Jonava

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Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Zum gleichnamigen Asteroiden siehe (248993) Jonava
Jonava
Wappen
Wappen
Flagge
Flagge
Staat: Litauen Litauen
Bezirk: Kaunas
Rajongemeinde: Jonava
Koordinaten: 55° 4′ N, 24° 17′ OKoordinaten: 55° 4′ N, 24° 17′ O
Höhe: 100 m
Fläche (Ort): 39,66 km²
Gemeindefläche: 944 km²
 
Einwohner (Ort): 28.556 (2016[1])
Bevölkerungsdichte: 720 Einwohner je km²
Einw. (Gemeinde): 43.198
Bevölkerungsdichte: 46 Einwohner je km²
Zeitzone: EET (UTC+2)
Telefonvorwahl: (+370) 8 (349)
Postleitzahl: 55158
Kfz-Kennzeichen: Ka
 
Status: Stadt in der Rajongemeinde Jonava
Gliederung: Stadtteile und Unteramtsbezirke
 
Postanschrift: Žeimių g. 13
LT-55158 Jonava
Website:
Jonava (Litauen)
Jonava
Jonava
Jonava.png

Jonava Audio-Datei / Hörbeispiel anhören?/i (deutsch: Janau) ist eine Stadt im Bezirk Kaunas, Litauen. Sie ist Sitz der Rajongemeinde Jonava und in dieser ein städtischer Amtsbezirk.

Lage und Einwohner[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Kernstadt Jonava liegt etwa 30 km nordöstlich der zweitgrößten litauischen Stadt Kaunas, unweit der Mündung der Šventoji (deutsch: Heiligenaa) in die Neris. In der Selbstverwaltungsgemeinde wohnen 52.000 Menschen, wovon allein 35.000 in der Kernstadt Jonava leben (Stand 2004). 1893 lebten 3069 Juden (92 % der 3350 Einwohner) in der Stadt. 1941 bildeten die Juden Jonavas 80 % der Bevölkerung.[2]

Stadtteile[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ehemalige jüdische Geschäfte in der Kauno-Straße

Der Ort wurde um 1740 gegründet, als Dominink Kossakowski (1711–1743) für sich einen Gutshof an der Neris und Varnaka baute und dort lebte. Sein Vater hieß Jonas Mykolas Kosakovskis (daher der christliche Name, etwa „Johannstadt“). 1750 baute Marijona Kosakovskienė die erste hölzerne Kirche, die später verbrannte. 1750 erteilte der König von Polen und Großherzog von Litauen Friedrich August II. an Marija Kosakovskienė ein Privileg zur Gründung des Städtchens Jonava. Danach kamen die ersten Stadteinwohner zum Ort aus Nachbarndörfern an.

1777 gab es 40 jüdische Familien und 1784 schon 59 Familien. 1793 baute man in der heutigen Altstadt von Jonava die katholische Kirche des Heiligen Apostels Jakobus und danach das Kloster Jonava.[3] 1827 wurden die Trinitarier aus Jonava von der Regierung vertrieben. 1832 wurde das Kloster geschlossen. Im Kloster ließen sich bis 1894 Soldaten nieder. Die Stadt Jonava war von der Polonisation betroffen. 1830 predigte man in der Kirche meistens Polnisch und nur manchmal auch Litauisch.

1864 erhielt der Ort Jonava das Stadtrecht. 1893 baute man die ersten Mühlen auf der Varnutė. Nach dem großen Brand 1904 wurde das Gebäude des Klosters an die Kirchengemeinde verkauft.

In der Stadt entwickelte sich die Holzindustrie und das Handwerk. Hier arbeiteten Tischler, Zimmerleute, Schreiner. 1912 eröffnete man eine Streichholzfabrik. 1946 wurde aus dieser Fabrik eine Möbelfabrik, die 1958 in das sowjetische Möbelkombinat Jonava umgewandelt wurde. In den 1970er Jahren war das Kombinat einer der größten Betriebe Litauens und beschäftigte 1100 Mitarbeiter (1977).

1950 wurde Jonava zum Zentrum des Rajons Jonava. In der Sowjetzeit errichtete man das Kreisgericht Jonava, das dem Bezirksgericht Kaunas untersteht.

1996 wurde das neue Stadtwappen vom litauischen Präsidenten Algirdas Brazauskas bestätigt.

Kultur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Kulturzentrum Jonava (JKC) mit seinen Filialen in der Rajongemeinde organisiert die meisten Veranstaltungen der Stadt. Das Zentrum im Hauptgebäude hat zwei Säle. Der große Saal hat 650 Sitzplätze und seine Bühne ist 254 m² groß. Im Kulturhaus gibt es ein eigenes Theater, Musikgruppen, Chöre und Tanzgruppen.

