Gräfenhausen (Weiterstadt)

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Gräfenhausen
Wappen von Gräfenhausen
Koordinaten: 49° 55′ 43″ N, 8° 36′ 8″ O
Höhe: 107 (106–118) m ü. NHN
Fläche: 11,37 km²[1]
Einwohner: 6097 (31. Dez. 2018)[1]
Bevölkerungsdichte: 536 Einwohner/km²
Eingemeindung: 1. Januar 1977
Postleitzahl: 64331
Vorwahl: 06150
Karte
Lage von Gräfenhausen in Weiterstadt
Evangelische Kirche
Das ehemalige Schloss

Gräfenhausen (mundartlich: Grewwehause)[2] ist ein Stadtteil der Stadt Weiterstadt im südhessischen Landkreis Darmstadt-Dieburg.

Geografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Geografische Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gräfenhausen liegt nördlich der Kernstadt Weiterstadt an der A5. Die nahegelegene Autobahnraststätte Gräfenhausen ist nach dem Ort benannt. Das Wohngebiet ist von landwirtschaftlichen Flächen umgeben. Im Norden liegt der Steinrodsee und ein Waldgebiet. Durch die Gemarkung fließen der Apfelbach, der Mühlbach und der Ohlenbach. Gräfenhausen liegt etwa sieben Kilometer nordwestlich von Darmstadt und ca. 14 Kilometer südlich des Frankfurter Flughafens.

Nachbargemeinden[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Norden grenzt Gräfenhausen an Mörfelden-Walldorf (Kreis Groß-Gerau), im Nordosten an Erzhausen, im Osten an den Därmstädter Stadtteil Wixhausen, im Südosten an den Därmstädter Stadtteil Arheilgen, im Süden an die Kernstadt Weiterstadt, im Südwesten an den Weiterstädter Ortsteil Braunshardt und im Westen an Weiterstädter Ortsteil Schneppenhausen.

Naturschutzgebiete[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1211 wird Gräfenhausen im Güterbuch (Oculus Memoriae) des Klosters Eberbach erstmals genannt („Dragebodo hat uns, als er zu uns ins Kloster eintrat, […] und eine Manse in Gräfenhausen übertragen.“)[3] Jener Dragebodo war ein Bruder von Eberhard I. von Dornberg, Stammvater des dynastischen Adelsgeschlechts Dornberg zu Burg Dornberg bei Groß-Gerau.

Am 21. November 1225 wurde Gräfenhausen zusammen mit Schneppenhausen urkundlich erwähnt. In einer aufgesetzten Urkunde wurde ein Vogt Werner von Grevenhusen genannt, der Mitglied eines Schiedsgerichtes war. Anlass des Schiedsgerichts war ein Streit um den Wald Wintershagen zwischen dem Kloster Eberbach und den Dorfbewohnern von Arheilgen. Vom 12. Jahrhundert bis zum Jahr 1658 befand sich das Dorf unter Heusenstammer Herrschaft. Am 19. September 1658 verkauften sie es an die Landgrafschaft Hessen-Darmstadt aus der später das Großherzogtum Hessen-Darmstadt hervorgeht.[4]

Im Laufe der Jahrhunderte wird der Ort in historischen Dokumenten mit wechselnden Ortsnamen genannt.[4] Von Grevenhusen im Jahr 1215 über Greffenhusen (1418), Grevenhausen (1516) bis Grebenhaußen im Jahr 1780. Die Verwaltungszugehörigkeit von Gräfenhausen zur Heusenstammscher Teil der Gerauer Mark ist 1416 belegt. Von 1820 bis 1821 gehört es dann zum Oberamt Darmstadt, von 1821 bis 1832 zum Landratsbezirk Langen, von 1832 bis 1848 wieder zum Kreis Groß-Gerau, vom 1848 bis 1852 während der kurzen Zeit der Regierungsbezirke in der Provinz Starkenburg zum Regierungsbezirk Darmstadt und ab 1852 mit der Neueinführung von Kreisen zum Kreis Darmstadt.[4]

