Georg Freiherr von Eppstein

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Georg Epstein, um 1908

Georg Johannes von Eppstein (bis zur Nobilitierung Johannes Georg Epstein, * 20. März 1874 in Breslau; † 28. September 1942[1] im Ghetto Theresienstadt) war ein deutscher Schriftsteller, Phaleristiker, Hofbeamter, Hochschulkurator und Publizist.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Herkunft und Werdegang[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Georg Epstein wurde als Sohn des Kaufmanns Julius Epstein und seiner Frau Jenny geb. Silbermann in Breslau geboren.[2] Er besuchte das Breslauer Realgymnasium und das Johannesgymnasium und studierte anschließend Philosophie und Literatur in Breslau. Daneben war er schon als Student als Hilfsredakteur für Zeitungen tätig. 1895 ging er für anderthalb Jahre als Redakteur zur Tilsiter Allgemeinen Zeitung nach Tilsit und leistete anschließend seinen Militärdienst ab. Im Sommer 1898 trat er in Breslau bei der Breslauer Frauen-Zeitung als Feuilletonist und Theaterkritiker ein.[3] Er promovierte 1899 zum Dr. phil. und veröffentlichte diverse literarische Skizzen, Novellen und Lyrikbände.[4] Um die Jahrhundertwende zog er nach Berlin-Mitte. 1901 ließ sich der Autor, der jüdischer Herkunft war, in Berlin-Kreuzberg christlich taufen.[2] Als Publizist beschäftigte er sich mit staatsrechtlichen und historischen Themen, wobei er hauptsächlich Pressestimmen und Archivquellen kompilierte, edierte und kommentierte.[5] 1909 veröffentlichte er an der Schlesischen Friedrich-Wilhelms-Universität zu Breslau eine juristische Staatsexamensarbeit zum Kündigungsrecht der Beamten,[6] die ihn als Regierungsassessor für die Beamtenlaufbahn qualifizierte. Epstein publizierte verschiedentlich gemeinsam mit Paul von Roëll (1854–1917), der dem Centralverband deutscher Industrieller nahestand. Er war Mitherausgeber und seit 1903 verantwortlicher Leiter des von Roëll im Jahr 1901 gegründeten halboffiziösen Organs Neue politische Correspondenz, in dem häufig amtliche Verlautbarungen und Stellungnahmen erschienen, weshalb er sich regelmäßig in Berliner Ministerien bewegte.[3][7] Über von Roëll, der sich auch als Adelsforscher und Ordenskundler betätigte und 1902–1903 Fürstlich Lippischer Kammerherr war, kam Epstein mit den Fragen des lippischen Erbfolgestreits in Berührung und begann, sich mit den Rechtsangelegenheiten des damaligen Regenten Leopold zur Lippe aus der Linie Lippe-Biesterfeld zu befassen. Nach dessen Thronbesteigung wurde Georg Epstein als Rechts- und Finanzberater des Fürstenhauses herangezogen und trat Anfang 1912 als Leiter des Zivilkabinetts des Fürsten Leopold IV. zur Lippe in dessen Dienste.[8] Mit seiner Familie lebte er bis dahin in Berlin-Wilmersdorf, ab 1912 als lippischer Untertan[9] in Detmold, wo ihm als Kabinettsrat eine Dienstwohnung zur Verfügung stand.[10] Aus seiner Ehe mit Herta Reymann (1876–1938) stammte die 1909 geborene Tochter Ingeborg († 1923).[2]

Ordensfachmann und Hofbeamter[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Als Schriftleiter des Deutschen Ordens-Almanachs gab er in den Jahren 1904 bis 1908 zusammen mit v. Roëll und anderen Ordenskundlern ein umfangreiches, halboffizielles Sammelwerk heraus, das alle deutschen Träger in- und ausländischer Orden verzeichnen sollte, die keinem regierenden oder depossedierten Fürstenhaus angehörten.[11] Er selbst wurde von Fürst Leopold IV. am 30. Januar 1912 mit dem lippischen Leopold-Orden ausgezeichnet,[12] im Jahre 1915 geadelt und 1918 zum Freiherrn erhoben[13] und nannte sich fortan von Eppstein. Im Ersten Weltkrieg war er nach anfänglicher Verwendung in Polen ab Sommer 1915 für einige Zeit bei übergeordneten Stäben in der Umgebung des in Belgien und Frankreich eingesetzten Kontingentverbands des Fürstentums Lippe tätig und wurde zeitweise als Ordonnanzoffizier im Stab des Generals Hermann von François verwendet.[14] In dieser Funktion lernte er auch den deutschen Kronprinzen Wilhelm kennen, der damals die 5. Armee und ab November 1916 die Heeresgruppe Deutscher Kronprinz befehligte, zu der auch das lippische Kontingent gehörte. Eppstein freundete sich mit dessen (laut späteren antisemitischen Gerüchten angeblich jüdischstämmigen) Adjutanten Louis Müldner von Mülnheim an.[15] 1917 wurde er zum Wirklichen Geheimen Rat mit dem Titel „Excellenz“ ernannt[9] und begleitete den Fürsten bei Frontbesuchen und auf offiziellen Reisen, unter anderem bei seinem Staatsbesuch in München vom 11. bis 13. Dezember 1917.[16] An der vom Fürsten Ende 1916 auf Eppsteins Initiative errichteten und in den folgenden Jahren aufgebauten Fürst Leopold-Akademie für Verwaltungswissenschaften in Detmold, an der kriegsversehrte Offiziere zu Kommunalbeamten umgeschult werden sollten, wirkte Georg von Eppstein als Kurator mit dem Titel „Professor“.[17] Die Akademie, die bis 1924 bestand, ehrte ihn für sein Engagement mit der Ehrendoktorwürde.[2] Seine Erlebnisse während der Novemberrevolution in Detmold, wo er als einer der engsten Berater des Fürsten mit örtlichen und zugereisten Revolutionären verhandelte, schildert er in seiner von autobiographischen Anekdoten durchsetzten Kronprinzenbiographie bruchstückhaft selbst.[10] Schon seit Oktober 1918 führte er mit dem fortschrittlichen Reichstagsabgeordneten Adolf Neumann-Hofer, der dann in den Tagen des Detmolder Umsturzes eine wichtige Rolle als Berater und Vermittler spielte, einen Briefwechsel, um die Möglichkeiten zum Erhalt der Monarchie in Lippe auszuloten.[18] Eppstein behandelt die Vorgänge um das Ende der Monarchie in Lippe später noch einmal ausführlicher in seinem niederländischen Buch über Prins Bernhard (1936).

