MFG–Österreich Menschen – Freiheit – Grundrechte

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
(Weitergeleitet von MFG Österreich – Menschen Freiheit Grundrechte)
Zur Navigation springen Zur Suche springen
MFG–Österreich Menschen – Freiheit – Grundrechte
Logo
Bundesparteiobmann Michael Brunner
Obmann-Stellvertreter Christian Fiala
Generalsekretär Gerold Beneder
Gründung 2. Februar 2021
Hauptsitz Wollzeile 6–8
1010 Wien
Nationalratsmandate
0/183
Bundesratsmandate
0/61
Sitze in Landtagen
3/440
Staatliche Zuschüsse 1,2 Millionen Euro (2022)[1]
Mitgliederzahl 23.000[2] (Eigenangabe)
Mindestalter 16
Ausrichtung Impfgegnerschaft
Populismus
Laizismus
Farbe Bunt, Purpur (zur Darstellung in Grafiken, Umfragen, …)
Website mfg-oe.at

MFG–Österreich Menschen – Freiheit – Grundrechte ist eine österreichische impfkritische Kleinpartei, die hauptsächlich in Oberösterreich aktiv ist. Sie gewann bei der dortigen Landtagswahl am 26. September 2021 drei Mandate. Im Februar 2022 hatte die Partei nach eigenen Angaben 23.000 Mitglieder.[2] Die Partei entstand im Rahmen der Proteste gegen Schutzmaßnahmen zur COVID-19-Pandemie und gilt als Teil der Querdenker-Bewegung in Österreich. Die Protestbewegung fordert ein sofortiges Ende aller Coronaschutzmaßnahmen, wie etwa der Pflicht zum Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes und der Verordnung von Lockdowns.[3][4]

Parteiprogramm[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In ihrem Parteiprogramm lehnt die MFG neben den Coronaschutzmaßnahmen eine Impfpflicht in Bezug auf die COVID-19-Pandemie ab, fordert, dass die Pflichtmitgliedschaft in den Kammern abgeschafft wird, Staat und Kirche strikt getrennt werden, Ethikunterricht zum Pflichtgegenstand wird, multinationale Konzerne gerecht besteuert werden und das Arbeitslosengeld auf 70 Prozent des letzten Gehaltes angehoben wird.[5] Die MFG befürwortet zudem Homeschooling abseits der Schulen, die alternative Form ist aus der Sicht der Partei gleichwertig zu einer öffentlichen Schule oder einer Privatschule.[6]

Organisation[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Kern von MFG-Mitgliedern besteht neben Impfskeptikern und -gegnern laut dem Standard aus libertären Freiberuflern, die die berufsorientierten Kammern abschaffen und statt Berufspolitikern „Experten einsetzen wollen, die der Demokratie und dem Rechtsstaat direkt und unabhängig verpflichtet sind“. Die Anhänger sind überwiegend Protestwähler, die mit der etablierten Politik unzufrieden sind.[7]

Wahlergebnisse[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bundespräsidentenwahl 2022[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bundesparteiobmann Michael Brunner kandidierte bei der Bundespräsidentenwahl 2022. Er erhielt Brunner 2,1 Prozent der Stimmen.[8]

Oberösterreich[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bei der Landtagswahl in Oberösterreich am 26. September 2021 erreichte die Partei 6,23 Prozent der abgegebenen Stimmen und ist daher mit drei Mandaten im Oberösterreichischen Landtag vertreten.[9] Ihre besten Wahlergebnisse erhielt sie in Gemeinden mit vielen Ungeimpften.[10] Dabei erhielt die Partei die Stimmen überwiegend von ehemaligen ÖVP- und FPÖ-Wählern.[11] Sie ist in Oberösterreich vor allem im Bezirk Ried im Innkreis stark vertreten, wo sich nach der Gründung in acht Gemeinden Ortsgruppen gebildet haben: Aurolzmünster, Eberschwang, Geinberg, Gurten, Ried im Innkreis, Sankt Martin im Innkreis, Utzenaich und Waldzell. Mit Joachim Aigner stammt auch der Spitzenkandidat für die Landtagswahl in Oberösterreich 2021 aus dem Bezirk Ried.[12]

