Kraftwerk Gabčíkovo

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Kraftwerk Gabčíkovo
Kraftwerk Gabčíkovo
Kraftwerk Gabčíkovo
Lage
Kraftwerk Gabčíkovo (Slowakei)
Kraftwerk Gabčíkovo
Koordinaten 47° 52′ 48″ N, 17° 32′ 21″ O47.8817.539166666667132Koordinaten: 47° 52′ 48″ N, 17° 32′ 21″ O
Land: Slowakei
Ort: Gabčíkovo
Gewässer: Donau
Gewässerkilometer: km 1836
Höhe Oberwasser: 132 m
Kraftwerk
Betriebsbeginn: 1992
Technik
Engpassleistung: 720 Megawatt
Durchschnittliche
Fallhöhe:
15 m
Ausbaudurchfluss: 5.040 m³/s
Regelarbeitsvermögen/Jahr: 2.200 Millionen kWh
Turbinen: 8 Kaplan-Rohrturbinen

Durchmesser: 9,33 m

Generatoren: 8
Sonstiges
Website: www.vvb.sk/cms/index.php?page=svd-gabcikovo-nagymaros
Stand: Mai 2009

Das Kraftwerk Gabčíkovo ist ein Laufkraftwerk in der Slowakei bei Flusskilometer 1836 und nutzt die Wasserkraft der Donau. Es ist das größte Kraftwerk der Slowakei und erzeugt rund 11 % des nationalen Strombedarfs.

Geschichte[Bearbeiten]

Bereits 1947 wollte Stalin das seichte Schwemmland zwischen Győr und Bratislava ganzjährig schiffbar machen. Ein Kanal sollte es sowjetischen Kriegsschiffen ermöglichen, die Grenzen des damaligen Ostblocks zu erreichen. In den 1950er Jahren wurden erste Pläne ausgearbeitet, aber nicht realisiert.

Nach großen Überschwemmungen des Gebiets in den 1950ern und 1960ern unterzeichneten 1977 Ungarn und die Tschechoslowakei ein Abkommen zum Bau des Staustufensystems Gabčíkovo–Nagymaros. Geplant war ein Kraftwerk in Gabčíkovo und ein zweites rund 120 km donauabwärts im ungarischen Nagymaros am Donauknie. Dazu wäre die Kanalisierung bzw. Eindeichung der Donau auf 200 km erforderlich gewesen. Bereits 1981 wollte die ungarische Regierung aus finanziellen Gründen das Projekt aussetzen. 1984 bekräftigten ungarische Umweltschützer durch eine Unterschriftenaktion die ökologischen Bedenken gegen dieses Mammutprojekt. Nach dem Ende der Regierung Kádár 1988 stellte die neue Regierung 1989 nach wissenschaftlicher Untersuchung der ökologischen Folgen des Projektes alle Arbeiten in Ungarn ohne Angabe des Grundes ein.

Die tschechoslowakische Regierung hingegen hielt am Weiterbau fest und begann 1991 mit dem Bau eines Kanals, der etwa 80 % des Donauwassers aus dem Grenzfluss bei Hamuliakovo auf slowakisches Territorium umleitet. Der Wasserbaukomplex Čunovo besteht aus dem Wehr der alten Donau (Staatsgrenze), einem Wasserkraftwerk am Wehr mit 24 MW Leistung sowie ein „Entnahmeobjekt“, mit dem Wasser in durch das Mošonské rameno in die Moson-Donau ausgeleitet wird und gleichzeitig ein weiteres kleines Kraftwerk mit 1 MW beinhaltet. Rechtsseitig des Zuleitungskanals teilt ein 10,5 km langer Damm die alte Donau (Staatsgrenze) vom Kanal, bevor der Kanal auf der Kleinen Schüttinsel eine größere Entfernung zum Strom hat. Dieser Damm hat eine Dammkronenbreite von sechs Metern.

