Kreislaufwirtschaft

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
(Weitergeleitet von Linearwirtschaft)
Wechseln zu: Navigation, Suche

In der Kreislaufwirtschaft (engl. circular economy meint, an den Ursprung zurückführen) sollen die eingesetzten Rohstoffe über den Lebenszyklus einer Ware hinaus wieder vollständig in den Produktionsprozess zurückgelangen. Eine wichtige Rolle spielen in der Kreislaufwirtschaft daher das Recycling von Gütern, um Abfallprodukte als Sekundärrohstoffe wiederverwerten zu können sowie die Kaskadennutzung, bei der ein Rohstoff über mehrere Stufen genutzt wird.

Das Gegenteil zur Kreislaufwirtschaft wird zumeist Linearwirtschaft (auch „Wegwerfwirtschaft“) genannt; es ist das derzeit vorherrschende Prinzip der industriellen Produktion. Dabei wird ein Großteil der eingesetzten Rohstoffe nach der jeweiligen Nutzungsdauer der Produkte deponiert oder verbrannt.[1]

Hintergrund[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Vergleich der Prozessketten in der Linear- und Kreislaufwirtschaft

Grundlage für Überlegungen zum Kreislaufprinzip war die Erkenntnis, dass in einer Welt mit endlichen Ressourcen nur Produktionsverfahren mit einem wirklichen stofflichen Kreisschluss unbeschränkt fortgeführt werden können. In einigen Jahrzehnten oder Jahrhunderten werden die bislang genutzten nichterneuerbaren Rohstoffe als Quellen aufgezehrt sein, während die zur Verfügung stehenden stofflichen Senken für Abfall- und Reststoffe ausgeschöpft sein werden. Kreislaufwirtschaft nimmt daher den Stoffkreislauf der Natur zum Vorbild und versucht kaskadische Nutzungen ohne Abfälle (zero waste) und ohne Emissionen (zero emission) zu erreichen.[2]

Im Jahr 2005 betrugen die Materialflüsse der Weltwirtschaft etwa 62 Milliarden Tonnen, wobei 58 Milliarden Tonnen aus neu gewonnenen Rohstoffen stammten und vier Milliarden Tonnen (bzw. ca. sechs Prozent) aus recycelten Gütern. 44 Prozent der gesamten Materialflüsse (28 Milliarden Tonnen) wurden zur Energiegewinnung eingesetzt, insbesondere fossile Energieträger, die bei der Nutzung verbraucht werden und daher prinzipbedingt nicht recycelt werden können. Daher ist die Energiewende, der Umstieg von fossilen auf erneuerbare Energien, eine wichtige Vorbedingung zum Erreichen der Kreislaufwirtschaft.[3]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ursprüngliches menschliches Wirtschaften, wie es noch heute in den traditionellen Landwirtschaftssystemen der sogenannten Entwicklungsländer existiert, war seit jeher ein Kreislaufsystem, da die verwendete Produktionsenergie in Form von menschlicher und ggf. tierischer Muskelkraft direkt von der bewirtschafteten Fläche stammte und da sowohl die Abfälle der Produkte (etwa Ausscheidungen, Küchenabfälle), als auch die Produktionsrückstände (etwa Stroh, Asche bei der Brandrodung) direkt in die Produktion zurückgeführt wurden.[4]

Das moderne Konzept der Kreislaufwirtschaft (circular economy) wurde 1990 von dem britischen Wirtschaftswissenschaftler David W. Pearce eingeführt. Es hat sich aus dem Konzept der industriellen Ökologie (engl. industrial ecology) entwickelt, das die Minimierung von Ressourcen und den Einsatz sauberer Technologien befürwortet. Bei der Kreislaufwirtschaft sollen nicht nur die Verwendung der Umwelt als Senke für Abfall- und Reststoffe der industriellen Fertigung, sondern auch der Einsatz neuer Materialien bei der Herstellung minimiert werden.[5]

Cradle to Cradle[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Interview mit Michael Braungart über „Cradle to Cradle“

Ein Ansatz für Kreislaufwirtschaft ist Cradle to Cradle (engl., dt. sinngemäß „Von der Wiege zur Wiege“), entwickelt seit Ende der 1990er Jahre von dem Chemiker Michael Braungart und dem Architekten William McDonough. Cradle-to-Cradle-Produkte sind nach Braungart und McDonough Produkte, die entweder als biologische Nährstoffe in biologische Kreisläufe zurückgeführt werden können oder als „technische Nährstoffe“ kontinuierlich in technischen Kreisläufen gehalten werden.