Am 23. Oktober 2021 wurden Dagmar Häusler, Joachim Aigner und Manuel Krautgartner in der konstituierenden Sitzung der XXIX. Gesetzgebungsperiode als Abgeordnete zum Oberösterreichischen Landtag angelobt. Zum MFG-Klubobmann wurde Krautgartner gewählt.[13]

Niederösterreich[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bei der Gemeinderatswahl in Waidhofen an der Ybbs am 30. Jänner 2022 erreichte die MFG 17,08 Prozent der Stimmen. Diese Stimmen gingen vor allem zu Lasten der ÖVP, die die absolute Mehrheit verlor. Die MFG wurde aus dem Stand heraus drittstärkste Kraft nach ÖVP und SPÖ.[14]

Im Vorfeld der Landtagswahl in Niederösterreich 2023 hatte die Landespartei mit internen Konflikten zu kämpfen und erhielt nur in fünf von 20 Wahlkreisen (Krems, St. Pölten, Tulln, Mödling und Baden) die zum Antritt nötigen Unterschriften. Spitzenkandidatin ist die ehemalige SPÖ-Gemeinderätin Christine Lukaschek. Im Wahlkreis Amstetten trat die von ehemaligen MFG-Mitgliedern gegründete Liste Dein Ziel mit Obmann Wolfgang Durst (er hatte im Jänner 2022 das gute Ergebnis in Waidhofen an der Ybbs erzielt) an.[15]

Die MFG erreichte 0,49 %, Dein Ziel 0,1 %.[16]

Tirol[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bei den Gemeinderatswahlen in Tirol am 27. Februar 2022 trat die MFG in 50 von 273 Gemeinden an und zog in 47 Gemeinden in den Gemeinderat ein. In Kufstein wurde MFG drittstärkste Kraft, knapp hinter den Grünen. Die Gewinne der MFG in Tirol gingen vor allem zu Lasten der FPÖ.[17][18]

Bei den Landtagswahlen in Tirol am 25. September 2022 erreichte die MFG 2,78 Prozent der Stimmen und verfehlte damit den Einzug in den Landtag deutlich.[19]

Burgenland[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Ergebnis bei den Gemeinderatswahlen im Burgenland mit nur vier Mandaten war für Landeschef Helmut Eller, der zwei Tage nach dieser Wahl aus der Partei austrat, ernüchternd. Er sah „Intrigen“ in der Bundespartei, die dabei sei, „sich in die Luft zu sprengen“. Eller sprach auch von „autokratischen Zuständen“.[20]

Kärnten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die geplante Kandidatur bei der Landtagswahl in Kärnten 2023 scheiterte an einem parteiinternen Konflikt. Landessprecher und designierter Spitzenkandidat Alexander Todor-Kostic wurde durch den Bundesvorstand wegen „parteischädigenden Verhaltens“ seiner Funktion enthoben. Mit ihm verließ der Rest des Vorstands der Kärntner Landesgruppe die MFG.[21] Todor-Kostic trat mit der von ihm neu gegründeten Vision Österreich bei der Landtagswahl an.[22] Der neue, interimistische Landesparteiobmann Ernst Koschier-Ladstätter trat im November 2022 zurück.[23]

Positionen und Reaktionen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

MFG-Sympathisanten bzw. Vertreter bei einer Großdemonstration am 8. Jänner 2022 in Wien

Die Partei wird von Medien meist als „Impfgegner-“ oder „Impfkritiker-Partei“ bezeichnet.[24][25][26][27] Werner Reisinger von der Augsburger Allgemeinen schrieb von einer Verharmlosung des Coronavirus seitens der Partei „unter Zuhilfenahme von Faktenverdrehung und Verschwörungsideologie“.[28]

In Social-Media-Gruppen der Liste MFG wurde über den Schwächeanfall von Eva Maria Holzleitner (SPÖ) im Parlament gespottet, die als „Impfpropagandistin“ beschimpft wurde. Oberösterreichs MFG-Klubchef Manuel Krautgartner entschuldigte sich nach diesem Vorfall telefonisch bei der Nationalratsabgeordneten.[29]

