I puritani

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Werkdaten
Titel: Die Puritaner
Originaltitel: I puritani
Luigi Lablache und Giulia Grisi im King’s Theatre, London 1835

Luigi Lablache und Giulia Grisi im King’s Theatre, London 1835

Form: Opera seria in drei Akten
Originalsprache: Italienisch
Musik: Vincenzo Bellini
Libretto: Carlo Pepoli
Literarische Vorlage: Têtes rondes et cavaliers von Jacques-François Ancelot und Xavier-Boniface Saintine.
Uraufführung: 24. Januar 1835
Ort der Uraufführung: Théâtre-Italien, Paris
Spieldauer: ca. 3 Stunden
Ort und Zeit der Handlung: Die Oper spielt zur Zeit Oliver Cromwells in der Nähe von Plymouth, England
Personen
  • Lord Gualtiero Valton, Generalgouverneur, Puritaner (Bass)
  • Sir Giorgio, Oberst im Ruhestand, sein Bruder, Puritaner (Bass)
  • Lord Arturo Talbo, Kavalier, Parteigänger der Stuarts (Tenor)
  • Sir Riccardo Forth, Oberst, Puritaner Bariton
  • Sir Bruno Roberton, Offizier, Puritaner (Tenor)
  • Enrichetta di Francia, eigentlich Königin Henrietta Maria von Frankreich, Witwe Karls I., unter dem Namen Dama di Villa Forte (Sopran)
  • Elvira, Tochter Lord Valtons (Sopran)
  • Soldaten Cromwells, Herolde und Soldaten von Lord Arturo und Valton, Puritaner, Besatzung der Festung, Damen, Pagen, Diener (Chor, Statisten)

I puritani (auch I puritani di Scozia; Die Puritaner oder Die Puritaner von Schottland) ist eine Opera seria von Vincenzo Bellini. Sie wurde am 24. Januar 1835 im Théâtre-Italien in Paris uraufgeführt.

Handlung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Handlung spielt bei Plymouth während des englischen Bürgerkrieges. Der puritanische Heerführer Oliver Cromwell hat die Streitkräfte der Königstreuen 1644 entscheidend geschlagen und den Monarchen Charles I. entmachtet. Als dessen Anhänger, die „Cavaliers“, sich 1648 erneut erheben, wird der König gefangengesetzt und ein Jahr später hingerichtet.

Erster Akt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der königstreue Arturo und die Puritanertochter Elvira lieben einander. Auch Riccardo liebt Elvira. Als jedoch Arturo kurz vor der Hochzeit auf Enrichetta, die Witwe des hingerichteten Stuartkönigs trifft, ist er entschlossen, sie zu retten. Riccardo wird davon Zeuge. Elvira deutet Arturos Verschwinden als Treuebruch und verliert den Verstand.

Zweiter Akt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Arturo wird in Abwesenheit zum Tode verurteilt. Elvira will sterben und irrt halb wahnsinnig durch die Puritanerfestung. Sir Giorgio kann Riccardo überreden, nach dem Kampf für die Begnadigung seines Rivalen einzutreten, um so Elvira zu retten.

Dritter Akt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Arturo kehrt zurück und überzeugt Elvira von seiner Treue, woraufhin diese wieder zu Verstand kommt. Arturo wird festgenommen und sieht keine Hoffnung mehr. Riccardo jedoch bringt das Begnadigungsurteil. Allgemeine Freude.

