Hans Buchheim

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Hans Buchheim (* 11. Januar 1922 in Freiberg; † 14. November 2016 in Mainz) war ein deutscher Historiker und Politikwissenschaftler. Seine Schwerpunkte waren die politische Theorie, die Ideengeschichte, die Zeitgeschichte und hier insbesondere die Geschichte des Dritten Reiches.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Herkunft und Familie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hans Buchheim wurde als Sohn des Historikers, Studienrates und späteren Universitätsprofessors Karl Buchheim geboren. Er war Vater des Wirtschaftshistorikers Christoph Buchheim († 2009) und des Philosophen Thomas Buchheim.

Schullaufbahn, Studienaufnahme und Kriegseinsatz[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Er besuchte in Freiberg das Gymnasium Albertinum bis zur Quinta und übersiedelte 1934 mit seinen Eltern nach Leipzig, wo er bis zum Abitur die Thomasschule besuchte. In den Jahren 1940 und 1941 studierte er an der Universität Leipzig drei Trimester lang Philosophie und Klassische Philologie. Im Herbst 1941 wurde er zur Wehrmacht eingezogen und nahm bis zu seiner Verwundung im Februar 1945 am Krieg an der Ostfront teil. Im Lazarett Bad Kissingen geriet er in amerikanische Gefangenschaft.

Erneutes Studium[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Von Januar 1946 an studierte er an der Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg Klassische Philologie, Alte Geschichte und Philosophie (bei Karl Jaspers und Hans-Georg Gadamer) sowie antikes Recht bei Wolfgang Kunkel. Im Dezember 1950 promovierte er bei Hans Schaefer mit der Dissertation Die Orientpolitik des Marcus Antonius und sein Verhältnis zu Octavian zum Dr. phil.

Akademische und berufliche Laufbahn[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Institut für Zeitgeschichte und Bundeskanzleramt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Historiker Hermann Mau holte ihn im Januar 1951 an das Institut für Zeitgeschichte in München, an dem er bis 1966 als wissenschaftlicher Mitarbeiter tätig war. Er arbeitete dort bis Herbst 1960 über die Herrschaftsorganisation des Hitlerregimes und die Geschichte von SS und Polizei. 1951 schrieb er eine Studie über die nationalsozialistische Religionspolitik und den frühen Kirchenkampf der Jahre 1933/34 unter dem Titel „Glaubenskrise im Dritten Reich“.[1] Seit 1953 war er als Gutachter tätig (unter anderem in Angelegenheiten der Wiedergutmachung) und wurde bei Prozessen gegen nationalsozialistische Gewaltverbrecher (zum Beispiel im Auschwitzprozess) gehört. In den 1960er Jahren befasste sich Buchheim vor allem mit der Theorie des Totalitarismus. Er veröffentlichte das Buch Totalitäre Herrschaft. Von 1963 bis 1966 beschäftigte er sich ausschließlich im Bundeskanzleramt mit Studien zum Thema „Die Politik der Bundesregierung unter der Kanzlerschaft von Dr. Konrad Adenauer“. Unter Bundeskanzler Kurt Georg Kiesinger war er Mitglied des Planungsstabes des Bundeskanzleramts.

Ordinarius für Politikwissenschaften in Mainz[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seit Herbst 1966 (ab 1990 als Emeritus) lehrte Buchheim als Ordinarius für Politikwissenschaft an der Universität Mainz. Dort baute er das Institut für Politikwissenschaft und den Fachbereich Sozialwissenschaften mit auf, dessen Dekan er zeitweilig war. In seiner theoretischen Arbeit befasste er sich mit Verfassungsfragen, politischer Ideengeschichte und der Theorie der Politik. Seine eigene theoretische Definition von Politik betrachtete diese als besonderen, eindeutig abgrenzbaren Teil menschlichen Zusammenlebens. So arbeitete er ein Konzept aus, das die Momente in menschlicher Interaktion identifiziert, die als politisch zu verstehen seien. Eine ganze Reihe von Einzelstudien, etwa zu Thukydides und Machiavelli, zu politischer Ethik und Macht, stellten seine Politiktheorie auf ein breites geistesgeschichtliches Fundament. Buchheim publizierte über das nationalsozialistische Herrschaftssystem, die Verfassungsprobleme und Regierungspraxis der Bundesrepublik, über Fragen der Deutschlandpolitik („Deutschlandpolitik 1949–1972“) und über zeitgenössische Theorien der Politik. „Er hat sich als kluger und streitbarer Freund des demokratischen Verfassungsstaates hervorgetan“ schrieb die Frankfurter Allgemeine Zeitung am 11. Januar 1992 zu Buchheims 70. Geburtstag.

Gesellschaftliches Engagement und parteipolitische Mitarbeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Neben dem akademischen Bereich engagierte Buchheim sich als stellvertretender Vorsitzender des Strukturausschusses zur Gründung der Universität Trier/Kaiserslautern (1969/1970), als Leiter des Kuratoriums der rheinland-pfälzischen Landeszentrale für politische Bildung sowie als Mitglied des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK). Dort war er von 1969 bis 1974 Vorsitzender des Beirates für politische Fragen und von 1975 bis 1996 Vorsitzender der Kommission „Politik, Verfassung, Recht“. Kontrovers diskutiert wurden 1971 die von der Kommission „Politik, Verfassung, Recht“ vorgelegten „Thesen gegen den Mißbrauch der Demokratie“.

Als Mitglied der CDU wirkte Buchheim, der sich als moderner Konservativer verstand, in verschiedenen Parteikommissionen mit, so in der ersten Grundsatzprogrammkommission der CDU.

Buchheim war zeitweise Vorstandsmitglied der Stiftung Bundeskanzler-Adenauer-Haus und war Mitglied des PEN-Zentrums Deutschland sowie des Stiftungskuratoriums der Fridtjof-Nansen-Akademie für politische Bildung im Weiterbildungszentrum Ingelheim.

Schriften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 1958: Das Dritte Reich. Grundlagen und politische Entwicklung.
  • 1961: Die nationalsozialistische Zeit im Geschichtsbewußtsein der Gegenwart.
  • 1963: Die Kritik aus Unlust.
  • 1965: Totalitäre Herrschaft.
  • 1965: Anatomie des SS-Staates.
  • 1966: Der deutsche Widerstand gegen Hitler. Vier historisch-kritische Studien. Hrsg. zus. mit Walter Schmitthenner
  • 1968: Aktuelle Krisenpunkte des deutschen Nationalbewußtseins.
  • 1968: Was heißt politisch denken?
  • 1975: Adenauers Sicherheitspolitik 1950–1951.
  • 1976: Die Richtlinienkompetenz unter der Kanzlerschaft Konrad Adenauers.
  • 1979: Probleme der Juridifizierung der Verfassung.
  • 1981: Theorie der Politik.
  • 1981: Aurelius Augustinus' Friedensbegriff als Konzept einer modernen Theorie des Friedens.
  • 1983: Die Ethik der Macht.
  • 1985: Deutschlandpolitik 1949 – 1972.
  • 1993: Beiträge zur Ontologie der Politik.
  • 1996: Zur Interpretation von Rousseaus „Du Contrat Social“.
  • 2013: Der neuzeitliche republikanische Staat

Preise und Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schüler[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Notizen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. publiziert bei Deutsche Verlagsanstalt, Stuttgart 1953.
  2. https://merkurist.de/mainz/campus/julia-kloeckner-ueber-ihr-studium-in-mainz_Hoc