Ich bin dein Mensch

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Film
OriginaltitelIch bin dein Mensch
Produktionsland Deutschland
Originalsprache Deutsch
Erscheinungsjahr 2021
Länge 104 Minuten
Stab
Regie Maria Schrader
Drehbuch Jan Schomburg,
Maria Schrader
Produktion Lisa Blumenberg
Musik Tobias Wagner
Kamera Benedict Neuenfels
Schnitt Hansjörg Weißbrich
Besetzung

Ich bin dein Mensch (internationaler Titel: I’m Your Man) ist ein deutscher Spielfilm von Maria Schrader aus dem Jahr 2021. Die melancholische Komödie handelt von der Begegnung zwischen einer Frau (dargestellt von Maren Eggert) und einem humanoiden Roboter (Dan Stevens).

Der Film wurde im März 2021 im Wettbewerb der 71. Internationalen Filmfestspiele Berlin uraufgeführt und die Hauptdarstellerin Maren Eggert wurde mit dem Silbernen Bären für die Beste darstellerische Leistung ausgezeichnet.[1]

Der Film soll am 17. Juni 2021 im Majestic Filmverleih in den deutschen Kinos starten.

Handlung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Berlin, in naher Zukunft: Die Wissenschaftlerin Alma arbeitet am Pergamonmuseum. Sie lässt sich zur Teilnahme an einer außergewöhnlichen Studie überreden, um so an Forschungsgelder für ihre Arbeit zu sumerischen Keilschriften zu gelangen. Alma soll drei Wochen lang mit dem humanoiden Roboter Tom vom Unternehmen Terrareca zusammenleben. Mit seiner künstlichen Intelligenz (KI) wird er ganz auf ihren Charakter und ihre Bedürfnisse programmiert. Tom soll für Alma den perfekten Lebenspartner verkörpern. Ihr bisheriges Leben besteht hauptsächlich aus wissenschaftlicher Forschung und der regelmäßigen Versorgung ihres demenzkranken Vaters, die sie sich mit ihrer Schwester teilt.

Nachdem das erste Kennenlernen noch von einem technischen Problem überschattet war, nimmt Alma einige Tage später den reparierten Tom, mit einem englischen Akzent versehen, mit nach Hause. Seine unnatürliche Fröhlichkeit und Zuvorkommenheit, detaillierten Tipps und merkwürdigen Phrasen irritieren sie und stoßen sie gleichzeitig von ihm ab. Auch Toms ungefragtes Aufräumen ihrer Wohnung und seine Versuche, romantische Momente zu kreieren, helfen nicht weiter. Nach kurzer Zeit macht sie ihm klar, dass sie an einer Beziehung nicht interessiert ist und nur ihre Aufgabe als Produkttesterin wahrnimmt.

Toms KI beginnt sich mit der Zeit besser an Alma anzupassen. Er versucht nicht mehr, ihr unentwegt zu gefallen. Auch verweigert er der alkoholisierten und enttäuschten Alma den Sex, nachdem er durch eine ähnliche Studie aus Südamerika aufgedeckt hat, dass ihre jahrelange Forschungsarbeit umsonst war. Bei einem Ausflug auf dem Land kommen sie einander näher und beginnen, wie vom Anbieter vorgeschlagen, eine gemeinsame Vergangenheit zu erfinden. Getrübt wird das kurze Glück durch eine Begegnung mit ihrem Ex-Freund Julian, dessen neue Lebensgefährtin schwanger ist. Alma selbst hatte in der Beziehung zu ihm ein Baby verloren und fühlt sich durch die neue Situation zurückgesetzt. Nach einer Meinungsverschiedenheit darüber mit Tom flüchtet sie ins nächtliche Pergamonmuseum, wo er sie nach langer Suche wiederfindet.

Nach der ersten gemeinsamen Nacht stellt Alma die Sinnhaftigkeit der Liebe zu Tom in Frage und bittet ihn zu gehen. Als sie kurz darauf ihre Meinung ändern will, ist er verschwunden. Alma formuliert nach dem abgebrochenen Test ein Gutachten, in dem sie sich gegen humanoide Ehepartner ausspricht. Durch Zufall findet sie heraus, dass Tom niemals zu Terrareca zurückgekehrt ist. Sie spürt ihn schließlich im dänischen Kongsmark auf, wo er auf sie gewartet hat. Dort hatte Alma während eines Urlaubs ihre erste Jugendliebe erlebt, die unerfüllt geblieben war.