Titelvergaben in letzter Minute[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Als Chef des Zivilkabinetts fielen auch Ordensverleihungen, Titelvergaben und Adelserhebungen in seine Zuständigkeit, die während des Kaiserreichs eine nicht unbedeutende Einnahmequelle vieler deutscher Kleinstfürstentümer darstellten.[19] Eppsteins Kenntnisse im Ordens- und Titelwesen waren also nicht nur persönliche Liebhaberei, sondern qualifizierten ihn entscheidend für seine Stellung bei Hofe. Ebenso wie Eppstein jüdischer Herkunft und als enger Berater für ein Fürstenhaus tätig war auch Kurt Kleefeld, ein Schwager von Gustav Stresemann, der vom Fürsten zur Lippe noch am 12. November 1918, dem Tag seiner Abdankung, als letzte in Deutschland überhaupt geadelte Person nobilitiert wurde.[20] Gleichzeitig verlieh der Fürst dem mit Eppstein befreundeten Zeitungsverleger und Inhaber der Meyerschen Hofbuchhandlung und Hofbuchdruckerei in Detmold, Max Staercke, der das Haus Biesterfeld im Thronfolgestreit unterstützt hatte (und der sich trotz seiner nationalliberalen Gesinnung und gegen völkische Widerstände in Detmold in den 1920er Jahren als konsequenter Gegner des Antisemitismus profilierte)[21] den Titel Hofrat und Eppstein selbst den Freiherrntitel.[18] Diese Ordens- und Titelverleihungen in letzter Minute, in die Eppstein als Zivilkabinettschef offenkundig involviert war, führten am Ort zur Entstehung antisemitischer Legenden über den „Hofjuden“, der das Fürstenhaus durch „Titelschacher“ saniert habe, nachdem er sich dem Fürsten als „Jude aus den preußischen Ostprovinzen“ (Eppstein stammte aus Breslau) „angedient“ und „unentbehrlich gemacht“ habe. Diese gehässigen und von antijüdischen Klischees getragenen Darstellungen drangen – unterstützt durch Eppstein unfreundlich gesinnte Zeitzeugen – auch in seriöse Fachliteratur ein.[22]

Einige Zeit nach der Abdankung des Fürsten siedelte Georg Freiherr von Eppstein nach Berlin-Lichterfelde um und erwarb 1921 eine Villa in der Potsdamer Straße 32, die er aus Verehrung für seine Frau „Haus Herta“ nannte.[2] Die Anerkennung seines Adelstitels (den er als lippischer Untertan unangefochten in ganz Deutschland führen durfte, bei einer Rückkehr in die preußische Staatsangehörigkeit ohne adelsrechtliche Anerkennung in Preußen aber verloren hätte) hatte er gleich nach der Nobilitierung 1915 beim preußischen Heroldsamt beantragt. Obwohl das Amt sie nach Kräften zu verhindern suchte und noch 1917 Nachforschungen über seinen Vater anstellte,[9] gelang es ihm kurioserweise gerade infolge der Abschaffung des Adels in der Weimarer Republik, seinen adligen Namen und die Bezeichnung „Freiherr“ trotz Rückkehr nach Berlin bis zu seinem Lebensende zu behalten,[1] denn das Heroldsamt hörte mit dem Kaiserreich auf zu bestehen und die Titel hatten sich mit Inkrafttreten der Weimarer Verfassung und dem preußischen Gesetz über die Aufhebung der Standesvorrechte des Adels vom 23. Juni 1920 von Rechts wegen in Namensbestandteile verwandelt.[23] Anders als in der älteren Literatur behauptet, wurde ihm der Adelsname auch von den Nationalsozialisten nie aberkannt.[24]

Monarchist und Objekt antijüdischer Anfeindungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In den 1920er Jahren veröffentlichte er mehrere historische und zeitgeschichtliche Bücher, für die er Literatur und Akten studierte und Äußerungen von Zeitzeugen sammelte und zusammenstellte. Besonderes Interesse und Verehrung brachte er dem früheren Reichskanzler Otto von Bismarck und dem ehemaligen deutschen Kronprinzen Wilhelm von Hohenzollern entgegen, den er in seiner 1926 veröffentlichten Biographie vehement gegen Kritiker in Schutz nahm. Eppsteins Werk enthält eigene Erinnerungen, reproduziert aber hauptsächlich fremde Schilderungen und Einschätzungen, die er den zu Beginn der zwanziger Jahre in großer Zahl publizierten Rechtfertigungsschriften und Erinnerungsbüchern vormaliger Militärs, Politiker und Höflinge entnahm.[25] Dem in diesem Schrifttum enthaltenen Antisemitismus, der gerade in jenen rechtsnationalen Kreisen besonders schrill artikuliert wurde, denen er in seinen politischen Anschauungen nahestand, bemühte sich Eppstein mit Sachargumenten entgegenzutreten,[26] ohne jedoch dessen weit reichende Bedeutung auch für sein persönliches Schicksal zu erkennen.