Organisiertes Engagement[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ellen MacArthur Foundation[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Ellen MacArthur Foundation hat sich zum Ziel gesetzt, den Übergang zu einer regenerativen Kreislaufwirtschaft zu beschleunigen. Im Auftrag der Stiftung erschien 2012 der erste und Anfang 2013 der zweite von McKinsey & Company erstellte Bericht zur Kreislaufwirtschaft.[6] Dieser wurde unter anderem auf dem Weltwirtschaftsforum 2013 diskutiert.[7][8][9]

Cradle to Cradle e.V.[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ziel des Vereins ist die Bekanntmachung und Verbreitung Cradle-to-Cradle-Ansatzes. Seit der Gründung im Jahr 2012 sind mehrere Regionalgruppen entstanden.[10] Seit 2014 finden jährliche Cradle-to-Cradle-Kongresse statt.[11][12]

Beispiele[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Durch Unterstützung des Nike Considered Projekts wurden Cradle to Cradle Schuhe hergestellt[13]
  • Die Rohner Textile AG stellt Kleidung aus Climatex Textilien her[14]
  • Das niederländische Unternehmen Biofoam bietet eine Cradle to Cradle Alternative zu Polystyrol an[15]
  • Das amerikanische Unternehmen TerraCycle nutzt Abfälle (wie z.B. Verpackungsreste) um neue Produkte herzustellen[16]
  • Das deutsche Unternehmen restado bietet eine Plattform zum Kaufen und Verkaufen von übrig gebliebenen Baustoffen[17]
  • Ecovative Design stellt Verpackungen und Isolierungen aus Müllresten her, in dem es die Reste mit Myzel bindet

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Fang Läpple: Abfall- und kreislaufwirtschaftlicher Transformationsprozess in Deutschland und in China: Analyse – Vergleich – Übertragbarkeit. Fakultät für Wirtschafts- und Sozialwissenschaften der Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg 2007.
  2. www.umweltdatenbank.de
  3. Haas et al., How Circular is the Global Economy? An Assessment of Material Flows, Waste Production, and Recycling in the European Union and the World in 2005. In: Journal of Industrial Ecology 19, Issue 5, (2015), 765–777, doi:10.1111/jiec.12244.
  4. Christian Lauk: Sozial-Ökologische Charakteristika von Agrarsystemen. Ein globaler Überblick und Vergleich. In: Social Ecology Working Paper 78. Institute of Social Ecology, Wien 2005. ISSN 1726-3816. S. 24.
  5. Mikael Skou Andersen: An introductory note on the environmental economics of the circular economy. Sustainability Science 2, 2007, S. 133–140, doi:10.1007/s11625-006-0013-6.
  6. Ellen MacArthur Foundation: Reports (abgerufen am 1. Februar 2013).
  7. Jo Confino: Davos 2013: taking the circular economy to scale. The Guardian Sustainable Business, 29. Januar 2013 (abgerufen am 1. Februar 2013).
  8. Ellen MacArthur on the 'circular economy' , BBC, 24. Januar 2013 (Video, 3 min 4 sec; abgerufen am 1. Februar 2013).
  9. Jo Confino: Davos 2013: strong focus on circular economy and collaboration: Interview mit Peter Lacy von Accenture. The Guardian Sustainable Business, 25. Januar 2013 (Video, 7 min 20 sec; abgerufen am 1. Februar 2013).
  10. Cradle to Cradle e.V.: Über uns (Abgerufen am 31. Januar 2014)
  11. Cradle to Cradle e.V.: Pressemitteilung zum Cradle to Cradle Kongress 2014 vom 17. November 2014
  12. www.c2c-kongress.de
  13. Nike Considered Projekt
  14. Climatex als Cradle to Cradle zertifizierte Textilien Abgerufen am 22. Januar 2017
  15. Biofoam Abgerufen am 22. Januar 2017
  16. Überblick von TerraCycle Inc.. Bloomberg Businessweek. Abgerufen am 25. Juli 2013.
  17. Was ist restado? In: restado.de. Abgerufen am 29. Januar 2017.