Klein-Bieberau

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Klein-Bieberau
Gemeinde Modautal
Koordinaten: 49° 45′ 31″ N, 8° 45′ 59″ O
Höhe: 226 (222–247) m ü. NHN
Fläche: 4,4 km²[1]
Einwohner: 360 (30. Jun. 2019)[2]
Bevölkerungsdichte: 82 Einwohner/km²
Eingemeindung: 1. Januar 1977
Postleitzahl: 64397
Vorwahl: 06167
Klein-Bieberau von Nordwesten
Klein-Bieberau von Nordwesten

Klein-Bieberau ist ein Ortsteil der Gemeinde Modautal im südhessischen Landkreis Darmstadt-Dieburg im vorderen Odenwald.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Dorf wird im Jahre 1362 erstmals urkundlich genannt. 1451 ist eine Mühle nachgewiesen und 1516 ist eine Wallfahrtskapelle mit zwei Altären genannt. 1481 besitzen die Herren von Wallbrunn das Dorf als hessisches Lehen, das jetzt einen Bestandteil der Herrschaft Ernsthofen ausmacht.[1]

Im Jahr 1722 verkauften die Brüder Johann Moritz Friedrich von Wallbrunn dem Landgrafen Ernst Ludwig von Hessen Schloss und Gut zu Ernsthofen mit den dazugehörigen Dörfern, nämlich Ernsthofen, Asbach, Hoxhohl, Klein-Bieberau und Neutsch, nebst Gefällen in zwölf weiteren Orten, darunter Ober-Modau, Rodau, Waldhausen, Billings und Meßbach.[3]

Klein-Bieberau lag im Gerichtsbezirk der Zent Oberramstadt. Die Zent war in sogenannte „Reiswagen“ eingeteilt, denen jeweils ein Oberschultheiß vorstand, die dem Zentgrafen unterstellt waren. Dieser Bezirk hatte einen Frachtwagen (Reiswagen) einschließlich Zugtieren und Knechten für Feldzüge bereitzustellen. Klein-Bieberau gehörte zum „Brandauer Reiswagen“, dem auch noch die Orte Brandau, Neunkirchen, Allertshofen, Hoxhohl, Herchenrod, Lützelbach, Ernsthofen, Neutsch und Webern angehörten. Die gesamte Zent Oberramstadt war dem Amt Lichtenberg zugeteilt. Diese Einteilung bestand noch bis zum Beginn des 19. Jahrhunderts.[4]

Die Statistisch-topographisch-historische Beschreibung des Großherzogthums Hessen berichtet 1829 über Klein-Bieberau:

»Kleinbieberau (L. Bez. Reinheim) luth. Filialdorf; liegt 2 St. von Reinheim, und hat 30 Häuser und 223 Einw., die bis auf 2 Kath. lutherisch sind. Unter diesen sind 12 Bauern. Unweit des Orts befindet sich das sogenannte Wildfrauhaus, ein sonderbares Felsengefüge, von welchem man eine schöne Aussicht hat. Schon vor 1578 war auf dem Steinforst ein Bergwerk im Betrieb, welches aber wieder eingegangen ist. Kleinbieberau gehörte den Herrn von Wallbrunn, und kam 1722 durch Kauf an Hessen, Der Ort hatte früher eine eigene Kapelle mit 2 Altären, welche von denen von Wallbrunn gestiftet worden war.«[5]

Am 1. April 1952 wurde Klein-Bieberau vom Landkreis Dieburg in den Landkreis Darmstadt umgegliedert und am 1. September 1959 erfolgte die Eingemeindung von Webern nach Klein-Bieberau.

