Hering (Otzberg)

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Hering
Gemeinde Otzberg
Wappen der früheren Gemeinde Hering
Koordinaten: 49° 49′ 10″ N, 8° 55′ 0″ O
Höhe: 326 m ü. NN
Fläche: 2,9 km²[1]
Einwohner: 925 (31. Dez. 2018)[2]
Bevölkerungsdichte: 319 Einwohner/km²
Eingemeindung: 31. Dezember 1971
Postleitzahl: 64853
Vorwahl: 06162
Karte
Lage von Hering in Otzberg
Der Otzberg mit Hering und der Veste Otzberg
Blick auf Hering, kath. Pfarrkirche
Ehemals freiadliges Haus und Hof am Münchberg des Propstes Graslog vom Kloster Höchst, später Burgmannenhaus der Gans von Otzberg. Am Eingang des Treppenturms ist das Allianzwappen der Gans von Otzberg mit den Herren von Bettendorff angebracht

Hering ist ein Ortsteil der Gemeinde Otzberg im südhessischen Landkreis Darmstadt-Dieburg und hat etwa 950 Einwohner.

Geologie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bis zur Eingemeindung war Hering die kleinste Stadt Hessens. Sie liegt auf etwa 300 bis 368 Meter Höhe am Otzberg, auf dem die gleichnamige Veste steht. Der Berg ist der übriggebliebene Basaltkegel eines erloschenen Vulkans, dessen Eruptionen einst die geologischen Voraussetzungen für die äußerst fruchtbare Umgebung schufen.

Der Ort Hering besteht aus der Altstadt, die aus der Burgmannensiedlung hervorgegangen ist und dem sich zur Landstraße nach Zipfen/Nauses hinziehenden neueren Ortsteil. Die Altstadt war ehemals ummauert und umschloss den in Serpentinen ansteigenden Weg zum Tor der Burg. Dort gibt es noch einige Burgmannenhöfe, aber auch dichtere Bebauungen. Die Vorstadt ist geprägt von landwirtschaftlich genutzten Höfen und Einfamilienhäusern. Insgesamt weist Hering ein dörfliches Ortsbild auf. Südlich des Luftkurortes wurden einige Ferienhäuser errichtet.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Geschichte Herings ist eng mit der Festung auf dem Berg, der Veste Otzberg verknüpft. Dies deutet schon der Name an: Hering lässt sich wohl auf Höhenring zurückführen. Ob dieser Name auf eine eventuelle germanische oder gar keltische Höhenfestung hinweist, lässt sich aufgrund der mangelnden Befunde nur vermuten. Durch den umgreifenden Umbau der Festung im 16. Jahrhundert sind nicht einmal Spuren der mittelalterlichen Burg, vom Bergfried abgesehen, nachzuweisen. Das Schicksal von Berg und Stadt wird somit erst durch Urkunden des Mittelalters greifbar.

Wahrscheinlich gelangte der Berg, wie die gesamte Region, mit dem regionalen Hauptort Groß-Umstadt schon im 8. Jahrhundert zunächst an das Bistum Würzburg, dann an die Abtei Fulda. Diese nutzte wohl schon den Otzberg als Stützpunkt zur Verwaltung ihrer Besitzungen in der Region. Im 12. Jahrhundert erhielten die Pfalzgrafen den Otzberg als Lehen. Spätestens damals begann der massive Ausbau der Burg. Im Bereich der nördlich an diese anschließenden Vorburg entstand eine Burgmannensiedlung, die Hering genannt wurde. In diesem Zusammenhang sollte erwähnt werden, dass man heute zwischen Otzberg als Name der Burg und des Berges und Hering als Name der Siedlung unterscheidet. Im mundartlichen Sprachgebrauch trifft man jedoch auch die Bezeichnung Hering für den Berg und die Burg an. Eine Urkunde aus dem Jahr 1332[3] nennt den zeitweiligen Verkauf der Burg durch die Pfalz an die Herren von Frankenstein, 1374 wurden Burg und Stadt an die Grafen von Hanau verpfändet. In der Zwischenzeit hatte die Burgmannensiedlung offenbar Stadtrechte erhalten. Die eigentliche Verleihung der Stadtrechte ist zwar nicht dokumentiert, aber das erstmals 1322 erwähnte Hering wird in vielen Urkunden als Stadt genannt: 1374 Heringes die stat, 1427 Herynges daz stetlin, 1524 Herings.[1]

