Janosch

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Dieser Artikel behandelt den Schriftsteller Janosch, zu anderen Personen mit diesem Vornamen siehe auch János (Vorname).
Janosch (2005)

Horst Eckert alias Janosch (* 11. März 1931 in Hindenburg O.S., heute: Zabrze) ist ein deutscher Illustrator, Kinderbuchautor und Schriftsteller. Er lebt auf Teneriffa. Im Jahre 2006 hat er sich in einem Interview auf die Frage nach seiner Nationalität und Religion selbst als „Schlesier“ bezeichnet.[1]

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Janosch sagte: „Katholisch geboren zu sein, ist der größte Unfall meines Lebens“,[2] auch wenn seine Familie nicht ausgeprägt religiös lebte.[3] Sein Vater wird als Alkoholiker und als gewalttätig gegenüber seiner Familie beschrieben.[4] Janosch wuchs bei seinen Großeltern in einer Bergarbeitersiedlung auf, bis sich seine Eltern eine eigene Wohnung leisten konnten. Mit 13 Jahren erkrankte er an Gelbsucht, die mit selbstgebranntem Schnaps „behandelt“ wurde. Er war Mitglied in einer nach eigener Aussage „intensiv gepeinigten jesuitischen Jugendgruppe“.[5]

1944 erhielt er eine Lehrstelle als Schmied und arbeitete in einer Schlosserei („Meine beste und allerwichtigste Zeit im Leben, denn man brachte mir den wichtigsten Satz meines Lebens bei: Es gibt nichts, was nicht geht[6]). Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs und der Heimkehr seines Vaters 1946 flüchteten die Eltern mit ihm nach Westdeutschland. Die polnischen Behörden hatten der Familie im gleichen Jahr zwar die polnische Staatsbürgerschaft zugebilligt und einen entsprechenden Bescheid an ihre Wohnaddresse (nunmehr ul. Kowalska 11a) verschickt, jedoch erreichte das Schreiben sie nicht rechtzeitig vor ihrer Flucht. [7] In einem Interview mit der Gazeta Wyborcza behauptete Janosch selbst, er habe nach dem Krieg zu den 100 ersten Personen gehört, die eine polnische Staatsbürgerschaft beantragt hätten, den Pass auf Grund der Flucht nach Westen aber nie erhalten. Als Gründe für die Flucht nannte er die Tatsache, dass die Familie in ihrer Heimatstadt nichts zu essen und keine intakte Wohnung gehabt hätte. [8] Janosch lebte 15 Jahre in Bad Zwischenahn, wo er in Textilfabriken arbeitete, und besuchte eine Textilfachschule in Krefeld, wo er an einem Lehrgang für Musterzeichnen bei Gerhard Kadow, einem Schüler von Paul Klee, teilnahm.

Nach einem Aufenthalt in Paris zog er 1953 nach München, wo er an der Akademie der Bildenden Künste unter anderem bei Ernst Geitlinger studierte, aber sein Kunststudium wegen „mangelnder Begabung“ nach einigen Probesemestern abbrechen musste. Danach arbeitete er als freischaffender Künstler. 1956 begann seine schriftstellerische Tätigkeit im Feuilleton. Ein Freund riet ihm, aus seinen Zeichnungen ein Kinderbuch zu machen, und sein Verleger Georg Lentz, sich „Janosch“ zu nennen. 1960 erschien sein erstes Kinderbuch, Die Geschichte von Valek dem Pferd, bei dem mit ihm befreundeten Verleger, 1970 sein erster Roman Cholonek oder Der liebe Gott aus Lehm.