Gestaltung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Instrumentation[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Orchesterbesetzung der Oper enthält die folgenden Instrumente:[1]

Musiknummern[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Erster Akt

  • Nr. 1. Introduktion: All’erta
  • Nr. 2. Rezitativ und Arie: Ah! Per sempre io ti perdei (Riccardo)
  • Nr. 3. Szene und Duett: Sai com’arde in petto mio (Elvira, Giorgio)
  • Nr. 4. Chor und Quartett: A te, o cara (Arturo, Elvira, Giorgio, Valton)
  • Nr. 5. Finale I: Il rito augusto si compia senza me

Zweiter Akt

  • Nr. 6. Introduktion und Romanze: Cinta di fiori (Giorgio)
  • Nr. 7. Szene und Arie: Qui la voce sua soave (Elvira)
  • Nr. 8. Duett – Finale II: Il rival salvar tu dêi (Giorgio, Riccardo)

Dritter Akt

  • Nr. 9. Sturm, Romanze und Duett (Arturo, Elvira)
  • Nr. 10. Finale III: Ancora s’ascolta questo suon molesto (alle)

Diskografie (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Werkgeschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Entstehung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach dem Misserfolg der Oper Beatrice di Tenda (1833) hatte sich Bellini mit seinem langjährigen Librettisten Felice Romani zerstritten. In Paris lernte Bellini den liberalen Dichter Carlo Pepoli kennen, der den Auftrag zur Erstellung des Textes zur neuen Oper erhielt. Grundlage des Librettos ist das historische Drama Têtes rondes et cavaliers (1833) von Jacques-François Ancelot und Xavier-Boniface Saintine. Der ursprüngliche Titel der Opernadaption I puritani di Scozia lehnt sich an eine Übersetzung von Walter Scotts Roman Old Mortality (1816) an, mit der die Oper inhaltlich allerdings nichts zu tun hat (die Oper spielt nicht in Schottland); man wollte sich lediglich an die damals grassierende Walter-Scott-Mode anhängen.[2] Pepoli verfügte allerdings nicht über die nötige Bühnenerfahrung, so dass sich Bellini immer wieder gezwungen sah, selbst in die Abfassung des Librettos einzugreifen; auch Gioachino Rossini soll sich mit korrigierenden Hinweisen an dieser Arbeit beteiligt haben. Im Zuge der schwierigen Textarbeiten und der Auseinandersetzungen mit Pepoli kam es zu Bellinis berüchtigtem Spruch, dass ein gutes Libretto eines sei, das keinen rechten Sinn habe.[2] Das Libretto von I puritani, in dem die englische Revolution nur den Hintergrund für eine konventionelle Liebesgeschichte bildet, scheint dieses Diktum untermauern zu wollen und gilt denn auch als missglückt:

„Die wenig plausible Geschichte von I Puritani ist kaum ernstzunehmen; es mangelt ihr an Glaubwürdigkeit, und das schwache Handlungsgerüst strotzt von wirkungslosen Motiven. […] Was dieses staubige und wunderliche Werk dennoch bemerkenswert macht, sind die isolierten Äußerungen von Emotion durch die Hauptfiguren, großartig gezeichnet in der melodischen Zaubersprache von Bellini. Obwohl I Puritani nichts Bedeutendes auf die Bühne bringt, gehört diese Oper zum Raffiniertesten, was das Theater je hervorgebracht hat.“[2]

Von I puritani gibt es zwei Fassungen: Zeitgleich mit den Arbeiten an der in Paris uraufgeführten und heute allgemein verbreiteten erstellte Bellini noch eine weitere Fassung für Neapel, die er sogar früher fertigstellte. Diese Version weist einige Unterschiede auf: Die Rolle der Elvira sollte hier mit Maria Malibran ein Mezzosopran übernehmen; für Riccardo (in Paris Bariton) war hingegen ein Tenor vorgesehen. Das berühmte Duett Riccardo-Giorgio („Suoni la tromba“) aus dem zweiten Akt fehlt in dieser Fassung; Bellini schrieb es erst nach Abschluss der neapolitanischen Fassung für die Pariser Uraufführung. Dagegen enthält die Neapolitaner Fassung einige Teile, die Bellini in der Pariser Fassung streichen sollte, so ein Terzett im Finale I, ein Rezitativ im zweiten Akt und die Cabaletta im Finale III. Die Aufführung in Neapel kam letztlich jedoch nicht zustande. Diese Fassung wurde erst 1985 in London konzertant uraufgeführt; eine szenische Uraufführung folgte am 1. April 1986 in Bari.[1]