Nachdem der ursprüngliche Plan nicht umgesetzt werden konnte, weil er teilweise ungarisches Staatsgebiet einschloss, wurde die „Variante C“ umgesetzt. Die oberhalb des Wehrs Čunovo aufgestaute Donau wird als „Staubecken Hrušov“ (Zdrž Hrušov) bezeichnet und fasst auf einer Fläche von 25 km² 196 Mio. Kubikmeter Wasser. Diese geht bei Humeliakovo über in den linksseitigen Zuleitungskanal (Vodné dielo Gabčíkovo) mit einer Länge von 17 km, die linksseitige Dammkrone liegt 133,10 m über dem Baltischen Meeresspiegel.

Am 24. Oktober 1992 wurde der Kanal unter ungarischen Protesten geflutet. Ungarn fasste dies als Grenzverletzung auf und verlangte die Wiederherstellung des ursprünglichen Zustandes der Donau. Die Slowakei ihrerseits akzeptierte die einseitige Kündigung der Verträge von 1977 seitens Ungarns nicht und bestand auf deren Einhaltung.

1993 einigten sich beide Länder auf eine Anrufung des Internationalen Gerichtshofes in Den Haag. Am 25. September 1997 entschied der Gerichtshof, dass beide Länder internationales Recht verletzt hätten. Der ursprüngliche Vertrag gelte weiter und beide Staaten sollten eine neue, umweltschonendere Lösung aushandeln. Der IGH hielt in seiner Entscheidung fest, dass es sich beim zwischen Ungarn und der Tschechoslowakei abgeschlossenen Abkommen um einen Vertrag mit territorialer Bindung handle. Für einen solchen Vertrag ergebe sich aus dem Völkergewohnheitsrecht, dass ein Nachfolgestaat die Verträge des Gebietsvorgängers übernehmen müsse. Die Slowakei sei also an den seinerzeitigen Vertrag der Tschechoslowakei mit Ungarn gebunden. Um den Streit beizulegen, einigten sich Vertreter beider Regierungen im März 1998 auf ein Rahmenabkommen. Eine wirkliche Einigung ist bis heute nicht zustande gekommen, was die Beziehungen zwischen Ungarn und der Slowakei bis in die Gegenwart belastet.

Technische Beschreibung[Bearbeiten]

Westlich von Hamuliakovo (Šamorín), bei Stromkilometer 1.85348.03166666666717.230555555556 zweigt nach links der 38,5 km lange Kraftwerkskanal (Vodné dielo Gabčíkovo) ab und mündet unterhalb des Kraftwerks bei Donau-km 1.811 wieder in das ursprüngliche Flussbett. Rund 80 % des Wassers der Donau werden in diesen Kanal umgeleitet, der links vom alten Donaustrom (Staatsgrenze) verläuft und bis zu 700 m breit ist. Nach 16,7 km steht das Kraftwerk und die Schleuse von Gabčikovo mit acht Kaplan-Turbinen mit einer Engpassleistung von jeweils 90 MW. Die Ausbauwassermenge beträgt 5.040 m³/s, das Regelarbeitsvermögen jährlich 2.200 Mio kWh.

Schleusen[Bearbeiten]

  • 2 Schleusenkammern
    • Länge: 275 m
    • Breite: 34 m
    • Tiefe: 32 m
    • Volumen: 299.200 m²
  • max. Brutto-Gefälle: 21,6 m
  • 8 Flut-Kanäle 4 x 4 m
    • Flutzeit: 18 – 22 min.
  • 8 Auslasskanäle 4 x 4 m
    • Auslasszeit: 14 min.
  • Unteres zweiteiliges Tor:
    • Breite: 34 m
    • Höhe: 21,95 m
    • Dicke: 2 m
    • Gewicht: 870 t

Fähre[Bearbeiten]

Von Kyselica auf der linken Kanalseite nach Vojka nad Dunajom verkehrt eine Autofähre.

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Kraftwerk Gabčíkovo – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien