Mardorf (Neustadt am Rübenberge)

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Koordinaten: 52° 29′ 17″ N, 9° 17′ 21″ O

Mardorf
Wappen von Mardorf
Höhe: 44 (38–61) m ü. NHN
Fläche: 22,48 km²
Einwohner: 1985 (1. Jan. 2014)
Bevölkerungsdichte: 88 Einwohner/km²
Eingemeindung: 1. März 1974
Postleitzahl: 31535
Vorwahl: 05036

Mardorf ist ein Ortsteil von Neustadt am Rübenberge in der Region Hannover in Niedersachsen, der rund 2.000 Einwohner hat. Durch seine Lage am Nordufer des Steinhuder Meeres und innerhalb des Naturparks Steinhuder Meer ist er mit seinem Tourismus als Erholungsort staatlich anerkannt.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Während der Elster-Kaltzeit vor rund 400.000 Jahren wurden durch das Inlandeis viele Findlinge aus Skandinavien nach Norddeutschland und damit auch in die Gegend von Mardorf transportiert. Vor rund 15.000 Jahren bildete sich das Steinhuder Meer mit Wander- und Sanddünen im nördlichen Bereich des Gewässers, wo sich rund 10.000 Jahre steinzeitliche Lagerplätze fanden. Um 5.500 vor Christus gab es drei Siedlungsplätze um das heutige Mardorf, die in den Weißen Bergen westlich, am Bannsee nördlich und in Lütjen Mardrup östlich des Ortes lagen. Im 5. bis 8. Jahrhundert nach Christus entstand das alte "Lütjen Mardrup" mit 2 bis 3 sogenannten "freyen" Höfen.

Der Ortsname Mardorf bedeutet "Dorf am Meer". 1171 wurde der Ort als "Meredorpe" und 1173 als "Merctorph" erstmals urkundlich erwähnt. 1522 hatte das "kleine Mardorf" direkt am Seeufer etwa 75 Einwohner. 1569 wurde der Ort evangelisch-lutherisch. Im Dreißigjährigen Krieg wurde das alte Mardorf in "Lütjen Mardrup" aufgegeben und nach 1620 weiter westlich, etwas vom Ufer entfernt, in einem Buchen- und Eichenwald wieder aufgebaut. 1668 war die Bevölkerung auf rund 250 Personen angewachsen. Es entstand eine Dorfschule. Die Bauernhöfe gliederten sich in 7 Halbmeier, 2 Halbspänner und 11 Kötner.

1721 wurde in Eigenleistung mit dem Bau der Fachwerk-Kapelle" begonnen. Um 1725 hatte sich die Einwohnerzahl auf etwa 550 Personen erhöht und es bildete sich die "Gemeinschaft der 27 Bauern", die bis heute als Realgemeinde fortbesteht. Mitte des 19. Jahrhunderts erfasste Mardorf die Auswanderungswelle nach Amerika, was die Bevölkerungszahl halbierte. Zur Existenzsicherung wurde mit der Urbarmachung der Meerbruchwiesen begonnen. 1842 wurde die heutige "Alte Schule" errichtet. 1846 wurde Mardorf nach der Auflösung des alten Amtes Rehburg dem weiter östlich gelegenen Amt Neustadt zugeschlagen. 1867 wurde die Dorfschmiede erbaut, in der sich heute eine Aalräucherei befindet.

1871 wurde eine Erd-Holländer-Windmühle nach Mardorf umgesetzt, die sich bis 1947 in Betrieb befand.

Um 1900 hatte Mardorf etwa 100 Häuser mit 571 Einwohnern. 1913 kam die Elektrifizierung und um 1914 begann in den nahe gelegenen Niedermooren die Kultivierung unter Einsatz von großen Dampfmaschinen.

Um 1918 plante der hannoversche Keksfabrikant Hermann Bahlsen mit dem Architekten Carl Arend das Großprojekt Familienbad Weißer Berg in Mardorf, das möglicherweise wegen Bahlsens Tod 1919 nicht realisiert wurde. Das Gelände wurde 1921 von der Hannoverschen Bank (1922 Deutsche Bank) übernommen.[1] Der Mardorfer Dorfschulmeister Wilhelm Carl wurde nach 1921 unter dem Namen "Carl Mardorf" ein bekannter Heimat-Schriftsteller.

Mitte des 20. Jahrhunderts begann der Ausbau des bis dahin reinen Bauerndorfes zum Touristenzentrum mit Wochenendsiedlungen (nach 1950) und Fremdenverkehr (nach 1965). 1961 bis 1963 veränderten anhaltende Brandstiftungen die bäuerliche dörfliche Ansicht grundlegend. 1964 wurde am Heerhof die "Neuapostolische Kirche" (seit 1934 im Ort) errichtet. 1968 entstand die "Moorstraße" durch das Tote Moor nach Neustadt. Bis dahin war es nur über einen Umweg möglich, das Steinhuder Meer bei Mardorf von Neustadt oder Hannover aus zu erreichen. Etwa die Hälfte aller Besucher kommt aus dem angrenzenden Ostwestfalen-Lippe. 1970 wurden der über 5 km lange Uferweg des Nordufers mit der Promenade (im westlichen Teil) ausgebaut.

