Haus der Identitären Bewegung in Halle (Saale)

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Das Haus der Identitären Bewegung in Halle (Saale) ist ein Zentrum und Wohnprojekt der Identitären Bewegung in Halle an der Saale. Es dient außerdem als Abgeordnetenbüro des AfD-Landtagsabgeordneten Hans-Thomas Tillschneider.

Gründung und Zweck[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 6. Juni 2017 wurde das Hausprojekt offiziell auf den Seiten der Kampagne Ein Prozent für unser Land und der Zeitschrift Sezession angekündigt. Beide gehen auf den neurechten Verleger Götz Kubitschek zurück. Zunächst wurde auf einen Standort des Projektes im Bundesland Sachsen verwiesen. Dessen Ziel sei es, neben dem Institut für Staatspolitik (IfS) in Schnellroda und der Bibliothek des Konservatismus in Berlin einen weiteren Anlaufpunkt für die Neue Rechte zu schaffen. In dem Haus soll es neben einer Büroetage ein Filmstudio, einen Veranstaltungssaal und einen Konferenzraum geben. Für Renovierung, Sicherheitsmaßnahmen und die laufenden Kosten wurde in den Medien um Spenden geworben.[1]

Das Haus in der Adam-Kuckhoff-Straße 16, das laut LSA zusammen mit dem 404 m² großen Grundstück 330.000 Euro gekostet haben soll, gehört seit 1. Januar 2017 Helmut Englmann aus dem unterfränkischen Johannesberg in Bayern, Gründer der im hessischen Bad Nauheim angesiedelten Titurel-Stiftung. Diese fungiert als Förderinstrument des IfS. Andreas Lichert (AfD), der auch Vorsitzender des Vereins für Staatspolitik ist, wird als Ansprechpartner der Stiftung genannt.[1][2] Nach Recherchen der Welt in den Grundbuchakten ist Lichert in einem Kaufvertrag vom 14. April 2016 als Bevollmächtigter des Käufers aufgetreten. Andreas Lichert, der für die hessische AfD für den 19. Bundestag kandidierte, bestritt noch im August 2017, dass er das Haus in Sachsen-Anhalt zur Nutzung für die Identitäre Bewegung gekauft habe.„Die ‚Identitäre Bewegung‘ ist weder Mieter noch Betreiber der Immobilie“, sagte Lichert damals.[3]

Gegenüber dem Haus im Steintor-Viertel liegt der geisteswissenschaftliche Steintorcampus der Universität Halle-Wittenberg.[4][5] Als strategischer Kopf im Hintergrund gilt der Verleger Götz Kubitschek aus Schnellroda im Süden Sachsen-Anhalts.[2]

Nach Beobachtern aus Halle trat die Identitäre Bewegung in der Stadt erstmals 2015 öffentlich in Erscheinung, als Mitglieder Flyer vor der Marktkirche verteilten. Bundesweit provozierte die Gruppe Aufmerksamkeit, als sie zwei Tage vor der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt 2016 den Eingang zu einem Haus in Halle zumauerte, in dem eine Probeabstimmung für Migranten stattfand. Ziel des Bildungsangebotes war es, die Feinheiten des deutschen Wahlsystems besser zu vermitteln und für die Stimmabgabe zu werben. Ein anderes Wahllokal hätten sie mit Ketten versperrt, erklärte Kontrakultur Halle. Auf ihrer Facebook-Präsenz veröffentlichte die Gruppe ein Bild der Aktion und einen Pressespiegel mit Links zu Medien, die über die Provokation berichteten. Drei Monate nach der Aktion stellte die Staatsanwaltschaft Halle die Ermittlungen ein, da die Täter nicht hätten ermittelt werden können.[6][7]

Führender Kopf der Hallenser Gruppe ist der verurteilte Rechtsextremist Mario Müller. Er ist Gründer und Anführer der Gruppe „Kontrakultur Halle“.[8][9] „Kontrakultur“ ist laut Verfassungsschutz Sachsen-Anhalt eine regionale Gliederung der Identitären Bewegung, gründete sich aber, bevor die Identitäre Bewegung in Deutschland Fuß zu fassen begann. Kontrakultur wird wie die Identitäre Bewegung in Sachsen-Anhalt vom Verfassungsschutz beobachtet.[10] Müller ist Autor eines im Antaios Verlag von Götz Kubitschek erschienenen Buches mit dem Titel Kontrakultur und dem Logo der Identitären Bewegung auf dem Cover.[11] Der frühere NPD-Politiker Michael Schäfer wurde ebenfalls als Mitarbeiter der Ein-Prozent-Initiative im Hallenser Hausprojekt präsentiert.[12]

