John Brinckman

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John Brinckman

John Brinckman (* 3. Juli 1814 in Rostock; † 20. September 1870 in Güstrow) war ein niederdeutscher Schriftsteller.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

John (ausgesprochen [joːn]) Brinckman – anfangs auch Johann (Friedrich) Brinckmann – wurde als jüngerer Sohn seiner Eltern in Rostock geboren, wo sich die Familie erst kurz zuvor niedergelassen hatte[1], und am 8. Juli 1814 in der Rostocker Marienkirche getauft.[2] Sein Vater, der Kaufmann und Kapitän (Caspar Christoph) Mich(a)el Brinckmann (* 1786), versank 1824 mit Schiff und Mannschaft vor Jütland. Seine Mutter Anna (1794–1870), Tochter des Hafenkommandanten Ruth in Göteborg, erzog neun Kinder in wirtschaftlich bescheidenen, aber gesicherten Verhältnissen.

Johns schulische Ausbildung begann in einer Klippschule bei Tante Treppern, die noch 1836 mit 84 Jahren tätig war. Dann besuchte er die gelehrte Vorschule der Predigeramtskandidaten Johnßen und Reuß und wurde 1824 Schüler der Großen Stadtschule Rostock. Ostern 1834 bestand Brinckman die Abgangsprüfung dieses Gymnasiums.

Der neunzehnjährige John studierte von Ostern 1834[3] bis 1838 an der Rostocker Universität Jura und war seit 1835 Mitglied des Corps Vandalia Rostock.[4] Er wurde wegen „versuchter Stiftung eines verbotenen politischen Vereins auf der Universität Rostock“ (Verbindung zu antimonarchistischen Burschenschaften) zu drei Monaten Gefängnis verurteilt. Er bat um landesherrliche Begnadigung durch Großherzog Paul Friedrich, der diese am 25. Januar 1839 gewährte. Sein Studium beendete er aber nicht mehr.

Brinckmans Entschluss nach Amerika zu gehen, bleibt widersprüchlich.[5] Fakt ist, dass er im September 1839 von Rostock über Hamburg zu einer Schiffsreise nach New York aufbrach. Vom November 1839 bis April 1842 hielt er sich in Amerika auf. Nach einer überstandenen Gelbfieberinfektion ging er im April 1842 an Bord eines englischen Dampfers und kam nach einem Zwischenaufenthalt in England im Mai 1842 im Hamburger Hafen an.[6]

Auf Anraten seines Arztes zog Brinckman noch im Mai 1842 zu seinem Studienfreund Gustav Adolf Wilhelm Lierow aufs Land, der im Dobbertiner Klosterdorf Lohmen Pastor war. Das Pfarrhaus war für Brinckman in dieser Zeit ein Ruhe- und Selbstfindungspunkt. Bei einem Besuch des Bruders seines Freundes, Ludwig Lierow, der im Dobbertiner Klosteramt als Amtsaktuar, als Amtsschreiber tätig war, lernte er am 18. Mai 1842 die damals einundzwanzigjährige, lebenslustige Goldberger Arzttochter Elise Burmeister kennen, die im Hause des Amtsaktuars als Erzieherin wirkte. Beide Brüder Lierows halfen mit ihren Kontakten und Beziehungen des landesweit bekannten Klosters Dobbertin John Brinckman auch bei der Arbeitssuche.[7]

Von Oktober 1842 bis September 1844 war er Hauslehrer bei Herrn von Schack auf Gut Rey bei Neukalen. Das dortige familiäre Klima und das Verhältnis zum Arbeitgeber stimmte nicht. Besonders die Frau des Kammerherrn in ihrer herrschsüchtigen, adelsstolzen, dünkelhaften Art machte ihm das Leben in Rey sehr schwer.[8]

Nach dem Gespräch am 21. Oktober 1844 beim Klosterhauptmann Carl Peter Johann von Le Fort im Kloster Dobbertin konnte er dort schon am 2. November 1844 die Stelle als Hauslehrer im Klosteramt antreten.[9] Drei Tage später bezog er sein Zimmer im Klosterhauptmannhaus und unterrichtete bis zum Dezember 1846 die drei Söhne David, Ludwig und Franz von Le Fort. Hier fand Brinckman Befriedigung in seiner Lehrertätigkeit und war in der Nähe seiner Elise, die mittlerweile wieder im vier Kilometer entfernten Goldberger Vaterhaus wohnte.