Seiner monarchistischen Überzeugung folgend stand er der Weimarer Republik reserviert gegenüber und betrachtete eine Restauration der bis 1918 regierenden Adelshäuser als grundsätzlich wünschenswertes politisches Szenario.[27] Im Herbst 1923, unmittelbar im Vorfeld der durch Geheimdiplomatie zwischen der Reichskanzlei unter Gustav Stresemann und den Kontaktleuten des Hofes arrangierten Rückkehr des Kronprinzen nach Deutschland,[28] begleitete Eppstein den kronprinzlichen Adjutanten Müldner von Mülnheim bei einem seiner Besuche auf Wieringen, dem holländischen Exil Wilhelms, und befragte den Kronprinzen für sein Buchprojekt.[15] Den Verlauf der Rückkehrverhandlungen und die organisatorischen Einzelheiten der Rückreise, in die er aufgrund seiner Freundschaft mit Müldner Einblick besaß, beschreibt Eppstein in seiner Kronprinzenbiografie, wobei er Stresemanns maßgebliche Bedeutung für die Rückkehr des Hohenzollern bestätigt.[29] Eppstein verehrte Stresemann,[30] und Stresemann verehrte seinerseits wie Eppstein den früheren Kronprinzen.[31]

Auch der Kontakt zum Haus Lippe riss zunächst noch nicht ab; so empfing Eppstein 1923 oder 1924 in seinem Berliner Haus noch einen Besuch des Erbprinzen Ernst Leopold.[32] Da sich die jüngere Generation der Fürstenfamilie aber bald dem Nationalsozialismus verschrieb[33] (Ernst Leopold trat 1928 als erster Erbprinz eines ehemals regierenden deutschen Adelshauses der NSDAP bei),[34] wurde den Prinzen die Verbindung mit dem in der Detmolder Öffentlichkeit angefeindeten[8] und als „Hofjude“ titulierten Eppstein zunehmend unangenehm. Eppstein wurde sowohl in der nationalsozialistischen Propaganda als auch in der linken Presse nachgesagt, er habe den Fürsten kurz vor dem Ende seiner Herrschaft durch lukrative Verkäufe von Titeln und Orden finanziell saniert,[35] was gut in das judenfeindliche Zerrbild vom ‚wendigen‘[36] Geschäftemacher passte und zugleich den Adel desavouierte.[37] Zum Eklat kam es anlässlich der Hochzeit der Fürstentochter Karoline (genannt Prinzessin Lilli) im Jahre 1932, als Fürst Leopold den bereits zum Fest geladenen Freiherrn von Eppstein auf Druck seiner Kinder und Familienangehörigen wieder auslud.[38] Der Hof fürchtete auch angesichts der geplanten Beteiligung von SA-Musikzügen und NS-Parteivertretern an den Hochzeitsfeierlichkeiten um den Ruf der Familie im rechten Milieu.

Unterstützung aus adligen Kreisen erhielt Georg von Eppstein in der Zeit des Nationalsozialismus kaum und war zunehmend auf sich allein gestellt. Anfang der 30er Jahre befand sich Eppstein zudem in finanziellen Schwierigkeiten und musste im Frühjahr 1932 seine Lebensversicherung an einen jüdischen Rechtsanwalt verpfänden, der 1933 in die Schweiz emigrierte. Einen Kredit erhielt er offenbar auch von einer Stiftung der evangelischen Landeskirche in Potsdam, die nach seiner Deportation Hypothekenzinsen beim Oberfinanzpräsidenten verlangte.[2] Bereits im Mai 1933 war der mit Eppstein seit dem Weltkrieg befreundete und ebenfalls in dem Lichterfelder Villenviertel wohnhafte ehemalige preußische General und militärgeschichtliche Buchautor Hermann von François, der zusammen mit Eppstein die zweibändige Biographie des ehemaligen Kronprinzen veröffentlicht hatte, gestorben.[39]

