Horst Alsleben

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Alsleben und eine Benediktinerin im Kloster Dobbertin (2000)

Horst Alsleben (* 8. Mai 1940 in Posen) ist ein deutscher Bauingenieur und Fachingenieur für Denkmalpflege.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Alsleben durchlief eine Berufsausbildung zum Maurer und nachfolgend noch zum Zimmermann. Die berufliche Weiterbildung begann er 1961 in Magdeburg an der Ingenieurschule für Wasserwirtschaft und Bauwesen. Im Volleyball war er seit 1956 mit der Mannschaft des HSG Motor/Lok Magdeburg in der DDR-Liga erfolgreich.[1]

Schwerin[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1964 wurde er zum SC Traktor Schwerin „delegiert“. Er spielte dort in der DDR-Oberliga, gewann mit der Mannschaft den FDGB-Pokal und nahm mehrfach an internationalen Volleyball-Turnieren teil. Nach 1971 war er mehrmals mit ASV Stern Buchholz Armeemeister der NVA im Volleyball. Von 1965 bis 1970 studierte er weiter Bauingenieurwesen an der Ingenieurhochschule Wismar. Danach arbeitete er bis 1985 im Wohnungs-, Industrie- und Gesellschaftsbau der drei Schweriner Baubetriebe an der Vorbereitung vieler Großbauvorhaben mit, so auch am Ferienkomplex Fritz Reuter in Zippendorf. Er war Mentor und Fachbetreuer von Studenten der Ingenieurschule Schwerin, der Ingenieurschule für Bauwesen Neustrelitz und der Ingenieurhochschule Wismar. An der Betriebsakademie für Bauwesen unterrichtete er Meister im Bauwesen. Nach diesen 15 Jahren übernahm Alsleben 1985 die Leitung des Bereiches Restaurierung beim Schweriner Schloss. Die Schwerpunktprobleme bei dem denkmalpflegerisch außerordentlich bedeutungsvollen Baudenkmal waren damals die Gründungssanierung, die Bauwerkstrockenlegung, die technische Ver- und Entsorgung mit einer vorhandenen Kohleheizung, die Dachsanierung und die historisch getreue Restaurierung ausgewählter Räume für eine weitere Nutzung als Museum im Schloss. Um Fachingenieur für Denkmalpflege zu werden, absolvierte Alsleben von 1988 bis 1990 noch ein Aufbaustudium an der Technischen Universität Dresden, Sektion Architektur.

Dobbertin[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Besuch von Bundespräsident Rau und Ministerpräsident Ringstorff 2001 im Kloster Dobbertin

Zur Zeit der Deutschen Wiedervereinigung war Dobbertin eine baufällige Außenstelle der Bezirksnervenklinik Schwerin. Zugleich war sie die einzige in ihrer Gesamtheit erhaltene Klosteranlage der Benediktiner in Mecklenburg. Als sie 1991 von der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Mecklenburgs übernommen und das Diakoniewerk Kloster Dobbertin gGmbH gegründet wurde, übernahm Alsleben 1991 die denkmalgerechte Sicherung, Sanierung und Restaurierung des Klosters. Viele Details bei deren Gestaltung und der Sanierung der Klosteranlage tragen seine Handschrift.[2] Er organisierte die Dobbertiner Klostertage, an denen auch Benediktinermönche aus dem Kloster Ottobeuren, dem Priorat St. Ansgar (Nütschau) und dem Kloster Alexanderdorf teilnahmen.[3] 2001 führte er Bundespräsident Johannes Rau und Ministerpräsident Harald Ringstorff durch die Anlage.[4] Im selben Jahr nahm er in Potsdam die Bronzetafel für Dobbertin entgegen:[5] GEFÖRDERT DURCH DIE DEUTSCHE STIFTUNG DENKMALSCHUTZ, die am Mitteleingang des Damenhauses IV zu sehen ist.

Auch auf sein persönliches Engagement bei der Deutschen Stiftung Denkmalschutz und der Deutschen Bundesstiftung Umwelt gehen Unterstützung und finanzielle Mitwirkung an der denkmalgerechten Sanierung der Klosterkirche und einzelner Damenhäuser zurück. Alsleben war 1994 im noch nicht sanierten Refektorium des Klosters Dobbertin Mitbegründer (und später Schatzmeister) des Fördervereins Dorfkirchen in Not.[6][A 1] 1991 wurde er in den ersten Vorstand des Landesheimatverbands Mecklenburg-Vorpommern für den Bereich Denkmalpflege gewählt. 2005 trat er in den Ruhestand.[2] Nach wie vor widmet er sich der Heimatgeschichte im Raum des Naturparks Nossentiner/Schwinzer Heide, was sich in vielen seiner 247 Zeitschriften- und Zeitungsartikel widerspiegelt.[7] Für das Mecklenburgische Klosterbuch hat er am Kapitel Dobbertin mitgearbeitet.[8]

Nach jahrelangen Recherchen fand er das seit 1939 verschollene Dominakreuz des Klosters Dobbertin in den kunsthandwerklichen Sammlungen des Staatlichen Museums Schwerin wieder.[9] Ganz wichtig ist ihm die Zusammenarbeit mit der Förderschule im Kloster Dobbertin.[10]

