Hohenthurm

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Hohenthurm
Stadt Landsberg
Wappen von Hohenthurm
Koordinaten: 51° 31′ 22″ N, 12° 5′ 48″ O
Höhe: 107 m
Fläche: 7,76 km²
Einwohner: 1707 (Okt. 2012)[1]
Bevölkerungsdichte: 220 Einwohner/km²
Eingemeindung: 1. September 2010
Postleitzahl: 06188
Vorwahl: 034602
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Lage von Hohenthurm in Landsberg

Hohenthurm ist eine Ortschaft der Stadt Landsberg im Saalekreis in Sachsen-Anhalt, Deutschland. Sie besteht aus den Ortsteilen Hohenthurm und Rosenfeld und gehörte bis zur Eingemeindung am 1. September 2010 der gleichzeitig aufgelösten Verwaltungsgemeinschaft Östlicher Saalkreis an.

Geografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hohenthurm liegt 8 km östlich von Halle (Saale).

Ortschaftsgliederung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Als Ortsteil von Hohenthurm ist Rosenfeld ausgewiesen.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der heute noch weithin sichtbare Bergfried entstand um 936 als Stützpunkt in der seit 929 angegliederten slawischen Ostmark. Dabei ist anzunehmen, dass bereits seit karolingischer Zeit das Land rechts der Saale, vielleicht teilweise bis zur Mulde, als Sorbische Mark, das bedeutet Grenzland, zum Reich gehörte. Im 12. Jahrhundert wurde der Turm erhöht und bildete zusammen mit weiteren Gebäuden eine Burg. Die Burg Hohenthurm gehörte später zur Mark Landsberg und war im Besitz von Ministerialen, die Burgleute von Landsberg waren. Der Thüringer Landgraf, Albrecht der Entartete, verpfändete die Herrschaft als Bestandteil der Markgrafschaft Landsberg an den askanischen Markgrafen Heinrich von Brandenburg, aus deren Händen sie wiederum als Pfand an Herzog Magnus von Braunschweig gelangte. Friedrich II., der Ernsthafte, Markgraf von Meißen, kaufte 1347 die Mark Landsberg für 8000 Schock Groschen zurück. Dabei wurde Hohenthurm dem Burgbezirk Reideburg zugeschlagen und blieb endgültig beim Erzstift Magdeburg. Hohenthurm stand unter der Herrschaft verschiedener adliger Familien und gehörte zum Saalkreis des Erzstifts Magdeburg. Die Burg Hohenthurm wurde, bis auf Turm und Kirche, 1547 im Schmalkaldischen Krieg zerstört.

Mit der Angliederung des Erzstifts Magdeburg an Preußen gehörte Hohenthurm ab 1680 zum brandenburg-preußischen Herzogtum Magdeburg.[2] Der Ort lag so dicht an der kursächsischen Grenze, dass die Schäferei des adligen Guts bereits im kursächsischen Gebiet lag. Der heutige Ortsteil Rosenfeld gehörte ebenfalls bereits zu Kursachsen und war dem Amt Delitzsch unterstellt.[3]

Mit dem Frieden von Tilsit wurde Hohenthurm im Jahr 1807 dem Königreich Westphalen angegliedert und dem Distrikt Halle im Departement der Saale zugeordnet. Es gehörte zum Halle-Land.[4] Nach der Niederlage Napoleons und dem Ende des Königreichs Westphalen befreiten die verbündeten Gegner Napoleons Anfang Oktober 1813 den Saalkreis. Bei der politischen Neuordnung nach dem Wiener Kongress 1815 wurde Hohenthurm im Jahr 1816 dem Regierungsbezirk Merseburg der preußischen Provinz Sachsen angeschlossen und dem Saalkreis zugeordnet.[5] Rosenfeld kam durch Abtretung des Königreichs Sachsen ebenfalls zum preußischen Saalkreis.

Am 30. September 1928 erfolgte die Zusammenlegung des Gutsbezirks Hohenturm mit den Landgemeinden Hohenthurm und Rosenfeld zur neuen Landgemeinde Hohenthurm.[6] Der Ort war bis 1945 Sitz der Familie der Grafen von Wuthenau.

Der Ort wurde am 1. September 2010 in die Stadt Landsberg eingemeindet.[7] Im Zuge der ersten Kreisreform in der DDR wurde Zwebendorf am 1. Juli 1950 dem neu zugeschnittenen Saalkreis zugeordnet und nach Hohenthurm eingemeindet. Die Umgliederung der beiden Orte nach Reußen erfolgte am 1. Oktober 1965.[8]

Die Lokomotiven der beiden am 29. Februar 1984 zusammengestoßenen Züge

Bei Hohenthurm kam es am 29. Februar 1984 zum Zusammenstoß eines Interzonenzuges (Transitzug) und eines Personenzuges der Deutschen Reichsbahn, nachdem der Lokomotivführer des Interzonenzuges drei "Halt" zeigende Signale überfahren hatte. 11 Menschen aus dem Personenzug starben, 76 wurden zum Teil schwer verletzt.[9]

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ortsbürgermeister[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ortsbürgermeister der Ortschaft Hohenthurm ist Alfons-Josef Wolff.

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Martin-Luther-Kirche und Bergfried

Bauwerke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gedenkstätten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ansässige Unternehmen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Alpha Signs GmbH, europaweit agierendes Unternehmen für Lichtwerbung
  • Doosan Babcock Energy Germany (ehemals DH Dampfkessel- und Behälterbau Hohenthurm)
  • Deutsche Post AG, Briefzentrum, An der Spitze 1, 06188 Halle-Hohenthurm
  • BBH Borchert Bausanierung Hohenthurm, Altbausanierung und allgemeiner Hochbau
  • Autohaus Günter Heymer, Droyßiger Weg 56

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hohenthurm liegt an der Bahnstrecke Berlin–Halle und verfügt somit über günstige Verbindungen in die naheliegende Großstadt Halle (Saale).

Außerdem liegt Hohenthurm an der Bundesstraße 100, welche von Halle Richtung Bitterfeld führt. Über die Bundesstraße besteht Zufahrt zu Anschlussstellen der A 9 (München - Berlin) und A 14 (Nossen - Magdeburg).

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Hohenthurm – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Die Ortschaft Hohenthurm, abgerufen am 25. Juni 2016
  2. Erwähnung des Orts im Buch "Geographie für alle Stände", S.130
  3. Karlheinz Blaschke, Uwe Ulrich Jäschke: Kursächsischer Ämteratlas. Leipzig 2009, ISBN 978-3-937386-14-0; S. 56 f.
  4. Beschreibung des Saale-Departements
  5. Der Saalkreis im Gemeindeverzeichnis 1900
  6. Hohenthurm auf gov.genealogy.net
  7. StBA: Änderungen bei den Gemeinden Deutschlands, siehe 2010
  8. Zwebendorf auf gov.genealogy.net
  9. Zugunglück in Hohenthurm bei Halle. In: mdr.de. Mitteldeutscher Rundfunk, 18. Februar 2014, archiviert vom Original am 23. Februar 2015; abgerufen am 23. Februar 2015. i Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.mdr.de