Nachdem Mediziner und Personal des Rieder Krankenhauses im Oktober 2021 mit einem Flashmob auf die prekäre Situation in den Spitälern aufmerksam gemacht und dabei auch zur Corona-Impfung aufgerufen hatten, postete die Rieder MFG-Kommunalpolitikerin Petra Saleh-Agha auf Facebook den Satz „Schämt euch !!!!!! alles Verbrecher“. Daraufhin kündigte MFG-Landtagsklubobmann Krautgartner ein klärendes Gespräch mit Saleh-Agha an. Zur Frage, ob die Landesgruppe die öffentliche Empörung nachvollziehen könne, wollte Krautgartner nichts sagen.[30] Laut der Kronen Zeitung, die eine Juristenmeinung zitierte, könne jeder, der auf Fotos des Flashmobs zu sehen sei, mit einer Klage gegen die MFG vorgehen.[31][32][33]

Nachdem der Linzer MFG-Gemeinderat und Fraktionsobmann Norbert Obermayr im November 2021 im Gemeinderat für den Einsatz eines Impfbusses gestimmt hatte, entschuldigte sich MFG-Bundesgeschäftsführer Gerhard Pöttler bei den Wählern und warf Obermayr mit sofortiger Wirkung aus der Partei.[34]

Nach dem verpassten Einzug in den Tiroler Landtag trat mit Gerhard Pöttler der bisherige Bundesgeschäftsführer, Bundesfinanzreferent und Chef der Landesgruppe in Salzburg von seinen Ämtern zurück und gab seinen Parteiaustritt bekannt. Grund für den Schritt dürften interne Differenzen über den Kurs der impfkritischen Partei gewesen sein. Sich an das bestehende System anzubiedern sei aus seiner Sicht auch schon bei der MFG passiert. Konkret führte der Salzburger eine Rechnung für eine Coachingausbildung für die drei MFG-Landtagsabgeordneten in Oberösterreich in der Höhe von 28.800 Euro für insgesamt 30 Einheiten an. Das sei gesetzlich zwar im Parteienfinanzierungsgesetz geregelt und auch genehmigt, moralisch sei es für ihn in einer MFG, die „anders“ sein wolle, aber nicht vertretbar, für eine Einheit pro Person fast 1000 Euro Steuergeld brutto zu bezahlen, während sich viele Menschen die Grundbedürfnisse des täglichen Lebens nicht mehr leisten könnten.[35]