Im Frühjahr 2017 bezogen Mitglieder der Identitären Bewegung das Haus. Es dient als Zentrum der Aktivisten der Gruppe „Kontrakultur Halle“. Am Haus sind Überwachungskameras angebracht.[13][14]

Eine Werbeagentur und die 2015 gegründete Initiative „Ein Prozent“ nutzen Räume in dem Haus. „Ein Prozent“ ist eine von Hans-Thomas Tillschneider gestartete Kampagne, die sich als „rechte NGO“ versteht. Sie bewirbt und finanziert Aktionen gegen die Flüchtlingspolitik der Bundesregierung. Künftig soll auch ein Büro des Verlages von Kubitschek in das Hausprojekt verlegt werden.[13].

In sozialen Netzwerken kursierte im Juli 2017 ein Handzettel des Hauses an die Anwohner. Hierin stellt sich das IB-Zentrum als „patriotisches Hausprojekt“ mit Freizeitveranstaltungen und Buchabenden vor.[15] In dem Haus wurde nach Aussagen der Bewohner ein „Kulturabend“ zusammen mit den sachsen-anhaltinischen AfD-Landtagsabgeordneten Hagen Kohl, Jan Wenzel Schmidt und Hans-Thomas Tillschneider veranstaltet.[16]

Bedeutung für die Neuen Rechten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Raum Halle entwickelte sich laut Der Freitag in den letzten Jahren zu einem Drehkreuz der neurechten Bewegung. Mit der ideologischen Zurüstung des Instituts für Staatspolitik (IfS)[17][18], der Halle-Leobener Burschenschaft Germania (HLB)[19] und einer „beispiellos direktmandatstarken AfD“[20] sieht der Beitrag Die Taktik geht auf aus der Zeitschrift analyse & kritik Halle als Art „Modellregion“ für die formelle und informelle Zusammenarbeit zwischen verschiedenen Gruppen des neurechten Spektrums.[21]

Auch David Begrich von der Arbeitsstelle Rechtsextremismus[22] konzediert dem Hallenser Projekt einen „Modellcharakter“.[13]

Für die Identitäre Bewegung sei es laut Christoph D. Richter vom Deutschlandfunk derzeit das wichtigste Projekt im deutschsprachigen Raum.[13] Das Haus wolle „eine Art Hipster-Club für die rechte Tinder-Generation sein“.[13]

Reaktionen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nachbarn äußerten öffentlich ihren Unmut über das Hausprojekt. 120 Anwohner erklärten in einem offenen Brief, dass sie keine Nachbarschaft mit dessen Bewohnern wünschten. Sie schlossen sich zu einer Bürgerinitiative zusammen, die sich laut Deutschlandfunk ähnlich äußerte: „Wir wollen keine Rechtsextremen in unserer Nachbarschaft. Wer andere ausgrenzt, kann für sich keine gute Nachbarschaft beanspruchen.“[13][23]

Ein Sprecher der Stadt Halle sagte dem MDR, die Stadtverwaltung sehe die Aktivitäten der Identitären in Halle "nicht gern". Die IB habe sich "hervorggetan durch verschiedene Aktionen, die auch deutlich gemacht haben, dass sie an einem Zusammenleben aller Menschen in der Stadt kein Interesse haben."[24] 

Wiederholt kam es zu militanten Aktionen gegen das Zentrum der Identitären Bewegung. Das Haus wurde mehrfach mit Farbbeuteln beworfen und in einem Fall auch mit Buttersäure und Steinen.[25][23] Parkende Autos von Anwohnern wurden beschädigt und Müllcontainer in Brand gesteckt. Die Polizei Sachsen-Anhalt ermittelte wegen Landfriedensbruch und Sachbeschädigung.[26]

Bei mehreren Demonstrationen gegen das Haus als Zentrum der IB, nahmen bis zu 700 Menschen teil.[15]

