Gagausien

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Gagauz Yeri

Găgăuzia
Гагаузия
Gagausien

Flagge Gagausiens
Wappen Gagausiens
Flagge Wappen
Amtssprache Gagausisch, Rumänisch und Russisch
Hauptstadt Comrat
Staatsform Republik, Autonomieabkommen mit der Republik Moldau
Regierungschef Irina Vlah
Fläche 1.832 km²
Einwohnerzahl 134.535 (2014) ¹
Bevölkerungsdichte 85 Einwohner pro km²
Währung Moldauischer Leu
Gründung 23. Dezember 1994
Nationalhymne Tarafım
UkraineRumänienTransnistrienBasarabeascaBriceniCahulGagausienGagausienGagausienGagausienTaracliaTaracliaCahulCantemirLeovaCimișliaCăușeniBenderȘtefan VodăHînceștiIaloveniAnenii NoiDubăsariDubăsariChișinăuMunizip ChisinauCriuleniCriuleniNisporeniStrășeniOrheiRezinaUngheniTeleneștiCălărașiȘoldăneștiFăleștiGlodeniBălțiFloreștiSîngereiRîșcaniDrochiaSorocaEdinețOcnițaDondușeniGagauzia in Moldova.svg
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Gagausien [gagaˈuːziən] (gagausisch Gagauz Yeri oder Gagauziya; russisch Гагаузия; rumänisch Găgăuzia) ist ein autonomes Gebiet innerhalb der Republik Moldau. Es verfügt über weitreichende Autonomie, drei Amtssprachen (Gagausisch, Russisch, Rumänisch) und eine eigene Regierung. Von den knapp 160.000 Einwohnern gehört die große Mehrheit der turksprachigen Volksgruppe der Gagausen an, daneben leben allerdings auch zahlreiche Russen, Moldauer, Bulgaren und Ukrainer in der Region.

Gagausien bildet das kulturelle, wirtschaftliche und politische Zentrum der Gagausen. Zwar gibt es bedeutende gagausische Minderheiten auch in anderen Teilen Moldaus, in der Ukraine, in Russland, der Türkei und weiteren Ländern Osteuropas, doch ist Gagausien das einzige Gebiet weltweit, in dem ihre Sprache und Kultur über offiziellen Status verfügen. Mit einer Fläche von etwas mehr als 1800 Quadratkilometer ist es kleiner als das Saarland und dünner besiedelt als der Rest Moldaus.

Die amtliche Bezeichnung ist Autonome Territoriale Einheit Gagausien (Gagausisch Avtonom Territorial Bölümlüü Gagauz Yeri, russisch Автономное территориальное образование Гагаузия und Rumänisch Unitate teritorială autonomă Găgăuzia, kurz UTA Găgăuzia).

Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gagausien hat eine Fläche von 1832 Quadratkilometern und liegt im Süden Moldaus. An einigen Stellen grenzt Gagausien direkt an die Ukraine an. Es besteht aus dem Kerngebiet um die Hauptstadt Comrat samt dem südöstlich angrenzenden Ceadîr-Lunga, einer „Insel“ um die Stadt Vulcănești im äußersten Süden sowie zwei weiteren Exklaven, den Dörfern Copceac und Carbalia. Die wichtigsten Städte in Gagausien sind Comrat (rund 20.100 Einwohner), Ceadîr-Lunga (16.600 Einwohner), Vulcănești (12.200 Einwohner) und Congaz (11.100 Einwohner).

Bevölkerung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Bevölkerung Gagausiens betrug laut offiziellem Zensus Anfang 2014 knapp 162.000 Menschen.[1] Dies sind rund 4,6 % der Gesamtbevölkerung Moldaus. Im Jahr 2005 wurde die Einwohnerzahl Gagausiens noch auf knapp 156.000 Menschen geschätzt. Im Gegensatz zum Rest Moldaus verfügt Gagausien damit über eine wachsende Bevölkerung. Die Geburtenrate lag 2012 rund 5 % über dem moldauischen Durchschnitt.[2] Größte Siedlung in Gagausien ist mit rund 26.000 Einwohnern die Hauptstadt Comrat, wo etwa ein Sechstel der Bewohner Gagausiens leben. Mit 97.400 Menschen lebt jedoch die Mehrzahl der Einwohner auf dem Land. Der Verstädterungsgrad beträgt etwas weniger als 40 %.