John Brinckman-Schule in Goldberg

Anfang Januar 1846 zog Brinckman nach Goldberg (Mecklenburg) in die Lange Straße 116, die heutige Stadtbäckerei. Schräg gegenüber im Haus der Langen Straße 105 befand sich die Schroedersche Privatschule, die sich in Goldberg großer Beliebtheit erfreute. Am 3. April 1846 fand im Hause seines Schwiegervaters, des Arztes August Burmeister, die Hochzeit mit Elise Burmeister statt. Die Trauung in der Goldberger Kirche nahm Pastor Joachim Birkenstädt vor.

Als Mitglied des Goldberger Reformvereins und als Verfasser scharfer satirischer Gedichte gegen den konservativen Gutsbesitzeradel engagierte er sich in der Revolution in Mecklenburg (1848). Brinckman und Fritz Reuter nahmen am ersten mecklenburgischen Reformtag in Güstrow teil. Den offenen Auseinandersetzungen in Goldberg aus dem Wege gehend, bewarb er sich auf eine freiwerdende Stelle an der Bürger- und Realschule in Güstrow. Am 20. September 1849 wurde Brinckman nach einer gelungenen Probelektion als interimistischer Hilfslehrer eingestellt. Sein Jahresgehalt betrug 316 Taler und 32 Schillinge. Die Familie Brinckman zog um und nahm in Güstrow zunächst am Pferdemarkt Nr. 233, heute Nr. 32 eine Wohnung.

Oft musste er um Zulagen bitten; denn zur Familie gehörten nicht weniger als zehn Kinder. Brinckman lehrte Englisch, Französisch und Latein und gab Privatstunden in Spanisch. Als Abgeordneter des Bürgerausschusses setzte er sich 1856 bis 1862 für bessere Schulverhältnisse ein.

Seit 1854 veröffentlichte John Brinckman plattdeutsche Gedichte und Erzählungen, die ihn zunehmend bekannt machten. Der Erfolg seiner Werke stellte sich erst nach seinem Tode ein.

Mit 56 Jahren erlag Brinckman einem Schlaganfall. Seine Grabstätte befindet sich auf dem Güstrower Friedhof.

Ehrungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 3. Juli 1908 Brunnen in Güstrow mit den Tierfiguren „Voß un Swinegel“ von Wilhelm Wandschneider gestiftet vom Sohn Konsul Max Brinckman in Hamburg
  • 1914 Grabstein mit Bronzerelief auf dem Friedhof Güstrow von Wilhelm Wandschneider
  • 5. Juli 1914 Gedenkstein mit Bronzerelief im Kurpark Warnemünde von Wilhelm Wandschneider
  • 26. Juli 1914 Brinckman-Brunnen in Rostock von Paul Wallat (Relief im Sommer 2009 gestohlen)
  • 1919 Im Osten der Stadt Rostock beginnt der Bau eines neuen Siedlungsgebietes, das seit 1921 den Namen Brinckmansdorf trägt. Zahlreiche Straßen dort werden nach seinen Werken und Gestalten aus ihnen benannt.
  • 3. Juli 1934 Gedenktafel mit Bronzerelief am Rostocker Geburtshaus (heute im Kulturhistorischen Museum Rostock)
  • 10. Juli 1988 „Kasper-Ohm auf dem Voßwallach reitend“ von Jo Jastram
  • 6. Februar 1990 Gründung der John Brinckman Gesellschaft e.V.[10]
  • 7. Oktober 2000 Gedenkstein in Rostock-Brinckmansdorf
  • 1. Januar 2010 Das vierte Corpshaus der Vandalen erhält den Namen „John Brinckman Haus“
  • Gedenktafel am Wohnhaus in Güstrow, Hansenstraße 19
  • mehrere Schulen in Mecklenburg tragen den Namen John Brinckman, so auch die ehemalige Domschule Güstrow
  • In Cuxhaven ist ihm der John-Brinckman-Weg gewidmet
  • 2014 Gedenkausstellung im Kulturhistorischen Museum Rostock
  • 2014 (posthum) Ehrenbürgerschaft der Stadt Güstrow[11]

Werke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Kasper Ohm un ick. (Rostocker Lausbubenstreiche, Erinnerungen an Brinckmans Kindheit 1855–1868) (Volltext 2.Aufl.).
  • Vagel Grip. (Gedichtband 1859) (Volltext).
  • Voß un Swinägel. (Fuchs und Igel; Erzählungen 1854)
  • Peter Lurenz bi Abukir. (eine heitere Seefahrerstory 1868)
  • Höger up. (die Geschichte eines armen Güstrower Bauernkindes, aus dem durch Glück und Geschick ein Ritter des Herzogs wird 1885)
  • Mottche Spinkus un de Pelz. (eine spaßige Erzählung über Güstrower Juden 1886)
  • Von Anno Toback…. (ein Rostocker Seefahrerroman)

Kurt Batt gab 1976 Brinckmans Werke in zwei Bänden im Hinstorff Verlag Rostock heraus.

Briefe, Dokumente, Texte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Herausgegeben von Wolfgang Müns und Jürgen Grambow (bis Bd. 2). Erschienen in den „Schriften des Instituts für Niederdeutsche Sprache“ bei Schuster in Leer.

Porträts[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Zwei Fotografien, um 1860 (im Besitz des Museums der Stadt Güstrow)
  • Maske John Brinckmans von Adolph Siegfried, um 1900, Gips getönt (im Besitz des Museums der Stadt Güstrow)
  • Ölgemälde von Adolf Jöhnssen, ca. 1910 (im Besitz des Fritz-Reuter-Literaturmuseums Stavenhagen)
  • Ölgemälde von Adolf Jöhnssen, ca. 1910 (im Besitz des Museums der Stadt Güstrow)
  • Lithographie von Adolf Jöhnssen, 1913 (im Besitz des Museums der Stadt Güstrow)
  • Öl auf Leinwand von F. Bognerky, Anfang 20. Jahrhundert (im Besitz des Museums der Stadt Güstrow)
  • Gemälde von Bruno Hellmich, ca. 1967 (im Besitz des John-Brinckman-Gymnasiums Güstrow)
  • Ölgemälde von Günter Horn, 1973 (im Besitz des Fritz-Reuter-Literaturmuseums Stavenhagen)
  • Büste von Heinrich Bodenberger, 2004 (vor dem John-Brinckman-Hotel in Boltenhagen)

Hörspiele[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nachlass[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Nachlass von John Brinckman wird in der Universitätsbibliothek Rostock verwahrt

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Karl Ernst Hermann KrauseBrinckmann, John. In: Allgemeine Deutsche Biographie (ADB). Band 3, Duncker & Humblot, Leipzig 1876, S. 333.
  • Wilhelm Süsserott: John Brinckman. Das Leben eines niedersächsischen Dichters. Verlag Wilhelm Süsserott, Berlin [u.a.] 1900
  • Heinrich Karl Adolf Krüger: John Brinckman. In: Ders.: Geschichte der niederdeutschen oder plattdeutschen Literatur vom Heliand bis zur Gegenwart. Stiller, Schwerin 1913, S. 90–98.
  • Otto Weltzien: Brinckman-Buch. John Brinckmans Leben und Schaffen. Hamburg 1914.
  • Ernst AlkerBrinckmann, John. In: Neue Deutsche Biographie (NDB). Band 2, Duncker & Humblot, Berlin 1955, ISBN 3-428-00183-4, S. 614 (Digitalisat).
  • Wolfgang Siegmund: John Brinckman (1814–1870). Federlese. Neubrandenburg 1991. ISBN 3-910170-06-4
  • Wolfgang Siegmund: John Brinckman – 1814 bis 1870. Ein Lebensbild. Altstadt-Verlag, Rostock 2000. ISBN 3-930845-68-7
  • Wolfgang Siegmund: Brinckman, John Frederic. In: Biographisches Lexikon für Mecklenburg. Band 5. Rostock 2009, ISBN 978-3-7950-3746-8 S. 80–89.
  • Wolfgang Siegmund; Gerd Richardt: John Brinckman. Die Bildbiografie. Hinstorff Verlag, Rostock 2014. ISBN 978-3-356-01815-8
  • Horst Alsleben; Gabriele Liebenow: John Brinckman – Spurensuche im Klosteramt Dobbertin. Dobbertiner Manuskripte, Heft 15. Dobbertin 2014.
  • Willi Passig: John Brinckman. Ein biographisches Kaleidoskop. Edition Pommern, Elmenhorst/Vorpommern 2014. ISBN 978-3-939680-20-8
  • Gerd Richardt: „Was aus einem richtigen Rostocker Stadtkinde alles werden kann“. Inwiefern wurde John Brinckmans Denken und Schaffen von der Hafenstadt Rostock geprägt?. In: Bunners, Stellmacher und Grote: Norddeutsche Dichterorte – ihre Spuren in den Werken von Schriftstellern. Hinstorff, Rostock 2015, S. 22–29. ISBN 978-3-356-01920-9

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: John Brinckman – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Die Volkszählungliste am 2. August 1819 in Rostock erfasste aus der Familie (4. Bürgerfahne, 1. Corporalschaft, S. 193, Nr. 70-77) die Eltern: Michel Brinckmann, Schiffer (* 1787 in Rostock) und Anna Brinckmann, dessen Frau (* 1796 – sic! - in Gottenburg), seit 5 Jahren im Ort, deren vier Kinder M. H. Brinckmann (* 1812 in Copenhagen), J. F. Brinckmann (* 1814 in Rostock), Alexa: Brinckmann (* 1815 ebenda), Anng: Brinckmann (* 1817 ebenda), Anna Brinckmann (* 1819 ebenda) sowie Marg: Brinckmann (* 1789 ebenda), eine Schwester des Vaters.
  2. Vgl. Taufeintrag, abgebildet in Wolfgang Siegmund und Gerd Richardt: John Brickman. Die Bildbiographie. Hinstorff Verlag, Rostock 2014. ISBN 978-3-356-01815-8. S. 15.
  3. Eintrag im Rostocker Matrikelportal
  4. Kösener Corpslisten 1930, 122, 315
  5. Wolfgang Siegmund: Brinckman, John Frederic. 2009, S. 81.
  6. Die Sekundärliteratur erwähnt meist 1842 als Rückreisedatum, was falsch ist. Im New Yorker Album findet sich ein Gedicht mit dem Titel Der Nachtwächter, das mit „Hamburg, December 24st. 1841“ datiert ist. In seinem Lebenslauf vermerkt er den Namen des Schiffes, das ihn zurück nach Europa brachte, die Amelia Hill. Das Hamburger Tageblatt Börsen-Halle vermerkt die Ankunft der Amelia Hill aus New York für den 10. Dezember. Siehe John Brinckman: Briefe, Dokumente, Texte. Band V/1, S. 247
  7. Horst Alsleben: John Brinckman, Spurensuche im Klosteramt Dobbertin. 2014, S. 16.
  8. Wolfgang Siegmund: Brinckman, John Frederic. 2009, S. 83.
  9. Horst Alsleben: John Brinckman, Spurensuche im Klosteramt Dobbertin. 2014, S. 20.
  10. Website: http://www.brinckmangesellschaft.de/
  11. Ehre für John Brinckman