Jedes Jahr ist Jonava Schauplatz eines großen und traditionsreichen Mittsommerfestes, da die Stadt nach St. Johannes benannt ist. Jonava wird am 23./24. Juni zur „Johannes-Republik“ erklärt. Den ganzen Tag über werden alle Jonas und Janina (Johannes und Johanna) beglückwünscht. Zum Namenstag werden Eichenlaubkränze überreicht. Es gibt zahlreiche Musikkapellen, die in der Stadt spielen.

Jährlich wird auch das internationale moderne dreitägige Kunstforum „Homo ludens“ mit verschiedenen Veranstaltungen und Improvisationen veranstaltet. Neben dem Kulturzentrum der Stadt wurde der „Homo ludens“-Park mit Skulpturen errichtet.

Im Stadtzentrum befindet sich die Rajongemeindebibliothek Jonava. Bekannt ist auch der Marktplatz in Jonava.

Das Regionalmuseum Jonava hat folgende Filialen: Bauernhof der Familie Samulevičius, Petras-Vaičiūnas-Geburtshaus, Museum für Geschichte und Kunst im Ausbildungsregiment des Großhetmans Litauens Jonušas Radvila.

Sport[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1966 wurde die Sportschule gegründet. 2002 wurde die Schule zum Sportzentrum Jonava umgewandelt. Im Zentrum werden die Sportarten Boxen, Fußball, Leichtathletik, Basketball, Tischtennis, Schach und Volleyball ausgeübt. Es gibt 800 Schüler und 24 Trainer. Im Zentrum befinden sich ein Schwimmbad und eine Sporthalle.

Fußball[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Stadt hat zwei Stadien. Das neuere Zentralstadion Jonava liegt neben dem Johannes-Fest-Tal, das Altstadion am linken Ufer der Neris. Die Fußball-Mannschaft FK Jonava spielt in der A Lyga. Ihr Tochter- und Dubler-Team FK Jonava B spielt in der LFF II lyga.

Basketball[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Basketball-Mannschaft „Jonavos SK Triobet II“ spielt in der Nacionalinė krepšinio lyga. Bis 2017 fanden die meisten Basketball-Sportveranstaltungen in der Sporthalle des Sportzentrums statt. Nach der Einweihung der modernen Sportarena Jonava mit 3000 Sitzplätzen hat die Rajongemeinde einen neuen Sportplatz und gleichzeitig den größten Konzertsaal der Stadt.

Volleyball[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der Gemeinde gibt es drei Volleyball-Vereine: Sporto klubas „Aušrinė“ (Präsident Bronislovas Liutkus), Tinklinio klubas „Dobilas“ (Präsident Mėrūnas Savickas) und Laisvalaikio ir sporto klubas „Titmaras“ (Präsidentin Rosita Nevulytė). Sie sind Mitglieder des Volleyball-Verbands Jonava (lit. Jonavos tinklinio asociacija), gegründet vom Volleyball-Richter Žilvinas Galimovas. Das Frauen-Volleyball-Team TSK Aušrinė nimmt an der nationalen und baltischen Beachvolleyball-Meisterschaft teil. Seit 2010 findet das internationale Alfredas Ogonauskas Memorial Volleyball Championship in Jonava statt.[4]

Schach und Damespiel[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Schachverein der Stadt gibt es einen Großmeister im Fernschach, Vytautas Andriulaitis, und gab es einen Internationalen Meister im Schach (Aidas Labuckas). Die Damespiel-Sportler verbindet der Verein Jonavos rajono neįgaliųjų sporto klubas „Joneidra“.

Andere Sportarten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Unter anderen Sportvereinen gibt es den Autosport-Club „Elektrobig-Žaibelis“, einen Touristenclub, den Sportclub „Achespo“ (bei AB Achema), „Jonavos žirgai“ (Pferdesport), den Lauf-Club „Maratonas“, den Motorsport-Club Jonava, den Darts-Club „Strėlė“, „Akvaera“, „JAVARA“, „Master Gym“, den Tanzsport-Verein "Vėtra", „Vytis“, VŠĮ „Technoeros laisvalaikio sporto klubas“, „Ruklos vilkas“ u. a.

Bildung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Raimundas-Samulevičius-Hauptschule ist die neueste Schule in Jonava (gebaut 1988)

In Jonava gibt es zwei Gymnasien (9–12 Klassen), zwei Hauptschulen (1–10 Klassen), zwei Progymnasien (1-8 Klassen), drei Grundschulen, eine Jugendschule, ein Erwachsenenbildungszentrum und andere Einrichtungen der allgemeinen Bildung. Daneben gibt eine Kunstschule und einige Kindergärten sowie einen Kinderheim.

