Brechen (Hessen)

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Wappen Deutschlandkarte
Brechen (Hessen)
Deutschlandkarte, Position der Gemeinde Brechen (Hessen) hervorgehoben

Koordinaten: 50° 21′ N, 8° 11′ O

Basisdaten
Bundesland: Hessen
Regierungsbezirk: Gießen
Landkreis: Limburg-Weilburg
Höhe: 186 m ü. NHN
Fläche: 24,86 km2
Einwohner: 6428 (31. Dez. 2021)[1]
Bevölkerungsdichte: 259 Einwohner je km2
Postleitzahl: 65611
Vorwahlen: 06438, 06483
Kfz-Kennzeichen: LM, WEL
Gemeindeschlüssel: 06 5 33 002
Adresse der
Gemeindeverwaltung:
Marktstraße 1
65611 Brechen (Hessen)
Website: www.gemeinde-brechen.de
Bürgermeister: Frank Groos (parteilos)
Lage der Gemeinde Brechen (Hessen) im Landkreis Limburg-Weilburg
Rheinland-PfalzHochtaunuskreisRheingau-Taunus-KreisLahn-Dill-KreisBad CambergBeselichBrechen (Hessen)Dornburg (Hessen)Elbtal (Hessen)Elz (Westerwald)HadamarHünfeldenLimburg an der LahnLimburg an der LahnLöhnbergMengerskirchenMerenbergRunkelSelters (Taunus)VillmarWaldbrunn (Westerwald)WeilburgWeilmünsterWeinbachKarte
Über dieses Bild

Brechen ist eine Gemeinde im mittelhessischen Landkreis Limburg-Weilburg.

Geografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Geografische Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Brechen liegt im südöstlichen Teil des Limburger Beckens zwischen Taunus und Westerwald. Das waldarme Lösshügelland wird hier von Südost nach Nordwest vom Emsbach durchquert, welcher bei Niederbrechen den Wörsbach aufnimmt und das Gebiet zur Lahn hin entwässert. Zusammen mit der sich südlich anschließenden Idsteiner Senke ist diese Landschaft unter dem volkstümlichen Namen Goldener Grund bekannt, welcher auf die Klimagunst und fruchtbare Böden verweist.

Nachbargemeinden[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach Nordwesten grenzt die Gemeinde Brechen an die Kreisstadt Limburg, nach Norden an die Stadt Runkel, nach Nordosten an den Marktflecken Villmar, nach Südosten an die Gemeinde Selters (Taunus) und nach Südwesten an die Gemeinde Hünfelden (alle im Landkreis Limburg-Weilburg).

Gemeindegliederung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Gemeinde Brechen besteht aus drei Ortsteilen:

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gemeindegebiet[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Siehe auch: Römerlager Oberbrechen

Die älteste bekannte urkundliche Erwähnung finden Nieder- und Oberbrechen unter dem Namen Brachina („an der Berglehne“) in einer Schenkungsurkunde des Klosters Lorsch vom 12. August 772. In der Folgezeit gingen die Orte in das Eigentum der Abtei St. Maximin Trier über. Über viele Jahrhunderte wechselte der Besitz zwischen den Kurfürstentum Trier und der Herrschaft von Molsberg hin und her. Bedeutung hatten die Orte durch ihre Lage an der Fernhandelsstraße KölnFrankfurt am Main (Via Publica) als Vorposten kurtrierischen Gebiets in Richtung Frankfurt. Niederbrechen besaß im Mittelalter zeitweilig Stadtrechte und eine heute noch in Teilen erhaltene Stadtmauer.

Die auf dem Gemeindegebiet liegende Berger Kirche existiert seit karolingischer Zeit und war die Mutterkirche der Region. Sie war Ortskirche der Wüstung Bergen, die zwischen 1354 und 1490 untergegangen sein muss. Die erste urkundliche Erwähnung fand 910 statt; heutige Gebäudeteile lassen sich etwa bis zur ersten Jahrtausendwende zurückdatieren.

Der Ortsteil Werschau wurde 1235 erstmals urkundlich erwähnt.