Vorstand[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Parteienförderung: 224 Millionen Euro von Bund und Ländern, ÖVP Spitzenreiter. In: Der Standard. 10. April 2022, abgerufen am 27. November 2022 (österreichisches Deutsch).
  2. a b Ulrike Weiser, Julia Neuhauser: Ein Jahr MFG: Was kann die Partei – außer Pandemie-Protest? In: DiePresse.com. 5. Februar 2022, abgerufen am 7. Februar 2022.
  3. Vanessa Gaigg: Wie die MFG gegen Corona-Maßnahmen kampagnisiert und wem sie nahesteht. In: derstandard.at. 27. September 2021, abgerufen am 15. Oktober 2021.
  4. Vanessa Gaigg, Laurin Lorenz, Gabriele Scherndl: Anwälte für Aufklärung, Corona-Volksbegehren und "Querdenker": Der organisierte Maßnahmenwiderstand. In: derstandard.at. 10. März 2021, abgerufen am 26. Oktober 2021.
  5. Impf-Rebellen sind Wahlsieger – das ist ihr Programm. In: heute.at. 26. September 2021, abgerufen am 15. Oktober 2021.
  6. Häuslicher Unterricht JA, Lerngruppen NEIN: Bildungsdirektion verbreitet Unwahrheiten www.mfg-oe.at, 14. September 2021, abgerufen am 23. Oktober
  7. Hans Rauscher: In Freiheit und Grundrechten beschnitten? In: derstandard.at. 29. September 2021, abgerufen am 31. Oktober 2021.
  8. Österreich - Bundespräsidentenwahl 2022. In: bundeswahlen.gv.at/. Bundesministerium für Inneres, abgerufen am 11. Oktober 2022.
  9. ÖVP verteidigt Platz 1 bei OÖ-Wahl klar, FPÖ vor SPÖ, MFG & NEOS im Landtag. In: tt.com. 27. September 2021, abgerufen am 27. September 2021.
  10. Oberösterreich-Wahl: Wo die MFG punkten konnte. In: ORF.at. 27. September 2021, abgerufen am 27. September 2021.
  11. Nach Erfolg in Oberösterreich Impfskeptiker-Partei will bei weiteren Wahlen antreten. In: spiegel.de. 27. September 2021, abgerufen am 15. Oktober 2021.
  12. Kathrin Schwendinger: Neue Partei MFG ist im Bezirk Ried stark vertreten. In: meinbezirk.at. Rundschau, 20. August 2021, abgerufen am 13. September 2021.
  13. Thomas Stelzer mit 41 von 55 Stimmen zum Landeshauptmann gewählt. In: nachrichten.at/APA. 23. Oktober 2021, abgerufen am 24. Oktober 2021.
  14. Waidhofen: MFG zieht in Gemeinderat ein. In: noe.ORF.at. 30. Januar 2022, abgerufen am 30. Januar 2022.
  15. Kleine Parteien auf Stimmensuche. In: noe.orf.at. 20. Januar 2023, abgerufen am 24. Januar 2023.
  16. noe.gv.at: Wahlergebnis. 29. Januar 2023, abgerufen am 29. Januar 2023.
  17. Michelle Aus dem Bruch: Stimmen und Reaktionen nach den Gemeinderatswahlen in Tirol - Impfskeptiker ärgern FPÖ, Webseite: allgaeuer-zeitung.de vom 28. Februar 2022.
  18. Das war die Gemeinderatswahl 2022, Webseite: orf.at vom 27. Februar 2022.
  19. Herbe Schlappe, aber kein Desaster für ÖVP, Webseite: orf.at vom 25. September 2022.
  20. Agentur: Erste Auflösungserscheinungen bei der MFG. In: Augsburger Allgemeine. 1. Oktober 2021, abgerufen am 27. Oktober 2021.
  21. Turbulenzen bei Impfgegner-Partei MFG. In: kaernten.orf.at. 14. Mai 2022, abgerufen am 24. Januar 2023.
  22. Was sich bei zwei Kärntner Miniparteien so tut. In: sn.at. 23. Januar 2023, abgerufen am 24. Januar 2023.
  23. Neuerliche Krise für MFG. In: kaernten.orf.at. 12. November 2022, abgerufen am 24. Januar 2023.
  24. OÖ-Wahl: Sensationserfolg für Impfgegner-Partei. In: Wiener Zeitung. 26. September 2021, abgerufen am 27. September 2021.
  25. MFG zieht in OÖ-Landtag ein: Wofür stehen die Impfgegner? In: Puls 24. 26. September 2021, abgerufen am 27. September 2021.
  26. MFG: Gegen Masken, Testen, Impfen. In: ooe.ORF.at. 27. September 2021, abgerufen am 27. September 2021.
  27. Nina Horaczek, Barbara Tóth: Mit freundlichen Impfgegner-Grüßen. In: Falter 39/21. 29. September 2021, abgerufen am 30. September 2021.
  28. Werner Reisinger: Querdenker ziehen in Oberösterreich in den Landtag ein. In: Augsburger Allgemeine. 1. Oktober 2021, abgerufen am 27. Oktober 2021.
  29. Christian Ortner: MFG-Spott nach Kollaps: „Das ist nicht in Ordnung“. In: Kronen Zeitung. 16. Oktober 2021, abgerufen am 23. Oktober 2021.
  30. Kritik an Postin von MFG-Politikerin. In: ooe.ORF.at. 23. Oktober 2021, abgerufen am 23. Oktober 2021.
  31. Bereits zwölf Ärzte klagen jetzt gemeinsam die MFG. In: krone.at. 30. Oktober 2021, abgerufen am 31. Oktober 2021.
  32. "Alles Verbrecher": Oberösterreichs Ärzteschaft klagt MFG-Politikerin. In: nachrichten.at. 28. Oktober 2021, abgerufen am 31. Oktober 2021.
  33. „Alles Verbrecher“: MFG kündigte Gegenklage an. In: krone.at. 28. Oktober 2021, abgerufen am 31. Oktober 2021.
  34. Ex-MFG-Gemeinderat: „Ich erfuhr von meiner Tochter vom Rauswurf“, krone.at vom 27. November 2021, abgerufen am 29. November 2021
  35. MFG-Bundesgeschäftsführer Pöttler tritt aus Partei aus, Webseite: orf.at vom 30. September 2022.
  36. Vorstand. In: MFG-OE.at. Abgerufen am 25. September 2021.