Kaufland

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Kaufland Stiftung & Co. KG

Logo
Rechtsform Stiftung & Co. KG
Gründung 1968
Sitz Neckarsulm, Deutschland
Leitung Frank Schumann (Vorstandsvorsitzender)
Mitarbeiterzahl 132.000 (Dezember 2019)[1]
Umsatz 9,59 Mrd. EUR[2]
Branche Lebensmitteleinzelhandel
Website www.unternehmen.kaufland.de
Stand: 20. März 2018

Logo bis November 2016
Kaufland in Frankfurt (Oder)

Kaufland ist ein Unternehmen des Lebensmitteleinzelhandels mit Sitz in Neckarsulm, Deutschland. Es betreibt aktuell rund 1.300 Filialen und ist neben Deutschland in sieben weiteren Ländern vertreten (Polen, Tschechien, Rumänien, Slowakei, Bulgarien, Kroatien, Republik Moldau).[3] Der Lebensmittelvollsortimenter ist wie der Discounter Lidl ein Tochterunternehmen der Schwarz-Gruppe. Kaufland und Lidl sind zusammen mit einem Jahresumsatz von 104 Mrd. Euro (2018) die größten Lebensmittelhändler Europas.[4]

Unternehmensgeschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Beteiligungen innerhalb der Schwarz-Gruppe
Kaufland im slowakischen Prešov
Kaufland-Filialen in Europa
Kaufland im kroatischen Zagreb

Die Anfänge von Kaufland reichen bis in die 1930er Jahre zurück. Damals trat Josef Schwarz (1903–1977) als persönlich haftender Gesellschafter (Komplementär) in die Südfrüchte Großhandlung Lidl & Co. in Heilbronn ein. Das Unternehmen wurde in Lidl & Schwarz KG umbenannt und zügig zu einer Lebensmittelgroßhandlung für die Region Heilbronn-Franken ausgebaut.[5] Im Dezember 1944 wurde das Unternehmen, wie auch die gesamte Stadt Heilbronn, im Rahmen des Zweiten Weltkriegs völlig zerstört. Der Wiederaufbau der Lidl & Schwarz KG gelang innerhalb von zehn Jahren, sodass das Unternehmen 1954 in Heilbronn erneut ein eigenes Domizil erhielt und im selben Jahr in die „Handelskette A&O“ (heute: Markant) eintrat. Mit der Handels- und Fruchthof Heilbronn GmbH wurde in Nordwürttemberg 1960 das erste Zentrallager eröffnet. Acht Jahre später, 1968, eröffnete Lidl & Schwarz den ersten Verbrauchermarkt unter dem Namen „Handelshof“ im schwäbischen Backnang. Erstmals wurde die Ware hier auf 1.000 qm nach amerikanischem Prinzip in Selbstbedienung angeboten. Der Markt mit damals 70 Beschäftigten wurde auf den Endverbraucher, nicht mehr auf den Großhandel ausgelegt.[6]

Nachdem Josef Schwarz im Alter von 74 Jahren verstorben war, übernahm dessen Sohn Dieter Schwarz die Leitung der Lidl & Schwarz KG. 1984 eröffnete unter ihm das erste SB-Warenhaus unter dem Namen Kaufland in Neckarsulm, wo sich seit 1972 die Konzernzentrale befindet.

Nach der Wiedervereinigung Deutschlands expandierte Kaufland in die neuen Bundesländer. 1990 eröffnete das erste Kaufland-Warenhaus in Ostdeutschland mit einem Zeltverkauf. Um keine Zeit zu verlieren, erfolgt der Gebäudebau zu einem späteren Zeitpunkt. Kaufland zählte damals bundesweit 51 Filialen. Das System des Unternehmens traf in Ostdeutschland den Kern der Zeit – bereits 1993 eröffnete die 100. Kaufland-Filiale.[7]

Das erste ostdeutsche Kaufland-Warenhaus wurde 1990 in Meißen eingerichtet. 1998 wurde in Kladno in Tschechien die erste Kaufland-Filiale im Ausland eröffnet. Weitere Filialen betreibt Kaufland in den mittel- und osteuropäischen Ländern Polen, Kroatien, Bulgarien, der Slowakei, in Rumänien und der Republik Moldau. Die Expansionspläne in Australien wurden aufgegeben.[8]

Derzeit unterhält Kaufland über 1300 Märkte, davon über 670 in Deutschland.