Im Jahr 1803 kam das Gemeindegebiet durch den Reichsdeputationshauptschluss und die Auflösung von Kurtrier zum Fürstentum Nassau-Weilburg, das vereinigt mit Nassau-Usingen 1806 zum Herzogtum Nassau wurde. Dabei gehörten die drei damals selbständigen Gemeinden Oberbrechen, Niederbrechen und Werschau zum Amt Limburg. Da das Herzogtum Nassau 1866 im Preußisch-Österreichischen Krieg auf der Seite des unterlegenen Kaisertums Österreich stand, wurde es von Preußen annektiert und mit dem ebenfalls annektierten Kurhessen die Provinz Hessen-Nassau gebildet. Aus dem vormaligen Herzogtum Nassau entstand der preußische Regierungsbezirk Wiesbaden. Die bisherigen nassauischen Ämter wurden 1867 aufgelöst und durch Kreise ersetzt, wobei das ehemalige Amt Limburg zuerst zum Unterlahnkreis kam und dann 1886 zum neuen Kreis Limburg. Zum 1. Juli 1944 wurde die preußische Provinz Hessen-Nassau in die neugebildeten Provinzen Kurhessen und Nassau aufgeteilt. Nach dem Zweiten Weltkrieg kamen die drei damals selbständigen Gemeinden Oberbrechen, Niederbrechen und Werschau zur Amerikanischen Besatzungszone und dann an das neugebildete Land Groß-Hessen, das 1946 verkleinert und in Hessen umbenannt wurde und die US-amerikanisch besetzten Gebietsteile des vorherigen Volksstaates Hessen sowie der ehemaligen preußischen Provinz Hessen-Nassau umfasste. 1968 wurde der Regierungsbezirk Wiesbaden aufgelöst und vollständig dem Regierungsbezirk Darmstadt angegliedert.

Gemeindebildung 1971/74[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Gemeinde Brechen entstand im Zuge der Gebietsreform in Hessen. Zuerst fusionierten die bis dahin selbständigen Gemeinden Niederbrechen und Werschau freiwillig zum 31. Dezember 1971 zur neuen Gemeinde Brechen. Oberbrechen kam am 1. Juli 1974 kraft Landesgesetz hinzu.[2][3] Ortsbezirke nach der Hessischen Gemeindeordnung wurden nicht errichtet.

1974 kam Brechen mit dem Kreis Limburg zum neugebildeten Landkreis Limburg-Weilburg. Und 1981 wurde der Landkreis Limburg-Weilburg dem neugeschaffenen mittelhessischen Regierungsbezirk Gießen angegliedert.

Bevölkerung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einwohnerstruktur 2011[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach den Erhebungen des Zensus 2011 lebten am Stichtag dem 9. Mai 2011 in Brechen 6636 Einwohner. Nach dem Lebensalter waren 1185 Einwohner unter 18 Jahren, 2763 zwischen 18 und 49, 1359 zwischen 50 und 64 und 1329 Einwohner waren älter.[4] Unter den Einwohnern waren 262 (3,9 %) Ausländer, von denen 67 aus dem EU-Ausland, 149 aus anderen europäischen Ländern und 46 aus anderen Staaten kamen.[5] (Bis zum Jahr 2020 erhöhte sich die Ausländerquote auf 7,1 %.[6]) Die Einwohner lebten in 2769 Haushalten. Davon waren 780 Singlehaushalte, 822 Paare ohne Kinder und 927 Paare mit Kindern, sowie 201 Alleinerziehende und 42 Wohngemeinschaften. In 636 Haushalten lebten ausschließlich Senioren und in 1857 Haushaltungen lebten keine Senioren.[4]

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Brechen: Einwohnerzahlen von 1973 bis 2020
Jahr  Einwohner
1973
  
6.361
1975
  
6.266
1980
  
6.170
1985
  
6.091
1990
  
6.345
1995
  
6.546
2000
  
6.715
2005
  
6.753
2010
  
6.573
2011
  
6.636
2015
  
6.518
2020
  
6.457
Quelle(n): Hessisches Statistisches Informationssystem[6]

Religionszugehörigkeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

• 1987: 660 evangelische (= 10,7 %), 5251 katholische (= 84,9 %), 273 sonstige (= 4,4 %) Einwohner[7]
• 2011: 997 evangelische (= 15,0 %), 4467 katholische (= 67,3 %), 1172 sonstige (= 17,7 %) Einwohner[7]
• 2020: 908 evangelische (= 13,6 %) und 3783 (= 56,09 %) katholische, 1663 sonstige (= 29,5 %) Einwohner[8]