Das Wohnprojekt der Identitären Bewegung beschäftigte auch den Datenschutzbeauftragten von Sachsen-Anhalt. Das Anbringen von drei Überwachungskameras ermöglicht den Bewohnern die Überwachung des öffentlichen Raumes. Dies unterliegt strengen Regeln. Die Polizei Sachsen-Anhalt fertigte nach eigenen Angaben deswegen eine Ordnungswidrigkeitsanzeige.[27]

Im November 2017 erfolgte eine Hausdurchsuchung durch die Polizei, wobei Speichermedien beschlagnahmt wurden. Die Maßnahme stand im Zusammenhang mit einem Vorfall im Juni 2017 in der Harz Mensa in Halle. In der Mensa war eine fünfköpfige Gruppe erschienen, die die Anwesenden beleidigte und bedroht hatte.[28][29]

Abgeordnetenbüro von Hans-Thomas Tillschneider[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Obwohl die Alternative für Deutschland einen Unvereinbarkeitsbeschluss gefasst hat, der jede Verbindung der Partei mit der Identitären Bewegung verbietet, hat der AfD-Landtagsabgeordnete Hans-Thomas Tillschneider sein Abgeordnetenbüro Anfang September 2017 im Hallenser Haus der Identitären Bewegung eröffnet.[30] Tillschneider selbst bestreitet, dass er mit seinem Einzug in das Haus gegen den Abgrenzungsbeschluss seiner Partei verstoße. Er sei Untermieter der „Ein Prozent“-Initiative, sagte er der Mitteldeutschen Zeitung (MZ). Er fühle sich dem Hausprojekt stark verbunden. „Wir brauchen, gerade auch in der Nähe zu den Universitäten, Begegnungsorte einer Gegenkultur zum linksversifften Mainstream.“ sagte er der MZ.[31]

AfD-Landesvorsitzender André Poggenburg sieht darin kein Problem und erklärt: „Ein Abgeordneter darf sich sein Büro suchen, wenn er denn ein Angebot bekommen hat. Das kann man schon voneinander trennen. Also man kann aber versuchen, es nicht voneinander trennen zu wollen. Aber man kann das schon voneinander trennen. Und Sie müssen davon ausgehen, vielleicht war eben die Bereitschaft des Hauseigentümers dort größer, als die Bereitschaft anderer, einem AfD-Abgeordneten dort ein Büro zu ermöglichen.“[13]

