessen. (Stand: 4. Mai 2017). In: Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen (LAGIS).
  2. Daten und Fakten im Internetauftritt der Gemeinde Fronhausen (Memento vom 21. August 2015 im Webarchiv archive.is), abgerufen im August 2015
  3. Der Hessische Minister des Innern: Gesetz zur Neugliederung der Landkreise Biedenkopf und Marburg und der Stadt Marburg (Lahn) (GVBl. II 330-27) vom 12. März 1974. In: Gesetz- und Verordnungsblatt für das Land Hessen. 1974 Nr. 9, S. 154, § 12 (Online beim Informationssystem des Hessischen Landtags [PDF; 3,0 MB]).
  4. Oberhessische Presse vom 23. Juni 2009, S. 10
  5. Verwaltungsgeschichte Land Hessen bei M. Rademacher, Deutsche Verwaltungsgeschichte von der Reichseinigung 1871 bis zur Wiedervereinigung 1990
  6. Georg Landau: Beschreibung des kurfürstenthums Hessen. T. Fischer, Kassel 1842, S. 385 (online bei HathiTrust’s digital library).
  7. Kur-Hessischer Staats- und Adress-Kalender: 1818. Verlag d. Waisenhauses, Kassel 1818, S. 112 (online bei Google Books).
  8. Verordnung vom 30sten August 1821, die neue Gebiets-Eintheilung betreffend, Anlage: Übersicht der neuen Abtheilung des Kurfürstenthums Hessen nach Provinzen, Kreisen und Gerichtsbezirken. Sammlung von Gesetzen etc. für die kurhessischen Staaten. Jahr 1821 – Nr. XV. – August., (kurhessGS 1821) S. 223-224
  9. Neueste Kunde von Meklenburg/ Kur-Hessen, Hessen-Darmstadt und den freien Städten, aus den besten Quellen bearbeitet. im Verlage des G. H. G. privil. Landes-Industrie-Comptouts., Weimar 1823, S. 158 ff. (online bei HathiTrust’s digital library).
  10. Verordnung über die Gerichtsverfassung in vormaligen Kurfürstentum Hessen und den vormals Königlich Bayerischen Gebietstheilen mit Ausschluß der Enklave Kaulsdorf vom 19. Juni 1867. (PrGS 1867, S. 1085–1094)
  11. Verfügung vom 7. August 1867, betreffend die Einrichtung der nach der Allerhöchsten Verordnung vom 19. Juni d. J. in dem vormaligen Kurfürstentum Hessen und den vormals Königlich Bayerischen Gebietstheilen mit Ausschluß der Enklave Kaulsdorf, zu bildenden Gerichte (Pr. JMBl. S. 221–224)