Bucherfolg in den Niederlanden[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einen gewissen Nutzen aus seinen früheren Beziehungen zum lippischen Fürstenhaus konnte Georg von Eppstein noch einmal ziehen, als es ihm 1936 im Vorfeld der Heirat Prinz Bernhard zur Lippe-Biesterfelds mit der Thronfolgerin der Niederlande und zukünftigen Königin Juliana gelang, für den niederländischen Markt ein Buch in niederländischer Sprache über das Adelshaus zu veröffentlichen, dem der künftige niederländische Prinzgemahl (ein Neffe Fürst Leopolds zur Lippe) angehörte.[40] Das Buch, das etwa einen Monat vor der Hochzeit Anfang Dezember 1936 erschien (knapp drei Monate nach Bekanntgabe der Verlobung), wurde in der niederländischen Presse breit angekündigt und besprochen;[41] es galt als halboffiziöse Biographie des neuen Mitglieds des Königshauses und erlebte binnen kürzester Frist drei Auflagen.[42] Es war mit persönlichen Geleitworten Fürst Leopolds, Prinz Bernhards und von dessen Mutter Armgard versehen, in denen der Freiherr von Eppstein als treuer Freund und bester Kenner der Geschichte des Hauses Lippe gewürdigt wird, und enthielt neben den historischen Darstellungen und zahlreichen Bildern auch mehrere Gedichte Eppsteins. Gemeinsam mit seinem Mitautor Hofrat Max Staercke und dem Utrechter Verleger Albert W. Bruna (1902–1996) wurde „Prof. von Eppstein“, wie er sich nannte, am 11. November 1936 in Het Loo offiziell als Biograph des fürstlichen Verlobten vom königlichen Hofmarschall begrüßt und vom Adjutanten der niederländischen Königin Wilhelmina und Prinz Bernhard persönlich empfangen und gab vier Tage später dem niederländischen Sender Philips Omroep Holland-Indië (PHOHI) ein Radiointerview, in dem er den Niederländern die Vorzüge der Persönlichkeit des künftigen Gemahls ihrer Kronprinzessin ans Herz legte. Er sei, sagte Eppstein, stark von seinem Vater Bernhard geprägt, welcher ihn gelehrt habe: „Verlasse nie den Weg zu Gott, und den der Menschenliebe, sei treu gegen jedermann und achte auch den Geringsten, mit dem du zusammenkommst, dann wird auch dir Treue geschenkt werden.“ Wenn sich der Prinz an die Mahnung seines Vaters halte, so Eppstein, sei dem niederländischen Volk mit ihm eine glückliche Zukunft beschieden.[41]

Verfolgung und Deportation[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Stolperstein vor dem Haus Potsdamer Straße 32 in der Villenkolonie Lichterfelde

Längerfristig helfen konnte ihm diese Veröffentlichung jedoch nicht; vielmehr nahmen die Nationalsozialisten sie zum Anlass, Eppstein im Februar 1937 aus der Reichskulturkammer auszuschließen und jede weitere Publikation zu untersagen. Als Vorwand, der die angebliche „Unzuverlässigkeit“[43] des Autors zeigen sollte, diente Berichten in der niederländischen Linkspresse zufolge der Vorwurf, Eppstein habe in der Biographie unter anderem verschwiegen, dass Prinz Bernhard Mitglied der Reiter-SS war. Tatsächlich hatte er diese (in der niederländischen Öffentlichkeit im Wesentlichen bekannte) Tatsache in der Biographie nicht erwähnt, nach Darstellungen der niederländischen Presse geschah das allerdings auf ausdrückliche Bitte des niederländischen Königshauses.[44]

In Wahrheit entsprach sein Ausschluss zu diesem Zeitpunkt der ab 1935 und speziell Ende 1936 auf Weisung Goebbels’ verschärften Gangart der Kammern gegen verbliebene „nichtarische“ Kulturschaffende.[45] Während 1934 noch 428 jüdische Schriftsteller Mitglied in der Reichsschrifttumskammer waren, soll es nach einem Bericht ihres Vizepräsidenten Heinz Wismann an Reichspropagandaminister Goebbels Ende Mai 1935 nur noch fünf jüdische Schriftsteller in der Schrifttumskammer gegeben haben, sodass Eppstein zu den allerletzten „Juden“ (seine christliche Religionszugehörigkeit spielte nach nationalsozialistischer Logik keine Rolle) gehört haben müsste. In einem Rundschreiben vom 29. April 1936 teilte Reichskulturwalter Hans Hinkel den Kammern mit, bis zum 15. Mai sollten „alle Volljuden, Dreivierteljuden, Halbjuden, Vierteljuden, mit Voll- und Dreivierteljuden Verheirateten, mit Halb- und Vierteljuden Verheirateten“ aus sämtlichen Kammern ausgeschlossen sein. Dieser Zeitplan konnte aber wegen des bürokratischen Aufwands und der personellen Unterbesetzung der Kammern nicht eingehalten werden.[46] Der Zeitpunkt von Eppsteins Kammerausschluss passt daher in den Ablauf der antisemitischen Säuberungen des Kulturbetriebs, zumal nicht ausgeschlossen werden kann, dass die Kammerverwaltung erst durch seine niederländische Buchveröffentlichung auf ihn aufmerksam wurde.

Eine Auswanderung in die Niederlande fasste Eppstein anscheinend nicht ins Auge, obwohl er die niederländische Sprache beherrschte.[47]

In der geräumigen Villa in Berlin-Lichterfelde lebte das seit dem Tod ihrer Tochter kinderlose Ehepaar Eppstein zusammen mit mehrfach wechselnden Mitbewohnern und Untermietern. Anfang August 1938 starb Eppsteins nichtjüdische Frau Herta und wurde in Berlin in dem Grab beigesetzt, in dem bereits ihre 1923 knapp vierzehnjährig verstorbene gemeinsame Tochter beerdigt lag. Damit verlor Eppstein auch die begrenzten Schutzmöglichkeiten durch eine „Mischehe“ mit einem „deutschblütigen“ Partner. Nach den Novemberpogromen 1938 verschärften sich die staatlichen Repressalien und die Ausplünderung der Juden, wie zum Beispiel durch die sukzessive willkürlich erhöhte Judenvermögensabgabe oder die Verordnung über den Einsatz des jüdischen Vermögens. Da Juden keine Waffen besitzen durften, musste Georg von Eppstein seinen Ehrensäbel abliefern, worüber er sich mit Nachbarn beriet. Mit der Tochter eines ebenfalls jüdischstämmigen Nachbarn, der im November 1938 kurzzeitig verhaftet wurde und anschließend emigrieren konnte, baute Eppstein in den letzten Jahren seines Lebens ein vaterersatzähnliches freundschaftliches Verhältnis auf. In der Nachbarschaft war er nach der Erinnerung von Zeitzeugen beliebt, auf seine Deportation reagierten Nachbarn und Freunde nach Aussage eines in der Nachbarschaft lebenden Arztes „entsetzt“. Vorsorglich hatte er sein Haus bereits 1937 testamentarisch befreundeten nichtjüdischen Untermietern vermacht; allerdings wurde das noch nicht vollzogene Testament aufgrund einer „Vermögens-Einziehungsverfügung vor der Abschiebung“[48] hinfällig und der Grundbesitz fiel an das Deutsche Reich. Am 26. Juni 1942 wurde Georg von Eppstein verhaftet und am 2. Juli 1942 mit dem 13. Alterstransport nach Theresienstadt deportiert,[2] wo er Ende September 1942 (ausweislich des Totenscheins an einer Darminfektion) starb.[1]

