Emma Braslavsky

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Emma Braslavsky stellt auf dem Erlanger Poetenfest 2016 ihren Roman "Leben ist keine Art, mit einem Tier umzugehen" vor.

Emma Braslavsky (* 1971 in Erfurt) ist eine deutsche Autorin und Kuratorin. Als Erzählerin wurde sie mit ihrem mehrfach ausgezeichneten tragikomischen Debütroman Aus dem Sinn (2007) bekannt. Als Kuratorin erregte sie zum ersten Mal größeres Aufsehen mit interdisziplinären Ausstellungen wie zivilgeneratur (2004) oder I House You (2005) in Berlin.[1][2] Seit 2010 schreibt und produziert sie gemeinsam mit ihrem Bruder, dem Musiker Alexander Magerl, die abendfüllende Hörcomic-Serie Agent Zukunft.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Emma Braslavsky (mit vollem bürgerlichen Namen Kathrin Emma, geborene Magerl) wurde 1971 in Erfurt geboren. Ihr Vater hatte zwei Jahre vor ihrer Geburt einen Gedächtnisverlust erlitten und verbrachte zur Rehabilitation viel Zeit in einer Nervenheilanstalt. Ihre Mutter, die damals als Buchhalterhin arbeitete, gab das Kind in die Obhut der Großmutter väterlicherseits.[3]

Im Alter von sieben Jahren wurde sie eingeschult. Nach der zweiten Klasse schickte eine Kommission sie auf ein Gymnasium mit Fremdsprachenprofil. Den Großteil ihrer Jugend verbrachte sie als Mitglied des damaligen Erfurter Ti(c)k-Jugendtheaters auf der Bühne. Sie spielte die Martha in der mehrfach preisgekrönten Inszenierung von Frank Wedekinds „Frühlingserwachen“ (Regie: Karlheinz Krause, Co-Regie & Producerin: Renate Lichnok). Mit 14 tanzte sie hin und wieder am Wochenende in einem Tanzensemble für Modern Dance am Weimarer Nationaltheater. Als sie 15 Jahre alt war, starb ihre Großmutter. Über ihre Jugend sagte Braslavsky selbst: „Drei Tatsachen haben mich davor bewahrt, an Klebstofftuben zu schnüffeln: das Theater, die großartige Lichnok und Goethes Faust.“

Im Frühsommer 1989 gelang ihr die Flucht aus der DDR.[3] Es folgten viele Ortswechsel, zwei Jahre in München, ein Jahr in Rom, einen Monat Paris. 1993 ging Braslavsky nach Berlin und nahm ein Studium der Fremdsprachlichen Philologien und Südostasienstudien auf. 1994 machte sie ein Lektorats-Praktikum bei Tor Books (St. Martin’s Press) in New York. 1995 studierte sie ein Semester an der Lomonossow-Universität in Moskau, 1996 unternahm sie eine ausgedehnte Reise durch Sibirien, China und Vietnam. 1997 ging sie mit einem DAAD-Forschungsstipendium an die Vietnam National University Ho Chi Minh City, College of Social Sciences and Humanities (Vietnam). 1998 verbrachte sie ein Semester in Tel Aviv. 1999 erlangte sie den Magister Artium an der Humboldt-Universität Berlin. Im selben Jahr brachte sie sich einige Programmiersprachen (HTML/Java) und Animations- und Grafikprogramme bei.

Es folgten monatelange Reisen nach Südostasien und Südeuropa.

Zwischen 2003 und 2008 leitete sie gemeinsam mit ihrem Mann den Kunstverein "Galerie der Künste e.V." in Berlin.[4] In dieser Zeit entwickelte sie große interdisziplinäre Ausstellungsformate wie I House You oder zivilgeneratur, zeigte junge und renommierte Künstler aus aller Welt und begann, über zeitgenössische Kunst zu schreiben. Ihre Essays (z.B. über Uri Katzenstein) sind international in Künstler- und Ausstellungskatalogen erschienen. Gemeinsam mit Noam Braslavsky (der künstlerischer Leiter des Vereins war) arbeitete sie an innovativen Ausstellungsformaten wie The Murakami Collection (2007)[5]

Zwischen 2004 und 2006 war sie zudem freie Dozentin für Medienwissenschaften und externe Betreuerin (u.a. in der Universität Bologna) für den Bereich Kunstpsychologie (im Besonderen zum Thema Eskapismus).[6]

Zwischen 2011 und 2014 leitete sie die Young Talent Academy Sprachlabor & Erzählwerkstatt, eine Talentschmiede für Kinder und Jugendliche zwischen 10 und 19 Jahren.[7]

Seit 2010 ist Emma Braslavsky offiziell Ex-Katholikin, seit 2014 Mitglied der Giordano-Bruno-Stiftung.[8]

Privates[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

2001 heiratete sie den israelischen Künstler und Kurator Noam Braslavsky, mit dem sie seit 1997 liiert war. Das Paar hat eine Tochter (* 2003) und lebt in Berlin.[3]