Die erste Schule wurde im 18. Jahrhundert urkundlich erwähnt. Etwa um 1782 gab es schon eine von Marianern gegründete Gemeindeschule. 1820 wird eine Schule urkundlich erwähnt. Nach 13 Jahren wurde sie von 40 Schülern besucht. 1820 wurde die Schule geschlossen.

1867 gründete man in Jonava eine Grundschule mit Russisch als Unterrichtssprache. 1871 übersiedelte man die Grundschule aus Rumšiškės; eine Handwerksklasse wurde neu eingerichtet. 1919 gründete man ein Progymnasium.

1935 baute man im Zentrum der Stadt eine Mauernschule mit zwei Etagen. Sie wurde zur Mittelschule. 1937 nahm die Grundschule am Bahnhof Jonava ihre Tätigkeit auf. Sie wurde 1970 die 3. Mittelschule der Stadt.

1965 gründete man die Musikschule, die sich später zur Kunstschule Jonava entwickelte. 1974 eröffnete man die 4. Mittelschule (jetzt Senamiesčio-Gymnasium). 1981 wurden die 5. Mittelschule und 1988 die 6. Mittelschule im neuen Mikrorajon Rimkai eröffnet. Also gab es insgesamt sechs Mittelschulen in der Stadt, davon eine russischsprachige Mittelschule (gegründet 1968).

Schulen
  • Jugendschule Jonava
  • Panerio-Grundschule Jonava
  • Grundschule Jonava
  • Grundschule Rimkai

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bahnhof Jonava

Jonava liegt an der Hauptstraße A 6, die als Bestandteil der Europastraße 262 zwischen Kaunas und der lettischen Grenze bei Zarasai verläuft.

Über den Bahnhof Jonava an der Bahnstrecke Kaišiadorys–Liepāja bestehen Verbindungen nach Klaipėda, Kaunas sowie in die Hauptstadt Vilnius. Das Bahnhofsgebäude wurde 1871 von der Libau-Romny-Bahn gebaut. Es gab zu dieser Zeit Direktverbindungen nach Sankt Petersburg und Liepāja. Die Eisenbahnbrücke Jonava über die Neris wie die Brücke Jonava wurden 1914 gebaut.

Über den Busbahnhof Jonava im Zentrum der Stadt gibt es Verbindungen zu vielen Rajonszentren Litauens und den wichtigsten Siedlungen der Rajongemeinde.

Der moderne internationale Flughafen Kaunas (IATA: KUN) befindet sich in Karmėlava, 20 km von Jonava (1,2755 Hektar des Territoriums des Flughafens gehört der Rajongemeinde Jonava).[5] Der Flughafen Vilnius ist 100 km entfernt. Das lokale Aerodrome Jonava, ein ehemaliger sowjetischer Militärflugplatz in Gaižiūnai, 9 km südöstlich von Jonava, wird nicht mehr als Flugplatz benutzt.

Rajongemeinde[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

-> Hauptartikel ist Rajongemeinde Jonava

Im Rajon befinden sich die Dörfer mit den europäischen Namen wie Šveicarija (die "Schweiz"), Venecija, Paryžius. In der Gemeinde ist das größte baltische Chemieunternehmen AB Achema angesiedelt.

Söhne und Töchter[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Jonava. Mažoji lietuviškoji tarybinė enciklopedija, T. 1 (A–J). Vilnius, Vyriausioji enciklopedijų redakcija, 1966, 693 psl.
  • Jonava. Lietuviškoji tarybinė enciklopedija, V t. Vilnius: Mokslo ir enciklopedijų leidybos institutas, 1979. T.V: Janenka-Kombatantai, 68 psl.
  • Vincas Brazauskas, Kazys Misius, Algimantas Miškinis. Jonava. Tarybų Lietuvos enciklopedija, T. 2 (Grūdas-Marvelės). – Vilnius: Vyriausioji enciklopedijų redakcija, 1986. 125 psl.
  • Land Jonava // Jonavos kraštas: ten, kur teka Lietuva…: fotoalbumas. – Kaunas: V studija, 2008. – 96 p.: iliustr. – ISBN 978-9955-737-32-2

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Jonava – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Statistik
  2. Jonavos žydų bendruomenės istorija // Jonavos istorija (Asta Višinskaitė, Goda Volbikaitė und Indrė Viktorija Užukutytė, Portal Jonava.org)
  3. Geschichte (Miesteliai.lt Information)
  4. Alfredas Ogonauskas Memorial Volleyball Championship in sportas.info
  5. Dėl tarptautinių oro uostų teritorijų ribų ir plotų patvirtinimo (Regierung Litauens)