Werke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Das Schloß Schwerin – Aufgaben und Probleme seiner denkmalpflegerischen Rekonstruktion. In: Kulturbauten, Heft 1, Berlin 1988, S. 6–7.
  • 775 Jahre Dobbertin, altes Kloster mit neuen Hoffnungen. Schicksal zwischen Mönchsorden, Damenstift und Heimstatt für Behinderte. In: Mitteldeutsches Jahrbuch für Kultur und Geschichte, Bd. 3 (1996), S. 305–307.
  • Die Nonnen von Dobbertin. In: Festschrift zum Jubiläum der Stadt Goldberg, 1997, S. 25–27.
  • Spaziergang durch das alte Dobbertin. 2002.
  • Zur Geschichte des Klosters Dobbertin. Die Klosterkirche Dobbetin. In: Die Dorf-, Stadt- und Klosterkirchen im Naturpark und seinem Umfeld. 2003, S. 98–107.
  • Kloster Dobbertin, Schicksal und Chancen. In: Klosteranlagen in Mecklenburg und Vorpommern. 2005, S. 110–114.
  • Die Schule des Klosters Dobbertin. In: Festschrift anlässlich der Einweihung und Eröffnung des sanierten Klausurbereiches im Kloster Dobbertin. 2006, S. 43–45.
  • Bossow, Kirch Kogel, Kleesten, Mühlenhof, Neuhof bei Kläden, Rum Kogel, Sehlstorf, Spendin. In: Die Gutsdörfer, Gutsanlagen und Parks im Naturpark und seinem Umfeld. 2007.
  • Mathilde von Rohr und das Kloster Dobbertin. Festschrift zum 200. Geburtstag einer Freundin Theodor Fontanes. Dobbertiner Manuskripte. Heft 9. Dobbertin 2010. 3. Auflage 2013.
  • Das Jungfrauenkloster als evangelisches Damenstift, ein Klosteramt in Mecklenburg-Schwerin. In: Kloster Dobbertin. Geschichte – Bauen – Leben. Beiträge zur Kunstgeschichte und Denkmalpflege in Mecklenburg-Vorpommern, Bd. 2, Schwerin 2012, S. 42–52.
  • Der Dobbertiner Konvent eine christliche Gemeinschaft im Herzogtum Mecklenburg-Schwerin. In: Kloster Dobbertin. Geschichte – Bauen – Leben. Beiträge zur Kunstgeschichte und Denkmalpflege in Mecklenburg-Vorpommern, Bd. 2, Schwerin 2012, S. 53–63.
  • Alt Schwinz, Dobbertin, Dobbin, Jellen, Kläden, Neu Schwinz mit Hellberg-Ziegelei. In: Die Bauern- und Waldarbeiterdörfer im Naturpark und seinem Umfeld. 2012.
  • Dobbertin bei Goldberg. Germania Benedicitna, Bd. X: Mecklenburg-Vorpommem, Sachsen-Anhalt, Thüringen und Sachsen. St. Ottilien 2012.
  • John Brinckman, Spurensuche im Klosteramt Dobbertin. Dobbertiner Manuskripte, Heft 15. Dobbertin 2014.
  • mit Ernst Münch: Dobbertin: Kloster S. Maria, S. Johannes Evangelist (Ordo Sancti Benedicti/Benediktinerinnen). In: Mecklenburgisches Klosterbuch, Bd. 1 (2016), S. 176–216.
  • mit Holger Roggelin und Rüdiger Döhler: Die Kirche Dobbin − eine alte Dorfschönheit. In: Mein Mecklenburg, IV/2015, S. 47–49.
  • Die doppeltürmige Klosterkirche. In: Stier und Greif, Bd. 2 (2017), S. 18–22.
  • Der Wismarer Heinrich Gustav Thormann und die Dobbertiner Klosterkirche. In: Wismarer Beiträge, Heft 23, 2017, S. 80–95.
  • Küchenmeister – ein gefragter Job im Klosteramt.In: Mitteilungen des Vereins für mecklenburgische Familien- und Personengeschichte e. V., Bd. 40 (2018), S. 19–20.
  • Kloster Dobbertin – 800 Jahre mecklenburgische Geschichte. In: MFP – Schriftenreihe, Heft 18 (2018), ISBN 978-3-946273-04-2, S. 161–179.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Anmerkungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Das Refektorium wurde erst 2006 mit Übergabe der Schule fertig.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Klaus Ebeling: Die Magdeburger Volleyball-Oldies (2012)
  2. a b Schweriner Volkszeitung Lübz 13. Mai 2005
  3. Neue Kirchenzeitung Hamburg 21. Mai 2000
  4. Elde Express vom 12. Juli 2001
  5. SVZ Lübz-Goldberg-Plau 4. Juli 2001
  6. Vgl. die Vereinsinformationen in Dorfkirchen in Not in Mecklenburg und in Vorpommern Nr. 1 (1998) (Memento vom 8. Dezember 2015 im Internet Archive), S. 6 (PDF; 1,2 MB)
  7. 208 Nennungen im Gemeinsamen Verbundkatalog, abgerufen am 2. Dezember 2015
  8. Mecklenburgisches Klosterbuch. Handbuch der Klöster, Stifte und Kommenden (10.-16. Jahrhundert). 2 Bände. Hinstorff Verlag, Rostock 2016. ISBN 978-3-356-01514-0.
  9. Dominakreuz des Klosters Dobbertin wiedergefunden. Horst Alsleben, der Klosterbauleiter von Dobbertin, berichtet über eine erfolgreiche Suche. Mecklenburg 1/2000, S. 8
  10. Wenn Kulturerbe Schule macht. Dobbertiner Förderschule arbeitet im Verbund mit Einrichtungen in Wismar und Stralsund an einem bundesweiten Projekt. Schweriner Volkszeitung (Simone Herbst), 18. April 2018