Ethnien[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ethnische Gruppen in Moldau (Mai 1995)

Die Bevölkerung Gagausiens besteht zum größten Teil aus Gagausen, jedoch gibt es zahlreiche weitere Minderheiten in der Region. Eine Schätzung aus dem Jahr 2005 ergab folgende Zusammensetzung der Nationalitäten:[3]

Mit Ausnahme der drei ethnisch gemischten Dörfer Ferapontievca, Chioselia Rusă und Svetlîi bilden Gagausen in der gesamten Region eine deutliche Bevölkerungsmehrheit. Letztere Kommunen entschieden sich jedoch bei einem Referendum 1995 freiwillig Gagausien beizutreten[4]. Einen weiteren Sonderfall bildet das Dorf Chirsova, in dem der Anteil der Gagausen in etwa dem der dortigen Bulgaren (jeweils etwa 45 %) gleicht. Die Russen in Gagausien leben hauptsächlich in den drei Städten Comrat, Ceadîr-Lunga und Vulcănești. Ferapontievca ist das einzige Dorf in Gagausien, in dem Ukrainer die Bevölkerungsmehrheit (knapp 58 %) bilden.

Religionen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Eine Kirche in Ceadîr-Lunga

Die große Mehrheit der Bevölkerung Gagausiens gehört dem orthodoxen Christentum an, insbesondere der Moldauisch-Orthodoxen, der Russisch-Orthodoxen und der Ukrainisch-Orthodoxen Kirche. Bedingt durch die lange Zugehörigkeit zur Sowjetunion gibt es auch eine relativ hohe Zahl an Konfessionslosen und nicht-praktizierender Christen.

Sprachen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Dreisprachige Beschilderung in Gagausien: Gagausisch, Rumänisch und Russisch

Gagausien hat drei offiziell gleichberechtigte Amtssprachen: Gagausisch, Rumänisch und Russisch. Gagausisch ist eine mit dem Türkischen eng verwandte oghus-türkische Sprache und ist als Muttersprache am weitesten verbreitet. Gagausisch ist dem Türkischen so nahe, dass es in der Vergangenheit auch als türkischer Dialekt klassifiziert wurde. Inzwischen dominiert jedoch die Einschätzung als eigene Sprache.

Die Stellung des Russischen ist in Gagausien deutlich stärker als im Rest Moldaus. Die russische Sprache dient insbesondere als Verkehrssprache zwischen den Bevölkerungsgruppen, als Sprache der Wirtschaft und Medien und wird von nahezu der gesamten Bevölkerung beherrscht. Viele Gagausen sprechen Russisch auf einem muttersprachlichen Niveau; in den meisten gagausischen Schulen ist Russisch Unterrichtssprache,[5] ebenso wie an der Universität Comrat, der einzigen Universität der Region. Einigen Einschätzungen zufolge ist Russisch im Alltag die am weitesten verbreitete Sprache. Kenntnisse der gagausischen Sprache sind für höhere politische Ämter in Gagausien allerdings Pflicht.[6] Rumänisch hat seit dem Zerfall der Sowjetunion an Bedeutung gewonnen, spielt in Gagausien jedoch nur eine sehr untergeordnete Rolle im Alltag.

Gagausische Jugendliche in ihren Trachten

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ursprünge[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im 11. Jahrhundert kamen Teile der türkischen Stämme der Oghusen und Petschenegen sowie anderer alttürkischer Stämme vom Altai über das Schwarze Meer auf den Balkan. Im 12. Jahrhundert gründeten die Gagausen ein Land mit dem Herrscher Balik Bey. Nach seinem Tode übernahm 1386 Yanko (Ivanko) die Führung. 1417 kam der Balkan unter osmanische Herrschaft, 1484 auch der bessarabische Budschak einschließlich Gagausiens. Durch den Druck der Bulgaren zogen die Gagausen 1750 nach Russland ab. Später, in den Jahren 1769–1791, zog es sie vermehrt zur Donau. 1801–1820 wanderten sie schließlich nach Bessarabien aus. 1906 riefen sie im heutigen Siedlungsgebiet die Republik Komrat aus, die nur 15 Tage alt wurde.

