Ludwigskirche (Saarbrücken)

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Die Ostfassade der Ludwigskirche, 2007

Die Ludwigskirche im Saarbrücker Stadtteil Alt-Saarbrücken ist eine evangelische Kirche im Barockstil. Sie ist das Wahrzeichen der Stadt und gilt neben der Dresdner Frauenkirche und dem Hamburger „Michel“ als einer der bedeutendsten evangelischen barocken Kirchenbauten Deutschlands.

Geschichte[Bearbeiten]

Fürst Wilhelm Heinrich von Nassau-Saarbrücken
Friedrich Joachim Stengel

Die Ludwigskirche sowie der sie umgebende Ludwigsplatz wurden von Friedrich Joachim Stengel im Auftrag von Fürst Wilhelm Heinrich von Nassau-Saarbrücken als „Gesamtkunstwerk“ im Sinne einer barocken place royale entworfen. Der Bau begann im Jahr 1762. Nach dem Tod Wilhelm Heinrichs im Jahr 1768 wurden die Arbeiten wegen Geldmangels eingestellt. Erst 1775 wurde die Kirche durch seinen Sohn Ludwig fertiggestellt, nach dem sie auch benannt wurde (und nicht nach Ludwig dem Heiligen, worauf fehlerhafte, jedoch gebräuchliche Übersetzungen wie église St. Louis oder St. Louis church hindeuten). Die Einweihung fand am 25. August 1775 mit einem feierlichen Gottesdienst und einer eigens zu diesem Anlass komponierten Kantate statt.

In den Jahren 1885–1887 und 1906–1911 führte man Restaurierungsarbeiten durch. Während des Zweiten Weltkriegs wurde die Ludwigskirche praktisch komplett zerstört: Nach dem Bombenangriff vom 5. Oktober 1944 standen nur noch Reste der Umfassungsmauern. Der Wiederaufbau begann 1949, ist aber bis heute noch nicht abgeschlossen. Ein wesentlicher Faktor für diese lange Verzögerung war der von den 1950er bis in die 1970er Jahre mit großer Heftigkeit ausgetragene Streit, ob beim Wiederaufbau auch der vollständig verlorene barocke Innenraum rekonstruiert werden sollte. Zunächst hatte man sich auf eine Wiederherstellung der Außenhülle mit einer modernen Innenraumkonzeption verständigt, diesen Plan aber schließlich wieder aufgegeben. Die Innenrestaurierung wurde 2009 mit der Wiederherstellung des Fürstenstuhls (das fürstliche Gestühl, das sich auf der der Orgel gegenüber liegenden Empore befand) abgeschlossen. Nun fehlen nur noch außen einige der Balustraden-Figuren .

Gestaltung[Bearbeiten]

Ludwigskirche und Ludwigsplatz (Modell in angenommener Farbfassung)

Der Grundriss entspricht etwa einem griechischen Kreuz; die Achsen sind 38,5 m und 34,2 m lang und jeweils 17 m breit. In den Risalitschrängen befinden sich außen Nischen, in denen vier Evangelistenstatuen von Francuß Bingh angebracht wurden. Die Steinbalustrade wurde mit 28 Figuren geschmückt, die ebenfalls von Bingh stammen und Apostel, Propheten und andere biblische Gestalten darstellen.

Das Innere der Kirche ist mit ornamentalem Stuck (Kartuschen, Rocaille) dekoriert. In allen vier Kreuzarmen befinden sich Emporen, die jeweils von zwei (Seitenemporen) bzw. vier (Orgel- und Fürstenempore) Karyatiden getragen werden. Der Fußboden ist aus Sandstein.

Das besondere an der Innengestaltung ist einerseits die insgesamt in die Breite gerichtete Anordnung der ganzen Kirche (man spricht von einer „Breitsaalkirche“) und darin wiederum die gestufte Anordnung von Altar, Kanzel und Orgel übereinander (ein sogenannter „Kanzelaltar“) - eine für eine lutherische Kirche eher ungewöhnliche Anordnung, die aber von Stengel schon in etlichen anderen Bauten in früheren Jahren realisiert worden war.

Stengel entwarf nicht nur den Gesamtplan der Kirche und der umliegenden Palais' vom Türgriff bis zur Gesamtanlage, sondern passte Kirche und Platz auch in zwei große städtebauliche Sichtachsen ein, von denen die eine, die von der sogenannten „Alten Kirche“ im Stadtteil St. Johann durch die heutige Wilhelm-Heinrich-Straße und das Hauptportal bis auf den Altar reichte, heute noch erkennbar ist: die sog. „Stengelachse“. Die andere zeigte über den heute zur saarländischen Staatskanzlei weisenden Ausgang bis auf das ehemalige fürstliche Lustschlösschen auf dem Ludwigsberg, den sogenannten Ludwigspark.