Rezeption[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Joan Sutherland und Luciano Pavarotti in I puritani, 1976

Die Uraufführung in Paris am 24. Januar 1835 wurde zum letzten Triumph Bellinis, wozu auch die damals „unüberbietbare Besetzung“[1] mit Grisi, Rubini, Tamburini und Lablache ihren Beitrag leistete. Die italienische Erstaufführung fand 1835 an der Mailänder Scala statt, in den folgenden Jahren wurde das Werk an nahezu allen Opernbühnen des Landes gegeben. Schon 1835 erfolgte die deutsche Erstaufführung in Berlin, 1840 wurden die Puritaner erstmals in München gespielt. Weitere Meilensteine waren 1847 London und 1883 New York. „Seit dem späten 19. Jahrhundert galten die Puritani als Monument einer vergangenen Epoche der Operngeschichte, als vokales Schaustück für Sopran- und Tenorstars.“[1] Wie bei vielen Opern des Belcantos schlug sich diese Auffassung in der Besetzungspraxis nieder: Elvira wurde als Koloratursopran besetzt, Arturo, dessen Partie das dreigestrichene F erfordert, „verkam zum Prüfstein für die Bewältigung tenoraler Spitzentöne“.[1]

Die Rückbesinnung auf die ursprünglichen Intentionen erfolgte erst Mitte des 20. Jahrhunderts, als – wie in einer Reihe ähnlicher Fälle – Maria Callas „Virtuosität mit dramatischem Ausdruck verband“[1]. Callas sang die Elvira insgesamt nur 17 Mal auf der Bühne, erstmals 1949 in Venedig, 1952 in Florenz, Rom und Mexico (Live-Mitschnitt erhalten) und schließlich 1955 in Chicago; 1953 sang sie die Partie im Studio. Diese Interpretationen waren „von kaum zu überschätzender Bedeutung für die künftige Aufführungsgeschichte dieser Oper als auch für die Rezeption der Belcantooper überhaupt.“[1] Insbesondere Joan Sutherland führte diese Tradition in den 70er Jahren fort.

Damit kehrte die Oper, die seit Anfang des 20. Jahrhunderts an den Opernhäusern selten geworden war, ohne dass sie ganz verschwunden gewesen wäre, auch wieder in die Repertoires zurück. Neuerdings werden I puritani sogar recht häufig inszeniert, so in letzter Zeit zum Beispiel 1999 in München mit Edita Gruberová, 2006 in New York mit Anna Netrebko[3], 2010 in Genf mit Diana Damrau[4] oder 2016 in Zürich mit Pretty Yende als Elvira[5]. Mittlerweile sind die Puritaner sogar in den Spielplänen kleinerer Bühnen zu finden, so etwa 2010 am Landestheater Niederbayern oder 2011 in Essen.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Friedrich Lippmann: I puritani. In: Pipers Enzyklopädie des Musiktheaters. Band 1: Werke. Abbatini – Donizetti. Piper, München / Zürich 1986, ISBN 3-492-02411-4, S. 257–260.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: I puritani – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c d e f g Friedrich Lippmann: I puritani. In: Pipers Enzyklopädie des Musiktheaters. Band 1: Werke. Abbatini – Donizetti. Piper, München / Zürich 1986, ISBN 3-492-02411-4, S. 257–260.
  2. a b c Niel Rishoi: I Puritani: Bellini und der Belcanto. In: Beiheft zur CD, 1994, S. 17.
  3. Anthony Tommasini: At the Met, a Soprano Makes Her Presence Known. In: New York Times. 29. Dezember 2006.
  4. Thomas Schacher: Der Feind im Innern. In: Neue Zürcher Zeitung. 3. Februar 2011.
  5. Thomas Schacher: Politthriller oder Eifersuchtsdrama? In: Neue Zürcher Zeitung. 20. Juni 2016.