Zu seiner Erinnerung wurde ein Stolperstein bei seinem früheren Haus Potsdamer Straße 32 in Berlin-Lichterfelde verlegt.[2] Eine Lebensgeschichte Georg von Eppsteins ist ein Forschungsdesiderat.[8]

Publikationen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Diverse Gedicht- und Erzählbände: Erste Wanderfahrten, Gedichte und Skizzen (1896); Arys'er Soldatenleben, Humoreske in Versen (1897); Fallendes Laub, Novelle (1898); Else, ein Liederreigen (1899); Im Vorübergehen, neue Gedichte und Skizzen (1901).[49]
  • Studien zur Geschichte und Kritik der Sokratik (Berlin, Emil Streisand Verlag, 1901).
  • Hrsg. mit Paul von Roëll: Bismarcks Staatsrecht: die Stellungnahme des Fürsten Otto von Bismarck zu den wichtigsten Fragen des Deutschen und Preussischen Staatsrechts: nach amtlichen privaten und zeitgenössischen Quellen (Berlin, Ferd. Dümmlers Verlagsbuchhandlung, 1903; Rezension (PDF) von Paul Laband[5]). Eine mit Conrad Bornhak hrsg. 2., neu bearb. Aufl. ersch. in Berlin, Hafen-Verlag, 1923.[50]
  • Märchenmenschen (Roman, 1905).[3]
  • Hrsg. mit Paul von Roëll, Karl Schiller, Otto v. Trotha: Deutscher Ordens-Almanach: Handbuch der Ordensritter und Ordens-Damen deutscher Staatsangehörigkeit. Unter amtlicher Förderung und nach amtlichen Quellen bearbeitet und herausgegeben (erschien in zweijähriger Folge jeweils im Oktober 1904, 1906 und 1908 in Leipzig und Berlin, Verlag: Deutscher Ordens-Almanach G.m.b.H., nach drei Ausgaben eingestellt).[11]
  • Die Vorschriften der Deutschen Bundesstaaten über die Trageweise und die Rückgabe der Orden und Ehrenzeichen. Nach amtlichen Quellen bearbeitet und zusammengestellt von Georg Epstein (in: Deutscher Ordens-Almanach 1906/1907, Berlin 1906).
  • Beiträge zum Kündigungsrecht der Militärpersonen, Beamten, Geistlichen und Lehrer an öffentlichen Unterrichtsanstalten nach Paragraph 570 BGB (Berlin, W. Moeser Buchdruckerei, 1909).
  • Deutschland und Ungarn: ein Beitrag zu den politischen und oekonomischen Beziehungen der beiden Länder in Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft (Detmold, Meyersche Hofbuchhandlung und Hofbuchdruckerei, 1916).
  • Der Einfluss des Ungarischen Staatsrechts auf die Rechtstellung der Doppelmonarchie (Detmold, Meyersche Hofbuchhandlung und Hofbuchdruckerei, 1917).
  • Fürst Bismarcks Entlassung: nach den hinterlassenen, bisher unveröffentlichten Aufzeichnungen des Staatssekretärs des Innern, Staatsministers Dr. Karl Heinrich von Boetticher und des Chefs der Reichskanzlei unter dem Fürsten Bismarck Dr. Franz Johannes von Rottenburg (Berlin, August Scherl Verlag, 1920).
  • Der Deutsche Kronprinz: Der Mensch / der Staatsmann / der Geschichtsschreiber (Leipzig, Max Koch Verlag, 1926). (Anm.: Der Band bildet ein zweibändiges Gesamtwerk zusammen mit dem zugleich erschienenen, von Hermann von François verfassten kriegsgeschichtlichen ersten Band: Der Deutsche Kronprinz: Der Soldat und Heerführer.)
  • Von Draußen und Daheim. Deutsche Gedichte (Berlin und Zürich, Eigenbrödler-Verlag, in mehreren teils erw. Aufl. ersch. 1928–1931)
  • Du! Eine stille Geschichte aus einer Jugend (Berlin und Zürich, Eigenbrödler-Verlag, 1930) (Anm.: erweiterte Fassung der bereits 1910 publizierten Erzählung Ins neue Land. Eine stille Geschichte).
  • Zus. mit Max Staercke: Prins Bernhard: het vorstelijk Huis Zur Lippe-Biesterfeld (Utrecht, A.W. Bruna & Zoon’s Uitgevers, 1. und 2. Auflage 1936, 3. Auflage 1937).[40]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Wikisource: Georg von Eppstein – Quellen und Volltexte