Gebietsreform[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 1. Januar 1977 wurden im Zuge der hessischen Gebietsreform die bis dahin selbstständigen Gemeinden, Klein-Bieberau, Neutsch, Asbach, Brandau, Ernsthofen und Modautal kraft Landesgesetz zur heutigen Gemeinde Modautal zusammengeschlossen.[6][7] Für Klein-Bieberau wurde zusammen mit Webern ein Ortsbezirk mit Ortsbeirat und Ortsvorsteher nach der Hessischen Gemeindeordnung gebildet.[8]

Historische Ortsnamen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In historischen Dokumenten ist der Ort im Laufe der Jahrhunderte unter wechselnden Ortsnamen belegt (in Klammern das Jahr, in dem der Ortsname wie angegeben bezeichnet wurde):[1] Wenigenbybera (1362); Kleynen Biberauwe (1403); Wenigen Byberau (1451); Wenigen Byberau (1453); Kleyn Beberau (1492); Bebra (1514); Clein Bibra (1545); Kleynen Biebera (1559).

Territorialgeschichte und Verwaltung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die folgende Liste zeigt im Überblick die Territorien, in denen Klein-Bieberau lag, bzw. die Verwaltungseinheiten, denen es unterstand:[1][9][10]

Gerichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Klein-Bieberau gehörte zum Zentgericht Oberramstadt. In der Landgrafschaft Hessen-Darmstadt wurde mit Ausführungsverordnung vom 9. Dezember 1803 das Gerichtswesen neu organisiert. Für das Fürstentum Starkenburg wurde das „Hofgericht Darmstadt“ als Gericht der zweiten Instanz eingerichtet. Die Rechtsprechung der ersten Instanz wurde durch die Ämter bzw. Standesherren vorgenommen. Damit war für Klein-Bieberau das Amt Lichtenberg zuständig. Das Hofgericht war für normale bürgerliche Streitsachen Gericht der zweiten Instanz, für standesherrliche Familienrechtssachen und Kriminalfälle die erste Instanz. Übergeordnet war das Oberappellationsgericht Darmstadt. Die Zentgerichte hatten damit ihre Funktion verloren.

Mit Bildung der Landgerichte im Großherzogtum Hessen war ab 1821 das Landgericht Lichtenberg das Gericht erster Instanz. Es folgten:[1]

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

• 1629: 008 Hausgesesse[1]
• 1791: 128 Einwohner[12]
• 1800: 159 Einwohner[13]
• 1806: 180 Einwohner, 24 Häuser[11]
• 1829: 223 Einwohner, 30 Häuser[5]
• 1867: 242 Einwohner, 38 Häuser[14]
Klein-Bieberau: Einwohnerzahlen von 1791 bis 2018
Jahr  Einwohner
1791
  
128
1800
  
159
1806
  
180
1829
  
223
1834
  
318
1840
  
329
1846
  
345
1852
  
320
1858
  
334
1864
  
322
1871
  
296
1875
  
287
1885
  
317
1895
  
301
1905
  
280
1910
  
273
1925
  
271
1939
  
275
1946
  
435
1950
  
401
1956
  
350
1961
  
346
1967
  
373
1970
  
401
1980
  
?
1990
  
?
2000
  
?
2007
  
364
2010
  
369
2011
  
363
2015
  
363
2018
  
363
Datenquelle: Histo­risches Ge­mein­de­ver­zeich­nis für Hessen: Die Be­völ­ke­rung der Ge­mei­nden 1834 bis 1967. Wies­baden: Hes­sisches Statis­tisches Lan­des­amt, 1968.
Weitere Quellen: [1]; Gemeinde Modautal:[15]; Zensus 2011[16]

Religionszugehörigkeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

• 1829: 221 lutheranische (= 99,10 %) und 2 katholische (= 0,90 %) Einwohner[5]
• 1961: 316 evangelische (= 91,33 %), 30 katholische (= 8,67 %) Einwohner[1]

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Für die Orte Klein-Bieberau und Webern besteht ein gemeinsamer Ortsbezirk (Gebiete der ehemaligen Gemeinden Klein-Bieberau und Webern) mit Ortsbeirat und Ortsvorsteher nach der Hessischen Gemeindeordnung.[8] Der Ortsbeirat besteht aus sieben Mitgliedern. Seit den Kommunalwahlen 2016 ist Jürgen Schmidt Ortsvorsteher.[17]