Insgesamt lebten die Gagausen zirka 300 Jahre unter osmanischer und fast ebenso lange unter russischer, rumänischer und moldauischer Herrschaft.

Sowjetische Epoche[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Landschaft in Gagausien

Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs und der Gründung der Moldauischen Sozialistischen Sowjetrepublik lebten 80 Prozent der Gagausen in diesem Gebiet, 20 Prozent lebten in Bulgarien und in der Ukraine. Seit den 1980er Jahren entwickelte sich ein gagausischer Nationalismus, der in Konflikt mit dem ebenfalls aufkommenden Nationalismus der rumänischsprachigen Moldauer stand.

Zerfall der Sowjetunion und regionale Autonomie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Während des Zerfalls der Sowjetunion gewann in der damaligen Moldauischen SSR die Frontul Popular din Moldova die Wahlen. Diese Partei vertrat ultranationalistische Positionen[7][8] und hatte sich eine schnelle Abspaltung Moldaus von der Sowjetunion zum Ziel gemacht. Ihre Politik richtete sich insbesondere gegen russischsprachige Bevölkerungsgruppen, die Gagausen und andere Minderheiten. Schon 1989 wurde daraufhin in der Moldauischen Sowjetrepublik Russisch als Amtssprache abgeschafft und Rumänisch zur einzigen offiziellen Sprache. 1990 rief man in Moldau die Souveränität des Landes aus.

In einigen Regionen des Landes wollte man dies jedoch nicht hinnehmen, viele Minderheiten sahen ihre Rechte als bedroht an und wehrten sich gegen deren „Rumänisierungspolitik“. Am 19. August 1990 riefen die Gagausen die eigenständige „Gagausische Sozialistische Sowjetrepublik“ aus. Zwei Wochen später, am 2. September 1990, proklamierte man im östlichen Landesteil Transnistrien die vollständige Unabhängigkeit von Moldau. Gegen den Willen der moldawischen Führung führten die Gagausen Parlamentswahlen durch. Vorsitzender des Obersten Sowjets Gagausiens wurde Stepan Topal, der bis 1995 Regierungschef in Gagausien war. Zunächst versuchte Gagausien als Teilrepublik innerhalb der Sowjetunion zu verbleiben, doch nachdem diese 1991 endgültig zusammengebrochen war, bemühte man sich, die staatliche Unabhängigkeit zu erlangen.

Im Gegensatz zum Transnistrien-Konflikt, der 1992 in einen offenen Krieg mündete, kam es in Gagausien nicht zu größeren bewaffneten Auseinandersetzungen. Die moldauische Regierung ging in der Folgezeit deutlich umsichtiger vor, um die Reintegration separatistischer Gebiete zu ermöglichen und um den weiteren Abfall von Gebieten mit starkem Separatismus, etwa Taraclia und Bălți, zu verhindern. Ab 1994 wurde über eine Rückkehr Gagausiens zu Moldau verhandelt. Die moldauische Regierung gab zahlreichen Forderungen der Gagausen nach und stimmte einer Verfassungsreform zu, die Gagausien eine umfangreiche Autonomie garantierte. Die Schaffung dieser autonomen Region Gagausien innerhalb Moldaus wurde vom Parlament in Chișinău abgesegnet und die Führung der Gagausen verzichtete nun auf eine vollständige Unabhängigkeit.