Götz Kubitschek und Hans-Thomas Tillschneider arbeiteten bei der online-Initiative „Ein Prozent“ zusammen.[32]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Kubitscheks Traum vom Nazikiez. Sachsen-Anhalt Rechtsaußen, 18. Juni 2017, abgerufen am 9. November 2017.
  2. a b Scheitel statt Irokesenschnitt: Ein rechtes Hausprojekt in Halle. In: Neues Deutschland, 20. Juni 2017.
  3. Volksstimme Magdeburg: Haus für Identitäre gekauft? Abgerufen am 14. November 2017.
  4. Jan Petter: In Halle wollen rechte Hipster ein Hausprojekt etablieren. Bento, abgerufen am 8. November 2017.
  5. mdr.de: Rechtes Hausprojekt in Halle geplant. MDR SPUTNIK, abgerufen am 8. November 2017.
  6. Identitäre Bewegung: Rechtsextreme Gruppe bekennt sich zu Mauerbau-Aktion. In: Die Zeit. 11. März 2016, ISSN 0044-2070 (zeit.de [abgerufen am 14. November 2017]).
  7. Frankfurter Allgemeine Zeitung GmbH: „Identitäre Bewegung“: Mauer vor Wahllokal – keine Konsequenzen. 8. Februar 2017, abgerufen am 14. November 2017.
  8. Nik Afanasjew: Rechte „Identitäre“ zeigen Präsenz: Das unheimliche Haus von Halle. In: Die Tageszeitung: taz. 1. November 2017, abgerufen am 8. November 2017.
  9. Kampf um den Campus - wie Rechtsextreme an der Uni Halle agitieren. In: Störungsmelder. 26. Oktober 2017, abgerufen am 8. November 2017.
  10. Landesamt für Verfassungsschutz Sachsen-Anhalt: Verfassungsschutzbericht 2016. 1. Auflage. Magdeburg 10. November 2017, S. 50 ff.
  11. Kontrakultur. Abgerufen am 8. November 2017.
  12. Christian Fuchs und Astrid Geisler: Heimliche Wahlhelfer der AfD. In: Die Zeit, 2. Oktober 2017.
  13. a b c d e f g Rechtes Hausprojekt in Halle - AfD und Identitäre unter einem Dach. Deutschlandfunk, abgerufen am 8. November 2017.
  14. Oliver Müller-Lorey: Identitäre Bewegung in Halle: Ärger über Kameraüberwachung von rechts. In: Mitteldeutsche Zeitung. Abgerufen am 8. November 2017.
  15. a b mdr.de: Protest gegen Rechtes Hausprojekt: Demo gegen Identitäre Bewegung in Halle | MDR.DE. (mdr.de [abgerufen am 13. November 2017]).
  16. Das identitäre Haus in Halle und wie die Stadt damit umgeht |. In: mdr.de. Abgerufen am 8. November 2017.
  17. https://www.bpb.de/politik/extremismus/rechtsextremismus/230002/es-geht-um-einfluss-auf-die-koepfe-das-institut-fuer-staatspolitik "Es geht um Einfluss auf die Köpfe" – Das Institut für Staatspolitik], bpb.de, 7. Juli 2016, abgerufen am 7. November 2017.
  18. Rechtsextremen nicht den Campus überlassen! - HalleSpektrum.de - Onlinemagazin aus Halle (Saale). HalleSpektrum.de - Onlinemagazin aus Halle (Saale), 6. Oktober 2017, abgerufen am 8. November 2017.
  19. Halle-Leobener Burschenschaft Germania, lsa-rechtsaussen.net, abgerufen am 7. November 2017
  20. Landtagswahl Sachsen-Anhalt: Alle verlieren Stimmen - nur nicht die AfD, mdr.de, 27. März 2017.
  21. Michael Barthel, Felix Peter, Clemens Wagner: Die Taktik geht auf. In: analyse & kritik. Ausgabe 626, S. 18. Online auf Neue Rechte - Zentrum der Neuen Rechten. Der Freitag, abgerufen am 8. November 2017.
  22. Magdeburg: David Begrich, Arbeitsstelle Rechtsextremismus bei Miteinander e.V. – Rechte Gewalt in Sachsen-Anhalt. Rechte Gewalt in Sachsen-Anhalt, abgerufen am 8. November 2017.
  23. a b Anja Förtsch: Angriff auf Identitäre Bewegung: Eskaliert die Lage im Viertel? In: Mitteldeutsche Zeitung. (mz-web.de [abgerufen am 14. November 2017]).
  24. mdr.de: Das identitäre Haus in Halle und wie die Stadt damit umgeht | MDR.DE. (mdr.de [abgerufen am 17. November 2017]).
  25. Identitären-Hausprojekt in Halle angegriffen. In: Neues Deutschland. Abgerufen am 9. November 2017.
  26. Haus der Identitären Bewegung angegriffen: Autos von Anwohnern werden beschädigt. In: Mitteldeutsche Zeitung. Abgerufen am 8. November 2017.
  27. ENDSTATION RECHTS.: „Patriotisches Hausprojekt“ in Halle: AfD-Tillschneider und Identitäre Bewegung gemeinsam unter einem Dach. Abgerufen am 8. November 2017.
  28. Jan Schumann: Identitäre Bewegung - Polizei durchsucht Schulungszentrum der Rechtsextremen, in: Mitteldeutsche Zeitung, 13. November 2017.
  29. Vorfall in Harz-Mensa: Haben Identitäre in Mensa Studenten bedroht? In: Mitteldeutsche Zeitung. (mz-web.de [abgerufen am 14. November 2017]).
  30. ENDSTATION RECHTS.: „Patriotisches Hausprojekt“ in Halle: AfD-Tillschneider und Identitäre Bewegung gemeinsam unter einem Dach. Abgerufen am 8. November 2017.
  31. AfD-Politiker eröffnet Büro: Darum steht rechtes Zentrum bald unter Polizeischutz. In: Mitteldeutsche Zeitung. (mz-web.de [abgerufen am 13. November 2017]).
  32. ENDSTATION RECHTS.: „Patriotisches Hausprojekt“ in Halle: AfD-Tillschneider und Identitäre Bewegung gemeinsam unter einem Dach | ENDSTATION RECHTS. Abgerufen am 11. November 2017.

Koordinaten: 51° 29′ 21″ N, 11° 58′ 21″ O