Regelmäßige Veranstaltungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Klein-Bieberau – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c d e f g h Klein-Bieberau, Landkreis Darmstadt-Dieburg. Historisches Ortslexikon für Hessen (Stand: 24. August 2018). In: Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen (LAGIS). Hessisches Landesamt für geschichtliche Landeskunde (HLGL), abgerufen im Juli 2019.
  2. Zahlen und Fakten. In: Webauftritt. Gemeinde Modautal, abgerufen im November 2019.
  3. Ernsthofen, Landkreis Darmstadt-Dieburg. Historisches Ortslexikon für Hessen (Stand: 23. Juli 2012). In: Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen (LAGIS). Hessisches Landesamt für geschichtliche Landeskunde (HLGL), abgerufen am 1. Oktober 2012.
  4. Ferdinand Dieffenbach: Das Großherzogthum Hessen in Vergangenheit und Gegenwart. Literarische Anstalt, Darmstadt 1877, S. 254 (online bei Google Books).
  5. a b c Georg Wilhelm Justin Wagner: Statistisch-topographisch-historische Beschreibung des Großherzogthums Hessen: Provinz Starkenburg. Band 1. Carl Wilhelm Leske, Darmstadt Oktober 1829, OCLC 312528080, S. 124 (Online bei google books).
  6. Gesetz zur Neugliederung der Landkreise Darmstadt und Dieburg und der Stadt Darmstadt (GVBl. II 330–334) vom 26. Juli 1974. In: Der Hessische Minister des Inneren (Hrsg.): Gesetz- und Verordnungsblatt für das Land Hessen. 1974 Nr. 22, S. 318, § 9 (Online beim Informationssystem des Hessischen Landtags [PDF; 1,5 MB]).
  7. Karl-Heinz Gerstemeier, Karl Reinhard Hinkel: Hessen. Gemeinden und Landkreise nach der Gebietsreform. Eine Dokumentation. Hrsg.: Hessischer Minister des Inneren. Bernecker, Melsungen 1977, DNB 770396321, OCLC 180532844, S. 234.
  8. a b Hauptsatzung. (PDF; 36 kB) §; 6. In: Webauftritt. Gemeinde Modautal, abgerufen im Februar 2019.
  9. Michael Rademacher: Deutsche Verwaltungsgeschichte von der Reichseinigung 1871 bis zur Wiedervereinigung 1990. Land Hessen. (Online-Material zur Dissertation, Osnabrück 2006).
  10. Grossherzogliche Centralstelle für die Landesstatistik (Hrsg.): Beiträge zur Statistik des Großherzogtums Hessen. Band 1. Großherzoglicher Staatsverlag, Darmstadt 1862, DNB 013163434, OCLC 894925483, S. 43 ff. (Online bei google books).
  11. a b Verzeichnis der Ämter, Orte, Häuser, Einwohnerzahl. (1806)HStAD Bestand E 8 A Nr. 352/4. In: Archivinformationssystem Hessen (Arcinsys Hessen), Stand: 6. Februar 1806.
  12. Hessen-Darmstädter Staats- und Adresskalender 1791. Im Verlag der Invaliden-Anstalt, Darmstadt 1791, S. 122 (Online in der HathiTrust digital library).
  13. Hessen-Darmstädter Staats- und Adresskalender 1800. Im Verlag der Invaliden-Anstalt, Darmstadt 1800, S. 124 (Online in der HathiTrust digital library).
  14. Ph. A. F. Walther: Alphabetisches Verzeichniss der Wohnplätze im Grossherzogtum Hessen. G. Jonghaus, Darmstadt 1869, OCLC 162355422, S. 48 (Online bei google books).
  15. Haushaltspläne 2017 bis 2019 (Vorbericht: Einwohner – Statistik). (PDF) In: Webauftritt. Gemeinde Modautal, S. 30 ff, abgerufen im Juli 2019.
  16. Ausgewählte Daten über Bevölkerung und Haushalte am 9. Mai 2011 in den hessischen Gemeinden und Gemeindeteilen. (PDF; 1,8 MB) In: Zensus 2011. Hessisches Statistisches Landesamt;
  17. Ortsvorsteher. In: Webauftritt. Gemeinde Modautal, abgerufen im November 2019.
  18. Darmstädter Echo, Samstag, 26. August 2017, S. 26.