Die Statistisch-topographisch-historische Beschreibung des Großherzogthums Hessen berichtet 1829 über Gräfenhausen:

»Gräfenhausen (L. Bez. Langen) luth. Pfarrdorf; liegt an dem Cent– (Schwarz–) Bach, 2 St. von Langen und 112 St. von Darmstadt, und hat 106 Häuser und 698 Einw., die bis auf 1 Kath. und 34 Juden alle lutherisch sind. Unter diesen sind 52 Bauern, 37 Handwerker und 27 Tagelöhner. Man findet hier eine, bis auf den Thurm, neue schöne und sehr freundliche, den 28. Juli 1818 eingeweihte Kirche, ein ziemlich neues Pfarrhaus, ein Rathhaus mit dem die Schule verbunden ist, ein Schloß 2 Mahl und 1 Oelmühle. Das Schloß, welches aus dem ältern und neuern besteht und mit einem Graben versehen war, wurde in den 1770 Jahren den Invaliden zum Aufenthalt angewiesen, welche Anstalt 1810 wieder aufgehoben wurde. Später diente das Schloß eine Zeitlang zum Militair–Hospital. – Gräfenhausen kam, fast ohne Zweifel, von Eberhard Waro von Hagen (†nach 1219), einem Münzenbergischen Zweig, welcher unter andern das Schloß Heusenstamm von Kaiser und Reich zu Lehen trug, an die Herrn von Heusenstamm, als dessen Erben. Die Herrn von Ullner hatten durch Heurath an Gräfenhausen Antheil erhalten, entsagten aber, 1406, gegen die von Heusenstamm ihren Ansprüchen. Die Burg selbst und Zugehörungen und einzelne Güter waren Reichs–, das Uebrige aber Würzburgisches Lehen. Im Jahr 1413, kam mit lehensherrlicher Bewilligung, der Ort nebst dem kleinen Zehnten und dem Frohnhofe daselbst, durch Eberhard von Heusenstamm, durch Pfandschaft an Grafen Johann III. von Katzenellenbogen, wurde aber 1497 von den Herrn von Heusenstamm wieder eingelößt, bis es Graf Johann Christian Ferdinand von Heusenstamm 1658, um 22,000 fl. sammt der reichslehnbaren Burg an Hessen verkaufte. Die Herrn von Heusenstamm und Ullner hatten hier ein Hubengericht. Schon 1257 kommt hier ein Pleban mit Namen Eberhardus, als Zeuge vor, und 1310 wurde der Ort, der ein Filial von Großgerau war, getrennt und die Kapelle zu einer eigenen Pfarrkirche erhoben. Zu Anfang des 14. Jahrhunderts setzte sich eine St Martinsbrüderschaft hier an, die aber nicht zu völliger Reife gedieh.«[5]

Gräfenhausen erhielt 1919 die erste elektrische Beleuchtung. Zwischen 1927 und 1928 wurden Wasserleitungen verlegt.

Gebietsreform[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 1. Januar 1977 wurde Gräfenhausen im Zuge der Gebietsreform in Hessen zusammen mit Schneppenhausen kraft Landesgesetz in die Gemeinde Weiterstadt eingemeindet.[6] Ortsbezirke nach der Hessischen Gemeindeordnung wurden nicht errichtet.

Territorialgeschichte und Verwaltung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die folgende Liste zeigt im Überblick die Territorien, in denen Gräfenhausen lag, bzw. die Verwaltungseinheiten, denen es unterstand:[4][7][8]

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

• 1791: 465 Einwohner[10]
• 1800: 514 Einwohner[11]
• 1806: 624 Einwohner, 101 Häuser[9]
• 1829: 698 Einwohner, 106 Häuser[5]
• 1867: 979 Einwohner, 152 Häuser[12]
Stichtag[13][4] Einwohner Stichtag Einwohner
1829 698 27. Mai 1970 3.391
3. Dezember 1864 941 31. Dezember 1975 4.113
1. Dezember 1895 1.366 31. Dezember 1981 4.199
17. Mai 1939 1.785 30. Juni 1986 4.562
29. Oktober 1946 2.458 1. Januar 2001 5.288
6. Juni 1961 2.893 31. Dezember 2007 5.624
Gräfenhausen: Einwohnerzahlen von 1791 bis 2018
Jahr  Einwohner
1791
  
