Hanföl

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Hanföl
Rohstoffpflanze(n)

Nutzhanf (Cannabis sativa)

Herkunft

Samen

Farbe

grün-gelblich (kaltgepresst), dunkelgrün (warmgepresst) [1]

Inhaltsstoffe
Ölsäure 10-15 %[1]
Linolsäure 50–60 %[1][2]
Linolensäure bis 29 % (α-Linolensäure bis 25 %, γ-Linolensäure bis 4 %)[1]
Palmitinsäure 7 %[1]
Weitere Fettsäuren Gadoleinsäure < 1 %, Stearinsäure 1–3 %, Stearidonsäure 0,5–1,5 %, Arachinsäure 0–2 %[1][2]
Σ gesättigte Fettsäuren 8–13 %
Σ einfach ungesättigte Fettsäuren 12–17 %
Σ mehrfach ungesättigte Fettsäuren 70–80 %
Vitamin E2 bis 80 mg/100 g[1]
Weitere Inhaltsstoffe Tocopherol 468–950 mg/kg, Tetrahydrocannabinol 50 mg/kg[3]
Eigenschaften
Dichte 0,924−0,932 kg/l bei 15 °C[4]
Viskosität = 50–70 mm2·s−1 bei 20 °C[4]; 27,4–29,3 mm2·s−1 bei 40 °C[5]
Oxidationsstabilität 1,3–2,5 h[5][6]
Schmelzpunkt −25 °C…-15 °C[1]
Rauchpunkt 165 °C[7]
Flammpunkt 250–265 °C[8]; 308 °C[5]
Iodzahl 149–167[4]
Verseifungszahl 190–194[4]
Brennwert 39,5 MJ/kg
Cetanzahl 39,5–48,7[5]
Herstellung und Verbrauch
Wichtigste Produktionsländer Frankreich, China, Chile[9]
Verbrauch weltweit 1254 t (2003)[1]

Hanföl ist ein fettes Pflanzenöl, das aus den Samen des Nutzhanfs (Cannabis sativa) gewonnen wird.

Es wird oft mit anderen öligen Hanfprodukten verwechselt, von denen es abgregrenzt werden muss. Hanföl ist ein Speiseöl und darf daher nicht mit dem ätherischen Hanföl (gewonnen aus destillierten Blättern und Blüten) oder dem Haschischöl (ölartiger, stark THC-haltigem Harzextrakt) verwechselt werden.

Hanfsamen enthalten – anders als das Harz der Pflanze – keine nennenswerten Mengen an Tetrahydrocannabinol (THC). Daher haben sie keine berauschende psychoaktive Wirkung, was dementsprechend auch für das daraus produzierte Öl gilt.

Herstellung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Da der industrielle Hanfanbau im Regelfall zur Gewinnung von Hanffasern geschieht, stellen die Samen und damit auch das Hanföl nur ein Nebenprodukt des Anbaus dar. Die Samen werden bei der Aufbereitung der geernteten Hanfpflanzen gewonnen und weiterverarbeitet. Will man aus den Hanfsamen ein hochwertiges Hanföl gewinnen, so sind eine schonende Ernte und Ölgewinnung unabdingbar.

Durch seine feste Schale ist der Samen vor Umwelteinflüssen wie Sauerstoff und Sonnenlicht geschützt. Will man daher Öl aus den Samen gewinnen, so müssen diese vorsichtig geschält werden, was meist maschinell geschieht. Dann werden die Hanfnüsse in einer Ölmühle gepresst. Am besten eignet sich hierfür die Kaltpressung, da hier die Presstemperatur etwa zwischen 40 °C bis 60 °C liegt, und somit die wertvollen Inhaltsstoffe des Hanföls nicht durch Hitze geschädigt und reduziert werden. Bei 30–35 % Ölgehalt ergibt sich ein Ölertrag von etwa 180 bis 350 Liter pro Hektar. Der Presskuchen (Hanfkuchen) enthält viel Eiweiss und kann als Futtermittel verwendet werden.[10]

Eigenschaften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Allgemeine chemische Struktur von Ölen, wie Hanföl. Darin sind R1, R2 und R3 Alkylreste (≤ 20 %) oder Alkenylreste (≥ 85 %) mit einer meist ungeraden Anzahl von Kohlenstoffatomen.

Hanföl gehört zu den fetten Ölen. Chemisch gesehen ist es, wie andere Öle, ein homogenes Gemisch flüssiger Triglyceride. Die Farbe unterscheidet sich je nach Herstellungsart. So ist kaltgepresstes Hanföl grün-gelblich, warm gepresstes dagegen dunkelgrün.[1] Hanföl riecht krautig und aromatisch und besitzt einen grün-nussigen Geruch. Der Geschmack schwankt von nussig zu krautig.

Haltbarkeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wird das Hanföl luftdicht verschlossen aufbewahrt, so beträgt die Haltbarkeit mindestens 60 Wochen. Dabei hat eine dunkle, gekühlte Lagerung weniger Einfluss auf die allmähliche Zersetzung als Luftzutritt, der zu einer Oxidation führt.[11]

Zusammensetzung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hanföl setzt sich neben diversen anderen Pflanzenstoffen, wie zum Beispiel Chlorophylle, Carotinoide und Vitaminen, zum größten Teil aus Fettsäuren (über 70 % sind ungesättigte) zusammen. Für die menschliche Ernährung sind vor allem die in dem Öl enthaltenen mehrfach ungesättigten Fettsäuren von größerer Bedeutung, insbesondere Linolsäure und Alpha-Linolensäure, die beiden für den Menschen essenziellen Omega-n-Fettsäuren sowie Gamma-Linolensäure, eine in Speiseölen seltene Omega-6-Fettsäure. Deren Gehalt in Hanföl ist mit bis zu 4 g/100 g bemerkenswert hoch.[1]

Daneben enthält Hanföl auch diverse andere Pflanzenstoffe, die durch das Pressen mit herausgelöst werden, so z. B. Chlorophylle und Carotinoide, die auch für seine Färbung mitverantwortlich sind. Weiterhin sind auch relativ große Mengen an Tocopherol (ca. 800 mg/100 g, davon ca. 80 % γ-Tocopherol) und Phytosterinen (3,6–6,7 g/kg) enthalten.

Verwendung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Verwendung des Hanfs als Nutzpflanze ist bis weit in die Geschichte zurückzuverfolgen, die frühesten Seile aus Hanffasern stammen dabei aus der Zeit um 2.800 v. Chr. aus China und die Nutzung als Textilfaser ist durch Funde aus der Zhou-Dynastie (1.122 bis 149 v. Chr.) belegt. Die früheste Nutzung von Hanföl als Nahrungsmittel oder für andere Verwendungen ist dagegen heute nicht zu datieren.

Durch das Einheitsabkommen über die Betäubungsmittel von 1961, im Zuge dessen der Anbau von Hanf in den meisten Nationen weitgehend verboten wurde, geriet die Nutzung von Hanfprodukten in Vergessenheit. Vor allem seit den 1990er Jahren werden die vielseitigen Verwendungsmöglichkeiten nach und nach wiederentdeckt, etabliert, und teilweise legalisiert.

In der Küche[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hanföl (rechts).

Aufgrund seines Fettsäurespektrums, das alle für den Menschen wichtige essentielle Fettsäuren enthält, gilt Hanföl als ernährungsphysiologisch hochwertiges Pflanzenöl und wird gerne in der Küche gebraucht. Einsatz findet es vor allem wegen seines nussigen Geschmacks als Speiseöl bei der Zubereitung von Salaten, Dressings, Soßen, Marinaden und Brotaufstrichen. Wegen seines relativ niedrigen Rauchpunktes von etwa 165 °C sollte es jedoch nicht zum Braten oder Frittieren verwendet werden, da sich sonst die Fettsäuren bei einer höheren Temperatur zersetzen und sich so auch der Geschmack des Öls ändern würde. Unbedenklich ist dagegen die Nutzung von Hanföl zum Dünsten und Dämpfen.

Kosmetikherstellung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hanföl wird in der Kosmetikindustrie bei der Herstellung verschiedenster Produkte wie Massageölen, Salben, Cremes, Seifen und Shampoos verwendet.[1]

In der Medizin[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der Medizin dient es zur Behandlung von Entzündungen der Ohren, der Nase und des Rachens[1] sowie speziell in der Dermatologie bei entzündlichen Hauterkrankungen.[12]

Als technisches Öl[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ein weiteres Einsatzgebiet findet Hanföl als technisches Öl in der Industrie. Hier dient es wegen seines hohen Gehalts an Triacylglycerinen als Rohstoff für die Erzeugung von Reinigungsmitteln. Durch verschiedene chemische Verfahren (Verseifung, Ethoxylierung und Sulfatierung) können aus Hanföl verschiedene Rohstoffe (u.a. Seifen, Emulgatoren, Lösungsmitteln, Pflegestoffe oder Tenside) für die Reinigungsindustrie erzeugt werden, welche den Vorteil haben, dass sie leicht biologisch abbaubar sind. Des Weiteren dient Hanföl wegen seiner hohen Gleitfähigkeit zur Produktion von Druckertinte, Farben und Lacken und kommt auch bei der Herstellung von Holzschutzmitteln, Schmiermitteln und Wachsmalstiften zum Einsatz. Speziell im Orient wird es bis heute als Lampenöl verwendet, weil es besonders hell brennt und in Verbindung mit ätherischem Hanföl den für Hanf typischen Geruch entwickelt.[13]