Am 23. Dezember 1994 wurde schließlich offiziell die „Autonome territoriale Einheit Gagausien“ (Rumänisch Unitate teritorială autonomă Găgăuzia, kurz UTA Găgăuzia) gegründet; ein autonomes Gebiet innerhalb Moldaus, das mit umfangreichen Sonderrechten ausgestattet ist, über eine eigene Regierung und drei Amtssprachen (Gagausisch, Rumänisch, Russisch) verfügt. Die friedliche Lösung des Konflikts und das Autonomieabkommen wurden auch im Ausland begrüßt, der deutsche Historiker Stefan Troebst nannte es etwa eine „im postsowjetischen Raum ebenso seltene wie reife Lösung aller Konfliktakteure“.[9]

Zwar kam es auch in der Folgezeit noch zu einigen politischen Spannungen in Gagausien, der gagausisch-moldauische Konflikt galt jedoch nach dieser Einigung für längere Zeit als weitestgehend beigelegt,[10] die Gagausen wurden sogar als „mustergültige Minderheit“ bezeichnet.[11] Die gagausische Regierung beklagte allerdings immer wieder mangelnde Unterstützung ihrer Region aus Chișinău. Die wirtschaftliche Entwicklung Gagausiens verlief nur äußerst schleppend, bis zu 30.000 Gagausen arbeiten einen Großteil des Jahres als Gastarbeiter in Russland.[12] Gagausien wurden von moldauischer Seite mehrfach besondere Beziehungen zu der von Moldau abtrünnigen Republik Transnistrien vorgeworfen.[13] 2008 beschloss das gagausische Regionalparlament auf Initiative der Parlamentsvorsitzenden, Ana Harlamenco, die Unabhängigkeit Abchasiens und Südossetiens anzuerkennen und provozierte einen erneuten Konflikt mit der moldauischen Regierung, die dies ablehnte.[14]

Lage ab 2014[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Vor dem Hintergrund der Krise in der Ukraine 2014 und vor allem der von der Regierung Moldaus beschlossenen EU-Assoziierung kam es in Gagausien zu einem erneuten Anstieg separatistischer Bestrebungen und russischer Beeinflussungsversuche.[15][16][17] Gagausische Politiker beklagten angebliche Verletzungen der Autonomie Gagausiens und einen Anstieg des Nationalismus in Moldau.[18] Ähnliche Beschwerden gab es auch im an Gagausien angrenzenden Rajon Taraclia, der mehrheitlich von Bulgaren bewohnt ist und der ebenfalls mehr Autonomierechte fordert. Es wurde kurzzeitig ein Zusammenschluss von Taraclia und Gagausien erwogen.[19] Viele Gagausen und andere Minderheiten verbinden mit einem EU-Beitritt den Anschluss Moldaus an Rumänien[20] und fürchten eine minderheitenfeindliche Politik wie in den frühen 1990er-Jahren. In der gagausischen Öffentlichkeit wurde wieder verstärkt über eine Loslösung von Moldau debattiert.[21] Schließlich beschloss die Regionalregierung Gagausiens die Durchführung eines Referendums, bei dem unter anderem über eine Zugehörigkeit zur Zollunion mit Russland, Weißrussland und Kasachstan abgestimmt werden soll,[22] sowie über weitere Autonomierechte.[16] Das Referendum wurde von einem moldauischen Gericht für verfassungswidrig und unrechtmäßig erklärt, die Regierung Gagausiens bestand aber dennoch auf einer Durchführung[23] und bezeichnete das Urteil als „politisch motiviert“[24] angesichts der Idee einer Angliederung Moldaus an Rumänien die offen vom moldauischen Präsidenten Nicolae Timofti unterstützt würde. Mihail Formuzal sagte "Das verstoße gegen die Verfassung, doch er werde nicht zur Verantwortung gezogen, wie auch andere pro-rumänische Mitglieder der Regierungskoalition nicht".[25]

Das Referendum fand schließlich am 2. Februar 2014 statt. Bei einer Wahlbeteiligung von über 70 % stimmten 98,4 % der Bevölkerung für engere Beziehungen mit Russland und anderen GUS-Staaten, 97,2 % sprachen sich gegen eine Annäherung an die EU aus.[26] Zwar wurde das Referendum von der moldauischen Regierung verurteilt, erhielt jedoch Unterstützung von den einflussreichen Oppositionsparteien der Kommunisten der Republik Moldau sowie den Sozialisten,[27] den Regionalregierungen der moldauischen Rajons Taraclia und Basarabeasca[28] sowie der Stadtverwaltung von Bălți, der zweitgrößten Stadt des Landes.[29]