1980 zog Janosch, ursprünglich zur Erholung von einer Krankheit, in ein Haus in den Bergen von Teneriffa, das er aber bald zu seinem ständigen Wohnort wählte. In einem Interview antwortete Janosch auf die Frage, warum er so ungern Interviews gebe: „Ich bin wirklich Autist. Am liebsten wäre ich unsichtbar.“[9]

Einige seiner bekanntesten Figuren sind Schnuddel oder die Tigerente, die zusammen mit dem Tiger und dem Bären in Post für den Tiger, Oh, wie schön ist Panama (verfilmt unter dem gleichen Titel) und Ich mach dich gesund, sagte der Bär auftrat. Janosch zeichnet und schreibt jedoch nicht nur Kinderbücher. In seinen Büchern für Erwachsene verarbeitet er unter anderem Erlebnisse seiner Kindheit. Die Ablehnung gottesfürchtiger Religiosität, die Befürwortung familiärer Beziehungen, Freundschaft und die Frage nach dem Sinn des Lebens sind immer wieder Thema für ihn.

1985 und 1989 wurden seine Geschichten als Janoschs Traumstunde fürs Fernsehen produziert.

Janosch war früher Mehrheitseigner an der Janosch AG (Janosch film & medien AG). Die Aktien erhielt er anstelle eines vereinbarten Übernahmepreises und veräußerte sie der an der AG hängenden Bank.[5]

Sein autobiografisches Buch Tagebuch eines frommen Ketzers wurde bisher noch nicht durch einen Verlag verlegt.[5] Das erste Kapitel wurde jedoch ins Polnische übersetzt und 2005, nach dem Besuch des Schriftstellers in Oberschlesien, in der größten polnischen Zeitung Gazeta Wyborcza veröffentlicht. In dem in Polen veröffentlichten Kapitel seiner Autobiographie rechnet Janosch kritisch mit seiner konservativen schlesischen Familie ab.[10] In jener Zeit reiste er auch zurück in seine Heimatstadt (Zabrze) und spielte sogar mit dem Gedanken, seinen Wohnsitz dorthin zu verlegen, was er aber nie realisierte.[11] In Interviews mit der polnischen Presse verwies er wiederholt auf seine Bindungen zu Schlesien und Polen. So sagte er: "Ich empfinde mich als Schlesier, dies ist meine Nationalität, dies ist meine Religion" ("Czuję się Ślązakiem, to moja narodowość, to moja religia"). Und zudem: "Ich empfinde mich auch ein wenig als Pole. In meiner Familie ist nur der Name Eckert deutsch. Meine anderen Großväter hießen Piecha, Morawiec, Głodny." ("Sam po trochu czuję się Polakiem. W mojej rodzinie tylko nazwisko Eckert jest niemieckie. Pozostali moi dziadkowie nazywali się Piecha, Morawiec, Głodny").[12] Janosch spricht allerdings eigenen Angaben zufolge nur "ein wenig" polnisch [13].

Janosch gehört inzwischen dem Beirat der Giordano-Bruno-Stiftung an,[14] für die er kirchenkritische satirische Cartoons zeichnet.[15] Auch ist er Unterstützer der „Spatzenkampagne“ der Deutschen Wildtier-Stiftung. Als Begründung für sein Engagement gibt er an, in gewisser Weise eine Schuld wiedergutmachen zu müssen, da sein Vater Vogelfänger gewesen sei. Zudem engagiert er sich für die Nachsorgeklinik Tannheim.[5]

Am 16. April 2010 kündigte Janosch im Rahmen einer Ausstellung seiner Arbeiten an, keine weiteren Bücher mehr schreiben zu wollen. Er wolle fortan nur noch „reisen und in der Hängematte liegen“[16] und halte sich ohnehin für unbegabt.

Juli 2013 kündigte das ZEITmagazin sein „Comeback“ mit einem wöchentlichen Beitrag für das Magazin an. In diesen Zeichnungen geht es nach Janoschs Worten „um mich: Wondrak, den neuen Superstar“.[17]

Janosch ist nicht verheiratet und kinderlos.[18]

Werke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Von Janosch sind bislang über 150 Bücher erschienen, die zum Teil in mehr als 30 Sprachen übersetzt wurden:[15]

Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ehrungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Jörg Merk und Janosch: Reden Sie Tacheles Herr Janosch. Neue Welt, Langenpreising 2007, ISBN 978-3-937957-97-5.
  • Theo Rommerskirchen: Janosch. In: viva signatur si! Remagen-Rolandseck, Rommerskirchen 2005, ISBN 3-926943-85-8.
  • Angela Bajorek: Wer fast nichts braucht, hat alles. Janosch - die Biografie. Ullstein, Berlin 2016, ISBN 978-3-550-08125-5.