465
1800
  
514
1806
  
624
1829
  
698
1834
  
777
1840
  
796
1846
  
832
1852
  
925
1858
  
936
1864
  
941
1871
  
992
1875
  
982
1885
  
1.156
1895
  
1.366
1905
  
1.450
1910
  
1.469
1925
  
1.613
1939
  
1.795
1946
  
2.458
1950
  
2.647
1956
  
2.695
1961
  
2.893
1967
  
3.374
1970
  
3.391
1975
  
4.113
1981
  
4.199
1986
  
4.562
2001
  
5.288
2007
  
5.324
2011
  
5.475
2015
  
5.963
2018
  
6.097
Datenquelle: Histo­risches Ge­mein­de­ver­zeich­nis für Hessen: Die Be­völ­ke­rung der Ge­mei­nden 1834 bis 1967. Wies­baden: Hes­sisches Statis­tisches Lan­des­amt, 1968.
Weitere Quellen: [4]; Website Weiterstadt (Webarchiv)[14]; Zensus 2011[15]

Religionszugehörigkeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

• 1829: 663 lutheranische (= 94,99 %), 34 jüdische (= 4,87 %) und einen katholischen (= 0,14 %) Einwohner[5]
• 1961: 2221 evangelische (= 76,77 %), 591 katholisch (= 20,43 %) Einwohner[4]

Wappen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wappen von Gräfenhausen
Blasonierung: „Auf einem von Rot und Silber geviertem Schild im 1. und 4. Feld ein blau gezungter silberner Brackenkopf mit fünf blauen Kugeln auf dem Ohr.“[16][17]
Wappenbegründung: Die im Wappen von Gräfenhausen abgebildeten Hundeköpfe (Bracke) erinnern daran, dass die Herren von Hagen im Wildbann Dreieich immer eine Hundekoppel für die königliche Jagd bereithalten mussten.

Eine offizielle Flagge wurde nie genehmigt. Es gibt jedoch eine nichtamtliche Flagge, die auf grün-weißem Flaggentuch das Gemeindewappen zeigt.

Sehenswürdigkeiten und Kultur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sehenswürdigkeiten sind die evangelische Kirche, die 1818–19 von Georg Moller erbaut wurde mit ihrem Kirchturm aus dem 12. Jahrhundert, und das ehemalige Schloss Gräfenhausen (heute Pflegeheim Ohlystift) mit seinem Renaissance-Treppenturm von 1555.

Etwas weiter außerhalb liegt der Steinrodsee, der im Zuge des Baus der Bundesautobahn A5 entstand und heute ein Naherholungsgebiet ist. Die Sanddüne Rotböhl ist ein Naturschutzgebiet am Ostrand der Gemarkung Gräfenhausen.

Bauwerke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Regelmäßige Veranstaltungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Am ersten Samstag nach dem 11.11. findet alljährlich die Eröffnung der Karnevalskampangne des Karnevalvereins Ahoi Gräfenhausen 1902 e.V. statt.
  • Am ersten Sonntag nach Michaelis (29.9.) wird die Gräfenhäuser Kerb (Kirchweihe) gefeiert. Das Fest wurde 2006 vom traditionellen Kerweplatz zum Post- und Kirchplatz verlegt.
  • November/Dezember: Adventsmarkt[18]

Söhne und Töchter von Gräfenhausen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Friedrich Alefeld (* 1820 in Gräfenhausen; † 1872 in Ober-Ramstadt) war ein deutscher Arzt und Botaniker.
  • Phil Stark (* 30. Dezember 1919 in Gräfenhausen; † 14. April 1992 in Toronto), deutscher Tenor, der nach Kanada auswanderte

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Gräfenhausen – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Statistische Informationen der Stadt Weiterstadt: Einwohnerzahlen HW/ Flächen, abgerufen im November 2017.
  2. Rosen für die Damen. In: Darmstädter Echo, Mittwoch, 8. Oktober 2014. S. 29, archiviert vom Original; abgerufen im April 2019.
  3. Geschichte von Gräfenhausen. Heimatverein Gräfenhausen-Schnepenhausen, abgerufen im November 2019.
  4. a b c d e f g Gräfenhausen, Landkreis Darmstadt-Dieburg. Historisches Ortslexikon für Hessen. (Stand: 17. April 2018). In: Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen (LAGIS).
  5. a b c Georg Wilhelm Justin Wagner: Statistisch-topographisch-historische Beschreibung des Großherzogthums Hessen: Provinz Starkenburg. Band 1. Carl Wilhelm Leske, Darmstadt Oktober 1829, OCLC 312528080, S. 87 (Online bei google books).
  6. Gesetz zur Neugliederung der Landkreise Darmstadt und Dieburg und der Stadt Darmstadt (GVBl. II 330–334) vom 26. Juli 1974. In: Der Hessische Minister des Inneren (Hrsg.): Gesetz- und Verordnungsblatt für das Land Hessen. 1974 Nr. 22, S. 318, § 2 (Online beim Informationssystem des Hessischen Landtags [PDF; 1,5 MB]).
  7. Michael Rademacher: Deutsche Verwaltungsgeschichte von der Reichseinigung 1871 bis zur Wiedervereinigung 1990. Land Hessen. (Online-Material zur Dissertation, Osnabrück 2006).
  8. Grossherzogliche Centralstelle für die Landesstatistik (Hrsg.): Beiträge zur Statistik des Großherzogtums Hessen. Band 1. Großherzoglicher Staatsverlag, Darmstadt 1862, DNB 013163434, OCLC 894925483, S. 43 ff. (Online bei google books).
  9. a b Verzeichnis der Ämter, Orte, Häuser, Einwohnerzahl. (1806)HStAD Bestand E 8 A Nr. 352/4. In: Archivinformationssystem Hessen (Arcinsys Hessen), Stand: 6. Februar 1806.
  10. Hessen-Darmstädter Staats- und Adresskalender 1791. Im Verlag der Invaliden-Anstalt, Darmstadt 1791, S. 119 (Online in der HathiTrust digital library).
  11. Hessen-Darmstädter Staats- und Adresskalender 1800. Im Verlag der Invaliden-Anstalt, Darmstadt 1800, S. 119 (Online in der HathiTrust digital library).
  12. Ph. A. F. Walther: Alphabetisches Verzeichniss der Wohnplätze im Grossherzogtum Hessen. G. Jonghaus, Darmstadt 1869, OCLC 162355422, S. 32 (Online bei google books).
  13. Die Daten bis ins Jahr 1986 stammen aus dem Buch Chronik der Gemeinde Weiterstadt von Günther Hoch.
  14. Statistische Informationen: Einwohnerzahlen HW/ Flächen. In: Webauftritt. Stadt Weiterstadt, archiviert vom Original; abgerufen im Juni 2019.
  15. Ausgewählte Daten über Bevölkerung und Haushalte am 9. Mai 2011 in den hessischen Gemeinden und Gemeindeteilen. (PDF; 1,8 MB) In: Zensus 2011. Hessisches Statistisches Landesamt;
  16. Wappen Gräfenhausen: HStAD Bestand R 6 C Nr. 85 In: Archivinformationssystem Hessen (Arcinsys Hessen).
  17. Genehmigung des Wappens durch: Genehmigung eines Wappens der Gemeinde Gräfenhausen im Landkreis Darmstadt vom 17. März 1960. In: Hessischen Minister des Inneren (Hrsg.): Staatsanzeiger für das Land Hessen. 1960 Nr. 14, S. 405, Punkt 308 (Online beim Informationssystem des Hessischen Landtags [PDF; 3,9 MB]).
  18. Darmstädter Echo, Donnerstag, 26. November 2015, S. 20.