Hintergrund[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Für Maria Schrader ist Ich bin dein Mensch der dritte Spielfilm als alleinverantwortliche Regisseurin. Das Drehbuch, basierend auf Motiven der gleichnamigen Kurzgeschichte von Emma Braslavsky, schrieb sie gemeinsam mit Jan Schomburg. Die Produktion wird beschrieben als „melancholische Komödie um die Fragen der Liebe, der Sehnsucht und was den Menschen zum Menschen macht“.[2]

Die Dreharbeiten fanden unter der COVID-19-Pandemie angepassten Bedingungen in Berlin und Dänemark statt und gingen Anfang September 2020 zu Ende. Die Produktion wurde ursprünglich vom SWR initiiert, dabei regten Fernsehfilmredaktionen Schriftsteller dazu an, Kurzgeschichten über die Welt von morgen zu verfassen. Eine daraus resultierende Anthologie war bereits 2019 unter dem Titel 2029 – Geschichten von morgen im Suhrkamp Verlag erschienen.[3]

Der Film wurde von der Letterbox Filmproduktion produziert. Den Weltvertrieb für Ich bin dein Mensch übernahm Beta Cinema.[2]

Rezeption[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Screen Daily bezeichnet in ihrer Berlinale Review den Film als „immens angenehm, faszinierend und komplex“[4].

In The Telegraph wird Maria Schraders drittes Regiewerk als „sensationell witzig und als angenehme Science-Fiction“[5] bezeichnet. Awardswatch räumt ein, dass der Film gewisse Parallelen zu großen Vorbildern wie Kubricks oder Spielbergs Filmen, wie auch Spike Jonzes Her oder Black Mirror aufzeigt, allerdings sei es „die neugierige Darstellung romantischer Dynamiken und die feinfühlige Erkundung von Weiblichkeit, Männlichkeit und Sexualität, die I’m Your Man auszeichnet.“[6]

„Mit verschmitztem Humor und nicht wenig Schmerz fragt I’m Your Man, ob wir wirklich wollen, dass unsere Fantasien wahr werden, und was passiert, wenn wir uns verlieben“ – so der Hollywood Reporter und fügt an es handelt sich bei dem Werk um eine ergreifende, aussagekräftige Komödie über die Liebe.[7]

Für Anna Smith von der Deadline wird folgende zentrale Frage in Ich bin dein Mensch gestellt: „Wenn das Glück erreicht wird, spielt es eine Rolle wenn seine Quelle künstlich ist?“ Das filmische Ergebnis bezeichnet sie dann als „genauso anregend wie lustig.“[8]

Im internationalen Kritikenspiegel der britischen Fachzeitschrift Screen International belegte Ich bin dein Mensch mit zwei von vier möglichen Sternen einen vorletzten Platz unter allen 15 Berlinale-Wettbewerbsfilmen. Die Rangliste führte der japanische Spielfilm Gūzen to sōzō und die deutsche Dokumentation Herr Bachmann und seine Klasse mit je 3,3 Sternen an.[9]

Die deutschen Medien waren sehr angetan: Sabine Schultze sagte in ihrem Beitrag im heute journal: „Es ist ein Gedankenspiel, das mit Witz und Charme von allzu menschlichem erzählt. Raffiniert hinterfragt dieser Film unsere ganz realen Beziehungsmuster, hält uns Menschen den Spiegel vor. Ein Kunstgriff, der den Spieß einmal umdreht und den Mann zum Objekt macht, ganz auf weibliche Bedürfnisse eingestellt.“[10]

Kathleen Hildebrandt schrieb in der Süddeutschen Zeitung: „Der Film ist wie ein gelungener Flirt, keine Szene, keine Geste ist ohne Bedeutung, und ständig gibt es etwas zu lachen, auch wenn die beiden lange Zeit gar nicht miteinander harmonieren wollen – oder natürlich genau deshalb. Am Ende steht eine melancholische Erkenntnis über die Liebe, die Alma intellektuell mit allen Mitteln abzuwehren versucht.“[11]

Hannah Pilarczyk schrieb auf Spiegel Online: „Nach einer Erzählung von Emma Braslavsky spürt Maria Schrader in ihrer dritten Kinoarbeit »Ich bin dein Mensch« nach, ob Liebe und Algorithmen wirklich zusammengehen oder wir uns lediglich eine Version unseres Selbst zusammenrechnen lassen, vor der uns insgeheim graut. Mit unangestrengter Präzision navigiert sich Schrader durch ein Motivfeld, das sowohl durch romantische Komödien als auch Science-Fiction-Filme schon kleinteilig abgesteckt ist, und findet einen Weg, von Mensch und Maschine als herzerweichendem odd couple zu erzählen. […] die feinen Dialoge (Drehbuch: Schrader und Jan Schomburg) und das tolle Ensemble, angeführt von Dan Stevens und Maren Eggert, dürften die Träume von 74 Prozent aller Kinogänger*innen erfüllen.“[12]

Tim Caspar Boehme schrieb in der taz: „Ein abgründig witziger Kommentar zum heutigen Leben inmitten von Algorithmen.“[13]

Cornelia Geißler schreibt in der Berliner Zeitung: "Was ist das für eine Berlinale! Der Wettbewerb startet mit drei Berlin-Filmen und die Berliner müssen abwarten, sie zu sehen. Im Falle von Maria Schraders „Ich bin dein Mensch“ ist das besonders bedauerlich, weil der Film auf vielerlei Weise aktuell ist. […] „Ich bin dein Mensch“ ist ein Film zum Lachen und zum Weinen, er verblüfft mit unerwarteten Wendungen, bringt Gedanken ins Kreisen und lässt die Bilder im Kopf lange stehen. Ein Bärenkandidat."[14]

Peter Zander schreibt in der Berliner Morgenpost: „Eine wunderschön andere, luftige und doch ergreifende Liebesgeschichte, die dennoch voll tiefer Wahrheiten steckt. Und voller hübscher kleiner Ideen. Wie die etwa, dass auch Roboter schnarchen. Weil sie das menschlicher macht.“[15]

Trades[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Herauszuheben ist der überaus erfolgreiche Verkauf des Films in weite Teile der Welt. Schon kurz nach der Berlinale gab der Weltvertrieb Beta Cinema bekannt, dass der Film in folgende Länder verkauft sei:

  • Frankreich
  • Italien
  • Spanien
  • Portugal
  • Lateinamerika
  • Skandinavien
  • Schweiz
  • CIS and Baltics
  • Polen
  • Ungarn
  • Tschechien & Slowakei
  • former Yugoslavia
  • Türkei
  • Israel
  • Griechenland
  • Taiwan
  • Korea
  • Hong Kong

Beta Cinema befindet sich derzeit in finalen Verhandlungsgesprächen mit Kino-Verleihern in den USA, Japan, China und dem Vereinigten Königreich.[16]

Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mit Ich bin dein Mensch konkurrierte Maria Schrader erstmals um den Goldenen Bären, den Hauptpreis der Berlinale.[17] Hauptdarstellerin Maren Eggert wurde dort für ihre Leistung mit einem Silbernen Bären geehrt.[18]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Emma Braslavsky: Ich bin dein Mensch. In: Stefan Brandt (Hrsg.): 2029 – Geschichten von morgen. Berlin : Suhrkamp, 2019. – ISBN 978-3-518-47029-9. S. 17–86.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Berlinale 2021: Bärengewinner*innen des Wettbewerbs stehen fest . In: berlinale.de, 5. März 2021 (abgerufen am 5. März 2021).
  2. a b Ich bin dein Mensch. In: letterbox-filmproduktion.de (abgerufen am 11. Februar 2021).
  3. Maren Eggert und Dan Stevens in RomCom der Zukunft. In: swr.de, 9. September 2020 (abgerufen am 11. Februar 2021).
  4. Wendy Ide2021-03-01T18:00:00+00:00: ‘I’m Your Man’: Berlin Review. Abgerufen am 16. März 2021 (englisch).
  5. Robbie Collin: I’m Your Man, review: is an android Dan Stevens your perfect man? In: The Telegraph. 4. März 2021, ISSN 0307-1235 (telegraph.co.uk [abgerufen am 16. März 2021]).
  6. Berlin Review: Dan Stevens is a perfectly dreamy robot in Maria Schrader’s delightful sci-fi romance of ‘I’m Your Man’. In: AwardsWatch. 3. März 2021, abgerufen am 16. März 2021 (amerikanisches Englisch).
  7. ‘I’m Your Man’: Film Review | Berlin 2021. 4. März 2021, abgerufen am 16. März 2021 (englisch).
  8. Anna Smith, Anna Smith: Berlin Review: Anna Smith On ‘I’m Your Man’ – Int’l Critics Line. In: Deadline. 1. März 2021, abgerufen am 16. März 2021 (amerikanisches Englisch).
  9. Ben Dalton: ‘Wheel Of Fortune And Fantasy’ takes joint lead on Screen’s Berlin jury grid. In: screendaily.com, 5. März 2021 (abgerufen am 5. März 2021).
  10. [1]. In: heute journal, 1. März 2021 (abgerufen am 6. März 2021).
  11. Sogar lustig. In: www.sueddeutsche.de, 1. März 2021 (abgerufen am 6. März 2021).
  12. Die Lebenslügen eines Schauspielers. In: www.spiegel.de, 2. März 2021 (abgerufen am 6. März 2021).
  13. Liebe ist Sache der Algorithmen. In: www.taz.de, 2. März 2021 (abgerufen am 6. März 2021).
  14. Maria Schraders Film „Ich bin dein Mensch“ zeigt die Liebe mit einem Roboter. In: www.berlinerzeitung.de, 1. März 2021 (abgerufen am 6. März 2021).
  15. Auch Roboter wollen schnarchen. In: www.morgenpost.de, 1. März 2021 (abgerufen am 6. März 2021).
  16. Berlin Competition Titles I’M YOUR MAN and NEXT DOOR sell globally for Beta Cinema. Abgerufen am 16. März 2021.
  17. Wettbewerb – Neugestaltung filmischer Formen. In: berlinale.de, 11. Februar 2021 (abgerufen am 11. Februar 2021).
  18. Berlinale 2021: Bärengewinner*innen des Wettbewerbs stehen fest . In: berlinale.de, 5. März 2021 (abgerufen am 5. März 2021).