Während des Landshuter Erbfolgekrieges (Bayrische Fehde) wurde die Burg 1504 von Hessen, 1522 von Bayern eingenommen. 1526 wurde sie vom Kaiser formal an Hessen übergeben, die Pfalz behielt die Burg jedoch bis nach dem Dreißigjährigen Krieg. 1647 wurde die Veste Otzberg vom französischen Marschall Turenne eingenommen. 1803 wurden Burg und Stadt formal und endgültig hessisch. Verwaltungsmäßig gehört Hering bis 1820 zum Amt Otzberg, das ab 1806 zur Provinz Starkenburg des Großherzogtums Hessen gehörte.

Die Statistisch-topographisch-historische Beschreibung des Großherzogthums Hessen berichtet 1829 über Hering:

»Hering (L. Bez. Dieburg) Stadt; liegt an der nördlichen Seite des Otzbergs, 3 St. von Dieburg und 114 St. von Umstadt. Hering hat 73 Häuser und 478 Einw., unter welchen sich 308 Reform., 153 Kath. und 17 Luth., so wie 23 Bauern, 21 Handwerker und 16 Taglöhner befinden. Die Kirche ist gemeinschaftlich; dagegen sind aber 2 Pfarrhäuser vorhanden. – Der Name wird von Höhering, weil hier der Wall oder Ring um die Höhe gewesen, abgeleitet. Hering war ein Lehen der Abtei Fulda, und wurde 1374 auf 9 Jahre an Hanau verpfändet, und 1390 vom Abt Friedrich an den Churfürsten Ruprecht den Aeltern verkauft. Zu dieser Zeit kommt der Ort schon als Städtchen vor. Im Jahr 1802 kam Hering von der Pfalz an Hessen.«[4]

In Meyers Konversationslexikon (1888) steht über Hering geschrieben:

»Hering, Stadt in der hess. Provinz Starkenburg, Kreis Dieburg, am Fuß des Otzbergs, auf dem ein festes Bergschloß steht (früher Staatsgefängnis, jetzt unbewohnt), mit (1885) 463 meist evang. Einwohnern.«[5]

Gebietsreform[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 31. Dezember 1971 schloss sich Hering im Zuge der Gebietsreform in Hessen freiwillig mit fünf weiteren bis dahin selbstständigen Gemeinden zur Gemeinde Otzberg zusammen.[6] Für die sechs ehemals eigenständigen Gemeinden wurden Ortsbezirke mit Ortsbeirat und Ortsvorsteher nach der Hessischen Gemeindeordnung gebildet.[7] Sitz der Gemeindeverwaltung wurde Lengfeld.

Territorialgeschichte und Verwaltung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die folgende Liste zeigt im Überblick die Territorien, in denen Hering lag, bzw. die Verwaltungseinheiten, denen es unterstand:[1][8][9]

Gerichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die zuständige Gerichtsbarkeit der ersten Instanz war:[1]

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hering: Einwohnerzahlen von 1633 bis 2018
Jahr  Einwohner
1633
  
82
1829
  
478
1834
  
460
1840
  
537
1846
  
567
1852
  
515
1858
  
505
1864
  
491
1871
  
483
1875
  
470
1885
  
458
1895
  
459
1905
  
460
1910
  
454
1925
  
473
1939
  
461
1946
  
565
1950
  
556
1956
  
536
1961
  
579
1967
  
665
1970
  
750
1980
  
?
1990
  
?
2000
  
?
2011
  
882
2012
  
888
2015
  
902
2018
  
925
Datenquelle: Histo­risches Ge­mein­de­ver­zeich­nis für Hessen: Die Be­völ­ke­rung der Ge­mei­nden 1834 bis 1967. Wies­baden: Hes­sisches Statis­tisches Lan­des­amt, 1968.
Weitere Quellen: [1]; Zensus 2011[10]; ab 2012: Website Otzberg (Webarchiv)[2]

Religionszugehörigkeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

• 1829: 17 lutheranische (= 3,55 %), 308 reformierte (= 64,44 %) und 153 katholische (= 32,01 %) Einwohner[4]
• 1961: 326 evangelische (= 56,30 %), 240 katholische (= 41,45 %) Einwohner[1]

Wappen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wappen von Hering

Das Wappen von Hering stammt aus dem 19. Jahrhundert. Der blaue Hering ist ein redendes Symbol. Die Eicheln verweisen auf die historische Zugehörigkeit der Stadt zum Wildbann Dreieich.[11]

Eine offizielle Flagge wurde nie genehmigt. Es gibt jedoch eine nichtamtliche Flagge, die auf grün-weiß-grünem Flaggentuch das Gemeindewappen zeigt.

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Musik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Herings bekanntester Musikact ist die Band H-Borrm (Heuboden), die auf Odenwälder Mundart das Leben in lustigen „Hausmacher Rock“ verpacken. Bekannte Lieder sind neben dem Hit Brunnebau, in dem in historische Klänge gewandet mit einem Augenzwinkern die Entstehungsgeschichte des Burgbrunnens der Veste Otzberg besungen wird, die Lieder Gisela, Buddekrehm, Rache oder auch Wer wor de Held.
  • Weiterhin wird die Burg vom Odenwälder Shanty-Chor besungen.

Bauwerke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Regelmäßige Veranstaltungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Naherholungsgebiete[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Waldspielplatz Hering, der im Volksmund aufgrund der dort aufgestellten hölzernen Spielgeräte und Schutzhütten, auch Indianerspielplatz genannt wird
  • Minigolfplatz am Fuße des Otzbergs
  • Gartenbahnanlage am Fuße des Otzbergs[15]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Otzberg – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c d e f Hering, Landkreis Darmstadt-Dieburg. Historisches Ortslexikon für Hessen. (Stand: 17. April 2018). In: Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen (LAGIS).
  2. a b Einwohnerzahlen. In: Webauftritt. Gemeinde Otzberg, archiviert vom Original; abgerufen im Juli 2019.
  3. Baur, Ludwig (Hrsg.): Hessische Urkunden aus dem großherzoglichen Hessischen Haus- und Staatsarchive, Band 1: Die Provinzen Starkenburg und Oberhessen von 1016 - 1399, 1860
  4. a b Georg W. Wagner: Statistisch-topographisch-historische Beschreibung des Großherzogthums Hessen: Provinz Starkenburg. Band 1. Carl Wilhelm Leske, Darmstadt Oktober 1829, S. 108 (Online bei Google Books).
  5. Hering. In: Meyers Konversationslexikon (1888)
  6. Gerstenmeier, K.-H. (1977): Hessen. Gemeinden und Landkreise nach der Gebietsreform. Eine Dokumentation. Melsungen. S. 238. DNB 770396321
  7. Hauptsatzung. (PDF; 334 kB) §; 6. In: Webauftritt. Gemeinde Otzberg, abgerufen im Juli 2019.
  8. Michael Rademacher: Deutsche Verwaltungsgeschichte von der Reichseinigung 1871 bis zur Wiedervereinigung 1990. Land Hessen. (Online-Material zur Dissertation, Osnabrück 2006).
  9. Grossherzogliche Centralstelle für die Landesstatistik (Hrsg.): Beiträge zur Statistik des Grossherzogthums Hessen. Band 1. Darmstadt 1866, S. 43 ff. (online bei Google Books).
  10. Ausgewählte Daten über Bevölkerung und Haushalte am 9. Mai 2011 in den hessischen Gemeinden und Gemeindeteilen. In: Zensus 2011. Hessisches Statistisches Landesamt;
  11. Wappen der Welt; Hering
  12. Darmstädter Echo, 8. September 2015, S. 18
  13. Darmstädter Echo, 9. September 2015, S. 21
  14. Darmstädter Echo, Donnerstag, 26. November 2015, S. 20
  15. Heringer Kleinbahn e.V. (Memento vom 9. Juli 2015 im Internet Archive)