Als Biokraftstoff[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hanföl wird bis heute nicht zur Energiegewinnung genutzt. Obwohl es beispielsweise als Grundlage für pflanzenölbasierte Kraftstoffe (Biodiesel, Pflanzenöl-Kraftstoff) verwendet werden könnte, besteht aktuell weder der Bedarf noch die technische Reife, das als hochwertig eingestufte Hanföl für energetische Zwecke zu nutzen. In einer Studie von 2007 kamen die Autoren zum Ergebnis, dass sich Hanföl derzeit wegen – im Vergleich etwa zu Rapsöl – zu geringer Oxidationsstabilität sowie hohem Koksrückstand nicht zur Verwendung in für andere Pflanzenöle tauglichen Motoren eigne. Es bestehe die Gefahr technischer Probleme sowie der Verschlechterung des Emissionsverhaltens. Offen bleibe eine Optimierung des Herstellungsverfahrens oder der Zusatz von Additiven zur Verbesserung der Kraftstoffeigenschaften. Möglich sei aber die Nutzung als Zusatz zu anderen Pflanzenölen.[5]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Wiktionary: Hanföl – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Quellen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c d e f g h i j k l m Eintrag zu Hanföl. In: Römpp Online. Georg Thieme Verlag, abgerufen am 23. Juni 2013.
  2. a b Sabine Krist
  3. Cary Leizer, David Ribnicky, Alexander Poulev, Slavik Dushenkov, Ilya Raskin: The Composition of Hemp Seed Oil and Its Potential as an Important Source of Nutrition. In: Journal of Nutraceuticals, Functional & Medical Foods. Volume 2, Issue 4, 2000, doi:10.1300/J133v02n04_04, online (PDF; 784 kB), auf eiha.org, abgerufen am 2. Mai 2017.
  4. a b c d Bayerisches Staatsministerium für Landesentwicklung und Umwelfragen: Pflanzenölbetriebene Blockheizkraftwerke. Teil 1, 2002, S. 11, 18 online (PDF; 2,12 MB), lfu.bayern.de, abgerufen am 30. April 2017.
  5. a b c d e Peter Emberger, Rita Haas u. a.: Prüfung von Hanföl hinsichtlich seiner Eigenschaften als Kraftstoff für pflanzenöltaugliche Motoren. Technologie- und Förderzentrum (TFZ), 2007, online (PDF; 1,51 MB), auf nova-institut.de, abgerufen am 2. Mai 2017.
  6. Sibel Uluata, Nurhayat Özdemir: Antioxidant Activities and Oxidative Stabilities of Some Unconventional Oilseeds. In: J. Am. Oil Chem. Soc. 89(4), 2012, S. 551–559, doi:10.1007/s11746-011-1955-0.
  7. Ernest Small: Cannabis: A Complete Guide. CRC Press, 2017, ISBN 978-1-4987-6163-5.
  8. M. A. Rakusin: Die Untersuchung des Erdöles und seiner Produkte. Vieweg, 1906, Let Me Print 2013, ISBN 978-5-87762-073-5 (Reprint), S. 31, 152.
  9. FAO Statistk 2014.
  10. D. N. Prjanischnikow: Speƶieller Pflanƶenbau. Springer, 1930, ISBN 978-3-642-98310-8 (Reprint), S. 491.
  11. Sigrid Kerschbaum, Paul Schweiger: Veränderung von Hanföl während der Lagerung. Landesanstalt für Pflanzenbau Baden-Württemberg, 13. Februar 2001,@1@2Vorlage:Toter Link/www.ltz-bw.de Seite nicht mehr abrufbar; Suche in Webarchiven: (PDF; 101 kB).
  12. O. V. Grigoriev: Application of hempseed (Cannabis sativa L.) oil in the treatment of ear, nose and throat (ENT) disorders. In: J. Ind. Hemp. 7, 2002, S. 5–15, doi:10.1300/J237v07n02_02.
  13. Ivan Bócsa, Michael Karus, Daike Lohmeyer: Der Hanfanbau – Botanik, Sorten, Anbau und Ernte, Märkte und Produktlinien. Landwirtschaftsverlag, 2000, ISBN 3-7843-3066-5, S. 178-179.