Luhns

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Luhns

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Rechtsform GmbH
Gründung 1869
Sitz Wuppertal
Leitung Khodayar Alambeigi
Mitarbeiterzahl 320
Umsatz 170 Mio. Euro (2009)
Branche Reinigungsmittel
Website luhns.de

Die Luhns GmbH war ein deutscher Hersteller von Wasch-, Putz- und Reinigungsmitteln mit Sitz im Wuppertaler Stadtbezirk Oberbarmen.

Der Jahresumsatz betrug 2009 etwa 170 Millionen Euro[1] bei einer Mitarbeiterzahl von 320[1] innerhalb der gesamten Luhns-Gruppe. Die Produkte sind vor allem in Discount-Supermärkten wie Aldi oder Netto zu finden. Nach eigenen Angaben ist Luhns der zweitgrößte Hersteller von Handelsmarken in Deutschland, die Nummer drei in Europa.[2]

Das Sortiment von Luhns bestand aus rund 800 Körperpflegeprodukten.[2]

Standorte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Greven-Reckenfeld in Deutschland werden verschiedenste Arten von Flüssigprodukten wie Vollwaschmittel, Weichspüler, WC-Reiniger und Spülmittel hergestellt. Im Werk Bopfingen wurden bis 2011 hochwertige Körperpflegeprodukte wie Dusch- und Schaumbäder, Shampoos und Cremeseifen hergestellt. Nach Übernahme durch die Hansa Group wurde der Produktionsstandort zum 2. Quartal 2011 nach Genthin verlagert.[3]

Der Gründungsstandort in Wuppertal, wo bis 2001 Seifen, Zahncreme und WC-Stifte produziert wurden, war 2001 nahezu aufgegeben und beherbergte nur noch das Forschungs- und Entwicklungs-Labor. Man bemühte sich um Konzepte für eine zukünftige Verwendung des 20.000 m² großen Werksgeländes.[2][4] Der Verwaltungssitz wurde nach Greven verlegt; Einkauf und Vertrieb befanden sich von 2006 bis März 2009 im Triangle-Hochhaus in Köln-Deutz.

Seit März 2009 befinden sich neben der Forschung und Entwicklung auch der Verwaltungssitz sowie der Einkauf, Vertrieb und das Marketing wieder in Wuppertal.[2] Seit Ende 2013 befindet sich das Jobcenter Oberbarmen in einem Teil der Räumlichkeiten.[5] Was mit dem restlichen Gebäudekomplex passieren würde, war lange Zeit unklar.[6] Nachdem ein Einzug einer Kaufland-Filiale und die Planung eines Ärztezentrums scheiterten, wurde im Juni 2017 bekannt gegeben, dass das restliche, 21.000 m² große Areal abgerissen werden soll.[7]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Luhns-Verwaltungsgebäude in Wuppertal
Der Innenhof der Luhns-Zentrale in Wuppertal

Das Unternehmen wurde am 8. Januar 1869 von August Luhn, seiner Ehefrau Pauline und Theodor Leyerer in Barmen-Wichlinghausen am Schwarzbach, heute ein Ortsteil von Wuppertal, als Fabrikation für Schmierseife gegründet.

Der Firmenname Luhns ist seit 1899 patentrechtlich geschützt.[8] 1900 wurden die drei größten Siedekessel Deutschlands betrieben, sie hatten ein Fassungsvermögen von 300.000 Kilogramm.[8] Ein eigener Werksanschluss wurde 1901 vom Bahnhof Barmen-Wichlinghausen (ab 1929: Wuppertal-Wichlinghausen) angelegt, er erlaubte das gleichzeitige Beladen von zwölf Güterwagen.[8]

Innerhalb weniger Jahre entwickelte sich der Seifenproduzent über die erste „elektrisch betriebene Seifenfabrik“ zum größten Hersteller in Deutschland.[1] 1914 arbeiteten 260 Mitarbeiter in dem Werk in Barmen-Wichlinghausen und schufen einen Umsatz von acht bis zehn Millionen Goldmark. Der Werbespruch „Am roten Band wird LUHNS erkannt“ wurde schon früh eingeführt und begleitete Generationen. In den 1890er Jahren bereits patentgeschützt, erlosch der Patentschutz auf den Slogan Anfang 1960.[1] Weitere bekannte Slogans waren „Lunika wäscht wunderbar“ und „Wasche mit Luhns – denn viele tun’s“.[2]

1939 waren 350 Mitarbeiter auf dem rund 10.000 m² großen Werksgelände beschäftigt.[8] Bei den Luftangriffen im Zweiten Weltkrieg wurden weite Teile der Fabrikation zerstört.[8] Nach dem Krieg brachte man als erstes Unternehmen der Branche ein Seifenpulver mit Schaumbleiche heraus.[8]