Umstritten ist der Auftrag eines weißen Außenanstriches, der sich an den übrigen Stengel-Gebäuden, die den Platz umsäumen, findet. Einige Stimmen glauben nachweisen zu können, dass die Kirche ursprünglich ebenfalls einen weißen Außenanstrich aufwies; andere Stimmen widersprechen dieser Darstellung.

Foto-Galerie[Bearbeiten]

Orgel[Bearbeiten]

Kanzelaltar mit Orgel

Die Ludwigskirche beherbergte bis 1944 eine dreimanualige Orgel, die Mitte des 18. Jahrhunderts von dem Orgelbauer Stumm (Rhaunen-Sulzbach) mit 37 Registern erbaut worden war. Das heutige Orgelgehäuse ist eine Rekonstruktion dieses historischen Gehäuses. Es wurde zusammen mit dem Orgelwerk 1982 fertiggestellt. Das Instrument stammt aus der Orgelbaufirma Rudolf von Beckerath (Hamburg). Es hat 47 Register auf drei Manualen und Pedal. Die Trakturen und Koppeln sind mechanisch.[1]

I Hauptwerk C–g3

1. Bordun 16′
2. Prinzipal 8′
3. Spitzflöte 8′
4. Gamba 8′
5. Blockflöte 4′
6. Oktave 4′
7. Quinte 22/3
8. Oktave 2′
9. Mixtur VI
10. Fagott 16′
11. Trompete 8′
II Schwellwerk C–g3
12. Violprinzipal 8′
13. Holzflöte 8′
14. Gemshorn 8′
15. Schwebung 8′
16. Oktave 4′
17. Traversflöte 4′
18. Nasat 22/3
19. Flachflöte 2′
20. Terz 13/5
21. Sifflöte 1′
22. Scharfmixtur IV-VI
23. Englischhorn 16′
24. Hautbois 8′
25. Clairon 4′
Tremulant
III Oberwerk C–g3
26. Holzgedackt 8′
27. Quintadena 8′
28. Prinzipal 4′
29. Rohrflöte 4′
30. Oktave 2′
31. Quinte 11/3
32. Sesquialtera II 22/3
33. Zimbel III
34. Rankett 16′
35. Cromorne 8′
Tremulant
Pedal C–f1
36. Subbaß 16′
37. Prinzipal 16′
38. Quinte 102/3
39. Oktave 8′
40. Gemshorn 8′
41. Oktave 4′
42. Nachthorn 2′
43. Rauschpfeife III
44. Mixtur VI
45. Posaune 16′
46. Trompete 8′
47. Trompete 4′

Glocken[Bearbeiten]

Nachdem man im Ersten Weltkrieg die Bronzeglocken hatte abliefern müssen, entschloss sich das Presbyterium nach Kriegsende, preiswertere und für zukünftige Kriegszwecke nicht gefährdete Gussstahlglocken anzuschaffen. Im Jahre 1921 erstellte die Gussstahlfirma Bochumer Verein ein vierstimmiges Geläut, das bis heute noch erklingt. Das gesamte Bruttogewicht aller Glocken beträgt 7250 kg. Die zweitgrößte Glocke besitzt einen Uhrschlaghammer, der sie nur zur vollen Stunde schlägt. Zum Sonntageinläuten samstags um 18:00 Uhr ertönt das volle Geläut.

Nr. Name Nominal Gussjahr Glockengießer Gewicht
(kg)
Durchmesser
(cm)
1 Christusglocke a0 1921 Bochumer Verein 3300 198,8
2 Paulusglocke c1 1921 Bochumer Verein 1900 167,3
3 Lutherglocke es1 1921 Bochumer Verein 1200 143
4 Ernst-Moritz-Arndt-Glocke ges1 1921 Bochumer Verein 850 126

Ludwigsplatz[Bearbeiten]