Kritik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Literaturkritikerin Maike Albath ordnet Braslavsky als "Vertreterin eines neuen Realismus" ein, "der über die unmittelbar sichtbare Wirklichkeit hinaus geht und sämtliche Geschehnisse per Röntgenblick durchdringt. Sie setzt alles in ein überscharfes Licht und stellt die vielen Facetten der faktischen Ereignisse heraus: Braslavskys Wirklichkeit ist ein überaus vielschichtiges und widersprüchliches Gebilde."[9] Sie nennt sie eine "Vertreterin der Unmittelbarkeit", ihr Sprachstil sei vom Rhythmus der Plötzlichkeit durchdrungen. Ihre Romane sind polyphone Gebilde. Braslavsky "kriecht hinein in ihre Figuren mitsamt ihren Emotionen und Ausdrucksweisen." Albath hebt sie heraus aus der schreibenden Gruppe ihrer Generationsgenossen, sie habe nicht diese lakonische Stimme nach Tradition von Raymond Carver, die den meisten ihrer Kollegen anhafteten. "Ihre Syntax ist komplexer, bildgesättigt, ihr Ton ist nicht gleichmäßig und temperiert, sondern immer wieder aufbrausend und überraschend." Die Jubelstürme über Braslavskys Erstling überwiegen sicherlich. Denis Scheck bezeichnet ihn als "ein großes, auch gelungenes Formexperiment, das mich von der ersten Seite in den Bann geschlagen hat". Die Kritiker arbeiten sich in ihren Kritiken vorrangig am Thema Flucht und Vertreibung ab und betrachten weniger das eigentliche Thema des Buches: die Gravitation des Gedächtnisses. Hierzu entstehen erst im universitären Rahmen Seminararbeiten. Susanne Schulz schreibt im Nordkurier: "Inmitten der Lobeshymnen auf Emma Braslavskys Debüt fallen die kritischen Stimmen erstaunlich gegensätzlich aus: Mal wird zu viel "allgemeine Heiterkeit" auf Kosten der ernsteren Episoden moniert, mal erscheint das Buch zu "betulich-versonnen", mal mit "zu viel politischer Moral" versehen. Oft wird ihr der sprachliche Überschwang vorgeworfen, dann sei sie da wieder nicht weit genug gegangen. Das Buch sei "überfrachtet", meinte das Bücher-Magazin. Sie wolle zu viel, schrieb die Welt. Marius Meller sagte einen prägenden Satz im Deutschlandradio Kultur: "Emma Braslavsky ist eine ungemein begabte Debütantin, die gleich mit dem ersten Buch schwerste Gewichte stemmt - und doch federleichte, urkomische Prosa komponiert."

Werke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Romane[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Essays[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hörkino[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Medienkunst[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Verstreute Prosa (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 3 Beiträge für ILYR. Illustration-Erzähl-Schlangen, herausgegeben von Asuka Grün & Marina Friedrich, Universität Nürnberg. Mit Beiträgen von Anatol Regnier, Emma Braslavsky, Gino Chiellino, Ilma Rakusa, Kilian Leypold, Philip Maroldt, Şinasi Dikmen, Sylvia Geist, Thomas Kraft, Vesna Lubina. Universität Nürnberg 2012
  • Nirgends, Kurzgeschichte, In: Risse im Beton. (Hg. Michael Hametner), Rotbuch Verlag, Berlin 2009.
  • Amplitudes, übersetzt von Andrew Boreham, In: no man’s land #4 2009/2010 (Online magazine for New German Literature in English) 2009
  • Kein Sex, kein Marx. In: Quietschblanke Tage und spiegelglatte Nächte. (Hg. Katharina Bendixen), poetenladen, Leipzig 2008.
  • Alla Baster, Kurzprosa, In: marmor & marillen. Laas/Südtirol 2008.
  • Lotos und abgetakelte Juwelen. In: Muschelhaufen (Nr. 44), Viersen 2004

Ausstellungen als Kuratorin (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kataloge (Herausgeberin)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Above the Roofs of Berlin, designed by neubauberlin, Berlin 2014
  • The Murakami Collection, Berlin/Hannover 2007.
  • I House You, Zur Sprache der eigenen vier Wände, Bulletin p#2 des papirossa - netzmuseums fuer sprache, Berlin 2005, ISSN 1614-8886
  • zivilgeneratur, Bulletin p#1 des papirossa - netzmuseums fuer sprache, Berlin 2004, ISSN 1614-8886

Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Bill Niven: Representations of Flight and Expulsion in East German Prose Works. Camden House, 2014, ISBN 978-1-57113-535-3.
  • Christopher Schliephake: Zeitgenössische Vertreibungsliteratur als Echolot von Erinnerung. In: Marita Krauss, Sarah Scholl-Schneider, Peter Fassl (Hrsg.): Erinnerungskultur und Lebensläufe. Volk Verlag, München 2013, ISBN 978-3-937200-99-6.
  • Paweł Zimniak: Gruppe als Gedächtnismedium – Zum sudetendeutschen Erinnerungsprinzip in Emma Braslavskys „Aus dem Sinn“ (2007). In: Carsten Gansel/Paweł Zimniak (Hrsg.): Das "Prinzip Erinnerung" in der deutschsprachigen Gegenwartsliteratur nach 1989. V & R Unipress / Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2010, ISBN 978-3-89971-738-9.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Emma Braslavsky – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. I House You
  2. zivilgeneratur
  3. a b c Kim Kindermann: Schreiben gegen die Angst alles zu vergessen. Porträt der Schriftstellerin Emma Braslavsky. Deutschlandradio, 26. September 2007.
  4. gdk-berlin.de
  5. The Murakami Collection
  6. Linkedin-Profil der Autorin
  7. Young Talent Academy
  8. Twitteraccount der Autorin
  9. Laudatio zur Verleihung des Uwe-Johnson-Förderpreises an Emma Braslavsky, 29. September 2007.