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gemeindevertretung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Kommunalwahl am 14. März 2021 lieferte folgendes Ergebnis,[9] in Vergleich gesetzt zu früheren Kommunalwahlen:[10][11][12]

Sitzverteilung in der Gemeindevertretung 2021
     
Insgesamt 31 Sitze
Parteien und Wählergemeinschaften 2021 2016 2011 2006 2001
% Sitze % Sitze % Sitze % Sitze % Sitze
CDU Christlich Demokratische Union Deutschlands 29,9 9 33,0 10 34,8 11 41,1 13 40,7 13
FWG Freie Wählergemeinschaft Brechen 26,6 8 26,5 8 27,0 8 23,3 7 23,0 7
BWG Bürgerliche Wählergemeinschaft Brechen 21,7 7 20,9 7 20,0 6 20,2 6 15,7 5
SPD Sozialdemokratische Partei Deutschlands 15,3 5 13,3 4 14,8 5 15,4 5 20,6 6
FDP Freie Demokratische Partei 6,5 2 6,3 2 3,4 1
Gesamt 100,0 31 100,0 31 100,0 31 100,0 31 100,0 31
Wahlbeteiligung in % 56,6 63,4 48,7 46,9 54,4
Rathaus der Gemeinde Brechen in Niederbrechen

Bürgermeister[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach der hessischen Kommunalverfassung ist der Bürgermeister Vorsitzender des Gemeindevorstands, dem in der Gemeinde Brechen neben dem Bürgermeister sieben ehrenamtliche Beigeordnete angehören. Seit dem Jahr 1993 werden in Hessen die |Bürgermeister für sechs Jahre direkt gewählt.[13]

Bürgermeister ist seit dem 1. Dezember 2016 der parteilose Frank Groos.[13][14] Seine direkt gewählten Amtsvorgänger waren:[13]

  • bis 2016 Werner Schlenz
  • bis 2004 Bernhard Königstein

Wappen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Brechener Wappen trägt in vier Feldern die Attribute der Kirchenpatrone der drei Ortsteile, Bär (Heiliger Maximin), Drache (Heiliger Georg) und Rose (Heilige Sieben Brüder) sowie das rote Trierer Kreuz als Hinweis auf die einstige Zugehörigkeit zum Kurfürstentum Trier.

Städtepartnerschaften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • FrankreichFrankreich Le Barp, Frankreich, seit 2021


Bauwerke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die früher dominierende Landwirtschaft ist auch heute noch bedeutend, fast 70 % der Gemeindefläche wird von weniger als zehn Vollerwerbsbetrieben landwirtschaftlich genutzt. Brechen hat sich jedoch zur Wohngemeinde gewandelt, 90 % der Erwerbstätigen verdienen ihren Lebensunterhalt in den umliegenden Städten, hauptsächlich aber im Rhein-Main-Gebiet.

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Brechen ist durch die 6 km entfernte Anschlussstelle Limburg-Süd der A 3 an das Fernstraßennetz angebunden. Durch die Gemeinde verläuft die B 8.

Die Haltepunkte Oberbrechen und Niederbrechen liegen an der Main-Lahn-Bahn von Frankfurt (Main) nach Limburg (Lahn) (RMV-Linie 20).

Die Schnellfahrstrecke Köln–Rhein/Main durchquert mit der Wörsbachtalbrücke das Gemeindegebiet. Über den rund fünf Streckenkilometer entfernten Bahnhof Limburg Süd verkehren Züge Richtung Frankfurt (Main) und Köln (und darüber hinaus) in einem weitgehenden Stundentakt.

Der Hessische Radfernweg R8 verläuft durch die Orte Niederbrechen und Oberbrechen.

Bildung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Gemeinde verfügt über eine Grund- und Hauptschule mit Realschulzweig in Niederbrechen sowie eine weitere Grundschule in Oberbrechen. Weiterführende Schulen gibt es im nahen Limburg.

Einrichtungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Schule im Emsbachtal in Niederbrechen
  • Grundschule Oberbrechen in Oberbrechen
  • Kindergarten Niederbrechen, In der Schlei 45
  • Kindergarten Niederbrechen, Westerwaldstraße 1–3
  • Kindergarten Oberbrechen
  • Kindergarten Werschau
  • Freiwillige Feuerwehr Niederbrechen, gegr. 1897 (seit 1947 mit Blasorchester)
  • Freiwillige Feuerwehr Oberbrechen, gegr. 1895 (seit 1972 mit Musikzug, seit 1. März 1988 mit Jugendfeuerwehr und seit 2012 eine Kinderfeuerwehr)
  • Freiwillige Feuerwehr Werschau, gegr. 1927 (seit 1. Mai 1972 mit Jugendfeuerwehr)
  • Katholische öffentliche Bücherei Niederbrechen
  • Katholische öffentliche Bücherei Oberbrechen
  • Katholische öffentliche Bücherei Werschau
  • DLRG OG Brechen-Runkel-Villmar, gegr. 1974 (auch mit DLRG-Jugend)

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Söhne und Töchter der Gemeinde[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Persönlichkeiten, die vor Ort gewirkt haben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Christoph Waldecker: 1363: Verleihung der Stadtrechte an Niederbrechen. Niederbrechen, die Region und das städtische Leben im Spätmittelalter. Mit Überlegungen zu Niederbrechens Verlust der Stadtrechte. Brechen 2014 (Schriftenreihe Gemeindearchiv Brechen 11).
  • Literatur über Brechen nach Register nach GND In: Hessische Bibliographie

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Brechen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Hessisches Statistisches Landesamt: Bevölkerung in Hessen am 31.12.2021 nach Gemeinden (Landkreise und kreisfreie Städte sowie Gemeinden, Einwohnerzahlen auf Grundlage des Zensus 2011) (Hilfe dazu).
  2. Gesetz zur Neugliederung des Landkreises Limburg und des Oberlahnkreises. (GVBl. II 330-25) vom 12. März 1974. In: Der Hessische Minister des Innern (Hrsg.): Gesetz- und Verordnungsblatt für das Land Hessen. 1974 Nr. 5, S. 101, § 7 (Online beim Informationssystem des Hessischen Landtags [PDF; 809 kB]).
  3. Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27.5.1970 bis 31.12.1982. W. Kohlhammer, Stuttgart/Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 369.
  4. a b Ausgewählte Daten über Bevölkerung und Haushalte am 9. Mai 2011 in den hessischen Gemeinden und Gemeindeteilen. (PDF; 1,1 MB) In: Zensus 2011. Hessisches Statistisches Landesamt, S. 18 und 58;.
  5. Bevölkerung nach Staatsangehörigkeit (Gruppen):  Brechen. In: Zensus 2011. Statistisches Bundesamt, abgerufen im April 2022.
  6. a b Hessisches Statistisches Informationssystem In: Statistik.Hessen.
  7. a b Ausgewählte Strukturdaten über die Bevölkerung am 9. Mai 2011 in den hessischen Gemeinden. (PDF; 1,0 MB) In: Zensus2011. Hessisches Statistisches Landesamt, S. 51;.
  8. Zahlen – Daten – Fakten – Einwohnerzahlen in Kürze. In: Webauftritt. Gemeinde Brechen, abgerufen im Dezember 2021.
  9. Ergebnis der Gemeindewahl am 14. März 2021. In: Webauftritt. Hessisches Statistisches Landesamt, abgerufen im April 2021.
  10. Ergebnis der Gemeindewahl am 6. März 2016. In: Webauftritt. Hessisches Statistisches Landesamt, abgerufen im April 2016.
  11. Ergebnis der Gemeindewahl am 27. März 2011. In: Webauftritt. Hessisches Statistisches Landesamt, abgerufen im April 2011.
  12. Ergebnis der Gemeindewahl am 26. März 2006. (Nicht mehr online verfügbar.) In: Webauftritt. Hessisches Statistisches Landesamt, archiviert vom Original; abgerufen im April 2006.
  13. a b c Bürgermeister-Direktwahlen in Brechen. In: Statistik.Hessen. Hessisches Statistisches Landesamt, abgerufen im Januar 2021.
  14. Gemeinde Brechen: Gemeindevorstand 2016–2021, abgerufen am 28. Juli 2016.