Es kam anschließend zu offenen Spannungen zwischen der gagausischen Regionalregierung und moldauischen Autoritäten.[30] Im Juni 2014 forderte der ehemalige moldauische Präsident Mihai Ghimpu, Vorsitzender der an der Regierung beteiligten Liberalen Partei, ein landesweites Referendum über die Abschaffung der Autonomie Gagausiens und behauptete öffentlich, Gagausien verdiene kein Recht mehr auf Autonomie; zudem habe es sich bereits zum „Staat im Staat“ entwickelt.[31] Zuvor waren Berichte aufgetaucht, nach denen Gagausien inzwischen eigene Sicherheitskräfte rekrutiere.[32]

Politik und Verwaltung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Politik und Regierung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Michail Formusal, von 2006 bis 2015 Regierungschef Gagausiens („Başkan“)

Die Autonomie Gagausiens ist in der Moldauischen Verfassung verankert. Diese räumt ihnen unter anderem das Recht auf eine eigene Verwaltung und ein eigenständiges Bildungssystem ein sowie die Anerkennung ihrer Sprache als Amtssprache. Sollte Moldau den Status eines unabhängigen Staats verlieren, wird Gagausien nach der Verfassung unabhängig.

Die Legislative ist das Parlament, „Halk topluşu“ (Volksversammlung) genannt. Seit 1998 existiert eine demokratische Verfassung. Regiert wird Gagausien von einem für vier Jahre direkt gewählten Premierminister. Dieser Posten trägt den gagausischen Namen „Başkan“. Bei den letzten Wahlen im März 2015 siegte Irina Vlah bereits im ersten Wahlgang mit 51,1 %[33] der Wählerstimmen.[34] Sie setzte sich damit deutlich gegenüber dem zweitplatzierten Nicolai Dudoglo durch, der nur 18,2 % erreichte. Gagausien hat eine eigene Polizei, welche dem Innenministerium untersteht. Vlah ist die erste Frau in dieser Position.

Regierungschefs[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Regierungschef Gagausiens trägt seit 1994 den Titel „Başkan“. Regierungschefs Gagausiens waren:

Verwaltung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Verwaltungskarte von Gagausien.

Administrativ ist Gagausien in 3 Rajone (Comrat, Ceadîr-Lunga und Vulcănești) sowie in 4 Städte (Comrat, Ceadîr-Lunga, Congaz und Vulcănești) und 29 Dörfer gegliedert:

gagausische Bezeichnung russische Bezeichnung rumänische Bezeichnung
Komrat (Stadt) Комрат (Komrat) Comrat
Kongaz (Stadt) Конгаз (Kongas) Congaz
Çadır-Lunga (Stadt) Чадыр-Лунга (Tschadyr-Lunga) Ceadîr-Lunga
Valkaneş (Stadt) Вулканешты (Wulkaneschty) Vulcănești
Alekseevka Алексеевка (Aleksejewka) Alexeevca
Avdarma Авдарма (Awdarma) Avdarma
Baurçu Баурчи (Baurtschi) Baurci
Başküü Кирсово (Kirsowo) Chirsova
Beşalma Бешалма (Beschalma) Beșalma
Beşgöz Бешгиоз (Beschgios) Beșghioz
Bucak Буджак (Budschak) Bugeac
Coltay Джолтай (Dscholtaj) Joltai
Çok Maydan Чок-Майдан (Tschok-Majdan) Cioc-Maidan
Çöşmäküü Чишмикиой (Tschischmikoj) Cișmichioi
Dezgincä Дезгинжа (Desginscha) Dezghingea
Duduleşt Дудулешты (Duduleschty) Dudulești
Haydar Гайдары (Gajdary) Gaidar
Kazayak Казаклия (Kasaklija) Cazaclia
Kıpçak Копчак (Koptschak) Copceac
Karbalı Карболия (Karbolija) Carbolia
Kırlannar Котовское (Kotowskoje) Cotovscoe
Kiriyet Кириет-Лунга (Kirijet-Lunga) Chiriet-Lunga
Kongazçık Yukarkı Верхний Конгазчик (Werchnij Kongastschik) Congazcicul de Sus
Köseli Rus Русская Киселия (Russkaja Kisselija) Chiselia Rusă
Eni Tülüküü Новая Етулия (Nowaja Jetulija) Etulia Nouă
Parapontika Ферапонтьевка (Ferapontijewka) Ferapontievca
Svetlıy Светлый (Swetlyj) Svetlîi
Tomay Томай (Tomaj) Tomai
Tülüküü Етулия (Jetulija) Etulia

Wirtschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gagausien ist eine agrarisch geprägte Region, die Landwirtschaft bildet das wirtschaftliche Rückgrat. Neben Ackerbau, Viehzucht und Fischzucht spielt besonders der Weinbau eine wichtige Rolle. Der Großteil des Weinexports geht nach Russland.[35]

Neben Wein werden in Gagausien Konservendosen, Fruchtgetränke, Fleischprodukte, Getreideprodukte, tierische und pflanzliche Öle, Marmelade, Tabak, Baumwolle, Leder sowie Textilien hergestellt. Zwölf Kellereien verarbeiten jährlich 400.000 Tonnen Weintrauben.

Infrastruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Straßennetz ist 452 km lang, davon sind 220 km Landstraßen und 86 % asphaltiert. 18 % der Stadtbevölkerung haben ein Telefon, während es in den Dörfern nur 8,5 % sind. Die Türkei hatte Moldau 35 Millionen US-Dollar Kredit gewährt, um die Infrastruktur in Gagausien zu verbessern und umzustrukturieren. Weniger als die Hälfte; lediglich 15 Millionen US-Dollar wurden davon von der Moldauischen Regierung dem Autonomiegebiet gewährt.

Bildung und Kultur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Gagausien gibt es insgesamt 55 Schulen. Im Großteil der Schulen ist die Unterrichtssprache Russisch.[36] Manche sind in Form von Schulzentren und Gesamtschulen organisiert. In der Hauptstadt befindet sich die Universität Comrat, die finanziell von der Türkei und auch aus Russland (über die Stiftung Russki Mir) unterstützt wird. Die von der Comrat-TIKA (Türk İşbirliği Ve Kalkınma İdaresi Başkanlığı) in Form eines Kulturzentrums gegründete Atatürk-Bibliothek (Atatürk Kütüphanesi) stellt das größte freie Informationszentrum Gagausiens dar. Im gagausischen Dorf Beşalma („Fünf-Äpfel“) befindet sich das Nationale Museum für Gagausische Geschichte und Ethnographie, welches von Dimitri Karacioban gegründet wurde. Neben den zahlreichen Schulbibliotheken existieren 45 andere Bibliotheken.

Medien

Die bekanntesten gagausischen Magazine sind Sabaa Yıldızı und Üç aylık jurnal. Eine der wichtigsten Zeitungen ist die Gagaoğuzya Haberleri (Gagaoghusien-Nachrichten). In nahezu allen Dörfern Gagausiens kann man Radio auf Gagausisch hören und manchmal auch TRT-FM-Programme, die zu bestimmten Zeiten im Wechsel von dem gagausischen Radiosender ausgestrahlt werden. Darüber hinaus bezieht die Bevölkerung insbesondere russischsprache Medien, häufig aus dem Ausland.[36] Es gibt auch lokale gagausische Presse in russischer Sprache. Die lokale Rundfunkanstalt Teleradio-Gagausija sendet auf Gagausisch, Russisch und Rumänisch.