Planskizze der ursprünglich vorgesehenen Bebauung für den Ludwigsplatz

Der die Kirche umgebende Platz, der Ludwigsplatz, war von Anfang an ein integraler Teil der Stengelschen Gesamtkonzeption. Der ursprüngliche Plan sah einen langgestreckten rechteckigen Platz vor, an dessen Langseiten vier verschieden gestaltete Typen von adeligen Stadtpalais' platziert und dessen Stirnseiten von zwei großen öffentlichen Gebäuden abgeschlossen werden sollten. Dieses Konzept wurde noch während der Bauzeit dahingehend geändert, dass das nach Osten weisende Gebäude (in dem das Ludwigsgymnasium untergebracht war) zugunsten der Sichtachse nach St. Johann (der sogenannten „Stengelachse“, heute durch die Wilhelm-Heinrich-Straße markiert) durchbrochen wurde und nur das westliche Gebäude erhalten blieb (das damalige Waisenhaus, heute Sitz der Hochschule der Bildenden Künste Saar). Die Reste des Gymnasiums, die beim großen Bombenangriff 1944 schwer beschädigt wurden, wurden 1945 abgerissen, sie standen ungefähr an der Stelle, die heute das obere Plateau der Freitreppe ausmacht. Im Palais Freithal war von Kriegsende bis 1980 das Staatliche Konservatoramt und das Museum für Vor- und Frühgeschichte untergebracht.[2] Von den Palais' der Längsseiten wurden die vier kleinsten, für die Ecken des Platzes vorgesehenen Bauten nie ausgeführt - wodurch es möglich war, zwischen Waisenhaus und Kirche eine Straße verlaufen zu lassen, die den Platzeindruck ebenso schmälert wie der zum Teil noch vorhandene Baumbestand. Im Gegensatz dazu ist der Platz, der heute von der Staatskanzlei eingenommen wird, von Stengel bewusst frei gelassen worden, um eine zweite Sichtachse, nämlich hinauf zum fürstlichen Park auf dem Ludwigsberg herzustellen. Der Schnittpunkt der beiden Sichtachsen befindet sich genau am Hauptaltar der Kirche.

Briefmarken und Münzen[Bearbeiten]

1965 wurde die Ludwigskirche in der Briefmarkenserie Hauptstädte der Länder der Bundesrepublik Deutschland abgebildet. 2007 war sie auf einer Briefmarke zum 50-jährigen Bestehen des Bundeslandes Saarland abgebildet. Als Wahrzeichen der saarländischen Landeshauptstadt Saarbrücken wurde 2009 die Ludwigskirche auf einer 2-Euro-Gedenkmünze geprägt.

Literatur[Bearbeiten]

  • Fritz Kloevekorn: Geschichte der Evangelischen Kirchengemeinde Alt-Saarbrücken. Saarbrücken 1960
  • Robert H. Schubart: Ludwigsplatz und Ludwigskirche in Saarbrücken 1762 - 1765 - 1775. Studie zu Idee und Gestalt. Saarbrücken 1967
  • Dieter Heinz: Ludwigskirche zu Saarbrücken. 2. Auflage, Saarbrücken 1979, ISBN 3-477-00061-7
  • Horst Heydt (Hrsg.): Ludwigskirche 1775. Festschrift, Saarbrücken 1980
  • Horst Heydt, Görres-Buchhandlung (Hrsg): Ludwigskirche 1982. Dokumente, Erinnerungen, Studien. Saarbrücken 1982
  • Robert H. Schubart: Ludwigskirche und Ludwigsplatz Saarbrücken. Saarbrücken 1983
  • Georg Dehio: Handbuch der deutschen Kunstdenkmäler. Rheinland-Pfalz, Saarland. Deutscher Kunstverlag, München 1984, S. 889–892, ISBN 3-422-00382-7
  • Horst Heydt: Ludwigskirche und Ludwigsplatz zu Alt-Saarbrücken. Saarbrücken 1991, ISBN 3-9802837-0-4
  • Hans-Christoph Dittscheid, Klaus Güthlein (Hrsg.): Die Architektenfamilie Stengel. Friedrich Joachim (1694-1787), Johann Friedrich (Fjodor Fjodorowitsch, 1746-1830?), Balthasar Wilhelm (1784-1824), Petersberg 2005, ISBN 3-937251-88-X
  • Alfred Werner Maurer: Der künstlerische u. stilgeschichtliche Einfluss der architekturtheoretischen Schriften von Nicolaus Goldmann und Leonhard Christoph Sturm auf die Bauwerke F.J. Stengel. Philologus Verlag Basel (CH), 2006.
  • Alfred Werner Maurer: Friedrich Joachim Stengel, seine Bauwerke und das Verhältnis zur Architekturtheorie, Philologus-Dokumente Basel (CH) 2009.Verlag, 2006.
  • Horst Heydt (Hrsg.): Die Ludwigskirche zu Saarbrücken. Merziger Druckerei & Verlag, Merzig 2008, 229 S.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Die Orgel auf OrganIndex
  2.  Frans-Josef Schumacher, Landesdenkmalamt im Ministerium für Umwelt, Energie und Verkehr, Saarbrücken (Hrsg.): Landesarchäologie Saar 2005-2009-Denkmalpflege im Saarland 2. Saarbrücken 2010, ISBN 978-3-927856-12-7.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Ludwigskirche (Saarbrücken) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

49.2327777777786.9863888888889Koordinaten: 49° 13′ 58″ N, 6° 59′ 11″ O