1969 zum 100-jährigen Bestehen des Unternehmens erreichte der Umsatz 86 Millionen Mark, es wurden rund 700 Mitarbeiter beschäftigt.[2][8] Ein Großbrand richtete 1970 einen Schaden von rund einer Million DM an.[8] 1972 schied die Familie Luhns aus dem Unternehmen aus, das Unternehmen wurde in eine Aktiengesellschaft umgewandelt und ging später in Besitz der belgischen Firma Tensia über.[8]

Die British Petroleum erwarb das Unternehmen 1980 und veräußert es 1987 an die Zürcher Steinfels-Gruppe.[8] Im gleichen Jahr wurde das belgische Werk in Lembeek erworben.[8] Zwei Jahre später erwarb man das Werk in Bopfingen, zugleich wurde der Betrieb in Greven wieder aufgenommen.[8]

1993 wurde der Finanzinvestor Warburg Pincus Mehrheitsgesellschafter und Pall Mall Mitaktionär von Luhns.[8] Ein Jahr darauf übernahm Luhns die beiden Firmen Butler und Trendy.[8] Andreas Heeschen, bisher Gesellschafter der Pall Mall Capital, wird nach Austritt von Warburg Pincus Mehrheitsgesellschafter von Luhns.[8] Eine geplante Fusion mit dem Düsseldorfer Henkel-Konzern wurde 1999 vom Bundeskartellamt untersagt.[9]

Im Dezember 2008 verkaufte der Alleingesellschafter und Geschäftsführer Heeschen seine Anteile; seitdem gehört Luhns zu der Hansa-Chemie-Gruppe des iranischstämmigen Duisburger Unternehmers Khodayar Alambeigi (zunächst als Tochter der Savanna AG, seit Mai 2010 als Tochter der börsennotierten Hansa Group).[1][10][11]

Nach der Insolvenz der Hansa Group Mitte des Jahres 2014 wurde Luhns Anfang November 2014 an die Schweizer Gemini Holding AG verkauft,[12] die ihrerseits im Mai 2015 Insolvenz anmeldete.[13]

Mitte 2015 wurde bekannt gegeben, dass Luhns vom Neunkirchener Unternehmen Thurn Produkte, ebenfalls ein Hersteller von Reinigungsprodukten, gekauft wurde.[14]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Luhns – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c d e Webseite des Unternehmens (Memento vom 9. August 2011 im Internet Archive), Zugriff Juli 2009
  2. a b c d e f Klaus Koch : Luhns besinnt sich auf seine Wurzeln und kehrt zurück. In: Westdeutsche Zeitung. (online), 11. März 2009.
  3. Verlagerung des LUHNS-Fertigungsstandortes von Bopfingen nach Genthin. Luhns Presseinformation, 31. August 2010 (PDF; 95 kB)
  4. Diplomarbeiten fürs Luhns-Gelände: Ausstellung im Rathaus (Memento vom 6. Juli 2004 im Internet Archive) Zugriff Juli 2009 (Der Inhalt ist mit Programmen wie cURL sichtbar)
  5. Claudia Kasemann: Jobcenter jetzt im Luhns-Gebäude. In: Westdeutsche Zeitung. 1. Dezember 2013 (wz.de [abgerufen am 27. Oktober 2016]).
  6. Friedemann Bräuer: Zukunft des Luhns-Geländes bleibt weiterhin ungewiss. In: Westdeutsche Zeitung. 5. Juli 2016 (wz.de [abgerufen am 27. Oktober 2016]).
  7. Daniel Neukirchen: Luhns-Areal steht vor der Revitalisierung. Westdeutsche Zeitung. 27. Juni 2017, abgerufen am 9. Januar 2018.
  8. a b c d e f g h i j k l m n o Webseite des Unternehmens 2004 über www.archive.org (Memento vom 15. April 2004 im Internet Archive), Zugriff Juli 2009
  9. Bundeskartellamt untersagt Zusammenschlussvorhaben Henkel/Luhns. (Memento vom 31. März 2008 im Internet Archive) Pressemeldung des Bundeskartellamtes vom 21. September 1999.
  10. Pressemitteilung von Hansa International von Dezember 2008 (Memento vom 21. Februar 2012 im Internet Archive).
  11. Luhns ist an die Hansa Group verkauft. In: Westdeutsche Zeitung. (online), 14. Mai 2010.
  12. Hansa Group AG: Kaufverträge über Vermögenswerte der HANSA GROUP AG und deren Tochtergesellschaften abgeschlossen. Deutsche Gesellschaft für Ad-hoc-Publizität, 19. November 2014, abgerufen am 15. August 2015.
  13. Insolvenzantragsverfahren Gemini-Unternehmensgruppe Duisburg. (Nicht mehr online verfügbar.) Presseportal Schweiz, 27. Mai 2015, archiviert vom Original am 30. November 2015; abgerufen am 8. Oktober 2015. i Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.presseportal-schweiz.ch
  14. Oliver Hengst: Neuer Eigentümer. Luhns: Es geht weiter. Westfälische Nachrichten. 2. Juli 2015, abgerufen am 9. Januar 2018.