Am 1. März 1974 wurde Mardorf in die Stadt Neustadt am Rübenberge eingegliedert.[2]

Um 1980 wurde eine Dorferneuerung begonnen und 1983 wurde ein Dorfgemeinschaftsverein gegründet, dem heute (2009) über 200 Mitglieder angehören. Seither gab es durch Wiederaufbau, Umbau, Neugestaltung, Anlage von Wanderpfaden oder Neubau viele Veränderungen im Dorfbild. 1983 errang das Dorf den Titel beim Wettbewerb Unser Dorf soll schöner werden. 1984 entstand das Dorfgemeinschaftshaus. 1989 verstarb der letzte Wanderschäfer in Mardorf. 2010 wurde die "Kiepenfrau mit Hoho-Kerl" als Eichenholz-Statue aufgestellt.

2013 wurde ein öffentlicher Bücherschrank aufgestellt und es erfolgte die Übernahme des 100-jährigen Trafoturms am Not-Teich durch die Dorfgemeinschaft. Die Trasse des Uferweges wurde 2013 nach 2-jähriger Bauzeit in voller Länge neu ausgebaut und das Umfeld neu gestaltet. 2013 machte die "Seebühne" als schwimmende Veranstaltungs-Plattform auf dem Steinhuder Meer das erste Mal am Nordufer Station.

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ortsrat[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mardorf wird von einem neunköpfigen Ortsrat vertreten.

Ortsbürgermeister von Mardorf ist Hubert Paschke (CDU).[3]

Wappen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Gemeindewappen wurde 1972 rechtlich abgesichert und zur 800-Jahr-Feier 1973 vorgestellt. Die Farben Mardorfs sind "weiß-rot-blau" (als Flagge waagerecht gestreift). 2008 erhält Mardorf für alle örtlichen Vereine und Gruppen ein einheitliches Logo "...natürlich Mardorf".

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Evangelische Kapelle in Mardorf

Bauwerke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Fachwerk-Kapelle der evangelisch-lutherische Christus-Kirchengemeinde Mardorf. Sie wurde 1721/1722 errichtet. Neben dem "Brase-Speicher" (vor 1660) auf dem Aloys-Bunge-Platz gilt sie als eines der ältesten Mardorfer Gebäude. Die 1907 vom bekannten Rehburger Architekten Ernst Meßwarb als Schüler von Conrad Wilhelm Hase erbaute "Neue Alte Schule" ist seit 1983 Dorfgemeinschaftshaus.
  • Naturdenkmal "Davidstein". Es handelt sich um einen 5,3 × 2,5 × 4,5 m großen Findling mit 60 Tonnen Gewicht am Parkplatz Badestrand an der Weißen Düne. Ein weiterer großer Granit-Findling ist der "Goliathstein" nördlich von Lüttjen Mardorf am Nethelnberg, der etwa 15 Tonnen wiegt. Außerdem gibt es den etwa 20 Tonnen schweren "Paul-Woldstedt-Stein", der 1981 gefunden wurde und nach dem Geologen Paul Woldstedt benannt ist. Er liegt in den Bockelnbergen am Hochmoorweg.

Baudenkmale[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sport[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mardorf bietet durch seine Lage am Nordufer des Steinhuder Meeres vielfältige Möglichkeiten der Freizeitgestaltung. Es gibt verschiedene Segel- und Yachtclubs, unter anderem hat der Landeskanuverband Niedersachsen eine Niederlassung im Ort.

Neben Segeln und Windsurfen ist seit kurzem Kitesurfen beliebt. Im Winter finden Wettbewerbe im Eissegeln statt. Nördlich des Dorfes befindet sich ein Golfplatz, der sich über eine Fläche von 100 ha erstreckt. Außerdem gibt es einen Hochseilgarten. In Mardorf befindet sich ein Fähranleger der Personenschifffahrt nach Steinhude und zum Wilhelmstein.

Sprache[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Beim "Et Mardröpske Plat" [4] handelt es sich um einen Ortsdialekt. Er bildete sich bereits im 3. Jahrhundert nach Christus als "Mardorfer Platt" heraus mit sprachlichen Verbindungen zum Niederländischen, Englischen und Schwedischen. Durch die lange abgeschiedene Lage des Ortes hatte sich hier die niederdeutsche Sprache bis in 1950er Jahre erhalten.

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Mardorf gibt es eine Kindertagesstätte und etwa 10 Spielplätze im Dorf und am Nordufer. Der Friedhof an der Jägerstraße hat eine eigene Kapelle.

Unternehmen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Mardorf bestehen mehrere Campingplätze, Wohnmobilstellplätze sowie eine Jugendherberge. Darüber hinaus gibt es Ferienwohnungen, Pensionen und kleine Hotels. Im "Haus des Gastes" gibt es eine Touristeninformation und dort befindet sich auch eine Informationsstelle zum Naturpark Steinhuder Meer. Mehr als 20 gastronomische Betriebe bestehen im Dorf und an der Uferpromenade.

Regelmäßige Veranstaltungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Osterfeuer
  • 1. Mai-Feier mit Maibaum
  • Ökologischer Markt der ÖSSM Anfang Mai
  • Schützenfest am Wochenende vor Pfingsten
  • Uferfest an der Uferpromenade im Juli
  • Steinhuder Meer in Flammen im August
  • Sommerfest Ende August
  • Weihnachtsmarkt am ersten Advent-Wochenende

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Mardorf – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Horst Kohlmann, Friedrich Dankenbring (Vorsitzende): A - Chronik für Mardorf am Steinhuder Meer (von dort über Unterabschnitt A7 im Download des PDF-Dokuments A7 Die Zeit 1918 – 1932), zuletzt abgerufen am 9. Dezember 2013
  2. Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27. 5. 1970 bis 31. 12. 1982. W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart und Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 198.
  3. Ortsrat der Ortschaft Mardorf. Abgerufen am 10. April 2016.
  4. Das Mardorfer Platt