Sport[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Fußball ist in Gagausien die vermutlich beliebteste Sportart. Die bekanntesten Vereine sind der FK Gagauziya Komrat, der aktuell in der moldauischen Divizia A, der zweithöchsten Liga Moldaus, spielt. Zum Ende der Saison 2013/14 gelang dem FC Saxan Ceadîr-Lunga der Aufstieg in die Divizia Națională, die höchste Liga Moldaus, und ein Jahr später die Qualifikation für die UEFA Europa League 2015/16.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Gagauzia – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. http://www.statistica.md/newsview.php?l=ru&id=4347&idc=168
  2. http://knoema.fr/atlas/République-de-Moldavie/Gagauzia/Birth-Rate
  3. http://www.gagauzia.md/pageview.php?l=ru&idc=363&nod=1&
  4. http://www.gagauzia.md/pageview.php?l=ru&idc=326&id=350
  5. http://gagauzinfo.md/index.php?newsid=1287
  6. http://meridian-info.com/v2/index.php?option=com_content&task=view&id=490&Itemid=55&lang=russian
  7. Chechnya: Tombstone of Russian Power, Anatol Lieven, Yale University Press, 1999, ISBN 0-300-07881-1, S. 246.
  8. Can Liberal Pluralism Be Exported?, Will Kymlicka, Magdalena Opalski, Oxford University Press, 2001, ISBN 0-19-924063-9, S. 208.
  9. Renate Nimtz-Köster: Gagausien in Moldawien: Die Nachfahren der Wölfe. In: Spiegel Online. 28. November 2008, abgerufen am 9. Juni 2018.
  10. http://www.refworld.org/docid/51f8c1984.html
  11. http://www.ostpol.de/articles/view/25
  12. http://www.eurasischesmagazin.de/artikel/Die-Gagausen-eine-mustergueltige-Minderheit/20091111
  13. Archivlink (Memento des Originals vom 15. Juli 2014 im Internet Archive) i Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/tribuna.md
  14. Archivlink (Memento des Originals vom 6. Juli 2014 im Internet Archive) i Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.regnum.ru
  15. AP/ John McConnico: Konfliktherde: Jetzt gärt es in Moldawien. Ria Novosti, 3. Juli 2014, abgerufen im 13. Juli 2014.
  16. a b http://www.eurodialogue.org/Moldova%20In%20Integration%20Vectors
  17. http://www.isn.ethz.ch/Digital-Library/Publications/Detail/?ots591=0c54e3b3-1e9c-be1e-2c24-a6a8c7060233&lng=en&id=179063
  18. Archivlink (Memento des Originals vom 9. Januar 2014 im Internet Archive) i Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.neweasterneurope.eu
  19. http://gagauzinfo.md/index.php?newsid=12155
  20. http://de.ria.ru/zeitungen/20140207/267782253.html
  21. http://totul.md/en/newsitem/261760.html
  22. http://www.regnum.ru/news/polit/1599556.html
  23. http://www.rferl.org/content/moldova-gagauz-referendum/25204816.html
  24. http://www.refworld.org/docid/5301cd5d4.html
  25. AP/ John McConnico: Konfliktherde: Jetzt gärt es in Moldawien. Ria Novosti, 3. Juli 2014, abgerufen im 13. Juli 2014.
  26. http://www.rferl.org/content/moldova-gagauz-referendum-counting/25251251.html
  27. http://point.md/ru/novosti/obschestvo/referendum-v-gagauzii58-dodon-quotzaquot
  28. http://gagauzinfo.md/index.php?newsid=10988
  29. Archivlink (Memento des Originals vom 2. Mai 2014 im Internet Archive) i Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/omg.md
  30. http://www.rferl.org/content/moldova-eu-agreements-russia-analysis/25257646.html
  31. http://www.noi.md/ru/news_id/42226
  32. http://vfokuse.md/news/index.php?newsid=5763
  33. http://gagauzinfo.md/index.php?newsid=17283
  34. Karl-Peter Schwarz: Prorussische Kräfte gewinnen Einfluss in Gagausien. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 24. März 2015, S. 4.
  35. Russia is playing harder for Moldova, Centre for Eastern Studies, 2. Februar 2014
  36. a b Jewgeni Scholar auf regnum.ru: "Гагаузия - часть русского мира": Гагаузия за неделю, 15. November 2008

Koordinaten: 46° 19′ N, 28° 40′ O