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c Todesfallanzeige aus dem Tschechischen Nationalarchiv in Prag, veröffentlicht im Projekt Holocaust.cz (Datenbank der Holocaust-Opfer, unterstützt von der Botschaft der Bundesrepublik Deutschland in Prag).
  2. a b c d e f g h Hildegard Frisius: Soll ich meines Bruders Hüter sein? Christen jüdischer Herkunft in Lichterfelde und Steglitz. Hrsg. von der Ev. Johannes-Kirchengemeinde Berlin Lichterfelde-West, 2009; S. 23–28.
  3. a b c Franz Brümmer: Lexikon der deutschen Dichter und Prosaisten vom Beginn des 19. Jahrhunderts bis zur Gegenwart. Band. 2, 6. Aufl., Leipzig 1913, S. 153.
  4. Vgl. Wilhelm Kosch (Ed.) et al.: Deutsches Literaturlexikon, Bd. 7, Zürich 2005, Sp. 564.
  5. a b Paul Laband in: Archiv für öffentliches Recht, 18 (1903), S. 127–128.
  6. Bibliographischer Nachweis: Sudoc / Worldcat.
  7. Der deutsche Kronprinz, S. 275.
  8. a b c Jürgen Hartmann: „Vom Zahne der Reform und des Indifferentismus benagt“. Zur religiösen Ausrichtung der jüdischen Lipper von der Mitte des 19. bis ins 20. Jahrhundert. In: Rosenland. Zeitschrift für lippische Geschichte, Nr. 14 (Juni 2013), S. 34 u. Anm. 61.
  9. a b c Kai Drewes: Jüdischer Adel: Nobilitierungen von Juden im Europa des 19. Jahrhunderts. Campus Verlag, Frankfurt am Main 2013, Seite 342 f., Anm. 220.
  10. a b Der deutsche Kronprinz, S. 346 f.
  11. a b Rezension von Hans Ficker in: Lorenz R. Rheude (Hrsg.): Archiv für Stamm- und Wappenkunde. Organ des Roland Vereins zur Förderung der Stamm-, Wappen- und Siegelkunde. 9. Jahrgang 1908/09. Papiermühle b. Roda i. Sachsen-Anhalt 1909, S. 94. — Zu dem Werk vgl. Eckart Henning, Dietrich Herfurth: Orden und Ehrenzeichen: Handbuch der Phaleristik. Böhlau Verlag, Köln / Weimar 2010, S. 160 f.
  12. Verleihungsrolle des Fürstlich Lippischen Leopold-Ordens mit der Krone (II. Kl.), dort ist auch die spätere Verleihung des Leopoldordens 1. Klasse vermerkt (Angaben von der phaleristischen Webseite Ordensmuseum, abgerufen am 29. Juni 2014).
  13. Vgl. Jürgen Hartmann: Felix Fechenbach, der Sozialdemokratische Pressedienst und die Endphase der Weimarer Republik in Lippe. In: Rosenland. Zeitschrift für lippische Geschichte, Nr. 15 (September 2013), S. 37, Anm. 35.
  14. Der deutsche Kronprinz, S. 40; 275.
  15. a b Der deutsche Kronprinz, S. 402–405 (schildert u. a. Eppsteins Besuch beim Kronprinzen auf Wieringen in Begleitung Müldners im Herbst 1923).
  16. Helmut Reichold: Bismarcks Zaunkönige: Duodez im 20. Jahrhundert. Eine Studie zum Föderalismus im Bismarckreich. Ferdinand Schöningh, Paderborn 1977, S. 249 f.
  17. Helmut Reichold: Bismarcks Zaunkönige: Duodez im 20. Jahrhundert. Eine Studie zum Föderalismus im Bismarckreich. Paderborn 1977, S. 99 f., 194 f. Dgl. Julia Alexandra Luttenberger: Verwaltung für den Sozialstaat – Sozialstaat durch Verwaltung?: Die Arbeits- und Sozialverwaltung als politisches Problemlösungsinstrument in der Weimarer Republik. LIT-Verlag, Berlin 2013, S. 176 in der Google-Buchsuche; vgl. neuerdings Carsten Doerfert: Die Fürst Leopold-Akademie für Verwaltungswissenschaften. Versuch und Scheitern einer Hochschule in Detmold (1916–1924). Verlag für Regionalgeschichte, Bielefeld 2016.
  18. a b Helmut Reichold: Bismarcks Zaunkönige: Duodez im 20. Jahrhundert. Eine Studie zum Föderalismus im Bismarckreich. Paderborn 1977, S. 254–257.
  19. Helmut Reichold: Bismarcks Zaunkönige: Duodez im 20. Jahrhundert. Eine Studie zum Föderalismus im Bismarckreich. Paderborn 1977, S. 206–212.
  20. Kai Drewes: Jüdischer Adel: Nobilitierungen von Juden im Europa des 19. Jahrhunderts. Campus Verlag, Frankfurt am Main 2013, S. 104 f., Anm. 280. Vgl. die Schilderung des Vorgangs und der Hintergründe von Christian Bommarius: Und dann kam keiner mehr. In: Berliner Zeitung, 5. Februar 2011; abgerufen am 5. Februar 2016.
  21. Andreas Ruppert: Max Staercke (1880 - 1959) – Publizist und Politiker in Lippe. In: Rosenland. Zeitschrift für lippische Geschichte, Nr. 12 (September 2011), S. 35–52 (hier: 48 f.).