Filme[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • „Da wo ich bin ist Panama“. Die Lebensreise des Herrn Janosch (D 2011, Regie Joachim Lang)
  • „Ja ist gut, Nein ist gut“ (D 2009, Regie Joachim Lang)

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Janosch – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Piotr Hnatyszyn: Znani zabrzanie. In: wyborcza.pl. Gazeta Wyborcza (poln.), 16. Oktober 2006, abgerufen am 26. März 2016.
  2. Reinhold Michels: Stoiber greift Zeichner Janosch an. In: rp-online.de. 9. Juni 2007, abgerufen am 24. Juni 2014.
  3. Seite nicht mehr abrufbar, Suche in Webarchiven:@1 @2 Vorlage:Toter Link/www.connection.deInterview Connection Verlag
  4. Tilman Spreckelsen: Beinahe ein Millionär. In: faz.net. Frankfurter Allgemeine Zeitung, 18. Juni 2007, abgerufen am 24. Juni 2014.
  5. a b c d Philipp Zieger: Kinderbuchautor Janosch über soziales Engagement und die Nachsorgeklinik Tannheim. „Ich engagiere mich gerne“. In: Südkurier vom 13. Mai 2009.
  6. zitiert aus Von dem Glück, als Herr Janosch überlebt zu haben
  7. Jacek Madeja: Dom Janoscha został zburzony i... odnaleziony. In: wyborcza.pl. Gazeta Wyborcza (poln.), 10. Oktober 2008, abgerufen am 26. März 2016.
  8. Bartosz T. Wieliński: Mów mi Janosz, jestem Ślązakiem. In: wyborcza.pl. Gazeta Wyborcza (poln.), 16. Juni 2005, abgerufen am 26. März 2016.
  9. Corinne Schmid: Janosch: „Am liebsten wäre ich unsichtbar“ – Gespräch zum 75. Geburtstag. In: Allgemeine Zeitung Mainz. 9. März 2006.
  10. Życie jak ze złota. Fragmenty nieopublikowanej biografii Horsta Eckerta, czyli Janoscha (polnisch), Gazeta Wyborcza Katowice 1. Juli 2005.
  11. Bartosz T. Wieliński: Mów mi Janosz, jestem Ślązakiem. In: wyborcza.pl. Gazeta Wyborcza (poln.), 16. Juni 2005, abgerufen am 26. März 2016.
  12. Piotr Hnatyszyn: Znani zabrzanie. In: wyborcza.pl. Gazeta Wyborcza (poln.), 16. Oktober 2006, abgerufen am 26. März 2016.
  13. Angela Bajorek, Wer fast nichts braucht, hat alles: Janosch - die Biographie, Ullstein Hardcover (26. Februar 2016), ISBN 3550081251
  14. Janosch: „Grüß Gott, Herr Stoiber!“ In: hpd.de. Humanistischer Pressedienst, 14. Juni 2007, abgerufen am 24. Juni 2014.
  15. a b Philipp Zieger: Janosch. In: Südkurier vom 13. Mai 2009.
  16. Janosch im LN-Interview: „Scheiß Tigerente“ (Memento vom 25. April 2010 im Internet Archive) In: Lübecker Nachrichten. 17. April 2010.
  17. Tillmann Prüfer: Wo haben Sie bloß die ganze Zeit gesteckt, Herr Janosch? In: zeit.de. Die Zeit, 26. Juli 2013, abgerufen am 24. Juni 2014.
  18. Berliner Morgenpost: Der Fluch der Tigerenten Abgerufen am 29. März 2016
  19. Bundespräsidialamt