Anzahl der Kaufland-Filialen in den einzelnen Ländern (Stand: 1. November 2019)[9]
Staat Anzahl der Filialen
Deutschland 667
Tschechien 133
Slowakei 67
Kroatien 39
Polen 212
Rumänien 126
Bulgarien 59
Republik Moldau 2

Sortiment[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mit durchschnittlich 30.000 Artikeln bietet das Unternehmen ein großes Sortiment an Lebensmitteln und alles für den täglichen Bedarf. Dabei liegt der Fokus auf den Frischeabteilungen Obst und Gemüse, Molkereiprodukten sowie Fleisch, Wurst, Käse und Fisch.[10]

Kaufland vertreibt neben Herstellermarken auch zahlreiche Eigenmarken. Zu den Kaufland-Eigenmarken gehören[11]

im Bereich Food:

  • K-Klassik
  • K-Favourites
  • K-Bio
  • K-free
  • K-take it veggie
  • K-Blue bay
  • Wertschätze

im Bereich Non-Food:

  • Bevola
  • Countryside
  • Hip&Hopps
  • Kidland
  • Kuniboo
  • Liv&Bo
  • Oyanda
  • Spice&Soul
  • SWITCH ON
  • Talentus
  • Townland
  • K-Classic Mobil (von Telefónica Germany angebotene Brandingmarke für Kaufland-Kunden)[12]

Seit 1994 unterhält Kaufland eigene Bäckereien. Seit November 2018 werden auch Demeter-Produkte angeboten. Aktuell führt Kaufland mehr als 220 Demeter-Artikel im dauerhaften Sortiment.[13][14] Unternehmenseigene Fleischwerke bestehen in Möckmühl, Osterfeld, Heilbronn und Heiligenstadt und im tschechischen Modletice[15][16][17][18][19]

Unternehmen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Struktur

Kaufland ist heute, wie der Discounter Lidl, eine Tochter der Schwarz Gruppe. Zu den Kaufland-Tochtergesellschaften gehören die Schwarz-Immobilienverwaltung GmbH & Co. KG, die im Besitz der SB-Warenhäuser ist, und die Kaufland-Dienstleistung GmbH als Betreiber der SB-Märkte. Im Dezember 2009 verkaufte die Karl Lupus GmbH & Co. KG ihre bisherigen zwölf Warenhäuser der famila Handels-Betriebe GmbH & Co. KG Rhein-Neckar und den Cash-&-Carry-Markt Lupus Food Service mit 1400 Mitarbeitern an Kaufland; die effektive Übernahme erfolgte im Februar 2010. Im Januar 2010 hat Kaufland vier SB-Warenhäuser von Schlecker (Schleckerland) in Ehingen, Geislingen an der Steige, Göppingen und Schwäbisch Gmünd übernommen, umgebaut und auf das Kaufland-Konzept umgestellt. Ende März 2011 werden die bisherigen Ratio-Märkte in Osnabrück und Stadthagen übernommen.

Produktionsbetriebe/Logistik

Kaufland betreibt in Deutschland sieben Logistikzentren mit insgesamt 2700 Mitarbeitern:

Am 1. März 2013 wurde im Gewerbegebiet an der A 38 bei Heiligenstadt in Thüringen ein neues Fleischwerk für 90 Millionen Euro eingeweiht. Rund 600 Mitarbeiter verarbeiten dort Fleisch zu 250 Artikeln, die in die deutschen Kaufland-Filialen geliefert werden.

Marketing[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mit dem TIP-Werbeverlag, der seinen Sitz im angrenzenden Heilbronn hatte, unterhielt Kaufland einen eigenen Werbeverlag als Tochtergesellschaft, der die Broschüren TOP aktuell und TIP der Woche herausgab. Dort wurden über aktuelle Angebote und Produkte regionaler Anbieter informiert. Die kostenlose Werbeblätter finanzierten sich durch Anzeigen und Einleger. Nach eigenen Angaben wurden 400 verschiedene Regionalausgaben in einer Auflage von 17,8 Millionen Exemplaren herausgegeben. Am Abend des 29. September 2013 wurde im Rahmen der neu gestarteten Fernsehwerbekampagne erstmals Werbung von Kaufland im deutschen Fernsehen ausgestrahlt. Ende 2016 wurde TIP der Woche in Kaufland umbenannt. Der Druck wurde mittlerweile an die Firmengruppe APPL übergeben.