  22. „Die von Antisemiten zeitgenössisch erhobene Behauptung, Eppstein habe in großem Stil »Ordens- und Titelschacher[ ]« betrieben, hat Eingang in die seriöse Forschungsliteratur gefunden, vgl. Reichold, Bismarcks Zaunkönige, S. 99 f. (Zitat S. 100, Anm. 50)“ (Kai Drewes: Jüdischer Adel, Frankfurt/M. 2013, S. 342 f., Anm. 220). Reicholds Darstellung (Bismarcks Zaunkönige, Paderborn 1977), auf die sich Drewes’ Feststellung bezieht, stützt sich in Bezug auf Eppstein auf die Erinnerungen des Lippischen Regierungschefs Staatsminister Karl-Ludwig Freiherr von Biedenweg (1846–1940) (vgl. S. 99, 141; s. auch Einzelnachweis 35 unten) sowie Briefe des Fürstensohns Ernst Leopold an den Verfasser (vgl. S. 273, 299), beides spätere Nationalsozialisten (vgl. Jürgen Hartmann: Felix Fechenbach, der Sozialdemokratische Pressedienst und die Endphase der Weimarer Republik in Lippe. In: Rosenland 15, September 2013, S. 37 mit Anm. 31 u. 33). Zudem stand Eppsteins Geheimes Zivilkabinett als „Nebenregierung“ (Reichold, S. 99) in Konkurrenz zu der offiziellen, von Biedenweg geleiteten Staatsregierung, weshalb sich Letzterer in seinen Erinnerungen massiv über die „unerträglichen Einmischungen“ Eppsteins (also das Hineinregieren des Fürsten in die bürgerliche Staatsregierung) beschwerte (S. 141). Reichold übernimmt auch die oben zitierten, abschätzigen Ausdrucksweisen über Eppstein unkritisch (S. 99 f. u. ö.).
  23. Gemäß § 22, siehe Preußische Gesetzessammlung 1920, Nr. 32, S. 373 (Digitalisat, PDF; 1,2 MB).
  24. So aber behauptet Reichold, Bismarcks Zaunkönige, S. 141, Anm. 73. Das Gegenteil belegt Frisius, Soll ich meines Bruders Hüter sein?, S. 25, Anm. 109.
  25. Zu dieser Art Literatur vgl. Frank-Lothar Kroll: Wilhelm II. In: ders. (Hrsg.): Preußens Herrscher. Von den ersten Hohenzollern bis Wilhelm II. 2. Aufl., München 2009, S. 290.
  26. Vgl. Der deutsche Kronprinz, S. 343 f.
  27. Vgl. Der deutsche Kronprinz, S. 337–341.
  28. Kurt Koszyk: Gustav Stresemann: Der kaisertreue Demokrat. Eine Biographie. Kiepenheuer & Witsch, Köln 1989, S. 266 f.; vgl. Darstellung des Vorgangs in den Akten der Reichskanzlei im Bundesarchiv: Die Rückkehr des Kronprinzen.
  29. Der deutsche Kronprinz, S. 151–157.
  30. Vgl. ebda. u. S. 314 f. u. ö.
  31. Karl Heinrich Pohl: Gustav Stresemann. Biografie eines Grenzgängers. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2015, ISBN 3-525-30082-4, S. 282–284.
  32. Das bestätigt Ernst Leopold im Protokoll seiner Vernehmung am 24. März 1947 während der Nürnberger Kriegsverbrecherprozesse (Zeugenschriften ZS 1171, S. 23); Quelle nachgew. bei Jürgen Hartmann: Felix Fechenbach, der Sozialdemokratische Pressedienst und die Endphase der Weimarer Republik in Lippe. In: Rosenland. Zeitschrift für lippische Geschichte, Nr. 15 (September 2013), S. 37, Anm. 31.
  33. Vgl. Stephan Malinowski: Vom König zum Führer. Sozialer Niedergang und politische Radikalisierung im deutschen Adel zwischen Kaiserreich und NS-Staat. Akademie Verlag, Berlin 2003, S. 570.
  34. Jürgen Hartmann: Felix Fechenbach, der Sozialdemokratische Pressedienst und die Endphase der Weimarer Republik in Lippe. In: Rosenland. Zeitschrift für lippische Geschichte, Nr. 15 (September 2013), S. 37, Anm. 31.
  35. Andreas Ruppert: Heinrich Drake 1933–1947. Vortrag in Schloss Brake, 29. November 2006. Veröffentlicht in: Rosenland. Zeitschrift für lippische Geschichte, Nr. 5 (Februar 2007), S. 18–28 (hier S. 20). Siehe auch Stephan Malinowski: Vom König zum Führer. Berlin 2003, S. 125, Anm. 32. — Malinowski bezieht sich auf die Darstellung in den Erinnerungen Karl-Ludwig von Biedenwegs (1846–1940), der 1913–1918 als Staatsminister die Regierung des Fürstentums Lippe leitete, 1917 selbst zum Freiherrn erhoben wurde und 1932 (wie auch mehrere Söhne des Fürsten) bereits NSDAP-Mitglied war; vgl. Jürgen Hartmann: Felix Fechenbach, der Sozialdemokratische Pressedienst und die Endphase der Weimarer Republik in Lippe. In: Rosenland. Zeitschrift für lippische Geschichte, Nr. 15 (September 2013), S. 37, Anm. 33.
  36. So noch bei Reichold: Bismarcks Zaunkönige: Duodez im 20. Jahrhundert. Eine Studie zum Föderalismus im Bismarckreich. Paderborn 1977, S. 194.
  37. Vgl. Stephan Malinowski: Vom König zum Führer. Berlin 2003, S. 486 u. Anm. 46. — Malinowski nennt die bis in die 1940er Jahre hinein belegte, meist hinter der Hand vorgebrachte Kritik militant nationalsozialistischer Kreise an den Verbindungen des Fürsten (mit Eppstein) „idealtypisch“ für verbreitete „[d]enunziatorische Anklagen gegen Adlige[,] die auf ihren Schlössern mit Juden und ‚Judengenossen‘ auf Kosten des Volkes praßten“. Da auf der anderen Seite die (zumeist jüngeren) Vertreter der Fürstenfamilie selbst offen für den Nationalsozialismus eintraten und sich antisemitisch profilierten, erkennt Malinowski hierin ein Beispiel für die von ihm verschiedentlich herausgearbeitete spannungsreiche Dynamik zwischen adelskritischen und judenfeindlichen Klischees (das „seit dem späten Kaiserreich bekannte Wechselspiel von adligem Antisemitismus und antisemitischer Adelskritik“).
  38. Felix Fechenbach: Wenn Hoheit heiratet … – dann macht SA Musik dazu! – Prinzessin Lilli und der Hofjude – Die fürstliche Nazifamilie in Lippe-Detmold (Artikel im Sozialdemokratischen Pressedienst v. 10. Oktober 1932). Veröffentlicht in: Jürgen Hartmann: Felix Fechenbach, der Sozialdemokratische Pressedienst und die Endphase der Weimarer Republik in Lippe. In: Rosenland. Zeitschrift für lippische Geschichte, Nr. 15 (September 2013), S. 36–38.
  39. Der deutsche Kronprinz, S. 55 f.
  40. a b Besprochen von Jacob Steur: Van Eppstein en Staercke, Prins Bernhard. Het vorstelijk Huis zur Lippe-Biesterfeld. In: Historia 2 (1937), Utrecht, Januar 1937, S. 375–377. Nachweis bei Jantje L. van Essen: In Memoriam Jacob Steur 1905-1978: Bibliografie van J. Steur. In: Nederlands Archievenblad 82 (1978), S. 203–218 (208).
  41. a b Vgl. Koen van Stigt Thans: II Kroniek 1936 - 1939 v0.14 (chronologischer Pressespiegel), S. 89 f. (Schager Courant, 12. November 1936; Amersfoortsch Dagblad / De Eemlander, 16. November 1936); S. 113 f. (Leidsch Dagblad, 3. Dezember 1936) auf academia.edu, abgerufen am 4. Februar 2016.
  42. Bibliographischer Nachweis: [Literatur über] Bernhard (1911–2004), Prins der Nederlanden 1937-2004. politiekcompendium.nl
  43. Offiziell begründet wurde der Ausschluss im Börsenblatt für den deutschen Buchhandel vom 18. Februar 1937 mit § 10 der nationalsozialistischen Kulturkammerverordnung (Erste Verordnung zur Durchführung des Reichskulturkammergesetz v. 1. November 1933): „§ 10. Die Aufnahme in eine Einzelkammer kann abgelehnt oder ein Mitglied ausgeschlossen werden, wenn Tatsachen vorliegen, aus denen sich ergibt, daß die in Frage kommende Person die für die Ausübung ihrer Tätigkeit erforderliche Zuverlässigkeit und Eignung nicht besitzt.“ (Vgl. Presse-Slg. unten, dgl. Krantenbank Zeeland, 25. Februar 1937, S. 1, u. Gleichltd.)
  44. Vgl. Koen van Stigt Thans: II Kroniek 1936 - 1939 v0.14 (chronologischer Pressespiegel), S. 148/150 (Leidsche Courant, 24. Februar 1937; De Tribune, 8. März 1937; Quelle: Presse-Slg. Gerard de Boer) auf academia.edu, abgerufen am 4. Februar 2016.
  45. Ralf Georg Reuth: Joseph Goebbels Tagebücher, 3. Aufl. München 2003, ISBN 3-492-21414-2, Bd. 3, S. 966 mit Anm. 48. Einzelheiten siehe auch hier.
  46. Jan-Pieter Barbian: Die Arbeits- und Lebensbedingungen der Schriftsteller. In: ders., Ernst Fischer, Reinhard Wittmann (Hrsg.): Geschichte des deutschen Buchhandels im 19. und 20. Jahrhundert. Drittes Reich. Teil 1. De Gruyter, Göttingen 2015, ISBN 978-3-598-24806-1, S. 7–72 (hier: S. 26–28; Zitat: S. 27).
  47. Der deutsche Kronprinz, S. 164 ff.
  48. Walther Hofer: Der Nationalsozialismus. Dokumente 1933–1945. FiTb 6084, überarb. Neuausgabe Frankfurt/M 1982, ISBN 3-596-26084-1, S. 298 f.
  49. Vgl. Peter Thiel (Hrsg.): Literarisches Jahrbuch: Jahresrundschau über die literarischen Erzeugnisse deutscher Zunge auf schöngeistigem, dramatischem und musikdramatischem Gebiet verbunden mit einem Lexikon der lebenden deutschen Schriftsteller und Schriftstellerinnen (Jg. 1902). Köln, Hoursch & Beohstedt, 1903, S. 189.
  50. „Uebersicht über die neuesten Publikationen Deutschlands und des Auslandes“, in: Ludwig Elster (Hrsg.): Jahrbücher für Nationalökonomie und Statistik, III. Folge, 65. Band (1923), S. 183.