Zusätzlich zu seinen Werbeprospekten gibt Kaufland vierteljährlich sein kostenloses Kundenmagazin Das gute Leben in Zusammenarbeit mit der Stark Druck GmbH + Co. KG heraus. Hier werden in erster Linie redaktionelle Inhalte und Rezepte veröffentlicht.

Personal[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kaufland beschäftigt 132.000 Mitarbeiter in acht Ländern. Davon sind 74.000 in Deutschland tätig. Im November 2010 führte die Kaufland-Gruppe für ihre Mitarbeiter einen Mindestlohn von 8,50 Euro ein. Seit dem 1. März 2011 gilt dieser Mindestlohn auch für alle Mitarbeiter von externen Dienstleistern, die bei Kaufland auf Basis eines Werkvertrags oder im Rahmen einer Arbeitnehmerüberlassung tätig sind. Ab 1. März 2012 wurde der Mindestlohn auf 9,00 Euro angehoben.

Kritik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • In der Neuausgabe des Standardwerkes Schwarzbuch Markenfirmen vom September 2014 wurde zum ersten Mal auch Kaufland aufgeführt. Die Autoren warfen dem Konzern schlechte Arbeitsbedingungen in der Lieferkette und bei den heimischen Mitarbeitern vor.
  • Im September 2014 teilte Kaufland mit, dass die Zustellung der TIP der Woche durch eigene Mitarbeiter beendet und ab 1. November 2014 vollständig an Fremdunternehmen vergeben wird, wie es bereits bisher für 40 % der Auflage der Fall war. Rund 55.000 Mitarbeiter, meist Minijobber, verloren dadurch nach Angaben des Verlags ihre Anstellung und mussten sich neu bei den externen Zustell-Dienstleistern bewerben. Die Entscheidung wurde von der Gewerkschaft ver.di kritisiert.[20]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Entdecke uns als Arbeitgeber, Kaufland-Webseite
  2. Konzernabschluss zum 28. Februar 2018 im elektronischen Bundesanzeiger
  3. https://unternehmen.kaufland.de/presse/pressemitteilungen/pressemitteilungen-detail.y=2020.m=03.n=kaufland-fuehrt-mehrwegdeckel-ein.html
  4. https://www.stern.de/wirtschaft/news/lidl--aldi-und-co--ranking-der-groessten-lebensmittelhaendler-europas-7955026.html
  5. Chronik. Abgerufen am 7. März 2018.
  6. Aus Handelshof wurde Kaufland. In: Heilbronner Stimme. 11. Oktober 2011, abgerufen am 20. März 2020.
  7. Frisch wie nie! Kaufland feiert 50-jähriges Jubiläum. Pressemitteilung, 10. Januar 2018, abgerufen am 20. März 2020.
  8. Heiko Fritze: Kaufland beendet das Abenteuer Australien. In: Heilbronner Stimme. 13. Februar 2020, abgerufen am 10. März 2020.
  9. Alle Standorte – hier sind wir zu Hause. Abgerufen am 23. März 2020.
  10. Newsroom. Abgerufen am 23. März 2020.
  11. bevola®: Lieb dich. Pfleg dich. Abgerufen am 23. März 2020.
  12. vgl. Impressum von K-Classic Mobil
  13. Aktuelle Angebote; Demeter. In: kaufland.de. 15. November 2018, abgerufen am 19. November 2018.
  14. Demeter - biodynamische Landwirtschaft bei Kaufland. Abgerufen am 23. März 2020.
  15. Unsere Produktionsstandorte. Abgerufen am 23. März 2020.
  16. Heiko Fritze: Kaufland investiert 38 Millionen Euro. In: Heilbronner Stimme. 24. Dezember 2008, abgerufen am 27. Dezember 2008.
  17. Wir über uns: Die FRISCHE-Metzgerei von K-Purland (Memento vom 12. Mai 2016 im Internet Archive) bei kaufland.de (abgerufen am 26. November 2012)
  18. Manfred Stockburger: Leiharbeiter: Vorreiter Kaufland. In: Heilbronner Stimme. 20. November 2010, abgerufen am 27. April 2011.
  19. Bernd Jentsch: Fleischfabrik schafft mindestens 400 Jobs im Eichsfeld. In: Thüringer Allgemeine. 18. Dezember 2009, abgerufen am 27. April 2011.
  20. Susanne Preuss: Kaufland kündigt 55.000 Austrägern. In: faz.net. 25. September 2014, abgerufen am 8. November 2019.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Kaufland – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien